Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 4 › Seite 30
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-11, Seite 30
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Reine Lehre 10 · Tanz 9
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beaufsichtigt. In den Freistunden sieht man die Zöglinge entweder auf dem Spielplatz allerlei Spiele, oder an den daselbst befindlichen Turngerüsten Leibesübungen vornehmen, oder mit der Pflege ihrer Gärten, deren jeder einen kleinen hat, oder mit Verschönerung oder Instandhaltung der nächsten Umgebung der Gebäude beschäftigt, oder im Sommer gegen Abend zum Bade (unter Aufsicht eines Lehrers) in den kaum eine Meile entfernten Missisippi gehen. Sonntag Morgens gehen alle zur Stadt in die Kirche, und kehren nach Beendigung des Nachmittags-Gottesdienstes wieder zurück.
Der Zweck des Seminars ist bekanntlich, der lutherischen Kirche dieses Landes tüchtige und treue Prediger zu erziehen, die in deutscher Sprache predigen können; der des Gymnasiums, durch eine christliche Erziehung und einen gründlichen und umfassenden Unterricht die zeitliche und ewige Wohlfahrt der Zöglinge, und insonderheit ihre dereinstige Nützlichkeit als Glieder der menschlichen Gesellschaft zu befördern und zu sichern. Der Unterricht in den untern Gymnasial-Classen ist auch für die wichtig, die zwar kein sogenanntes gelehrtes Fach erwählen, aber in ihrem Berufe einmal etwas Tüchtiges leisten wollen.
Einige besondere Vorzüge, die diese Anstalt vor manchen andern voraus hat, sind folgende. Vor allem der christliche Sinn, der Gott sei Dank bis lang unter unsern lieben Zöglingen geherrscht hat, und der den Neuankommenden ihren Aufenthalt hier nicht nur bald lieb machen, sondern auch den heilsamsten Einfluß auf sie haben muß. Dann, daß darnach gestrebt wird einen gründlichen Unterricht zu geben, wie er in Deutschland üblich, in Amerika aber noch ziemlich selten ist; und endlich, daß die Zöglinge Deutsch und Englisch zugleich lernen. Ueberdieß gewährt die Lage der Anstalt die Vortheile des Landes, als gesunde Luft, Abwesenheit häufiger böser Beispiele ꝛc., und der Stadt, als unverzügliche und geschickte ärztliche Hülfe, Leichtigkeit der Communikation ꝛc. Dabei sind die Preise für Kost ꝛc. so billig gestellt, als nur die Erhaltung der Anstalt immer zuläßt.
Das Kostgeld beträgt $1,25 die Woche, und wird alle Monate, spätestens alle Vierteljahre, und zwar der Regel nach im Voraus entrichtet. Da die Anstalt öfter Geschenke an Naturalien zum Besten der Zöglinge, die Prediger werden wollen, erhält, so werden dieselben diesen zu gute gerechnet, so daß sich das Kostgeld für sie nur auf $4,00 monatlich beläuft. Das Schulgeld beträgt $6,00 für die Zöglinge im Unter- und $8,00 im Obergymnasium das Quartal. Solche, die Prediger werden wollen, erhalten allen Unterricht unentgeldlich. Geldsummen von auswärts für Kost und Unterricht, so wie für andere Bedürfnisse werden am besten an den Cassirer der Anstalt, Hrn. F. W. Barthel gesandt; doch sind die Lehrer erbötig, auf den Wunsch der Eltern in einzelnen Fällen die Spezial-Aufsicht über Ausgaben für die Zöglinge zu übernehmen.
Zöglinge, welche in die Anstalt eintreten, müssen mit Betten und Handtüchern versehen sein, und ihre Wäsche gezeichnet haben.
Am Schluß des Schul-Jahres ist ein öffentliches Examen, und sowohl dann, als während der Mitte des erstern wird ein öffentliches Zeugniß über Fleiß und Verhalten der Zöglinge ausgestellt und den Eltern zugeschickt.
Ferien sind zu Weihnachten vierzehn Tage, zu Ostern eben so lange, zu Pfingsten drei Tage, und im Sommer vom 23. Juli bis zum 1. September, mit welchem Tage das Schuljahr anfängt. Auswärtige Zöglinge haben dann eine Gelegenheit, ihre Eltern und Angehörige zu besuchen.
Zum Schluß fühlen wir uns gedrungen, alle Eltern, die Söhne haben, denen es an den erforderlichen Gaben zum Predigtamt nicht fehlt, sie dazu, ob Gott will, herzugeben. Liebe Eltern, bedenkt die Noth, die Erndte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Schlagt Euch selbstsüchtige Gedanken doch ja aus dem Sinne; bedenkt, daß euere Kinder nicht eigentlich euer, sondern Gottes sind; bedenkt, daß, wenn ihr einen Sohn habt, den ihr lieber einem weltlichen Beruf wollt wählen, als Prediger werden lassen, weil euch dies irdisch vortheilhafter für euch oder für ihn dünkt, ihr seinetwegen auch nicht mehr ruhig sein könnt, daß Gott ihn euch nicht einmal, weil ihr ihm denselben vorenthalten wollt, hinwegnimmt, oder nicht ruhig sein, daß derselbe gar verdirbt, weil ihr ihn eure eignen Wege gehen lassen wollt. Seht auch nicht auf die Aussenseite des Amts, die freilich unansehnlich, sondern auf das Wesen, das köstlich ist; seht nicht auf die Trübsal, die freilich meist in höherm Maaß rechtschaffner Prediger Loos, als gemeiner Christen ist, denn die ist gering und kurz; sondern auf ihren Lohn: Die Lehrer werden leuchten, wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Thörichte Eltern, lieblose Eltern, die für ihre Kinder lieber hier gute Tage, als dort ewige unaussprechliche Herrlichkeit begehren. B.
Brief eines Lutheraners,
der um zeitlicher Vortheile willen ein Papist geworden war, an einen lutherischen Prediger geschrieben im Jahre 1681.
Ein gewisser vornehmer Herr, D. B., in Schlesien ging zur römischen Kirche über, um die zeitlichen Vortheile zu erlangen, die man ihm für seinen Uebertritt versprach. Er wurde zwar auch in Folge desselben in den Baronenstand erhoben und lebte eine Zeit lang glücklich. Aber endlich erwachte sein Gewissen. Seine Ruhe war nun dahin. Furcht und Scham hielt aber den unglückseligen Menschen ab, öffentlich umzukehren. Als er endlich in Todesnoth kam, verwandelte sich die oft unterdrückte Unruhe fast in völlige Verzweiflung. Da er jedoch einen in der Nähe wohnenden lutherischen Prediger kannte, den er als einen höchst gottseligen und erfahrnen Seelsorger kannte, schrieb er an denselben auf seinem Todtenbette mit zitternder Hand noch folgenden Brief.
„Mein Herr! Die Furien (die Rachegeister) haben mir nun etliche Jahre zu erkennen gegeben, wie heiß das Feuer der Hölle brenne. Ich habe Trost gesucht in der Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit und mehrmals Mittel gebraucht, die mich aller Erinnerung berauben sollten, aber nach zertheilten Wolken des Schlafes und des Weines*) bin ich auf die vorige Folter gelegt worden und mein verletztes Gewissen hat mir die Früchte meiner Ehe als Leibeigene des bösen Feindes und als Kinder der ewigen Pein vorgestellt**). O der unschuldigen Seelen, welche meine Ehrsucht gestürzt hat! Sagt mir, Ihr aufrichtig und Gottes-gelehrter Freund—aber lasset, bitte ich, gelten, was ich in Verzweiflung Verschmachtender von Euch verlange, und einem Steine gesagt sein—: Ist auch die Gnade der göttlichen Erbarmung so reich, daß ein Tröpflein des Gnadenwassers auf meine lechzende Seele fallen könne? Soll ich hoffen, mein Miserere***) werde so gültig sein, als das des büßenden David's? Dieser hat den Urias getödtet, ich mich selbst und meine Zweige!—Ach, nein; ich kann, ich will nicht hoffen; ich gehe hin den Weg Ahitophel's†); ich erkiese mir den Zweifel für die Hoffnung, ja die Verzweiflung für das gute Vertrauen zu Gott. Mein gegebenes Aergerniß hat Gott lange bewogen, zu sagen: Weiche von mir, du Uebelthäter! Und ich sage mit der Zunge: Gott sei mir Sünder gnädig! aber mein Herz heißt mich Gott als einen Feind betrachten, weil ich versäumt habe, mich der langen Frist, die mir von ihm gegeben worden ist, zu bedienen, und weil ich aus Furcht vor Schimpf und Spott auf Erden die, welche durch mein Erempel gefallen oder geärgert waren, nicht wieder durch mein Erempel aufgerichtet habe. Wie kann ich kommen vor den Gott der Wahrheit, weil mir wider mein besseres Wissen die Unwahrheit beliebt und meine, leider ach, verfluchte Zunge oft vertheidigt hat, was mein Herz für den größten Irrthum gehalten hat? Ich sehe, daß ich ehestens verlassen muß, was ich durch Verlust meiner sehr angefochtnen Seele errungen habe; und mir ist sehr bange um Trost. Mein Herr, Er sei meines Herzens endliche Erquickung und, so Er nach Seiner Weisheit und Gottseligkeit befindet, Er könne sagen, Gott werde mir vergeben: so wird sein Bericht mich aus der Hölle in den Himmel setzen, und ich werde Seine mir erwiesene Liebe, so lange Ewig ewig ist, vor Gott und allen Seligen zu Seiner Ehre preisen. Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! um der Zuflucht willen, die Er hat zu dem Wort und Wunden Jesu.“—
So lautet der Brief. Der berühmte Theolog Valentin Löscher hat denselben aus dem Original in seinen s. g. unschuldigen Nachrichten vom
*)Er hatte sich also durch häufigen Genuß von Wein besinnungslos zu machen gesucht, um wenigstens einige Stunden von seiner Qual frei zu sein.
**)Er hatte mehrere Kinder und sah diese nun durch eigne Schuld unrettbar verloren, da er dieselben wohl zur falschen Religion hatte verführen, aber nicht wieder zur Wahrheit hatte bekehren können.
***)Das heißt, mein stetes Rufen: „Gott, erbarme Dich!“
†)Siehe: 2. Sam. 17, 23.
English translation AI translation
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supervised. In the free hours one sees the pupils either engaged on the playground in all sorts of games, or taking bodily exercise at the gymnastic apparatus there, or occupied with the care of their gardens, each of which has a small one, or with the beautifying or upkeep of the nearer surroundings of the buildings, or going toward evening in summer to bathe (under the supervision of a teacher) in the Mississippi, scarcely a mile away. On Sunday mornings all go to the city to church, and return after the close of the afternoon service.
The purpose of the seminary is, as is well known, to train for the Lutheran Church of this country able and faithful pastors who can preach in the German language; that of the gymnasium, to promote and secure, by a Christian education and a thorough and comprehensive instruction, the temporal and eternal welfare of the pupils, and especially their future usefulness as members of human society. The instruction in the lower gymnasium classes is also important for those who indeed choose no so-called learned profession, but yet wish some day to accomplish something worthy in their calling.
A few special advantages which this institution has over many others are the following. Above all, the Christian spirit which, God be thanked, has hitherto prevailed among our dear pupils, and which must not only soon make their stay here dear to the new arrivals, but also have the most wholesome influence upon them. Then, that effort is made to give a thorough instruction, such as is customary in Germany but still rather rare in America; and finally, that the pupils learn German and English at the same time. Moreover, the situation of the institution affords the advantages of the country, such as healthy air and absence of frequent bad examples, etc., and of the city, such as prompt and skilful medical help, ease of communication, etc. Besides, the prices for board, etc., are set as low as the maintenance of the institution always permits.
The board amounts to $1.25 a week, and is paid every month, at latest every quarter, and as a rule in advance. Since the institution often receives gifts of provisions for the benefit of the pupils who wish to become pastors, these are credited to them, so that the board for them amounts to only $4.00 a month. The tuition amounts to $6.00 for the pupils in the lower and $8.00 in the upper gymnasium per quarter. Those who wish to become pastors receive all instruction free of charge. Sums of money from a distance for board and instruction, as well as for other needs, are best sent to the treasurer of the institution, Mr. F. W. Barthel; yet the teachers are willing, at the wish of the parents, in individual cases to undertake the special oversight of expenditures for the pupils.
Pupils who enter the institution must be provided with beds and towels, and have their linen marked.
At the close of the school year there is a public examination, and both then and in the middle of the former a public certificate of diligence and conduct of the pupils is issued and sent to the parents.
Vacations are fourteen days at Christmas, as long at Easter, three days at Pentecost, and in summer from the 23rd of July to the 1st of September, on which day the school year begins. Pupils from out of town then have an opportunity to visit their parents and relatives.
In conclusion we feel constrained to urge all parents who have sons who do not lack the required gifts for the ministry, to give them to it, if God will. Dear parents, consider the need, the harvest is great, but the laborers are few. Banish selfish thoughts from your minds; consider that your children are not properly yours, but God's; consider that if you have a son whom you would rather have choose a worldly calling than let become a pastor, because this seems to you more advantageous in earthly terms for yourselves or for him, you can no longer be at ease on his account, lest God take him from you before long because you would withhold him from Him, or, not to be at ease, lest he be utterly ruined because you will let him go his own ways. Look also not at the outward side of the office, which is indeed unsightly, but at the substance, which is precious; look not at the tribulation, which is indeed for the most part greater in measure for the lot of upright pastors than of common Christians, for it is slight and short; but at their reward: They that be teachers shall shine as the brightness of the firmament, and they that turn many to righteousness as the stars for ever and ever. Foolish parents, loveless parents, who for their children would rather have good days here than desire eternal, unspeakable glory yonder. B.
Letter of a Lutheran,
who for the sake of temporal advantages had become a Papist, to a Lutheran pastor, written in the year 1681.
A certain distinguished gentleman, D. B., in Silesia went over to the Roman Church in order to obtain the temporal advantages that were promised him for his conversion. In consequence of it he was indeed raised to the rank of baron and lived for a time happily. But at last his conscience awoke. His peace was now gone. Fear and shame, however, kept the unhappy man from returning openly. When at last he came into the agony of death, the restlessness he had often suppressed turned almost into complete despair. Since, however, he knew a Lutheran pastor living nearby, whom he knew as a most godly and experienced pastor of souls, he wrote to him upon his deathbed with a trembling hand the following letter.
"Sir! The Furies (the spirits of vengeance) have for some years now given me to know how hot the fire of hell burns. I have sought comfort in the hope of God's mercy and have several times used means that were to rob me of all remembrance, but after the dispersed clouds of sleep and of wine*) I have been laid again on the former rack, and my wounded conscience has presented to me the fruits of my marriage as bondservants of the evil enemy and as children of eternal torment**). O the innocent souls which my ambition has cast down! Tell me, you sincere and God-learned friend—but let it be allowed, I beg, what I, languishing in despair, demand of you, and let it be spoken to a stone—: Is the grace of divine compassion also so rich that a drop of the water of grace may fall upon my parched soul? Shall I hope that my Miserere***) will be as valid as that of penitent David? He killed Uriah, I myself and my branches!—Ah, no; I cannot, I will not hope; I go my way the way of Ahithophel†); I choose doubt instead of hope, yea, despair instead of good confidence in God. My given offence has long moved God to say: Depart from me, thou evildoer! And I say with the tongue: God be merciful to me a sinner! but my heart bids me regard God as an enemy, because I have neglected to make use of the long respite that was given me by Him, and because, from fear of shame and mockery on earth, I have not raised up again by my example those who were fallen or offended by my example. How can I come before the God of truth, since against my better knowledge falsehood pleased me and my, alas, accursed tongue has often defended what my heart held to be the greatest error? I see that I must shortly leave what I have won at the loss of my sorely tried soul; and I am in great anxiety for comfort. Sir, be the final refreshment of my heart, and if according to your wisdom and godliness you find that you can say, God will forgive me: then your report will set me from hell into heaven, and I shall praise your love shown to me, as long as eternity is eternal, before God and all the blessed, to His honor. Mercy! Mercy! for the sake of the refuge which you have in the Word and wounds of Jesus."—
So runs the letter. The renowned theologian Valentin Löscher has communicated it from the original in his so-called Unschuldige Nachrichten of the
*)He had therefore sought, through frequent consumption of wine, to make himself insensible, in order to be free at least for a few hours from his torment.
**)He had several children and saw them now lost beyond rescue through his own fault, since he had indeed been able to lead them into the false religion, but not to convert them again to the truth.
***)That is, my constant cry: "God, have mercy on Thee!"
†)See 2 Sam. 17:23.