Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 4 › Seite 26

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-11, Seite 26

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9

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so wie auch die Andern, und namentlich der fromme Zernecke. Dieser schildert selber in seinem trefflichen Buche: „Thornische Chronika“, wie ein Jesuit ihm und seiner Frau zugesetzt, katholisch zu werden. Er sagt: „Dem wir alle Hoffnung deutlich benahmen und auf unsern Glauben in reiner Unschuld aus dieser Welt zu scheiden, getrost uns entschlossen.“ Der Jesuit hörte das mit Ungeduld an und ging. Nach kurzer Zeit kam ein anderer Mann, Mariansk i, mit Thränen im Auge, er solle doch eiligst zu ihrer Religion treten. Er blieb fest und ergab sich, wie er sagt, dem heiligen Willen unseres Gottes geduldiglich, rief ihn um seinen theuersten Beistand und Trost inbrünstig an und „ich begab mich dann zur Ruhe, und habe solche auch so vollkommen, als bei den ruhigsten Tagen selten, Gottlob genossen.“

Den andern Tag, es war der 6. December, fing erst seine ‚Plage‘, wie er es nennt, recht an. Von früh Morgens bis zur sinkenden Nacht setzten Hohe und Niedere, geistliche und weltliche Personen aufs Dringendste an ihn, er möchte doch katholisch werden, „so ich aber durch göttliche Gnade und heiligen Geistes Beistand getrost überwunden.“ Für ihn trat besonders der kujarische Adel ein, so daß man um seinetwegen Eilboten nach Warschau um weitere Maßregeln sandte. Am liebsten hätten freilich die Katholiken den Abfall Rösner’s gesehen. Noch am Abend des 6. Dezembers drangen die Mönche wieder in ihn, katholisch zu werden; er erwiederte aber: „Dringt nicht weiter in mich. Wie sollte ich Euere Religion annehmen, die ich nicht kenne? Und kann ich sie kennen lernen, während das Schwert über meinem Haupte gezückt ist?“ Und bald darauf erklärte er zwei Benediktinern rund aus, im Geiste der alten Zeugen: „Ich bin auf den evangelischen Glauben getauft, und will auch, wenn keine Gnade zu erlangen ist, darauf sterben, obgleich ich den Tod nicht verschuldet habe.“ Sie ließen aber trotzdem nicht nach, so daß er endlich sagte: „Vergnügt Euch mit meinem Kopfe, die Seele muß Jesus haben!“ Da der Präsident seine Abholung zur Hinrichtung bald erwartete, ließ er den evangelischen Pfarrer Köhler zu sich kommen und empfing aus dessen Händen in wahrer Bereitung das heilige Sakrament des Abendmahles. Auch die übrigen zum Tode Verurtheilten Bürger widerstanden allen Zumuthungen aufs treueste. Sie stärkten sich auf ihren Todesgang ebenfalls durch den Genuß des heiligen Abendmahls. Sie bekannten sich dabei als große Sünder, aber auch, daß sie unschuldig wären an den Vergehungen, um derentwillen sie hingerichtet werden sollten. Noch in Gegenwart der lästigen Mönche machte einer der Verurtheilten den Vorschlag, zu singen, und siehe, Alle stimmten ein in das köstliche Sterbelied des alten Nikolaus Hermann: „Wenn mein Stündlein vorhanden ist, ꝛc.“

Der selige Dr. Luther hat einmal gesagt, daß man durch ein fröhliches Vaterunser den Teufel vertreiben könne. Hier ging es so. Kaum hatten die lieben Leute zu singen angefangen, so schlichen sich die Mönche davon.

So nahte denn der blutige 7. December 1724. Schon in der Nacht wurden noch einige polnische Fahnen in die Stadt gelassen. Dragoner und Fußvolk rückte um 3 Uhr Morgens auf den Marktplatz und umgab das Schaffot. Um 5 Uhr traten der Hauptmann Zweimann und der Reichsinstigator in Begleitung von 50 Mann bei dem Präsidenten ein, um ihn zur Hinrichtung zu führen. Der Greis nahm von den Umstehenden Abschied und verließ tief seufzend sein Haus, das sogleich von Bewaffneten besetzt und die Zimmer unter Siegel gelegt wurden. Kaum war er heraus, so waren schon wieder Bernhardiner Mönche da, welche ihr früheres Anerbieten wiederholten. Er wies sie von sich, reichte seinem Beichtvater Köhler die Hand, und ging unter Bedeckung von 24 Mann Stadtsoldaten, von einigen Freunden und Freundinnen begleitet, nach dem alten Rathhause. Hier sollte im untern Raume die Hinrichtung vollzogen werden. Noch einmal am Eingange hatte sich der theuere Märtyrer gegen die Zudringlichkeiten der Dominikaner und Bernhardiner zu wehren. Rösner fragte den zur Execution commandirten Major, ob keine Begnadigung zu hoffen sei, und als der Major die Frage verneinte, riefen die Mönche: Ja! und tobten so laut, daß der Präsident den Offizier bat, den Zudringlichen Schweigen zu gebieten. Dennoch rief einer dieser Verkehrten: „Der Präsident Rösner stirbt auf den römisch-katholischen Glauben;“ der standhafte Mann sagte aber eben so bestimmt: „Nein!“ Nun ließ er sich von seinen Dienern entkleiden und betete die letzten Verse des alten Kraftliedes: „Herr Jesu Christ, ich schrei zu dir aus tiefbetrübter Seele.“ Sein Beichtvater segnete ihn mit tiefer Rührung noch ein; Rösner kniete nieder, seine Diener verbanden ihm die Augen. Während er seufzte: „Herr meinen Geist befehl ich dir!“ empfing er den Todesstreich von der Hand des Scharfrichters aus Plock. Der Thorner Scharfrichter hatte sein Amt verweigert. Der Kopf hing noch am blutigen Leichname. Die Diener legten die ehrwürdige Märtyrerleiche in den Sarg, und auf einer Bahre wurde er bis 10 Uhr Morgens vor dem Rathhause ausgesetzt, daß Jedermann sich von seiner Hinrichtung überzeugen konnte. Seine Pilgrimschaft hatte 66 Jahre und zwei Wochen gewährt.

Um 8 Uhr Morgens schickte man sich an, die übrigen Schlachtopfer zur Hinrichtung zu bringen. Man besetzte militärisch die Straßenecken und verstärkte die Wachen um das Schaffot her. Nur Katholiken und Polen fanden sich bei diesem Trauerspiel ein. Mit wenigen Ausnahmen hielten sich die Evangelischen in ihren Häusern bei verschlossenen Thüren und Fensterladen, sie beteten aber für ihre Brüder um Trost und Kraft in ihren blutigen Leiden. Um 9 Uhr wurden fünf der Verurtheilten unter zahlreicher militärischer Bedeckung, und begleitet von ihren treuen Seelsorgern, die sie trösteten, herzugeführt. Sie kamen in ächt christlicher Fassung. Hertel, als sie an der Leiche des Präsidenten Rösner vorbeigingen, sagte: „Gottlob, unser unschuldiger Vater hat überwunden, wir wollen ihm fröhlich folgen. Gott, der gerechte Richter, bekehre unsere Feinde!“ Zuerst kam die Reihe an einen verarmten Kaufmann Simon Mohaupt, dann traf das Schwert den Weißgerber Hertel. Sie ließen sich die Augen verbinden. Die drei letzteren aber, der Schuhmacher Mertz und Wunsch und der Knopfmachergeselle Becker starben mit unverbundenen Augen. Die Dominikaner und Bernhardiner hatten noch alles angewendet, sie zum Abfall von ihrem evangelischen Glauben zu bringen, sie blieben aber fest und schlossen ihren Kampf voll Trost und Glauben. Im Gebete erwarteten sie den Todesstreich. Die Prediger hatten viel auf dem Wege auszustehen. Sie mußten oft die Worte von den Mönchen hören: „Ihr seit Betrüger, wie Euer Anführer Luther!“ Ein Pfaffe rief ihnen sogar auf der Straße nach: „Diese wären werth, dahin geführt zu werden, und auszustehen, was die Gefangenen leiden sollen.“ Sie ließen sich aber nicht irre machen, und der Major schützte sie. Der Scharfrichter war ganz betrunken, so daß er die Köpfe der Unglücklichen nur halb abhieb und so ihre Leiden vermehrte. Die Leichname der Ermordeten, nachdem sie von den Henkersknechten bis auf das Hemde ausgezogen worden waren, wurden in Särge gelegt und den tiefbetrübten Wittwen zugeschickt. Sie wurden stille beerdigt.

Nun wurden die übrigen Verurtheilten, Karwis, Gutbrodt, Schulz und Hofft auf den Richtplatz gebracht. Vor der Enthauptung wurde ihnen auf dem Blocke die rechte Hand abgehauen. Der Scharfrichter quälte die armen Schlachtopfer auf’s erbärmlichste, indem er zwischen dem Handabhauen und der Enthauptung längere Zeit wartete. Auch bei der Enthauptung quälte er die Bejammernswerthen. Drei Mal hieb er dem Gutbrodt in den Kopf, und erst bei dem vierten Hiebe blieb er liegen. Das Gräulichste war, daß man das Blut nicht einmal im Sande auffing, oder damit bestreute. Es lief auf dem Schaffot herum. Die folgenden knieten in diesem Blute, inbrünstig betend und treu ihrem Glauben an Jesum Christum. Nachdem das Blutbad beendigt war, zog der Henker die Leichname aus, und viertheilte den Karwis, schnitt die Eingeweide heraus, und bot sie auf eine wahrhaft kannibalische Weise den Zuschauern als frisches Fleisch zum Kaufe an. Das Herz hob er in die Höhe, und rief dem Volke zu: „Seht da, ein lutherisches Herz!“ Die vier Leichname fuhr man zur Stadt hinaus, und verbrannte sie auf einem Scheiterhaufen; doch blieben die Knochen, weil man am Holz sparte, meistens unversehrt und wurden am folgenden Tage von den Hunden herumgeschleppt. Bis zum Abend lagen die abgehauenen Hände auf dem Schaffot. Acht Frauen wurden zu Wittwen und 28 Kinder zu Waisen durch dieses Blutbad.

Nachdem das Blut der Unschuldigen geflossen war, brachten acht Bürger die Leiche des

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as did also the others, and especially the pious Zernecke. He himself describes in his excellent book, "Thornische Chronika," how a Jesuit pressed upon him and his wife to become Catholic. He says: "To whom we plainly took away all hope, and, resolved to depart this world in the pure innocence of our faith, were of good cheer." The Jesuit listened to this with impatience and left. After a short time another man came, Mariansk i, with tears in his eyes, saying he should at once go over to their religion. He remained steadfast and resigned himself, as he says, patiently to the holy will of our God, called upon Him fervently for His dearest help and comfort, and "I then betook myself to rest, and, God be praised, enjoyed it as perfectly as seldom on the quietest days."

The next day, it was the 6th of December, his 'plague,' as he calls it, first really began. From early morning until the sinking of the night, high and low, spiritual and worldly persons pressed upon him most urgently that he should become Catholic, "which I, however, comfortably overcame through divine grace and the help of the Holy Spirit." The nobility of Kujavia in particular intervened for him, so that on his account couriers were sent to Warsaw for further measures. The Catholics would of course most gladly have seen Rösner's apostasy. Still on the evening of the 6th of December the monks again pressed him to become Catholic; but he answered: "Press me no further. How should I accept your religion, which I do not know? And can I get to know it while the sword is raised over my head?" And soon afterward he declared plainly to two Benedictines, in the spirit of the old witnesses: "I was baptized into the evangelical faith, and will also, if no mercy is to be obtained, die in it, although I have not deserved death." Nevertheless they did not let up, so that he finally said: "Content yourselves with my head; the soul must have Jesus!" Since the President expected soon to be fetched to the execution, he had the evangelical pastor Köhler come to him and received from his hands, in true preparation, the holy sacrament of the Lord's Supper. The other citizens condemned to death also withstood all importunities most faithfully. They likewise strengthened themselves for their journey to death by partaking of the holy Lord's Supper. They confessed themselves thereby as great sinners, but also that they were innocent of the offences for the sake of which they were to be executed. Even in the presence of the importunate monks one of the condemned proposed that they sing, and behold, all joined in the precious dying hymn of old Nikolaus Hermann: "When my little hour is at hand, etc."

The blessed Dr. Luther once said that one can drive away the devil by a cheerful Our Father. Here it went so. Scarcely had the dear people begun to sing when the monks slunk away.

So the bloody 7th of December 1724 drew near. Already in the night several Polish banners were admitted into the city. Dragoons and infantry moved at 3 o'clock in the morning onto the market-place and surrounded the scaffold. At 5 o'clock Captain Zweimann and the Imperial Prosecutor, accompanied by 50 men, entered the President's house to lead him to the execution. The old man took leave of those standing by and left his house with a deep sigh; it was at once occupied by armed men and the rooms put under seal. Hardly was he outside when Bernardine monks were already there again, repeating their former offer. He turned them from him, gave his confessor Köhler his hand, and went under escort of 24 city soldiers, accompanied by some friends, men and women, to the old town hall. Here the execution was to be carried out in the lower hall. Once more at the entrance the dear martyr had to defend himself against the importunities of the Dominicans and Bernardines. Rösner asked the major commanded to the execution whether no pardon was to be hoped for, and when the major answered the question in the negative, the monks cried: Yes! and raged so loudly that the President begged the officer to command the importunate to be silent. Yet one of these perverse men cried: "President Rösner dies in the Roman Catholic faith;" but the steadfast man said, just as decidedly: "No!" Then he let his servants undress him and prayed the last verses of the old hymn of strength: "Lord Jesus Christ, I cry to Thee out of a deeply troubled soul." His confessor blessed him once more with deep emotion; Rösner knelt down, his servants bound his eyes. While he sighed: "Lord, my spirit I commend to Thee!" he received the stroke of death from the hand of the executioner from Plock. The Thorn executioner had refused his office. The head still hung on the bloody body. The servants laid the venerable martyr's corpse in the coffin, and on a bier he was exposed before the town hall until 10 o'clock in the morning, so that everyone could convince himself of his execution. His pilgrimage had lasted 66 years and two weeks.

At 8 o'clock in the morning they made ready to bring the remaining victims to the execution. The street corners were occupied by soldiers and the guards around the scaffold reinforced. Only Catholics and Poles were present at this tragedy. With few exceptions the Protestants kept in their houses with closed doors and shutters, but they prayed for their brethren, for comfort and strength in their bloody sufferings. At 9 o'clock five of the condemned were brought up under numerous military guard, and accompanied by their faithful pastors, who comforted them. They came in truly Christian composure. Hertel, as they passed by the corpse of the President Rösner, said: "God be praised, our innocent father has overcome; we will gladly follow him. God, the righteous Judge, convert our enemies!" First came the turn of an impoverished merchant, Simon Mohaupt, then the sword struck the tanner Hertel. They let their eyes be bound. The three last, however, the shoemaker Mertz and Wunsch and the button-maker's journeyman Becker, died with unbound eyes. The Dominicans and Bernardines had still tried everything to bring them to apostasy from their evangelical faith, but they remained steadfast and ended their struggle full of comfort and faith. In prayer they awaited the stroke of death. The preachers had much to endure on the way. They had often to hear the words from the monks: "You are deceivers, like your leader Luther!" A priest even called after them in the street: "These would be worthy to be led thither, and to endure what the prisoners are to suffer." But they let themselves not be confused, and the major protected them. The executioner was quite drunk, so that he struck off the heads of the unfortunates only halfway and so increased their sufferings. The bodies of the murdered, after they had been stripped by the hangman's helpers to the shirt, were laid in coffins and sent to the deeply afflicted widows. They were buried quietly.

Now the remaining condemned, Karwis, Gutbrodt, Schulz and Hofft, were brought to the place of execution. Before the beheading the right hand was chopped off on the block. The executioner tormented the poor victims in the most pitiful manner, waiting a considerable time between the chopping off of the hand and the beheading. At the beheading too he tormented the wretched men. Three times he struck Gutbrodt on the head, and only at the fourth blow did he remain lying. The most horrible thing was that the blood was not even caught in the sand, or strewn over with it. It ran about on the scaffold. Those who followed knelt in this blood, praying fervently and faithful to their faith in Jesus Christ. After the bloodbath was ended, the hangman stripped the bodies, and quartered Karwis, cut out the entrails, and offered them in truly cannibalistic fashion to the spectators for sale as fresh meat. The heart he held up on high, and cried to the people: "Behold, a Lutheran heart!" The four bodies were carried out of the city and burned on a funeral pyre; yet the bones, because wood was spared, remained mostly unharmed and were dragged about by the dogs on the following day. Until evening the chopped-off hands lay on the scaffold. Eight women became widows and 28 children orphans through this bloodbath.

After the blood of the innocent was shed, eight citizens brought the body of the