Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 4 › Seite 28
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-11, Seite 28
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
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Aber noch immer war das Fleisch zu mächtig; noch zu fest waren die Bande, die namentlich den Mann an das Heidenthum und dessen unfruchtbare Werke fesselten. In dieser Gemüthsverfassung stand er lange Zeit und konnte sich nicht herauswinden. So oft ihm jetzt das Wort von der Gnade Gottes nahe trat, suchte er demselben wenigstens doch für einige Zeit aus dem Wege zu gehen u. wartete, wie einst Felix auf gelegnere Zeit. Er wolle nur noch ein Fest feiern und seine heidnischen Genossen nur noch einmal um sich sammeln; er wolle sich nur noch einmal betrinken, dann wolle er abbrechen mit diesem alten Leben und ein neues anfangen. Wohl wurde ihm die Seelengefahr, welcher ein solcher sich aussetzt, der muthwillig und leichtsinnig auf gelegnere Zeit wartet, wo es sich um das Heil der unsterblichen Seele handelt, ernstlich vorgestellt, aber es half das nichts. Er that, wie er sich vorgenommen, und was Wunder, wenn er dadurch wieder weit zurückkam, und es nicht bei einem Male ließ, sondern es noch öfter wiederholte. Aber wie deutlich offenbarte sich jetzt die Treue unseres guten Hirten, der armen Sündern nachgeht und unermüdlich sie sucht! Hätte der Herr ihn gehen lassen, er wäre wohl wieder so tief gefallen, daß er nie hätte wieder aufstehen können zu einem neuen Leben, trotz alles seines guten Willens und Vornehmens. Aber der Herr ließ ihn nicht; er ging ihm vielmehr nach, ob er nicht auch seine arme Seele herumholen und zu seiner Heerde führen könne. Und ihm, dem nichts unmöglich ist, dem kein Sünder zu schlecht, gelang es, sein Herz hungrig und durstig nach seinem Heile zu machen. Nachdem er schon Wochen lang ein sehr ernstes Wesen kund gethan und die Gottesdienste fast regelmäßig besucht hatte, blieb er eines Sonntags Nachmittags allein nach dem Gottesdienst in der Kirche sitzen und wünschte mit mir zu sprechen. Auf meine Frage, was sein Wunsch sei, antwortete er mir in ganz indianischer Weise: „Gar nichts.“ Das thun sie, auch wenn sie eine ganze Menge Bitten und Fragen zu thun haben. Ich ließ mich durch solche Antwort nicht irre machen, denn ich sah ihm an, daß er etwas Wichtiges auf dem Herzen haben müsse. Und es war dies, was jetzt sein Herz erfüllte, das Verlangen nach Gnade. Es war die Frage: „Was muß ich thun, daß ich selig werde? Er wollte sich anmelden zur Vorbereitung auf die heilige Taufe, nach welcher er herzlich verlangte. Ich sprach mit ihm von dem Einem, was noth ist zur Seligkeit und machte ihn namentlich aufmerksam auf die unermüdliche Langmuth und Treue Gottes unseres Heilandes, der sein Herz nun so weit vorbereitet und willig gemacht habe. Sodann bestellte ich ihn die nächsten Tage zum Catechumenenunterricht und versprach ihm, ihn auf seinen Wunsch am nächsten Sonntag zu taufen, wenn er dazu vorbereitet sei. Diese Zeit der Vorbereitung möchte für einen Erwachsenen zu kurz erscheinen, aber durch vielfache Erfahrung haben wir uns lernen mäßigen im Auswendiglernenlassen. Der indianische Catechismus ist so erstaunlich schwer zu lernen, daß bei Erwachsenen ein ganzes Jahr nicht genug wäre, denselben wörtlich auswendig zu lernen. Dazu sind sie so bange vor dem Lernen, daß sie leicht dadurch von der Taufe zurückgehalten werden könnten, wollten wir ernstlich auf das Auswendiglernen des Catechismus dringen. Am Montag stellte er sich zum Unterricht ein und war aufmerksam, ernst und heilsbegierig. Nicht wenig besorgt machte er mich jedoch, als er mir noch an demselben Abend sagte, er könne morgen nicht zum Unterricht kommen, er müsse Mehl holen für seine Familie. Daß mich dieses so besorgt machte, kam daher, weil ich fürchtete, er möchte auf diesem Wege wieder in sein altes Laster des Trunkes verfallen, denn noch nie hatte er diese Reise gemacht, ohne sich betrunken und noch überdies Brantwein mit nach Hause gebracht zu haben.
Ich machte ihn auf die Gefahr aufmerksam und verhehlte ihm nicht meine große Besorgniß um ihn, aber da befriedigte er mich mit seiner Antwort so, daß alsbald meine Besorgnisse um ihn schwanden. Er sagte mit freundlicher Miene, ich brauche davor nicht bange zu sein, er habe nun reiflich erfahren, wie weit man komme mit dem Trinken und mit einem Leben, wie er es bisher geführt; er wolle jetzt solchem Leben mit Gottes Hülfe ein Ende machen. Erfreut über diese Aeußerung befahl ich ihn der Gnade Gottes und ließ ihn gehen. Am andern Morgen trat er seine Reise an, und, obgleich der Ort, dahin er ging, 30 englische Meilen von Bethanien entfernt und der Weg sehr schlecht ist, kam er doch schon am zweiten Tage zurück, und zwar bewahrt vor aller Versuchung. Die folgenden Tage benutzte er noch für seine Vorbereitung zur heiligen Taufe, welche er den Sonntag darauf empfangen hat. Während der feierlichen Taufhandlung war er ernst und offenbarte ein tief gerührtes Herz. Aninde nintebwoienina“ d. i. „ja freilich, ich glaube an ihn,“ sprach er mit lauter u. nachdrucksvoller Stimme. Zur gesegneten Erinnerung an seinen Taufbund erhielt er den Namen Christian. Möge der treue und barmherzige Gott geben, daß er ein recht wackerer Christianus bleibe und den seligmachenden Namen dessen, nach dem er genannt ist, verherrliche im Leben und im Sterben. Er macht uns mit seinem aufrichtigen Wandel viel Freude und läßt uns hoffen, daß vielleicht durch sein Beispiel auch andere gereizt werden, den Weg des Verderbens zu verlassen und sich zu Gott zu bekehren. Seine Frau ist noch Heidin, wird aber bald seinem Beispiele folgen und sich taufen lassen.
Ein anderes schon bejahrtes Ehepaar ist nun auch entschlossen, sich bald taufen zu lassen. Ihr bisheriges Verhalten zum Worte Gottes war ähnlich dem eben erzählten. Sie sind schon seit längerer Zeit entschlossen, Christen zu werden, waren aber doch in Bezug auf das Heil ihrer unsterblichen Seelen noch immer so gleichgültig, daß sie die Taufe von einer Zeit zur andern hinausschoben und den und jenen vorangehen lassen wollten. Und das ist der traurige Stand der meisten bejahrten Indianer; sie wollen wohl gern Christen werden, aber sie denken, es hat noch Zeit, ein Anderer möge den Anfang machen. Aber der Herr trägt sie auch bei dieser Sünde mit großer Geduld und zieht seine suchende Hand nicht sogleich von ihnen ab. Das haben wir namentlich an diesem Ehepaar deutlich gesehen. Durch den Tod eines geliebten Enkelkindes, welches der Herr vor einigen Wochen zu sich genommen hat, sind ihre Herzen gewaltig erschüttert worden. In der Leichenpredigt nahm ich besonders Rücksicht auf die alten Großeltern, sowie auf alle noch Ungetaufte (bei einer solchen Gelegenheit sind die Indianer alle versammelt, so viel ihrer im Orte sind), und sprach von der großen Seligkeit, in welche das Kindlein durch den Tod eingegangen sei, und von der Nothwendigkeit, die uns gebotenen Gnadenmittel zu gebrauchen, um einst auch also selig sterben zu können. Nun der Herr hat sein Wort nicht vergeblich sein lassen, wie wir das an den Herzen der Großeltern deutlich spüren können. Als ich sie vor einiger Zeit besuchte, sagte mir die Frau, die ich allein zu Hause antraf, daß sie und ihr Mann sich nun fest entschlossen hätten, sich bald taufen zu lassen. Sie kam dann auf ihr Enkelkind zu sprechen, und sagte: „Wenn das wahr ist, was das Wort Gottes sagt von der Seligkeit der Gläubigen, so ist unser kleines Kind in der That sehr selig.“ Was konnte ich Besseres und Lieberes thun, als ihr nochmals beweisen, daß es Wahrheit ist, daß derer, die da glauben, eine solche unaussprechliche Seligkeit wartet. Dann sagte sie mir, daß ihr Mann vor seiner Abreise gesagt habe: „Wir wollen uns bald taufen lassen, denn wir wissen nicht, wie lange wir noch leben; wir sind heute gesund, und schon morgen können wir todt sein, und wie schrecklich wäre es, wenn wir ohne Taufe, und also ohne Christum sterben müßten!“ Möge der Herr das in ihren Herzen angefanngene gute Werk fortführen und vollenden zu seinem Preise und ihrem Heile.
Neben dem schon gemeldeten hat sich vor einigen Wochen noch ein trauriger Todesfall ereignet. Einige Indianerfrauen, eine Urgroßmutter (unsere alte hundertjährige blinde Sarah), eine Großmutter, eine Mutter und einige Kinder verreisten in ihrem Konoe für mehrere Wochen, um Binsen zu holen und Herrn Pastor Sievers, den sie von seinem Hiersein noch herzlich lieben, einmal in seinem Orte zu besuchen. Auf der Rückreise ließ es Gott nach seinem unerforschlichem Rathe geschehen, daß ein Kind, etwa ein und ein viertel Jahr alt, in den Pine River fiel und darin seinen Tod fand. Die Methodisten, in ihrer teuflischen Schadenfreude, meinten hierbei wieder einen Fingerzeug Gottes zu sehen, wie mißfällig ihm unsere lutherische Lehre sei; sie schämten sich nicht, zu sagen, daß dieser Todesfall ein deutlicher Beweis von der Falschheit unserer Lehre sei. Aber wie wollen sie das beweisen? Es traf sich freilich wunderbar so, daß die Umstände für sie zu sprechen schienen. An einem Sonntag Morgen, als ein Methodist von einer andern Indianerbande bei diesen am Pine River campirenden Indianer-
English translation AI translation
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But still the flesh was too mighty; the bonds were still too firm which bound the man in particular to heathenism and its unfruitful works. In this state of mind he stood a long time and could not extricate himself. Whenever the word of God's grace now drew near to him, he sought at least for a time to get out of its way, and waited, as Felix once did, for a more convenient season. He would only hold one more feast and gather his heathen companions about him once more; he would only get drunk once more, then he would break off with this old life and begin a new one. Indeed the danger to the soul to which one exposes himself who wilfully and carelessly waits for a more convenient season where the salvation of the immortal soul is concerned was earnestly set before him, but it helped nothing. He did as he had resolved, and no wonder if he thereby fell far back again, and did not let it be at one time, but repeated it still oftener. But how plainly the faithfulness of our good Shepherd now revealed itself, who goes after poor sinners and seeks them untiringly! Had the Lord let him go, he would probably have fallen again so deep that he could never have risen again to a new life, in spite of all his good will and purpose. But the Lord did not let him; He went rather after him, to see whether He might not fetch his poor soul around and lead it to His flock. And to Him, to whom nothing is impossible, to whom no sinner is too bad, it succeeded in making his heart hungry and thirsty for his salvation. After he had for weeks already shown a very earnest demeanor and attended the services almost regularly, he remained sitting alone in the church one Sunday afternoon after the service and wished to speak with me. To my question what his wish was, he answered me in quite Indian fashion: "Nothing at all." They do that even when they have a whole multitude of requests and questions to make. I let myself not be confused by such an answer, for I saw by him that he must have something important on his heart. And it was this which now filled his heart, the longing for grace. It was the question: "What must I do to be saved?" He wished to enroll for preparation for holy Baptism, for which he longed from his heart. I spoke with him of the one thing needful for salvation and made him especially attentive to the untiring long-suffering and faithfulness of God our Saviour, who had now prepared his heart so far and made it willing. Then I appointed him for the next days to catechumen instruction and promised him, at his wish, to baptize him the next Sunday, if he were prepared for it. This time of preparation might seem too short for an adult, but through manifold experience we have learned to be moderate in having them learn by heart. The Indian Catechism is so astonishingly hard to learn that for adults a whole year would not be enough to learn it by heart word for word. Besides, they are so afraid of learning that they might easily be kept back from Baptism thereby, were we to insist earnestly on learning the Catechism by heart. On Monday he presented himself for instruction and was attentive, earnest and eager for salvation. Not a little anxious, however, he made me when he told me on the same evening that he could not come to instruction tomorrow, he must fetch flour for his family. That this made me so anxious came from my fearing that on this journey he might fall again into his old vice of drink, for never yet had he made this trip without getting drunk and bringing brandy home besides.
I called his attention to the danger and did not conceal from him my great anxiety about him, but then he satisfied me with his answer so that my anxieties about him vanished at once. He said with a friendly look that I need not be afraid of it, he had now learned thoroughly how far one gets with drinking and with a life such as he had led hitherto; he would now with God's help make an end of such a life. Gladdened by this utterance I commended him to the grace of God and let him go. The next morning he set out on his journey, and although the place whither he went was 30 English miles from Bethany and the road very bad, he came back already on the second day, and indeed kept from all temptation. The following days he used for his preparation for holy Baptism, which he received the Sunday after. During the solemn act of Baptism he was earnest and revealed a deeply moved heart. "Aninde nintebwoienina" - that is, "Yes indeed, I believe in Him," he said with a loud and emphatic voice. In blessed remembrance of his baptismal covenant he received the name Christian. May the faithful and merciful God grant that he remain a truly stalwart Christianus and glorify the blessed name of Him after whom he is called, in life and in death. He gives us much joy by his sincere walk and lets us hope that perhaps by his example others also may be stirred to forsake the way of destruction and to turn to God. His wife is still a heathen, but will soon follow his example and have herself baptized.
Another married couple, already advanced in years, is now also resolved to be baptized soon. Their former conduct toward the Word of God was like that just told. They have been resolved for a long time to become Christians, but were yet so indifferent as to the salvation of their immortal souls that they put off Baptism from one time to another and wished to let this one and that one go before. And that is the sad state of most aged Indians; they would gladly become Christians, but they think, there is yet time, let another make a beginning. But the Lord bears with them also in this sin with great patience and does not at once withdraw His seeking hand from them. That we have seen plainly in this couple in particular. By the death of a beloved grandchild, which the Lord took to Himself some weeks ago, their hearts have been powerfully shaken. In the funeral sermon I took particular regard of the old grandparents, as also of all still unbaptized (on such an occasion the Indians are all assembled, as many of them as are in the place), and spoke of the great blessedness into which the little child had entered through death, and of the necessity of using the means of grace given us, in order to be able some day to die blessed likewise. Now the Lord has not let His Word be in vain, as we can plainly perceive in the hearts of the grandparents. When I visited them some time ago, the woman, whom I found alone at home, told me that she and her husband were now firmly resolved to have themselves baptized soon. She then came to speak of her grandchild, and said: "If that is true which the Word of God says of the blessedness of believers, then our little child is indeed very blessed." What better and dearer thing could I do than to prove to her once more that it is truth, that such an unspeakable blessedness awaits those who believe. Then she told me that her husband had said before his departure: "We will have ourselves baptized soon, for we do not know how long we shall yet live; we are well today, and tomorrow we may be dead, and how dreadful it would be if we had to die without Baptism, and so without Christ!" May the Lord carry on and complete to His praise and their salvation the good work begun in their hearts.
Besides that already reported, a sad death occurred some weeks ago. Some Indian women, a great-grandmother (our old hundred-year-old blind Sarah), a grandmother, a mother and some children went off in their canoe for several weeks, to fetch rushes and to visit once in his place Pastor Sievers, whom they still love dearly from his time here. On the return journey God, according to His unsearchable counsel, allowed a child, about a year and a quarter old, to fall into the Pine River and find its death there. The Methodists, in their devilish malicious joy, thought they saw here again a finger of God, how displeasing our Lutheran doctrine is to Him; they were not ashamed to say that this death was a plain proof of the falsity of our doctrine. But how do they mean to prove that? It happened indeed so wonderfully that the circumstances seemed to speak for them. On a Sunday morning, when a Methodist from another band of Indians, at these Indians camping on the Pine River,