Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 51

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-23, Seite 51

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jeſuiten 1 · Kirchengemeinſchaften 2

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wichtigen Ursachen und gedrungen durch andere Gründe, welche uns sowohl die Gesetze der Klugheit als die gute Regierung der allgemeinen Kirche an die Hand geben, und die wir in der Tiefe unseres Herzens bewahren,*) nach reiflicher Überlegung, aus gewisser Erkenntniß und nach der Fülle unserer apostolischen Gewalt: die oft genannte Gesellschaft hiermit ausgetilgt und unterdrückt und alle und jede ihrer Officien, Häuser, Schulen, Collegien ꝛc. in jeder Provinz, in jedem Reich und Gebiete aufgehoben und abgeschafft haben."**)

*) Welches Zeugniß würden also die Jesuiten vollends dann von dem heiligen Vater erhalten haben, wenn derselbe nicht aus Klugheit das Schlimmste noch verschwiegen hätte!?

**) Bekannt ist, daß die Jesuiten selbst diesem Dekrete ihres Papstes sich da nicht unterwarfen, wo des Papstes Arm sie nicht erreichen konnte. Denn da Friedrich II. von Preußen und die Kaiserin Catharina II. die päpstliche Bulle nicht annahmen, so blieben die Jesuiten u. A. in Schlesien und in russisch Polen unangefochten in ihren Besitzungen; während außerdem die Exjesuiten auch in andern Staaten, wo gegen sie eingeschritten worden war, insgeheim noch fortwirkten.

In dem Folgenden erklärt der Papst in Betreff der anderweiten Verbrauchung und Anstellung der Exjesuiten: „Außerdem wollen wir, daß, wenn einer von denen, welche sich zu der Constitution des Ordens bekannten, ein Amt zum Unterricht der Jugend in den Wissenschaften verwaltet, oder ein Lehrer in einem Collegium oder in einer Schule ist, nach gänzlicher Entfernung aller (Jesuiten) von der obersten Leitung, Administration und Regierung, nur denjenigen im Lehramt zu bleiben gestattet und die Macht gegeben sein solle, welche Anzeichen geben, daß von ihrem Lehren Gutes zu hoffen sei, und vorausgesetzt, daß sie sich jenen Disputationen und Lehrstücken abgeneigt zeigen, welche entweder durch ihre Larheit (lockere Sittenlehre) oder durch ihre Nutzlosigkeit die gefährlichsten Streitigkeiten und so großen Schaden verursachen."

In dem Folgenden nimmt der Papst den Jesuiten nun auch das bis dahin genossene Privilegium, „die Bücher der Ketzer und anderer von dem apostolischen Stuhle verworfene und verdammte Schriften zu lesen."

Die ganze lange Bulle schließt endlich mit einer Drohung mit dem großen Bann, dessen Verhängung der Papst sich mit seinen Nachfolgern über diejenigen reservirt, welche diese seine Aufhebung des Ordens und Namens der Jesuiten nicht anerkennen, nicht ausführen oder unter irgend einem Vorwande wieder für ungültig erklären würden, denn sagt Clemens, „wir wollen, daß diese gegenwärtige Bulle immer und stets gültig, fest und in Kraft sei und bleibe . . . und auch in Zukunft unverletzlich beobachtet werde." — —

Aus diesem Zeugnisse eines Papstes selbst mag nun der Leser beurtheilen, mit welcher Stirn der hiesige ‚Herold des Glaubens' es wagen kann, zu schreiben, „daß alle (den Jesuiten von uns gemachten) Anschuldigungen lange widerlegt sind und sich tagtäglich überall, wo die Jesuiten wirken, von selbst vor den Augen Aller, die sehen und hören wollen, widerlegen!" Ferner, daß er es wagen kann, den Jesuitenorden eine Gesellschaft zu nennen, „die sich um die Welt in jeder Beziehung verdient gemacht hat und die einzig dasteht." Solcher Unverschämtheit ist nur ein Blatt fähig, das nicht nur in den Diensten der Jesuiten steht, sondern auch von ausgelernten Jesuiten redigirt wird, deren oberstes Moralprincip ist: „der Zweck heiligt das Mittel, selbst wenn das Mittel den heiligen Vater selbst zu einem verlogenen Verläumder machte.

Ueberdies müßen wir aber hierbei bemerken, wer, wenn er nur die oben wörtlich ausgezogenen Stellen der Aufhebungsbulle des Papstes Clemens XIV. gelesen hat, sich noch immer nicht davon überzeugen will, daß der Jesuitenorden eine Leib und Seele verderbende, Religion und Sittlichkeit untergrabende, Staat und Kirche verwüstende Gesellschaft sei, der muß entweder selbst ein Jesuit oder aus Gottes Gericht mit der furchtbarsten Blindheit geschlagen sein. Denn was für ein Ungeheuer muß eine Gemeinschaft sein, deren Hauptzweck es ist, das Papstthum zu stützen und zu verbreiten, wenn ein Papst selbst, übertäubt durch das Geschrei aller christlichen Völker, sich genöthigt sah, sie, seine treuesten Trabanten, als Gesellschaft so zu brandmarken und vor aller Welt mit Schmach und Schande zu vernichten, wie es ein Clemens XIV. gethan hat!

Dies zur Einleitung. Das nächste Mal wollen wir die Herren Jesuiten selbst reden und sich ihr Urtheil sprechen lassen; worauf wir sodann auch für die Echtheit des von uns mitgetheilten scandalösen Prager Jesuitenbriefs den Beweis liefern werden.

(Fortsetzung folgt.)

Die Irrthümer der hiesigen deutschen Wiedertäufer oder Baptisten.

So wenig man Ursache hat, zu fürchten, daß die nun auch auftretenden deutschen Wiedertäufer unter den hiesigen deutschen Lutheranern große Fortschritte machen werden—ihre Lehre ist zu confus und zu voll von Widersprüchen—: so halten wir es doch für unsere Pflicht, nicht wie andere Blätter das Erscheinen des sogenannten „Sendboten des Evangeliums" nur anzuzeigen, ja wohl gar in sündlicher Gleichgültigkeit gegen Lüge und Seelenverführung, ohne alle Warnung anzuzeigen, sondern das Falsche und Gefährliche der wiedertäuferischen besonderen Lehren nachzuweisen. Ein Diener der Kirche soll ja ein Menschenfischer sein, der, wo man das Netz des Evangeliums zerreißt, daran sein muß, die Risse wieder zu heilen. Er soll ein Wächter (nicht ein schlafender, stummer Hund) sein, der, wo auch der Feind seine Stimme wider die Wahrheit erhebt, den Feind den Bewohnern der Kirchenburg alsbald meldet und die Kriegslist und den Hinterhalt desselben ihnen entdeckt. Wenn dadurch auch nur Eine Seele vor einem gefährlichen Irrwege gewarnt und davon zurückgehalten würde, so ist das Frucht seiner geringen Arbeit genug. Wir sind zwar weit entfernt davon, mit dem rohem Zwingli, der einst selbst beim Marburger Colloquium in einem schwarzen Wappenrock und mit einem Gewehr im Gürtel erschien,*) zu sprechen: “Qui mersus fuerit, mergatur,” das heißt, wer sich hat wiedertaufen lassen, den taufe man mit einem Stein am Halse in der Tiefe des Meeres.**) Wir theilen vielmehr den von Dr. Rudelbach dem Könige von Dänemark in einem amtlichen Bedenken vorgelegten Grundsatz unserer alten lutherischen Kirche, daß man auch den Wiedertäufern Religions- und Gewissensfreiheit gewähren solle, es sei denn, daß sie, wie ihre münsterischen Großväter, staatsgefährliche Grundsätze hegen und Complotte zum Umsturz der bürgerlichen Ordnung schmieden. Wir erklären es daher auch für eine lügenhafte Verläumdung, wenn der jetzt hier herumstreichende Hamburger Wiedertäufer Onken den Amerikanern weis macht, als sei er in Deutschland von den Lutheranern verfolgt worden, da er wohl weiß, daß dieselben (zwar lutherisch sich nennenden, aber rationalistischen und unirt-evangelischen) Behörden, die ihm sein Vagabundiren und Proselytenmachen nicht gestatten wollten, ebenso und noch viel härter diejenigen verfolgt haben, welche wirklich Lutheraner sind. So weit wir aber, wie gesagt, davon entfernt sind, den deutschen Wiedertäufern die Freiheit zu mißgönnen, die dieselben hier genießen, so ernstlich müßen wir jedoch vor ihren Irrlehren warnen und für so groß und verderblich müßen wir diese erklären. Alle Arten von Irrthümern, wie sie sich in den andern Secten zerstreut vorfinden, findet man bei den Wiedertäufern wie in einer Grundsuppe gesammelt. Reformirte, papistisch-antichristliche u. socinianisch-rationalistische Irrthümer sind hier, wie in der alten Fabellehre die Ungeheuer, zu einem Ganzen vereinigt. Und diese Irrthümer sind bei ihnen so kräftig, daß sie ihr ganzes Glaubens- und Lehrsystem wie ein Gift durchdringen und nicht Einen Artikel des Glaubens rein und unverletzt lassen.

*) Siehe Greser's (eines Augenzeugen) Historie seines Lebens.

**) Auf Zwingli's Rath wurde daher der Wiedertäufer Manzius vom Magistrat zu Zürich ersäuft, so wie der Senat zu Genf auf Calvin's Antrieb dem Leugner der Dreieinigkeit, Servet, verbrennen ließ. Luther hingegen legte für einen Carlstadt eine Fürbitte bei dem Churfürsten ein und schrieb an Tezel, als dieser von aller Welt verlassen war, einen Trostbrief.

Um den hiesigen deutschen Wiedertäufern vollkommen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, wollen wir, was die Irrthümer betrifft, die wir ihnen Schuld geben, uns streng an das halten was sie in ihrem neuen Organ, dem „Sendboten des Evangeliums" an den Tag gegeben haben.

Aus dem genannten Blatte, von dem uns bis jetzt nur die drei ersten Nummern zugekommen sind, geht aber schon klar hervor, daß die hiesigen deutschen Wiedertäufer unter Anderen im ausdrücklichem Gegensatz gegen die heilige Schrift falsch lehren: von der Kraft der Taufe überhaupt, von der Kindertaufe insonderheit, von den wesentlichen Stücken der Taufe, von dem heil. Abendmahl und von der Kirche; einzeln vorkommende Äusserungen ungerechnet, aus denen nur zu deutlich hervorgeht, daß sie auf gut münsterisch und münzerisch das Reich Christi mit dem Reiche

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important reasons and moved by other grounds, which both the laws of prudence and the good government of the universal Church suggest to us, and which we keep in the depth of our heart,*) after mature consideration, from certain knowledge and from the fullness of our apostolic power: have hereby extinguished and suppressed the oft-named Society, and abolished and done away with each and all of its offices, houses, schools, colleges, etc., in every province, in every realm and territory."**)

*) What testimony, then, would the Jesuits have received from the Holy Father altogether, if he had not out of prudence still kept silent about the worst!?

**) It is known that the Jesuits themselves did not submit to this decree of their Pope where the Pope's arm could not reach them. For since Frederick II. of Prussia and the Empress Catharine II. did not accept the papal Bull, the Jesuits remained, among other places, in Silesia and in Russian Poland undisturbed in their possessions; while besides, the ex-Jesuits also in other states, where proceedings had been taken against them, continued secretly to work on.

In what follows the Pope declares concerning the further employment and placing of the ex-Jesuits: "Moreover we will that, if any one of those who professed the Constitution of the order administers an office for the instruction of youth in the sciences, or is a teacher in a college or in a school, after the complete removal of all (Jesuits) from the supreme direction, administration and government, only those shall be permitted to remain in the teaching office and be given the power, who give signs that good is to be hoped from their teaching, and provided that they show themselves averse to those disputations and doctrines which, either through their laxity (loose moral teaching) or through their uselessness, cause the most dangerous disputes and so great harm."

In what follows the Pope now also takes from the Jesuits the privilege hitherto enjoyed "of reading the books of heretics and of other writings rejected and condemned by the apostolic See."

The whole long Bull concludes at last with a threat of the great ban, the imposition of which the Pope reserves to himself and his successors against those who would not recognize, not carry out, or under any pretext declare again invalid this his abolition of the order and name of the Jesuits, for, says Clement, "we will that this present Bull be and remain always and continually valid, firm and in force . . . and also in the future be inviolably observed." — —

From this testimony of a Pope himself the reader may now judge with what effrontery the local 'Herold des Glaubens' can dare to write "that all the accusations (made by us against the Jesuits) have long been refuted and refute themselves daily everywhere, wherever the Jesuits work, of themselves before the eyes of all who will see and hear!" Further, that it can dare to call the Jesuit order a society "that has deserved well of the world in every respect and that stands alone." Of such impudence only a paper is capable that not only stands in the service of the Jesuits, but is also edited by seasoned Jesuits, whose highest moral principle is: "the end sanctifies the means, even if the means should make the Holy Father himself a lying slanderer.

Besides, we must remark here that whoever, having read only the above literally extracted passages of the Bull of abolition of Pope Clement XIV., still will not be convinced that the Jesuit order is a society destroying body and soul, undermining religion and morality, laying waste state and church, must either be a Jesuit himself or be struck by God's judgment with the most fearful blindness. For what a monster must a community be whose chief purpose is to support and spread the papacy, if a Pope himself, deafened by the outcry of all Christian peoples, saw himself compelled to brand them, his most faithful henchmen, as a society in this way, and before all the world to annihilate them with shame and disgrace, as a Clement XIV. has done!

So much by way of introduction. The next time we will let the Jesuit gentlemen themselves speak and pass judgment on themselves; whereupon we shall then also furnish the proof for the genuineness of the scandalous Prague Jesuit letter communicated by us.

(To be continued.)

The Errors of the German Anabaptists or Baptists Here.

However little cause one has to fear that the German Anabaptists now also appearing will make great progress among the German Lutherans here—their doctrine is too confused and too full of contradictions—: yet we hold it our duty not, like other papers, merely to announce the appearance of the so-called "Sendbote des Evangeliums," or even, in sinful indifference toward falsehood and the seduction of souls, to announce it without any warning, but to point out the false and dangerous character of the peculiar Anabaptist doctrines. A servant of the Church is indeed to be a fisher of men, who, where the net of the Gospel is torn, must see to it that the rents are mended again. He is to be a watchman (not a sleeping, dumb dog) who, wherever the enemy raises his voice against the truth, promptly reports the enemy to the inhabitants of the castle of the Church and uncovers to them his stratagem and ambush. If thereby but one soul were warned of a dangerous error and kept back from it, that is fruit enough for his small labor. We are indeed far from saying, with the rough Zwingli, who once at the Marburg Colloquy appeared in a black coat of arms and with a gun in his belt,*) "Qui mersus fuerit, mergatur," that is, whoever has had himself rebaptized, let him be baptized with a stone about his neck in the depth of the sea.**) We rather share the principle of our old Lutheran Church, laid before the King of Denmark by Dr. Rudelbach in an official opinion, that one should grant also to the Anabaptists religious and liberty of conscience, unless, like their Münster grandfathers, they hold principles dangerous to the state and hatch plots for the overthrow of the civil order. We therefore declare it also a lying slander when the Hamburg Anabaptist Onken, now going about here, makes the Americans believe that he was persecuted in Germany by the Lutherans, since he knows very well that the authorities (calling themselves Lutheran, to be sure, but rationalistic and United-evangelical) who would not permit him his vagabondage and proselytizing, have just so, and much more severely, persecuted those who are really Lutherans. But as far as we are, as said, from begrudging the German Anabaptists the freedom which they enjoy here, so earnestly must we nevertheless warn against their heresies, and so great and pernicious must we declare them. All kinds of errors, as they are found scattered in the other sects, one finds gathered in the Anabaptists as in a ground-soup. Reformed, papistic-antichristian and Socinian-rationalistic errors are here, as the monsters in the old fable-lore, united into one whole. And these errors are so potent with them that they penetrate their whole system of faith and doctrine like a poison and leave not one article of faith pure and unharmed.

*) See Greser's (an eyewitness) History of his Life.

**) At Zwingli's counsel the Anabaptist Manz was therefore drowned by the magistrate at Zurich, just as the senate at Geneva, at Calvin's instigation, had the denier of the Trinity, Servetus, burned. Luther, on the other hand, interceded with the Elector for a Carlstadt, and wrote to Tetzel, when he was forsaken by all the world, a letter of consolation.

In order to do full justice to the German Anabaptists here, we will, as regards the errors which we charge upon them, hold strictly to what they have given to the light in their new organ, the "Sendbote des Evangeliums."

From the said paper, of which we have so far received only the first three numbers, it already appears clearly that the German Anabaptists here teach falsely, among other things, in express contradiction to Holy Scripture: of the power of Baptism in general, of infant baptism in particular, of the essential parts of Baptism, of the Holy Supper and of the Church; to say nothing of single utterances from which it appears only too plainly that after the manner of Münster and of Münzer they mingle the kingdom of Christ with the kingdom