Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-23, Seite 54

49 50 51 52 53 54 55 56

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

54

sten, zu Harburg an der Elbe gebaut „Kandace“ genannt; der Preis 14,000 Rth. ist bezahlt; ein Hamburger Kaufmann hat es mit Gütern für das Cap der guten Hoffnung geladen und zahlt für die Fracht die Kosten der Reise. Das Schiff ist durch eine schöne Predigt des Pastors Harms eingeweiht, und die Missionäre sind vom lutherischen Consistorium in Stade examinirt und für tüchtig befunden worden.—Hört, ihr Lutheraner, predigt unser Herr Gott nicht auch euch aus dieser Geschichte: Ich will euch zu eifern reizen? Hört auch namentlich, ihr jüngeren Bekenner, in der Lüneburger Heide haben sich eben 50 junge Leute zum Missionsdienst gemeldet; Könnten nicht auch 50 von euch in unseren Seminarien zu Fort Wayne und St. Louis sein?

Wie möchte ich doch so gern noch mehr solcher Geschichten erzählen; aber die andern Nachrichten, die ich habe, sind trauriger Natur und sollen uns zum Beten reizen.

Vom 13. bis 16. September wurde in Berlin wieder ein Kirchentag gehalten, d. h. eine freie Versammlung von Christen aus allen Theilen Deutschlands, auf welcher sie das Beste der Kirche berathen wollten. Diese Leute, an deren Spitze z. B. Nitsch, Krummacher und Julius Müller stehen, haben bisher erklärt: Alles ist unser, Lutherisch und Reformirt Bekenntniß, und haben daher die Verwirrung in Lehre und Glauben mehren helfen. Das erregte indeß doch Unzufriedenheit und Mißbehagen bei ihnen selbst und ihren Freunden. Da haben sie nun diesmals das Bekenntniß der Evangelischen (d.h. der aus Lutherischen und reformirten gemischten) Kirche anerkannt die ungeänderte Augsburgische Konfession, nur sollte in Bezug auf den 10. Artikel (vom heil. Abendmahl) Jeder glauben und halten, wie er müße. Als ob nicht der 10. Artikel die Hauptänderung der geänderten Augsburgischen Confession enthalte, und als ob nicht die Aenderung des 10. Artikels darin bestände, daß dadurch den Leuten Erlaubniß gegeben wird, zu bekennen, was ihnen beliebt. Die Leute vom Kirchentage bekennen also die ungeänderte Augsburgische Konfession, insofern als sie verändert ist, d. h., da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Ein Superintendent erklärte auf dem Kirchentage, er sei ein Freund aller Secten.

Hr. P. Grabau wurde für den 7. October zu Waren im nördlichen Mecklenburg erwartet, wo er einen Vortrag über seinen Streit mit uns halten wollte.

In Deutschland will es doch nirgend mehr fort mit den freien Gemeinden und revolutionären Predigern. Wislicenus, ein Hauptanführer der freien Gemeinden in Preußisch-Sachsen, und Dülon, einer der ärgsten revolutionären Prediger, welcher in Bremen ein gräuliches Aergerniß angerichtet hatte und dort abgesetzt wurde, sind auf dem Wege nach den Ver. Staaten. Hilf Gott, wie werden doch wir armen Deutschen hier zu Lande heimgesucht mit dem Kehricht Deutschlands. Betet doch fleißig, daß das Reich Gottes unter uns komme!

Ihr wollt auch noch etwas hören von Welthändeln? Etwa wie hinten weit in der Türkei die Völker auf einander schlagen? Nun, sie schlagen sich wohl noch nicht, doch hat der Türkische Sultan wirklich wider den Kaiser von Rußland Krieg erklärt. Der alte Fürst Paskiewitsch an der Spitze der Russischen Truppen in der Moldau und Wallachei, und Omar Pascha, der Anführer der Türken, stehen an der Donau einander gegenüber, und die russische und türkische Flotte im schwarzen Meer sind nicht weit von einander Auch die französische und englische Flotte bewegen sich auf Constantinopel zu, nachdem mehrere Schiffe der letzteren sich schon früher vor die Stadt gelegt haben, um den Sultan gegen seine eigenen Unterthanen, die Krieg verlangten, zu schützen. Die armen Christen in den türkischen Provinzen, die von ihren Bischöfen nicht geschützt werden, sind den Mißhandlungen der Türken dermaßen bloß gestellt, daß in Macedonien während 6 Monaten 942 Christen theils meuchlerisch, theils im Kampf mit den Türken ermordet wurden. Sollte, was noch zu bezweifeln ist, der Krieg wirklich ausbrechen, so wird er wohl auf die Türkischen Grenzen beschränkt bleiben, da Oestreich, so wenig wie Preußen, etwas damit zu thun haben wollen.

In China machen die Aufrührer, welche Nankin besetzt halten, Fortschritte nach Norden und Süden, nach der Hauptstadt Pekin, und nach der Haupt-Handelsstadt Canton. Ist jetzt nicht viel davon zu erzählen.

In Deutschland und mehreren andern Ländern Europa's sind bereits und werden theuere Zeiten. Es hat fast überall kaum eine Mittelerndte gegeben. Der vergangene Winter war seltsam. Im December und Januar so warm, daß Veilchen und Kirschen vieler Orten blühten, brachte er vom Februar bis in den April hinein solche Schneemassen, wie seit lange nicht erlebt ist. Im April war es kalt wie im März, und im Mai so rauh wie im April. Neben großer Nässe hat dieser Sommer zerstörende Hagelschläge und Überschwemmungen gebracht, die oft meilenweit die Erndte zerstört haben, z. B. in Würtemberg, in der Gegend des Harzes und in Sachsen, wo ein Gewitter eine Strecke von 40 bis 50 (englischen) Meilen verwüstet hat. Doch preisen die Christen in Deutschland Gottes Gnade, der sie annoch vor schwereren Landplagen, namentlich vor der Geißel des Kriegs bewahrt hat.

(Eingesandt.)

Erklärung.

Im kirchlichen Informatorium Jahrg. 3, Nr. 6 macht Herr Professor Winkler viel Wesens davon, daß wir vor zwei Jahren dem Präses unserer Synode einige Bedenken vorlegten, die unser Bruder Baierlein über die so viel besprochene Angelegenheit der Detroiter Gemeinde hegte. Aber abgesehen davon, daß der Mann dies dazu mißbraucht, den wahren Stand der Sache zu verrücken: denn keineswegs haben wir so voreilig abgeurtheilt, wie es nach dem Informatorium scheint, sondern nur auf eine nähere Untersuchung angetragen; so geht doch aus Allem, was geschehen ist, nur hervor, daß auch der beste Wille, die Sache des Herrn Prof. Winkler zu vertreten, denselben nicht von dem Vorwurf reinigen konnte, alles das selbst veranlaßt zu haben, was er seinen vermeintlichen Widersachern schuld giebt. Damit nun Herr Professor Winkler ferner nicht zu sehr auf den gutgemeinten, aber, wie wir jetzt erkennen, höchst unweisen Versuch poche, den wir im Jahre 1851 machten, verläumderische Angriffe auf unsere Synode auch in den Augen der Feinde zu entkräften, so erklären wir bei dieser Gelegenheit, daß unser Bruder Baierlein lediglich durch Briefe des Herrn Prof. Winkler bewogen worden war, die erwähnten Bedenken zu erheben. Wir thaten dann nichts weiter, als daß wir die Bitte unseres Bruders, durch genaue Nachfrage zu ermitteln, ob entweder in der ersten Untersuchung übersehen worden sei, was H. Prof. Winkler der Gemeinde des H. Past. Schaller schuld gebe, oder ob diese nur verläumdet werde, durch ein kurzes Gesuch bei unserem Präsidenten unterstützten. Wir ließen uns hierbei von dem Gesichtspunkt leiten, dem Gegner alle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und wurden darüber ungerecht gegen eigene Brüder. Wir haben dadurch, wie wir jetzt erfahren, einem Feinde nur geschadet und Brüder betrübt. Beides thut uns leid. Wiewohl wir uns bewußt sind, damals in aller Einfalt gehandelt zu haben, so hätten wir doch besser gethan, nicht allein auf die letzte, sondern auch auf die erste Hälfte des Spruchs zu merken: „Seid klug, wie die Schlangen, und ohne Falsch, wie die Tauben.“ Matth. 10, 16.

Die Predigerconferenz in Saginaw Co., Michigan;
Frankenmuth am 3. Nov. 1853.

K. Röbbelen.
F. Sievers.
J. J. F. Auch.
D. Clöter.
H. Pinkepank.

(Für den Lutheraner.)

(Fortsetzung)

3.

Aus der Gegenwart.

Ein jüngerer Pfarrer besuchte einmal einen älteren Pfarrer. Da nun jener sehr groß und dicke that, daß er ganz entschieden lutherisch wäre, so fragte ihn der ältere Pfarrer, was man nach seiner Meinung im heiligen Abendmahle empfange. Nach einigem Zögern und Hin- u. Herrutschen antwortete der liebe Mann: „Nun, wir empfangen da den Geistleib Christi. Darauf reichte ihm der ältere Pfarrer die Bibel und sagte ihm, er solle darin die Stellen aufschlagen, die davon handelten. Das konnte er natürlich nicht und brachte dann das Gespräch auf die

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

54

sten, built at Harburg on the Elbe and named "Kandace"; the price, 14,000 Rth., is paid; a Hamburg merchant has loaded it with goods for the Cape of Good Hope and pays the costs of the voyage by way of freight. The ship has been consecrated by a fine sermon of Pastor Harms, and the missionaries have been examined by the Lutheran Consistory at Stade and found competent.—Hear, ye Lutherans, doth not the Lord our God preach also to you out of this story: I will provoke you to jealousy? Hear also, in particular, ye younger confessors, in the Lüneburg Heath 50 young people have just offered themselves for the mission service; could not 50 of you also be in our seminaries at Fort Wayne and St. Louis?

How gladly would I tell still more such stories; but the other news that I have is of a sad nature and ought to move us to prayer.

From the 13th to the 16th of September a Kirchentag was again held in Berlin, that is, a free assembly of Christians from all parts of Germany, at which they wished to deliberate upon the welfare of the Church. These people, at whose head stand, for example, Nitzsch, Krummacher and Julius Müller, have hitherto declared: All is ours, Lutheran and Reformed confession, and have thus helped to increase the confusion in doctrine and faith. That, however, aroused dissatisfaction and discomfort among themselves and their friends. So this time they have acknowledged as the confession of the Evangelical (that is, the mixed Lutheran and Reformed) Church the unaltered Augsburg Confession, only that with respect to the 10th Article (on the holy Supper) everyone should believe and hold as he must. As if the 10th Article did not contain the chief alteration of the altered Augsburg Confession, and as if the alteration of the 10th Article did not consist in this, that permission is thereby given to the people to confess whatever pleases them. The people of the Kirchentag therefore confess the unaltered Augsburg Confession, in so far as it is altered, that is, "professing themselves to be wise, they became fools." A superintendent declared at the Kirchentag that he was a friend of all sects.

Mr. P. Grabau was expected on the 7th of October at Waren in northern Mecklenburg, where he intended to deliver a lecture on his controversy with us.

In Germany the free congregations and revolutionary preachers will make no more headway anywhere. Wislicenus, a chief leader of the free congregations in Prussian Saxony, and Dülon, one of the worst revolutionary preachers, who had caused a dreadful scandal in Bremen and was deposed there, are on the way to the United States. Help, God, how are we poor Germans here in this country visited with the sweepings of Germany. Pray diligently that the kingdom of God may come among us!

Would you also hear something of world affairs? Of how, far away in Turkey, the peoples fall upon one another? Well, they are perhaps not yet fighting, yet the Turkish Sultan has actually declared war against the Emperor of Russia. The old Prince Paskievich at the head of the Russian troops in Moldavia and Wallachia, and Omar Pasha, the leader of the Turks, stand facing one another on the Danube, and the Russian and Turkish fleets in the Black Sea are not far from one another. The French and English fleets also are moving toward Constantinople, several ships of the latter having already earlier laid themselves before the city, in order to protect the Sultan against his own subjects, who demanded war. The poor Christians in the Turkish provinces, who are not protected by their bishops, are so exposed to the ill-treatment of the Turks that in Macedonia within 6 months 942 Christians were murdered, partly by treachery, partly in fight with the Turks. Should the war actually break out, which is still to be doubted, it will probably remain confined to the Turkish frontiers, since Austria, as little as Prussia, wishes to have anything to do with it.

In China the rebels who hold Nanking are making progress northward and southward, toward the capital Peking, and toward the chief commercial city Canton. There is not much to tell of it now.

In Germany and several other countries of Europe hard times are already come and are coming. Almost everywhere there has hardly been a middling harvest. The past winter was strange. In December and January so warm that violets and cherries blossomed in many places, it brought from February far into April such masses of snow as have not been experienced for a long time. In April it was as cold as in March, and in May as raw as in April. Besides great wetness, this summer has brought destructive hailstorms and floods, which have often destroyed the harvest for miles around, for example in Württemberg, in the region of the Harz, and in Saxony, where a thunderstorm laid waste a stretch of 40 to 50 (English) miles. Yet the Christians in Germany praise the grace of God, which has still preserved them from heavier plagues of the land, namely from the scourge of war.

(Sent in.)

Declaration.

In the Kirchliches Informatorium, Jahrg. 3, No. 6, Professor Winkler makes much ado over the fact that two years ago we laid before the President of our Synod some misgivings which our Brother Baierlein entertained concerning the much-discussed affair of the Detroit congregation. But apart from the fact that the man misuses this to distort the true state of the case: for by no means did we judge so hastily as it appears from the Informatorium, but only proposed a closer investigation; yet from all that has happened it appears only that even the best will to take up the cause of Prof. Winkler could not clear him of the reproach of having himself occasioned all that which he lays to the charge of his supposed adversaries. In order, then, that Professor Winkler may no longer boast too much of the well-meant but, as we now recognize, most unwise attempt which we made in the year 1851 to refute slanderous attacks upon our Synod even in the eyes of its enemies, we declare on this occasion that our Brother Baierlein was moved solely by letters of Prof. Winkler to raise the misgivings mentioned. We then did nothing further than to support, by a short petition to our President, the request of our Brother that it be ascertained by exact inquiry whether what Prof. Winkler lays to the charge of the congregation of Pastor Schaller had perhaps been overlooked in the first investigation, or whether this congregation was merely slandered. In this we let ourselves be guided by the point of view of doing every justice to the opponent, and were thereby unjust toward our own brethren. We have thereby, as we now learn, done harm only to an enemy and grieved brethren. We are sorry for both. Although we are conscious of having acted at that time in all simplicity, yet we should have done better to heed not only the latter but also the first half of the saying: "Be ye therefore wise as serpents, and harmless as doves." Matth. 10, 16.

The Preachers' Conference in Saginaw Co., Michigan;
Frankenmuth, the 3d of Nov. 1853.

K. Röbbelen.
F. Sievers.
J. J. F. Auch.
D. Clöter.
H. Pinkepank.

(For the Lutheraner.)

(Continuation)

3.

From the Present Day.

A younger pastor once visited an older pastor. Since the former made great and big pretensions that he was quite decidedly Lutheran, the older pastor asked him what, in his opinion, one receives in the holy Supper. After some hesitation and shifting this way and that, the good man answered: "Well, there we receive the spiritual body of Christ." Thereupon the older pastor handed him the Bible and told him to look up in it the passages that treat of this. That, of course, he could not do, and then he turned the conversation to the