Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 9 › Seite 70

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-12-20, Seite 70

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Geh'! häng die Harfe an die Weiden:
Ist auch ein Schmerz wie unser Schmerz?
Betracht ich unsrer Kirche Leiden,
So wallet mein betrübtes Herz.
Ach! unsre Mauern liegen nieder,
Und unsre Hallen sind zerstört,
Verstummt sind Zions Freudenlieder,
Und unser Weinberg ist verheert.

Denn das Bekenntniß, das gleich Mauern,
Auf Gottes ewges Wort gestützt,
Vor aller Feinde listgem Lauern
Die heilge Burg so lang geschützt,
Und dessen ruhmgekrönte Zinnen
Das nie besiegte Banner schmückt:
Das wird mit frevelem Beginnen
Von Lutheranern selbst zerstückt.

Doch sieh! was drohet Zions Thürmen
Dort fur ein finster furchtbar Heer,
Bereit die heilge Burg zu stürmen,
Gehüllt in grausenhafte Wehr?
Was tobt dort aus der Hölle Schlünden
Fur ein verderbensschwangrer Strom?
Es ist der Papst der Mensch der Sunden,
Es ist der Antichrist von Rom.

Und was sind dort für grimme Feinde,
Entflammet von der Hölle Gluth,
Die so den HErrn und die Gemeinde
Verlästern voller Haß und Wuth,
Die alles Heilige verspotten,
Sich lehnen wider Christum auf?
Es sind der Gottesleugner Rotten,
Es ist der Spötter roher Hauf.

So stürmt der Satan immer weiter
Auf unser liebes Zion ein.
Und ach! nur wenig sind der Streiter,
Die wider diese Gräuel schrein.
Nur wenig Treue sind zu schauen,
Die tapfer an dem Risse stehn,
Und eifrig Zions Mauern bauen,
Und brunstig fur sie Gott anflehn.

Und diese Wen'gen höhnet die Menge:
„Ihr seid zu scharf in eurer Zucht;
Ihr seid in eurer Lehr zu strenge,
Und leidet an Verdammungssucht.
Ihr laßet nicht die Liebe walten,
Und steht zu fest auf eurem Sinn;
Ihr wollt nur euch fur Christen halten,
Und werfet alles andre hin.“

Doch sollt ich drum die Kirche lassen,
Weil nur so klein ihr Streiterheer,
Und viele sie ohn Ursach hassen,
Wie einst den Heiland?— Nimmermehr!
Jerusalem! vergeß ich deiner,
So will ich dulden alle Pein:
Der HErr vergesse dann auch meiner,
Wirst du mein höchste Freud nicht sein.

O evangel'sch luther'sches Zion!
Du stehst auf Gottes reinem Wort:
Drum weich trotz Noth und Tod nicht davon,
Fahr freudig im Bekennen fort!
Dein HErr hat mächtig überwunden
Welt, Teufel, Höll im heilgen Krieg:
Wirst du im Glauben treu erfunden,
Ist dir gewiß der ewge Sieg.

Herrmann Fick.

Welthändel.

Der schon lange drohende Krieg zwischen den Russen und Türken ist wirklich ausgebrochen. Sultan Abdul Meschid, von den Gesandten Frankreichs, Englands und namentlich Östreichs zu friedlichen Maßregeln gedrängt, hatte eben noch an den Obergeneral seiner Truppen, Omar Pascha, den Befehl erlassen, die Russen nicht anzugreifen, wenn es nicht schon geschehen sei, aber es war zu spät; die Türken hatten bereits auf einige russische Schiffe, welche die Donau hinauf zu fahren wagten, geschossen. Am 4. November gingen die Türken bei Kalafat über die Donau und drangen in die Wallachei ein auf Oltenitza zu, wo der Russe Gortschakoff sie erwartete. In zwei Schlachten, am 5. und am 11. November, geschlagen, sah sich Gortschakoff genöthigt, auf Bucharest, die Hauptstadt der Wallachei zurück zu weichen. Am 12. November indeß zog sich Omar Pascha selbst wiederum zurück, ließ nur in Kalafat eine starke Besatzung und sammelte seine übrigen Truppen wieder auf der Türkischen Seite der Donau. Es scheint, als ob der herannahende Winter wohl die beiden streitigen Parteien an der Fortsetzung des Krieges hindern wird, da z. B. die Russen den einen Haupttheil ihrer Flotte in die Häfen zum Überwintern bringen. Übrigens sind die Russen auch am Kaukasus, wo sie seit Jahren mit den Circassiern kämpfen, geschlagen und scheinen überhaupt mit ihren Kriegsheeren nicht im besten Stande zu sein. Mit den vielen unsicheren Nachrichten über die Pläne des Russischen Kaisers Nikolaus, der die Völker, welche im Norden der englischen Besitzungen in Ostindien wohnen, zum Kriege gegen England reizen soll, will ich die Geduld unserer Leser nicht ermüden, doch aber alle lieben Christen und Glaubensgenossen auffordern, zu beten, daß unser Herr Gott den Krieg von unserm deutschen Vaterlande fern halte. Der Russische Kaiser ist bereits höchst erbost auf England und besonders Frankreich, weil diese ihre Kriegsflotten in den Eingang des Schwarzen Meeres vor Constantinopel gelegt haben, um die Türkey zu erhalten, wenn der Russe siegreich herandringen sollte. Dazu kommt, daß Östreich mit Rußland befreundet ist, daher auch schon von Frankreich gewarnt, sich nicht Russischer Flüchtlinge anzunehmen. Sollten, was Gott verhüten wolle, die Drohungen, welche bis jetzt zwischen Rußland einestheils und England und Frankreich anderntheils gewechselt werden, zum Kriege führen, so würden die Schlachten, wie seit so langer Zeit gewöhnlich, in Detuschland stattfinden, da auch Preußen schwerlich sich neutral erhalten könnte. Denkt aber, lieben Brüder, was würde aus der eben wiener aufsprießenden jungen Saat christlichen Glaubens und Lebens in Deutschland werden, wenn der wüste Krieg dort ausbrechen sollte! dem barmherzigen Gott sei unser liebes deutsches Vaterland in Gnaden befohlen.

Aus China wird wahrscheinlich bald die Nachricht eintreffen, daß die Hauptstadt Pekin von den Empörern erobert ist; viel Blut fließt dort, nicht sowohl in den Schlachten, denn die Chinesen laufen gewöhnlich bald davon, aber wenn die Empörer einen Platz erobert haben, so ermorden sie alle Beamteten und Vornehmen. Merkwürdige Soldaten das: jeder chinesische Soldat braucht einige Bediente, die ihm sein Gepäck nachtragen, namentlich einen, der ihm einen Sonnenschirm über den Kopf hält; sein Gewehr legt er einem solchem auf die Schulter, wendet dann sorgfältig sein Gesicht ab und brennt los, die mögen nicht gerne Pulver riechen.

Am 5. December ist der Congreß in Washington zusammen getreten und am 6. hat Präsident Pierce seine Botschaft eingereicht, worin er anzeigt, wie es mit unserm Lande stehe und nach welchen Grundsätzen er sein Amt verwaltet und ferner zu verwalten gedenkt. Ganz besonders verständig spricht er über allerhand große Pläne, zu deren Annahme die Speculanten den Congreß nur gar zu gern bewegen möchten, namentlich über die Anlage einer Eisenbahn quer durch die Vereinigten Staaten bis nach Californien; wird des Präsidenten Rath befolgt, so leistet die Regierung alle Hülfe bei jenem Unternehmen, überläßt aber die Sache selbst Privatleuten.

Die Vereinigten Staaten Regierung hat im vergangenen Jahre viel, viel Geld gemacht, hat jetzt über 32 Millionen Dollars Überschuß daliegen, hat beinahe 13 Millionen Dollars Schulden abbezahlt und nur gegen 57 Millionen Schulden. Das ist nun auch recht erfreulich, und wenn der Präsident schreibt, wir hätten allen Grund, Gott zu danken für die Gnade und Wohlthat, die Er auch im vergangenen Jahre uns habe zu Theil werden lassen, so schreibt er das wahrlich mit Recht. Allein wenn nun die Amerikaner aus diesem Überschuß von 32 Millionen schließen, es stehe mit dem hiesigen Volke und Lande so viel besser als mit den Europäischen Staaten, unter denen manche alljährlich wie die Schiltburger handeln, als diese einen tiefen Brunnen gegraben (die klugen Schiltburger, genöthigt die ausgegraben: Erde fort zu schaffen, gruben einen noch tieferen Brunnen daneben und schafften da die Erde hinein); wenn die Amerikaner den Zustand ihres Volkes nach der Masse von Dollars beurtheilen, welche gemacht werden, so irren sie nicht bloß damit, sondern bringen ihr eigenes Volk und Land sogar in Gefahr. Sie leiten nemlich auf die Weise die Leute an, den Mammon für den besten und höchsten Schatz zu halten u. auf den Erwerb desselben all ihr Dichten und Trachten zu richten: kurz gesagt, sie verführen die Einwohner dieses Landes zum Geiz, der Wurzel alles Übels, und pflanzen einen niedrigen, gemeinen Sinn in die Gemüther. Die meisten hiesigen Zeitungen sind jetzt bald so weit gekommen, daß sie ohne Hehl lehren, Gelderwerb sei doch am Ende das wichtigste und nothwendigste Bestreben des ganzen Lebens, und Präsident Pierce wird von nur wenigen gehört werden, wenn er in seiner Botschaft die Überzeugung ausspricht, daß wir uns auf keinen anscheinenden Fortschritt verlassen können, wenn nicht derselbe durch eine nationale Rechtschaffenheit getragen werde, die sich auf die hohen Wahrheiten göttlicher Offenbarung gründe. Mit dem gewöhnlichen Raisonnement des sog. gesunden Menschenverstandes kann man Alles, auch das Schlechteste beweisen, aus Süß Sauer und aus Sauer Süß machen; so läßt sich auch das wahre Widerspiel aller Rechtschaffenheit, Geiz und Habsucht als nützlich beweisen so daß das böse Herz mit rechter Freude darnach greift. Gott bewahre alle Einwohner dieses Landes und namentlich die Deutschen vor der erschrecklichen Verführung, Geld und Gut für die höchsten und wichtigsten Schätze zu achten

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Go, hang the harp upon the willows:
Is there a sorrow like our sorrow?
When I behold our Church's sufferings,
My troubled heart is moved.
Ah! our walls lie low,
And our halls are destroyed,
The songs of Zion's joy are silent,
And our vineyard is laid waste.

For the Confession, which like walls,
Founded upon God's eternal Word,
Against all enemies' crafty lurking
Has so long protected the holy fortress,
And whose glory-crowned battlements
The never-conquered banner adorns:
That is, with wanton enterprise,
Shattered by Lutherans themselves.

But see! what threatens Zion's towers
There, a dark and fearful host,
Ready to storm the holy fortress,
Clothed in dreadful armor?
What rages there out of the abysses of hell,
A stream pregnant with destruction?
It is the Pope, the man of sin,
It is the Antichrist of Rome.

And what are those grim enemies there,
Inflamed by hell's fire,
Who thus revile the LORD and the congregation
Full of hatred and rage,
Who mock at everything holy,
Rise up against Christ?
They are the bands of God-deniers,
It is the rude rabble of scoffers.

So Satan storms ever onward
Upon our dear Zion.
And alas! few are the fighters
Who cry out against these abominations.
Few faithful are to be seen
Who stand bravely at the breach,
And zealously build Zion's walls,
And fervently implore God for her.

And these few the multitude mocks:
"You are too strict in your discipline;
You are too severe in your doctrine,
And suffer from a mania for damning.
You do not let love rule,
And stand too firm on your own mind;
You want to hold only yourselves for Christians,
And cast away all others."

Yet should I therefore leave the Church,
Because her host of fighters is so small,
And many hate her without cause,
As once they did the Saviour? Never!
Jerusalem! if I forget thee,
I will bear all pain:
Let the LORD then forget me also,
If thou be not my highest joy.

O evangelical Lutheran Zion!
Thou standest on God's pure Word:
Therefore, despite need and death, depart not from it,
Go on joyfully in confessing!
Thy LORD has mightily overcome
World, devil, hell in the holy war:
If thou art found faithful in faith,
The eternal victory is certain to thee.

Herrmann Fick.

News of the World.

The long-threatening war between the Russians and Turks has actually broken out. Sultan Abdul Medjid, pressed to peaceful measures by the envoys of France, England and especially Austria, had only just ordered the commander-in-chief of his troops, Omar Pasha, not to attack the Russians, if it had not already happened, but it was too late; the Turks had already fired upon some Russian ships which ventured to sail up the Danube. On the 4th of November the Turks crossed the Danube at Kalafat and advanced into Wallachia toward Oltenitza, where the Russian Gortschakoff awaited them. Beaten in two battles, on the 5th and on the 11th of November, Gortschakoff saw himself compelled to withdraw to Bucharest, the capital of Wallachia. On the 12th of November, however, Omar Pasha himself withdrew again, leaving only a strong garrison in Kalafat and gathering his remaining troops again on the Turkish side of the Danube. It appears as if the approaching winter will probably hinder the two contending parties from continuing the war, since, for example, the Russians are bringing the one main part of their fleet into the harbors to winter. Moreover, the Russians are also beaten in the Caucasus, where for years they have been fighting with the Circassians, and seem on the whole not to be in the best condition with their armies. With the many uncertain reports about the plans of the Russian Emperor Nicholas, who is said to incite the peoples dwelling north of the English possessions in the East Indies to war against England, I will not weary the patience of our readers, but I do call upon all dear Christians and fellow believers to pray that our Lord God keep the war far from our German fatherland. The Russian Emperor is already highly enraged at England and especially France, because they have laid their war fleets at the entrance of the Black Sea before Constantinople, in order to preserve Turkey if the Russian should press forward victoriously. Moreover, Austria is friendly with Russia, and has therefore already been warned by France not to take in Russian refugees. Should the threats which have been exchanged up to now between Russia on the one hand and England and France on the other lead to war, God forbid, the battles, as for such a long time customary, would take place in Germany, since Prussia too could hardly remain neutral. But consider, dear brethren, what would become of the young seed of Christian faith and life now just springing up in Germany, if the dreadful war should break out there! To the merciful God may our dear German fatherland be commended in grace.

From China the news will probably soon arrive that the capital Peking has been taken by the rebels; much blood flows there, not so much in the battles, for the Chinese commonly run away soon, but when the rebels have taken a place, they murder all the officials and notables. Remarkable soldiers these: every Chinese soldier needs some servants to carry his baggage after him, and especially one who holds a parasol over his head; his gun he lays on the shoulder of such a one, then turns his face away carefully and fires, they do not like to smell powder.

On the 5th of December Congress assembled in Washington, and on the 6th President Pierce delivered his message, in which he shows how it stands with our country and by what principles he administers his office and intends to administer it further. Very sensibly he speaks above all about all sorts of great plans, to the adoption of which the speculators would only too gladly move Congress, namely about the construction of a railroad right across the United States to California; if the President's counsel is followed, the Government will afford all help to that undertaking, but leave the matter itself to private persons.

The United States Government has made a great deal of money in the past year, now has over 32 million dollars surplus lying by, has paid off nearly 13 million dollars of debts and owes only about 57 million. This is indeed very gratifying, and when the President writes that we have every reason to thank God for the grace and benefit which He has caused to be given us also in the past year, he writes it truly with right. But when the Americans conclude from this surplus of 32 million that it stands so much better with the people and land here than with the European states, among which some act every year like the Schildburgers, when they had dug a deep well (the clever Schildburgers, compelled to carry away the dug-out earth, dug a still deeper well beside it and carried the earth into it); when the Americans judge their people's condition by the mass of dollars that are made, they err not only in that, but bring their own people and land even into danger. For they lead the people on in this way to hold mammon for the best and highest treasure, and to direct all their striving and endeavor to the acquiring of it: in short, they seduce the inhabitants of this country to covetousness, the root of all evil, and plant a low, mean mind in their hearts. Most of the newspapers here are now almost so far that they teach without concealment that making money is after all the most important and necessary pursuit of the whole life, and President Pierce will be heard by only a few when in his message he expresses the conviction that we cannot rely on any apparent progress unless it be borne by a national uprightness resting on the high truths of divine revelation. With the usual reasoning of so-called sound human understanding one can prove everything, even the worst, make sweet sour and sour sweet; so the true opposite of all uprightness, covetousness and greed, can also be proved useful, so that the wicked heart grasps at it with right joy. May God preserve all inhabitants of this country, and especially the Germans, from the dreadful temptation to esteem money and goods as the highest and most important treasures