Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 9 › Seite 67
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-12-20, Seite 67
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gewißheit 2 · Gewißheit 1 · Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33 · Gnadenwahlslehrſtreit. —— 34 · Jeſuiten 2
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finden, ernstlich und streng, daß dieselben alles, was von uns Schwachen zur Förderung jenes heiligen Officiums“ (der Inquisition) „und ihrer Diener geschehen kann, immer demüthig und behend geleistet werde.“ (L. c. I, 548.)
Math. Mayrhofer, gest. 1641 zu München, schreibt: „Die Katholiken halten dies für einen Glaubensartikel, daß die Ketzer mit dem Tode zu bestrafen sind.“ (Speculum Praedicant. p. 54.)
Toletus: „Wenn jemand von einer plötzlichen Gemüthsaufregung hingerissen, so daß er seines Verstandes nicht mächtig ist, einen Anderen tödtete, so ist er von einer Todsünde frei.“ (Lib. 5. instruct. sacerd. c. 6.)
Maximilian von Sanden, gestorben zu Cöln 1656, schreibt: „Das Einkommen von den Hurenhäusern (quaestus meretricius) kann zugelassen werden. Denn wenn die öffentlichen Huren aus den Gemeinschaften der Menschen irgendwo entfernt würden, so würden zu derselben Zeit jene Städte mit Schändungen, Blutschande, Ehebrüchen und andern unzähligen Schandthaten überfluthet werden.“ (Castig. lib. de prodig. Jesuit. liberal. p. 277.) Daher erzählt denn der berühmte Canonist Appilcueta, mit dem Zunamen Navarrus: „Auch in dieser Stadt Rom werden Häuser mit Wissen u. Zulassung des Papstes an die Huren verpachtet und pflegten immer an dieselben verpachtet zu werden, und die Beichtväter absolviren diejenigen und haben diejenigen immer absolvirt, welche so verpachten, ohne den Vorsatz von solcher Verpachtung abzustehen.“ (Manuale confessariorum et poenitentium c. 17.)
Joh. Sanchez schreibt: „Dem ist die Absolution nicht zu verweigern, welcher seiner Concubine, die er im Hause hat, hundert Ducaten geliehnt hat, deren Wiedererlangung er nicht hoffen könnte, wenn er dieselbe aus dem Hause vertriebe. . . Denn es ist oben gesagt worden, daß Niemand verpflichtet ist, die nächste Gelegenheit zu sündigen mit seinem großen Nachtheil zu meiden; auch kann man dann von ihm nicht sagen, daß er die Gelegenheit wolle, sondern daß er sie zulasse. Daher er auch nicht verpflichtet sein wird, die Concubine aus dem Hause zu treiben, wenn dieselbe ihm, der im Concubinat lebt, allzu nützlich ist zur Gewinnung zeitlicher Güter bei seinem Gewerbe.– Ja, wenn auch die Concubine von zu großem Nutzen wäre zur Ergötzung des Buhlers, indem derselbe, wenn jene ihm fehlte, ein zu verdrießliches Leben führte und andere Speisen den Buhler anekelten und eine andere Aufwärterin dazu schwer gefunden werden möchte, so ist der Buhler nicht dazu zu verpflichtet, sie aus dem Hause zu treiben.“ (Disp. 10 n. 29.) Es ist allerdings wahr, der ganze Orden hat es nie gern gesehen, wenn seine Glieder solche unflätige Moral zur Schau trugen, aber verdammt, als Gottes heiligem Gebote zuwider, hat er es nie. So heißt es vielmehr z. B. selbst in dem Institutum: Es ist die Forderung mehrerer Provinzen gewesen, da die Societät jetzt (1661) hie und da in dem üblen Rufe steht und angeklagt wird, als ob sie zu lare Meinungen in der Moral lehre und in der Praxis befolge, daß gegen ein so großes Uebel ein wirksames Mittel angewendet werde. So setzte denn die Congregation fest: erstlich, daß die Professoren der Moraltheologie ernstlich zu ermahnen sind, daß sie ja vorsichtig lehren und nicht, was sie für etwas probables halten, sogleich schriftlich oder mündlich in die Oeffentlichkeit bringen zu können meinen.“ (Vol. I. fol 642). Nur das also tadelt der Orden, daß seine Glieder ihre lare Moral so unvorsichtig ausplaudern.
Maldonatus, gest. 1583, schreibt: „Arme begehen keinen Diebstahl, wenn sie von der äußersten Noth gedrungen fremdes Gut nehmen, weil das Gut dann eigentlich nicht fremdes, sondern allgemeines ist für das gefährdete Leben; und äußerste Noth ist auch nicht, welche schon fast kein Mittel mehr zuläßt, als wenn der Arme die Seele aushaucht, sondern wenn man kaum auf eine andere Weise sich Hülfe schaffen kann.“ (Summ. q. 8. artic. 3.) Hieraus sieht man, der Kampf unserer hiesigen Jesuitenblätter gegen Communisten und Socialisten ist nur Spiegelfechterei, um die Leute zu täuschen. Jesuiten und Communisten sind Glaubensbrüder.
So schreibt Ferdinand de Castro Palao, gest. 1633, aus Leon in Spanien: Kaufleute, welche von den Käufern nicht den angemessenen Preis erhalten können, es sei denn, daß sie schwören, es komme sie selbst so und so hoch, während es in der That nicht so der Fall ist, Kaufleute, sage ich, können schwören, die Waare käme sie so hoch, das heißt, hinzuverstanden: mit Einrechnung aller andern Auslagen, oder auch mit Hinzurechnung einer andern Waare, die sie zu Hause haben oder anderswo gekauft hatten.“ (T. III. tract. 14. p. 7.)
Suarez, gest. zu Lissabon 1617, schreibt folgendermaßen: „Wer ihm geliehenes Geld treulich bezahlt hat, der kann nachher vor Gericht, wenn ihm andere Beweis- und Auskunftsmittel hiefür fehlen, eidlich befragt sagen, er habe gar nie diesen Darlehensvertrag abgeschlossen; hinzuverstanden: unter der Verbindlichkeit, daß er zweimal bezahlen sollte.“ (Lib. 3 c. 9. n. 6.)
Toletus schreibt: „Wer seinen Wein nicht um den gesetzmäßigen Preis verkaufen kann, entweder wegen der Unbilligkeit des Richters, oder wegen der Bosheit der Käufer, welche unter sich übereinkommen, daß wenige kaufen sollen, um den Preis herabzudrücken, der könnte das Maaß kleiner machen oder ein wenig Wasser beimischen und es für reinen Wein oder volles Maaß verkaufen und den gesetzmäßigen Preis dafür fordern, wenn er nur dabei keine Lüge sagt; und sollte er ja eine sagen, so wird das keine Todsünde sein.“ (Instruct. sacerd. tract. de 7 peccat. c. 49.) Wunder ist es, daß nicht alle Schenkwirthe erkennen, welche vortreffliche Advokaten sie an den Jesuiten haben.
Leonhard Leß schreibt: „Welche um die regelmäßigen Staatsabgaben betrügen, sündigen nicht tödlich und sind zur Erstattung nicht verbunden. Weil nach einer probablen Meinung die puren menschlichen Strafgesetze nicht im Gewissen verpflichten; Steuer- und Abgabenverordnungen sind aber solche menschliche, Strafe auflegende Gesetze; also verpflichten sie im Gewissen nicht. Und wollte man einwenden, daß solche Defraudation dem Zollpächter oder Steuereinnehmer Schaden bringe, so ist meine Antwort daß diese ja unter solcher Bedingung und Last das Amt pachten; auch können sie ja nicht zu meinem Nachtheil auf ihren Vortheil bedacht sein.“ (Lib. 2. c. 33. dub. 8. n. 55.)
Der Jesuit Theophilus Raynaudus, gest. 1663, hat eine Vertheidigung Leßens in lateinischer Sprache herausgegeben unter dem Titel: „Appendix für Leß von dem erlaubten Gebrauch zweideutiger Reden und der restrictio mentalis d. h. einer solchen Redeweise, bei welcher man etwas Anderes und zwar die Rede einschränkendes denkt wider J. Barnes.“ Es ist diese Schrift der Ausgabe der Libb. 4 de justitia et jure Leß'ens vom Jahre 1630 (Lugd) angehängt.
Fillincius schreibt: „Daß ein menschliches bürgerliches Gesetz verpflichtet, dazu wird die Annahme des Volks erfordert. Weil die Gesetze unter der stillschweigenden Bedingung publicirt werden, wenn sie vom Volk angenommen werden: denn das scheint dem guten Willen der Fürsten und Gesetzgeber gemäß zu sein, daß sie ihren Untergebenen nicht allzu beschwerend erscheinen.“ (T. II. tr. 21 c. ult. n. 429.)
Escobar: „Geistliche und andere kirchliche Personen sind durch bürgerliche Gesetze mit einer zwingenden Gewalt nicht gebunden, sofern dieselben aber ihnen eine Regel geben, so sind sie an diejenigen Gesetze gebunden, welche der allgemeinen Wohlfahrt dienen und welche der Freiheit der Kirche, den heiligen Kirchengesetzen und dem geistlichen Amte nicht widerstreiten. Ich wende ein, daß die Geistlichen, so sie keine Aergerniß anrichten, nicht tödlich sündigen, wenn sie die Gesetze der weltlichen Fürsten verletzen, weil diese Gesetze für sie keine directe Verbindlichkeit haben.“ (Lib. V. sect. 1. c. 5. sect. 2. probl. 19.)
Paul Laymann von Zweibrücken, gest. 1635, schreibt: „Auch der Papst soll die Verträge und Zusagen halten, wenn dieselben natur- und völkerrechtlich sind. Dieß muß jedoch so verstanden werden, daß der Papst die Concordate ordentlicherweise nicht aufheben könne, obgleich es eine andere Sache ist, wenn es das öffentliche Wohl der Kirche außerordentlicherweise nöthig macht.“ (Inst. defend. pontif. p. 168.) Die Geschichte lehrt, daß es aber nie ein, insonderheit den „Ketzern“ gegebenes Versprechen gegeben hat, das die Jesuiten nach diesem Grundsatz, daß der gute Zweck der Wohl-
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that everything which can be done by us weak ones for the furtherance of that holy Officium" (of the Inquisition) "and of its servants may always be rendered humbly and promptly." (L. c. I, 548.)
Math. Mayrhofer, died 1641 at Munich, writes: "Catholics hold this for an article of faith, that heretics are to be punished with death." (Speculum Praedicant. p. 54.)
Toletus: "If anyone, carried away by a sudden agitation of mind, so that he is not master of his reason, kills another, he is free from mortal sin." (Lib. 5. instruct. sacerd. c. 6.)
Maximilian von Sanden, died at Cologne 1656, writes: "The income from brothels (quaestus meretricius) may be permitted. For if the public harlots were removed from the communities of men anywhere, those cities would at the same time be flooded with violations, incest, adulteries, and other countless outrages." (Castig. lib. de prodig. Jesuit. liberal. p. 277.) Hence the renowned canonist Appilcueta, surnamed Navarrus, relates: "Also in this city of Rome houses are leased to harlots with the knowledge and permission of the pope, and have always been accustomed to be leased to them, and the confessors absolve those, and have always absolved those, who so lease, without the purpose of desisting from such leasing." (Manuale confessariorum et poenitentium c. 17.)
John Sanchez writes: "Absolution is not to be refused to him who has lent a hundred ducats to his concubine whom he has in the house, and could not hope to recover them if he drove her out of the house. . . For it has been said above that no one is obliged to avoid the nearest occasion of sinning at his great disadvantage; nor can one then say of him that he wills the occasion, but that he permits it. Hence he will also not be obliged to drive the concubine out of the house, if she is too useful to him, who lives in concubinage, for the gaining of temporal goods in his trade.– Yes, even if the concubine were of too great use for the delight of the paramour, in that he, if she were lacking to him, would lead too vexatious a life, and other foods would disgust the paramour, and another female attendant for this would be hard to find, the paramour is not obliged to drive her out of the house." (Disp. 10 n. 29.) It is indeed true, the whole order has never liked to see its members display such filthy morals, but it has never condemned it as contrary to God's holy commandment. Thus it says rather, for example, in the Institutum itself: It has been the demand of several provinces, since the Society now (1661) stands here and there in bad repute and is accused of teaching too lax opinions in morals and following them in practice, that an effective remedy be applied against so great an evil. So the Congregation then determined: first, that the professors of moral theology are to be earnestly admonished that they teach cautiously, and do not imagine that they may at once bring into public, in writing or orally, what they hold to be something probable." (Vol. I. fol 642). Only this, then, does the order censure, that its members blab out their lax morality so imprudently.
Maldonatus, died 1583, writes: "The poor commit no theft when, driven by the utmost need, they take another's goods, because the goods are then really not another's, but common, for the endangered life; and the utmost need is also not that which leaves almost no means any more, as when the poor man breathes out his soul, but when one can scarcely procure help in another way." (Summ. q. 8. artic. 3.) From this one sees that the struggle of our local Jesuit papers against Communists and Socialists is only sham-fighting, to deceive the people. Jesuits and Communists are brothers in the faith.
Thus writes Ferdinand de Castro Palao, died 1633, of Leon in Spain: Merchants who cannot obtain the proper price from the buyers unless they swear that it cost them themselves so and so much, while in fact this is not the case, merchants, I say, may swear that the ware cost them so much, that is, understanding in addition: with the reckoning in of all other expenses, or also with the adding of another ware which they have at home or had bought elsewhere." (T. III. tract. 14. p. 7.)
Suarez, died at Lisbon 1617, writes as follows: "He who has faithfully repaid money lent to him may afterwards in court, if other means of proof and information fail him for this, when questioned on oath, say that he never concluded this loan contract; understanding in addition: under the obligation that he should pay twice." (Lib. 3 c. 9. n. 6.)
Toletus writes: "He who cannot sell his wine at the lawful price, either on account of the injustice of the judge, or on account of the malice of the buyers, who agree among themselves that few shall buy, in order to depress the price, might make the measure smaller or mix in a little water and sell it for pure wine or full measure and demand the lawful price for it, if only he tells no lie in doing so; and should he indeed tell one, that will be no mortal sin." (Instruct. sacerd. tract. de 7 peccat. c. 49.) It is a wonder that not all tavern-keepers recognize what excellent advocates they have in the Jesuits.
Leonhard Leß writes: "Those who defraud the regular public taxes do not sin mortally and are not bound to restitution. Because according to a probable opinion the purely human penal laws do not bind in conscience; but ordinances of taxes and duties are such human laws imposing penalty; therefore they do not bind in conscience. And if one wished to object that such defraudation brings loss to the farmer of the customs or the tax-collector, my answer is that these indeed take the office on lease under such condition and burden; neither can they be mindful of their advantage to my disadvantage." (Lib. 2. c. 33. dub. 8. n. 55.)
The Jesuit Theophilus Raynaudus, died 1663, has published a defense of Leß in the Latin language under the title: "Appendix for Leß on the permitted use of ambiguous speech and of restrictio mentalis, i.e., of such a manner of speaking in which one thinks something else, and namely something restricting the speech, against J. Barnes." This writing is appended to the edition of the Libb. 4 de justitia et jure of Leß of the year 1630 (Lugd).
Fillincius writes: "That a human civil law bind, to this the acceptance of the people is required. Because laws are published under the tacit condition, if they are accepted by the people: for that seems to accord with the good will of the princes and lawgivers, that they appear not too burdensome to their subjects." (T. II. tr. 21 c. ult. n. 429.)
Escobar: "Clergymen and other ecclesiastical persons are not bound by civil laws with a compelling force, but insofar as these give them a rule, they are bound to those laws which serve the general welfare and which do not conflict with the freedom of the Church, the holy church laws, and the spiritual office. I object that clergymen, if they give no offense, do not sin mortally if they violate the laws of the secular princes, because these laws have for them no direct obligation." (Lib. V. sect. 1. c. 5. sect. 2. probl. 19.)
Paul Laymann of Zweibrücken, died 1635, writes: "The pope also should keep treaties and promises, if they are according to natural law and the law of nations. This must, however, be so understood, that the pope cannot in the ordinary way abrogate the concordats, though it is another matter if the public welfare of the Church makes it necessary in an extraordinary way." (Inst. defend. pontif. p. 168.) History teaches that there has never been a promise given, especially to "heretics," which the Jesuits, according to this principle, that the good purpose of the welfare-