Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 11 › Seite 82
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-17, Seite 82
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jeſuiten 1 · Jeſuiten 2
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und noch opfern, während alle Proteste gegen sie Seitens der anderen Jesuiten nur Gaukelspiel und Blendwerk für die Uneingeweihten, für den Haufen sind; denn bei diesen Gesellen gelten die Sprüchwörter: Intus ut libet, foris ut moris est— Loquimur cum vulgo, sentimus cum doctis, das heißt, Im Herzen wie's beliebt, im Aeußeren wie's Sitte ist — Wir reden mit dem gemeinen Pöbel, wir denken aber mit den Eingeweihten.
Ehe wir nun den versprochenen Schluß hinzusetzen, können wir nicht umhin, unsere Leser noch darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn irgend etwas, es die Geschichte der Jesuiten ist, welche es unwidersprechlich beweist, daß das Papstthum wirklich die Ecclesia malignantium, die Kirche der Gottlosen oder Versammlung der Boshaftigen (Ps. 26, 5.), die Synagoga Satanae, die Schule des Satans (Offg. 2, 9.), die Meretrix magna, die Babylon magna, die Mater fornicationum et abominationum terrae, die große Hure, die große Babylon, die Mutter aller Gräuel auf Erden (Offg. 17, 1. 5.), kurz, die Kirche des Antichrists sei, von welchem geschrieben steht, er sei „der Mensch der Sünde und das Kind des Verderbens. Der da ist ein Widerwärtiger, und sich überhebt über alles, das Gott oder Gottesdienst heißt, also, daß er sich setzet in den Tempel Gottes, als ein Gott, und gibt sich vor, er sei Gott . . . Welches Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans, mit allerlei lügenhaftigen Kräften, und Zeichen, und Wundern, und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden; dafür, daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, daß sie selig würden“. [2 Thess. 2, 3. 4. 9. 10.] Es ist ja freilich wahr, ein Pabst selbst hat den Jesuitenorden aufgehoben, allein Päbste selbst waren es auch, welche diese Satansschule bestätigt, dieselbe mit unerhörten Privilegien ausgezeichnet, die Ordensglieder viele Male als die treuesten Glieder und Vertheidiger der Kirche belobt, ihr teuflisches Institutum feierlich gutgeheißen und besiegelt und mehrere Jesuitengenossen canonisirt und zu Schutzheiligen gemacht haben; ja, ein Papst war es auch, der im Jahre 1814 die beispiellose Unverschämtheit hatte, in jener Bulle, die sich mit den Worten anfängt „Sollicitudo omnium“, den (von seinem Vorgänger, unter Androhung des großen Bannes für alle Erneuerer, auf immerwährende Zeiten aufgehobenen) Jesuitenorden kraft seiner päpstlichen Vollgewalt wiederherzustellen. Darin heißt es zuerst u. A. von dem gewesenen Jesuiten Karnu in Rußland, es solle ihm mit anderen Weltgeistlichen erlaubt sein, „in eine Gesellschaft zusammen zu treten, damit sie desto leichter nach der Weise ihres Institutum“ predigen, unterrichten ꝛc. könnten. Hierauf wird erklärt, daß diese Restauration hiermit „auf den gesammten Kirchenstaat und auf alle anderen Staaten und Länder ausgedehnt werde“. Weit entfernt, daß in dieser Wiedereinsetzungsbulle der in der Aufhebungsbulle namhaft gemachten Verbrechen der Jesuiten auch nur mit einem Wörtlein Erwähnung gethan würde, so nennt vielmehr Pabst Pius VII., kaum den Klauen Napoleons entronnen, die Jesuiten ohne Schaam und Scheu: „die erfahrenen und muthvollen Arbeiter, die sich darbieten, um die Wogen des Meeres zu brechen“, die an das Schifflein Petri jetzt anschlügen. Nicht neue bessere Jesuiten also waren es, welche Papst Pius VII. wieder in seinen Sold nahm, da er seinen Satansstuhl (Offg. 2, 13.) wieder erschüttert wanken sah, sondern die alten Jesuiten, mit ihrem alten Institutum und allen ihren alten Gräueln, Bosheiten und teuflischen Praxen! Wie konnte es auch anders gehen? Hatte ja doch schon der Jesuitengeneral Lorenz Ricci auf den Antrag, den Jesuitenorden zu reformiren, geantwortet: „Sint, ut sunt, aut non sint“, das heißt, „Entweder seien sie, wie sie sind, oder sie müssen zu sein aufhören“. Was hätten sie aber auch Pabst Pius VII. zu seinen Zwecken helfen können, wenn er sie nach Gottes Wort hätte umschaffen wollen? Ihm konnte nur mit solchen Jesuiten gedient sein, die laut ihres alten Institutum bereit sind, wenn es ihr Oberer gebietet, mit Freuden auch eine „Todsünde“ zu begehen. Ohne daher die Gabe der Weissagung zu haben, sondern nur weil er eingeweiht war in das Geheimniß der Bosheit [2 Thess. 2, 7.], auf welchem das Papstthum beruht, hat daher der dritte Ordensgeneral der Jesuiten, Franz Borgia [den Benedikt XIII. im Jahre 1724 wegen seiner Verdienste um den päpstlichen Stuhl unter die Heiligen versetzte,] schon im 16. Jahrhundert die merkwürdige Vorausverkündigung gethan: „Wie Lämmer haben wir uns eingeschlichen, als Wölfe regieren wir, wie Hunde wird man uns vertreiben, aber wie Adler werden wir uns verjüngen“. — Wohl ist es ferner geschichtliche Thatsache, daß Päpste selbst die schändlichen Moralgrundsätze öffentlich verdammt haben. Innocentius XI. hat u. A. im Jahre 1679 nicht weniger als 65 Teufelslehren (1 Tim. 4, 1.), welche er, wie er in seiner Bulle sagt, aus den Schriften der jesuitischen Moralisten, insonderheit des Azorius, Sanchez, Leß, Laymann, Filliucius, Tamburini u. A. gezogen hat (die wir seiner Zeit unseren Lesern noch mitzutheilen gedenken), verdammt. Allein was waren alle diese Verdammungen andres als ein Komödienspiel? Was waren sie anderes, als eine Beichte der Päpste, welche, so wahrheitsgetreu und so wichtig für uns sie auch ist, denselben doch nur auf der Tortur der Zeitumstände erpreßt war? Wenn in der römischen Kirche je ein Mann auftrat, der für wahren lebendigen Glauben und wahre Herzensgottseligkeit und gegen Pfaffenherrschaft und päpstliche Tyrannei eiferte, da mußte er jederzeit alsbald öffentlich und feierlich widerrufen, oder er wurde verbannt oder mußte brennen: wo hat aber je ein Pabst von den Jesuiten, welche jene verfluchte, alle Sittlichkeit aufhebende Moral gelehrt haben, Widerruf verlangt? welche unter denselben hat er deswegen in den Bann gethan? welche hat er verbrannt? Gerade als das teuflische Moralisiren der Jesuiten in der höchsten Blüthe stand, haben die Päbste in ihren Bullen sich im Lobe derselben kaum erschöpfen können. Die liederlichsten jesuitischen Moralisten waren der Päbste eigene Beichtväter, Cardinäle und theuersten Schützlinge. Und als endlich der unglückliche Clemens aus Angst, im widrigen Falle die größten Reiche und Staaten, die dem päbstlichen Stuhle unterworfen waren, zu verlieren, in den sauren Apfel biß und den Jesuitenorden aufhob, was geschah da den Jesuiten trotz der furchtbaren Verbrechen, deren sie vom Pabst selbst öffentlich bezüchtigt wurden? Wurde ihnen ein Widerruf abgefordert und eine Buße aufgelegt, wenn sie von der römischen Kirche wieder als gute Glieder anerkannt und behalten werden wollten? Mit nichten! Man gloriirte vielmehr, als über einen Beweis der Macht und Herrlichkeit der römischen Kirche, daß das von dem Pabst selbst an den Pranger gestellte jesuitische Gesindel nichts desto weniger in der „heiligen römischen Kirche“ bleibe und nicht selbst scheide. Ja, von päbstlicher Seite wurde es vermittelt, daß die Erjesuiten aus dem Ertrage ihrer eingezogenen Güter sogar Jahrgelder erhalten mußten. Man sah sie offenbar von Seiten des päbstlichen Stuhles für Opfer an, die man der Erhaltung ganzer Länder und Völker bei der „heiligen Mutter“ habe bringen müssen. Schon der Nachfolger Clemens XIV. zeigte sich als einen Jesuitenfreund, und daß erst Pius der VII. es wagte, sie öffentlich und feierlich in ihre alten Rechte wieder einzusetzen, kam allein daher, daß erst er den dazu passenden Zeitpunkt erlebte. Uebrigens dürfen wir überhaupt nicht vergessen, daß die jesuitischen Moralgrundsätze keines weges Grundsätze sind, die in der römischen Kirche die Jesuiten allein eignen. Sie sind von den namhaftesten nichtjesuitischen römischen Theologen innerhalb und außerhalb religiöser Orden vielmehr immer hochgepriesen worden. So schreibt, um nur Ein Beispiel anzuführen, Dr. Augustinus Michel, gewesener bischöflicher Kirchenrath und Professor der Theologie zu Freisingen, in seiner „Widerlegung der Expostulation und Protestation Pasquier Quesnel's“, deutsch herausgegeben zu Augsburg 1721: „Die Jesuiten haben ihre laren Moral-Lehren in so weit untadelhaft vorgebracht, weil sie das Joch Christi und der Kirche dadurch haben erleichtern und versüßen wollen.“ (! S. 32.) Doch die Nichtjesuiten der römischen Kirche haben nicht nur die jesuitische Moral vielfach in ihren Schutz genommen, sondern sie haben auch ebenso oft selbstständig dieselben Grundsätze als Lehren der ganzen römischen Kirche vorgetragen und entwickelt. Wir behalten es uns jedoch für andere Zeiten vor, noch mehr Zeugnisse von Nichtjesuiten aus der römischen Kirche für die Jesuitenmoral mitzutheilen und so zu erweisen, daß der Jesuitismus nicht ein Flecken, sondern die wahre Blüthe des Pabstthums und dieses daher
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and still sacrifice themselves, while all protests against them on the part of the other Jesuits are only jugglery and sham for the uninitiated, for the multitude; for with these fellows the proverbs hold: Intus ut libet, foris ut moris est— Loquimur cum vulgo, sentimus cum doctis, that is, Within as it pleases, without as is the custom — We speak with the common rabble, but we think with the initiated.
Before we now add the promised conclusion, we cannot refrain from calling our readers' attention further to this, that, if anything, it is the history of the Jesuits that proves incontrovertibly that Popedom is really the Ecclesia malignantium, the Church of the ungodly or congregation of the wicked (Ps. 26, 5.), the Synagoga Satanae, the synagogue of Satan (Rev. 2, 9.), the Meretrix magna, the Babylon magna, the Mater fornicationum et abominationum terrae, the great whore, Babylon the great, the mother of harlots and abominations of the earth (Rev. 17, 1. 5.), in short, the church of Antichrist, of whom it is written that he is “the man of sin, the son of perdition. Who opposeth and exalteth himself above all that is called God, or that is worshipped; so that he as God sitteth in the temple of God, shewing himself that he is God . . . Even him, whose coming is after the working of Satan with all power and signs and lying wonders, and with all deceivableness of unrighteousness in them that perish; because they received not the love of the truth, that they might be saved.” [2 Thess. 2, 3. 4. 9. 10.] It is indeed true, a Pope himself has abolished the Jesuit order, but Popes themselves it was also who confirmed this school of Satan, distinguished it with unheard-of privileges, many times praised the members of the Order as the most faithful members and defenders of the Church, solemnly approved and sealed its devilish Institutum, and canonized several companions of the Jesuits and made them patron saints; yes, a Pope it was also who in the year 1814 had the unexampled effrontery, in that bull which begins with the words “Sollicitudo omnium,” to restore, by virtue of his papal plenary power, the Jesuit order (abolished by his predecessor for all time to come, under threat of the great ban upon all renewers). In it, it is said first, among other things, of the former Jesuit Karnu in Russia, that he, with other secular priests, should be permitted “to come together into a society, that they might the more easily preach, teach, etc., after the manner of their Institutum.” Thereupon it is declared that this restoration is hereby “extended to the entire States of the Church and to all other states and countries.” Far from this restoration bull's making mention, even with one little word, of the crimes of the Jesuits named in the bull of suppression, Pope Pius VII, scarcely escaped from the claws of Napoleon, rather calls the Jesuits, without shame or scruple: “the experienced and courageous laborers who offer themselves to break the waves of the sea,” which now beat against the little ship of Peter. Not new, better Jesuits, then, were they whom Pope Pius VII took again into his pay, when he saw his seat of Satan (Rev. 2, 13.) shaken and tottering again, but the old Jesuits, with their old Institutum and all their old abominations, wickednesses, and devilish practices! How could it indeed go otherwise? Had not the Jesuit General Lorenz Ricci already answered, when it was proposed to reform the Jesuit order: “Sint, ut sunt, aut non sint,” that is, “Either let them be as they are, or they must cease to be.” What could they, moreover, have helped Pope Pius VII toward his ends, if he had wished to remake them according to God's Word? He could be served only by such Jesuits as, according to their old Institutum, are ready, when their superior commands it, to commit even a “mortal sin” with joy. Without, therefore, having the gift of prophecy, but only because he was initiated into the mystery of iniquity [2 Thess. 2, 7.], on which the Popedom rests, the third General of the Order of the Jesuits, Francis Borgia [whom Benedict XIII in the year 1724, on account of his services to the papal chair, placed among the saints,] already in the sixteenth century made the remarkable prediction: “Like lambs we have crept in, as wolves we rule, like dogs we shall be driven out, but like eagles we shall renew our youth.” — It is, further, a well-known historical fact that Popes themselves have publicly condemned the shameful moral principles. Innocent XI, among other things, in the year 1679 condemned no fewer than 65 doctrines of devils (1 Tim. 4, 1.), which, as he says in his bull, he had drawn from the writings of the Jesuit moralists, in particular of Azorius, Sanchez, Lessius, Laymann, Filliucius, Tamburini, and others (which we intend in due time to communicate to our readers). But what were all these condemnations other than a comedy? What were they other than a confession of the Popes, which, however truthful and however important for us it also is, was wrung from them only on the rack of circumstances? When in the Roman church ever a man arose who zealously stood for true living faith and true godliness of heart and against priestcraft and papal tyranny, he had always to recant at once, publicly and solemnly, or he was banished or had to burn: but where has a Pope ever demanded a recantation of the Jesuits, who taught that accursed morality which abolishes all morality? Which of them has he for that cause put under the ban? Which has he burned? Just when the devilish moralizing of the Jesuits stood in its highest bloom, the Popes in their bulls could scarcely exhaust themselves in praise of the same. The most licentious Jesuit moralists were the Popes' own confessors, cardinals, and dearest favorites. And when at last the unhappy Clement, for fear of losing, otherwise, the greatest realms and states that were subject to the papal chair, bit into the sour apple and abolished the Jesuit order, what happened then to the Jesuits, in spite of the dreadful crimes of which they were publicly accused by the Pope himself? Was a recantation demanded of them and a penance laid upon them, if they wished to be recognized and retained by the Roman Church again as good members? By no means! They rather gloried, as over a proof of the power and glory of the Roman Church, that the Jesuit rabble set in the pillory by the Pope himself nevertheless remained in the “holy Roman Church” and did not withdraw of its own accord. Yes, on the papal side it was brought about that the ex-Jesuits had to receive annuities even out of the proceeds of their confiscated estates. They were evidently regarded on the part of the papal chair as sacrifices which one had to bring to the “holy mother” for the preservation of whole lands and peoples. Even the successor of Clement XIV showed himself a friend of the Jesuits, and that Pius VII first dared to reinstate them publicly and solemnly in their old rights came about solely from this, that he first lived to see the fitting moment for it. Moreover, we must not forget at all that the Jesuit moral principles are by no means principles peculiar to the Jesuits alone in the Roman church. They have rather always been highly extolled by the most notable non-Jesuit Roman theologians, within and without the religious orders. Thus, to cite but one example, Dr. Augustinus Michel, formerly episcopal ecclesiastical councillor and professor of theology at Freising, writes in his “Refutation of the Expostulation and Protestation of Pasquier Quesnel,” published in German at Augsburg in 1721: “The Jesuits have set forth their lax moral teachings so far blamelessly, because they wished thereby to lighten and sweeten the yoke of Christ and of the Church.” (! p. 32.) But the non-Jesuits of the Roman church have not only taken the Jesuit morality under their protection in many ways, but have also just as often independently set forth and developed the same principles as doctrines of the whole Roman church. We reserve it, however, for other times to communicate still more testimonies of non-Jesuits from the Roman church for the Jesuit morality, and so to prove that Jesuitism is not a blemish, but the true bloom of Popedom and of this, therefore