Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 13 › Seite 98

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-14, Seite 98

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Doch ich will dir die Sache von Anfang und in Ordnung erzählen, sonst wirst du doch nicht klug daraus; so höre: Die Unirten in Preußen, und in allen Ländern Deutschlands und in Amerika, haben die Ungeänderte Augsburgische Confession angenommen!—Martin, Martin sieh, das ist nun einmal eine Freude, nun säume auch nicht länger, rufe deine Jungens zusammen, laß sie ihr Sonntagshabit anziehen, deine Frau die beste Haube aufsetzen, lang die alten Reiterpistolen von der Wand — doch das kommt nachher in's Festprogramm. Du siehst, ich bin vor Freuden halb närrisch worden, aber ich muß wieder in die Reihe, und will dir's nun ordentlich auseinandersetzen.

Der „Friedensbote,“ der mir mit der 12. Nummer zufällig unter die Hände gerathen, macht in besagter Nummer erst einen Gang nach Bethlehem zu der Krippe des Herrn; d. h. in Gedanken, die er denn auch in Versen seinen Leuten mittheilt, worüber ich nun eben nicht viel sagen kann. Denn die neuen Lieder lesen sich alle so natürlich, leicht und geschwind, sie sind so glatt, daß sie mir bei'm Lesen, mir nichts dir nichts, durch die Gedanken schlüpfen, ehe ich was herausfangen kann, und da weiß ich nie recht, was darinnen gestanden, wenn ich zu Ende bin. Da lobe ich mir doch unsere alten Lieder, die unser gelehrter Präzeptor nicht leiden konnte, weil sie so „holpericht“ sein. Aber abgesehen davon, daß ich noch nie einen das Bein darüber habe brechen sehen, der sie mit Lust gesungen hat, so bleibt bei'm Lesen und Singen alles so natürlich im Herzen hängen, als wie eine Klette am Kleide. Das muß doch daran liegen, daß sie so „holpericht“ sind.—Dann nachdem er sich von der Krippe—was nicht zu verachten—Muth geholt zu seinem Botengange, fängt er nun an, aus seiner Botentasche auszuschütten, was er, wie er sagt, aus Berichten von Deutschland zusammengetragen. Du siehst, Martin, das Botengeschäft ist kein leichtes Geschäft. Erst muß man's mühsam zusammentragen, und nachher muß man's wieder austragen, was man an den Mann bringen will, und dann wird's einem oft nicht einmal mit einem „Vergelt's Gott“ gelohnt. Aber bringt der Friedensbote forthin lauter solche Botschaften, so soll's an einem „Vergelt's Gott“ nicht fehlen.

Also vom 13—16. September sind in Berlin 2000 Evangelische, d. h. Unirte Männer aus aller Herrn Ländern beisammen gewesen. Da muß nun auch ein gewaltiger Bußprediger sich unter ihnen eingefunden haben, der es ihnen derb eingerieben hat, welchen Teufelsstank sie bis dahin mit ihrer Union in der Welt angerichtet, wie das ganze Ding unter lauter Heuchelei, Lug und Trug aufgebaut, und durch lauter Lug und Trug—freilich die Dragoner, Gensd'armen und Polizeibüttel, wie du weißt, haben auch nicht wenig mithelfen müssen—habe bisher müssen zusammen gehalten werden, zur Unehre Gottes, zum Verderben unzählig vieler Seelen, und zur Schmach und Schande aller dabei Betheiligten, vom König von Preußen, und andern gekrönten Potentaten bis zu den Bischöfen, Professoren, Pastoren und Polizeibütteln herab. Damit muß er dem Evangelischen, d. h. Unirten Herzen der Versammlung schon einen ziemlichen Ruck beigebracht haben, da hat er gewiß erst verlegene Gesichter, dann ein Seufzen und Stöhnen, wohl gar hängende Häupter und feuchte Augen wahrgenommen,—du weißt, die Evangelischen sind libe Leute, rührig und leicht gerührt, und das böse Gewissen, Martin, ist auch nicht ohne bei solcher Gelegenheit. Ich kann mir's Alles ganz lebhaft vorstellen, denn der Bote sagt nichts davon, aber man kann's wohl herausbringen aus dem, was er am Ende berichtet.—Und da denkt nun der Gottesmann: Nun gilt's noch einen Ruck, und wir kommen nicht allein über die Union, sondern auch über den ganzen Riß hinüber, der seit 300 Jahren zwischen Lutheranern und Reformirten bestanden, und setzen die ganze Gesellschaft, und dabei ganz Preußen, Baden, Nassau, Amerika ꝛc. mit einem Male hin, wohin sie von Rechtswegen gehören, nämlich mitten in die Lutherische Kirche. Da nimmt er mit Gott von Neuem einen ordentlichen Anlauf, stemmt beide Schultern unter, und siehe da, das Ding geht vortrefflich, über alles Erwarten. Die Leute kommen in Fluß, erkennen den traurigen Riß, der von der Schweiz aus in die einige lutherische Kirche eingerissen, und wollen nun von dem ganzen Bettel nichts mehr wissen, sondern gerathen in einen solchen lobenswerthen Enthusiasmus, daß sie ohne weiteres, wie der Bote berichtet, „den einstimmigen Fahnenschwur zum ältesten, gültigsten (?) und bewährtesten Bekenntniß unserer Väter und Vorfahren ablegen.“ Und daß das Alles aus dem rechten Ernst herausgeflossen, sieht man daraus, daß nach des Boten Bericht die Leute viel geredet haben von „dem lange in den Staub getretenen Banner,“ daß sie „ernste Buße gethan, sich tief gebeugt“ „die (natürlich durch das Reformirtenthum und die falsche Union) eingerissenen Schäden erkannt,“ „ernstlich Hand angelegt haben zur Hülfe, und „ernstlich an's Aufsuchen gegangen sind von den Mitteln und Wegen, die Schäden wieder gut zu machen“ ꝛc. Und da kannst du dir leicht denken, daß der liebe Gott die armen gebeugten und bußfertig niedergeschlagenen Leute nicht lange und vergeblich hat suchen lassen, sondern hat ihnen das ganz einfache und natürliche Mittel an die Hand gegeben, allen Irrthümern, Lügen und Heuchelwesen ordentlich und ehrlich, offen und rund heraus abzusagen, und durch Annahme der Augsb. Confession zur rechtgläubigen Heerde Christi umzulenken.

Aber ich seh' dir's an, du machst wieder dein ellenlanges bedenkliches Gesicht, als wolltest du sagen: „wenn das man nicht wieder die alten Flausen sind von der geänderten A. C, womit sie immer ihren Betrug gespielt haben.“ Nun verdenken kann ich dir's nicht, wer immer mit Lug und Trug umgegangen, dem traut man nicht leicht, und ich selbst möchte einem eingefleischten Unionsmann nicht auf Credit ein Paar Hosen ausbessern. Aber diesmal sind's keine Flausen, sondern lauter ehrlich Spiel, und du mußt doch trotz deinen bedenklichen Mienen noch heute deine Frau unter ihre beste Haube, und das bewußte Welschhinkel an den Bratspieß bringen, um das Siegesfest gebührend zu begehen, wie mein Festprogramm es dir nachher der Reihe nach an die Hand geben wird. Denn schau hier: so steht's im Boten ordentlich, deutlich und faßlich mit Gänsefüßen geschrieben:

„Das gute Bekenntniß aber, welches der Ev. Kirchentag abgelegt hat, ist enthalten in dem Beschluß: „„Die Mitglieder des deutschen Ev. „„Kirchentages (das sind eben die 2000 Delegaten der Unirten Kirche) „bekunden hiemit, daß „„sie sich zu der, im Jahre 1530 auf dem „„Reichstage zu Augsburg von den „„Ev. Fürsten und Ständen Kaiser „„Karl V. überreichten Confession mit Herz „„und Mund halten und bekennen, und die „„Uebereinstimmung mit ihr, als der ältesten, „„einfachsten gemeinsamen Urkunde öffentlich „„anerkannter Ev. Lehre in Deutschland hiedurch öffentlich bezeugen.““

Na was sagst du dazu? Das ist klar und deutlich, das kannst du herumdrehen und anschauen von hinten und von vorne, da kann nichts anders herauskommen, als die Ungeänderte Augsb. Confession. Das heiße ich resolut Buße thun, und frisch von der Leber wegsprechen; da merkt man nichts von Brei, der noch irgendwo im Halse stecken geblieben, sondern alles rund und klar, wie ein Christ reden soll, und nicht „Mum Mum.“ Denn nun natürlich ist's aus mit dem Heidelbergischen Catechismus, und den andern reformirten Bekenntnissen, auch mit dem „Evangelischen“ hier in Amerika. Denn das begreift ein Kind, daß wenn Unirte zur Ung. Augsb. Confession mit reumüthigem Herzen zurück kehren, und von neuem den Fahneneid leisten vor der ganzen Welt, daß sie auch von dem Unsinn zurückkehren, daß schwarz auch weiß, und weiß auch schwarz sein könne, oder Lüge Wahrheit, und Wahrheit Lüge. Ja auch die närrischen Kerle — und das ist nicht ein Geringes für mein menschlich mitleidig Herz — sind zur Raison gekommen, die bis dato hinter das eingeseifte Schwein der sogenannten, aber noch nie gefundenen „höhern Wahrheit“ die wilde Jagd angestellt, worin die Lüge und Wahrheit aufgehen sollte, wie bei der Bruchrechnung zwei ungleiche Nenner in ihren Generalnenner, und die ganze Gesellschaft sitzt nun im rechten Frieden mit den Preußischen Altlutheranern, Pastor Eichhorn in Baden und andern rechtgläubigen Kindern der Kirche um das saftige und kräftige Mahl, welches uns der liebe Herr in unserer lieben Lutherischen Kirche so reichlich und täglich auf den Tisch stellt, und wobei Er's gern sieht, wenn wir ganz ungenirt und ohne alle Ziererei zulangen, der Teufel aber mag sich's Maul wischen, und wieder einmal als ein dummer Teufel abziehen. Und nun sollst du dich auch anschicken mit deinem ganzen Hause, das Sieges- Friedens- und Dankfest zu feiern, wie anbei folgt:

Festprogramm.

Nein nun sollte doch gleich—Herr Martin, ich könnte dir noch in meinem Alter das Fluchen

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But I will tell you the matter from the beginning and in order, or else you will not make sense of it; so hear: The Unionists in Prussia, and in all the lands of Germany and in America, have accepted the Unaltered Augsburg Confession!—Martin, Martin, look, that is a joy indeed, so now delay no longer, call your boys together, let them put on their Sunday clothes, have your wife put on her best cap, take the old horse-pistols down from the wall—but that comes afterward in the festival program. You see I have grown half crazy with joy, but I must get back into line, and will now explain it to you properly.

The "Friedensbote," which came into my hands by chance with its No. 12, takes in the said number first a walk to Bethlehem to the manger of the Lord; that is, in thought, which he then also imparts to his people in verses, about which I cannot just now say much. For the new hymns all read so naturally, easily and swiftly, they are so smooth, that in my reading they slip, for no reason at all, through my thoughts before I can catch anything out of them, and then I never rightly know what was in them when I come to the end. There I prefer our old hymns, which our learned preceptor could not abide because they are so "rugged." But apart from this, that I have never yet seen anyone break his leg over them who sang them with delight, everything in reading and singing sticks so naturally in the heart, like a burr on a coat. That must surely be because they are so "rugged."—Then, after he has fetched courage for his errand from the manger—which is not to be despised—he begins to pour out of his messenger's pouch what he, as he says, has gathered from reports out of Germany. You see, Martin, the messenger's trade is no easy trade. First one must laboriously gather it together, and afterward one must carry it out again, whatever one wants to bring to the man, and then one is often not even rewarded with a "God reward you." But if the Friedensbote henceforth brings only such tidings, there shall be no lack of a "God reward you."

So, from the 13th to the 16th of September there were gathered in Berlin 2000 Evangelical, that is, Unionist men from all lords' lands. There must now also have been a mighty preacher of repentance among them, who rubbed it into them roundly what a devil's stench they had until then made in the world with their Union, how the whole thing was built up upon sheer hypocrisy, lying and deceit, and through sheer lying and deceit—to be sure, the dragoons, gendarmes, and police-constables, as you know, have not had to help a little—has hitherto had to be held together, to the dishonor of God, to the ruin of countless souls, and to the shame and disgrace of all who have part in it, from the King of Prussia and other crowned potentates down to the bishops, professors, pastors, and police-constables. With that he must have given the Evangelical, that is, Unionist hearts of the assembly a considerable jolt, and there he will surely first have noticed embarrassed faces, then sighing and groaning, even hanging heads and moist eyes,—you know, the Evangelicals are dear folk, tender and easily moved, and a bad conscience, Martin, is not without its part on such an occasion. I can picture it all quite vividly, for the messenger says nothing of it, but one can well make it out from what he reports at the end.—And then the man of God thinks: Now one more push, and we shall get not only over the Union, but also over the whole breach which has existed for 300 years between Lutherans and Reformed, and set the whole company, and with it all Prussia, Baden, Nassau, America, etc., down at one stroke where they belong by right, namely in the midst of the Lutheran Church. Then he takes, with God, a fresh and proper run, sets both shoulders to it, and behold, the thing goes splendidly, beyond all expectation. The people get into flow, perceive the sad breach which has been torn from Switzerland into the one Lutheran Church, and will now know nothing more of the whole business, but fall into such a praiseworthy enthusiasm that they, without further ado, as the messenger reports, "take the unanimous oath of the colors to the oldest, most valid (?) and most approved Confession of our fathers and forefathers." And that all this flowed out of true earnestness one sees from this, that according to the messenger's report the people spoke much of "the banner long trodden in the dust," that they "did earnest penance, bowed themselves deeply," "recognized the damages (naturally through Reformed-ism and the false Union) which had broken in," "earnestly laid hand to the help, and "earnestly set about seeking the means and ways to make the damages good again," etc. And there you can easily think that the dear God did not let the poor bowed and penitently dejected people seek long and in vain, but gave them into their hand the quite simple and natural means, to renounce all errors, lies and hypocrisy properly and honestly, openly and plainly, and by acceptance of the Augsb. Confession to turn about to the orthodox flock of Christ.

But I see it in you, you are making again your ell-long doubtful face, as if you would say: "if only these are not again the old tricks of the altered A. C, with which they have always played their deceit." Now I cannot blame you for it, whoever has always dealt in lies and deceit, one does not readily trust, and I myself would not mend a pair of trousers on credit for a thoroughgoing Union man. But this time they are no tricks, but sheer honest play, and in spite of your doubtful looks you must yet today put your wife under her best cap, and bring the well-known turkey to the spit, in order to celebrate the victory-feast fittingly, as my festival program will give it to you afterward in order. For look here: so it stands in the Friedensbote, plainly, clearly and comprehensibly, written with quotation marks:

"The good confession, however, which the Ev. Church Diet has made, is contained in the resolution: ""The members of the German Ev. ""Church Diet (that is, the 2000 delegates of the Unionist Church) "hereby declare that ""they hold and confess, with heart and mouth, to the Confession presented in the year 1530 at ""the Diet at Augsburg by the ""Ev. Princes and Estates to Emperor ""Charles V., and hereby publicly attest ""the agreement with it, as the oldest, ""simplest common document of publicly ""recognized Ev. doctrine in Germany.""

Well, what do you say to that? That is clear and plain, you may turn it about and look at it from behind and from the front, nothing else can come out of it but the Unaltered Augsb. Confession. That I call resolutely doing penance, and speaking out fresh from the liver; there one notices nothing of porridge that has stuck somewhere in the throat, but everything round and clear, as a Christian ought to speak, and not "Mum, mum." For now, naturally, it is all over with the Heidelberg Catechism, and the other Reformed confessions, also with the "Evangelical" here in America. For a child understands that when Unionists return with contrite hearts to the Unaltered Augsb. Confession, and take anew the oath of the colors before the whole world, they also return from the nonsense that black can also be white, and white also black, or lie truth, and truth lie. Yes, even the foolish fellows—and that is no small thing for my humanly compassionate heart—have come to their senses, who until now have given wild chase after the soaped pig of the so-called, but never yet found "higher truth," in which lie and truth were to merge, as in fractions two unequal denominators in their common denominator, and the whole company now sits in right peace with the Prussian Old Lutherans, Pastor Eichhorn in Baden and other orthodox children of the Church, around the savory and strong meal which the dear Lord sets so richly and daily upon the table in our dear Lutheran Church, and at which He is glad to see us, when we fall to quite unceremoniously and without any affectation; but the devil may wipe his mouth, and once more slink off as a stupid devil. And now you shall also make ready with your whole house to keep the feast of victory, peace and thanksgiving, as follows herewith:

Festival Program.

No, now I should immediately—Mr. Martin, I could for you, in my age, yet the cursing