Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 13 › Seite 101
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-14, Seite 101
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Noch ist kein Jahrzehend verflossen, und unsre liebe, bekenntnistreue Synode, an deren geringe, armselige Anfänge man nicht genug erinnern kann, ist durch ein Wunder unverdienter göttlicher Gnade und Barmherzigkeit zu einem jungen Baum herangewachsen, der segnend seine Zweige nach allen Seiten hin ausbreitet. An 70 Gemeinden gehören bereits zu unserm Synodalverband, an 140 Prediger und Schullehrer arbeiten, von der Liebe Christi getrieben, unter Mühen und Entsagungen aller Art, mit Eifer und Treue in dem Weinberg des HErrn, und selbst den armen Heiden wird auf 2 Stationen durch den Dienst unserer Synode das Brod des Lebens gebrochen. Zwei theologische Lehranstalten sind unter Gottes gnädigem Beistand gegründet, eine gelehrt-theologische zu St. Louis, Mo., die euch mit ihrer trefflichen Einrichtung von deutscher Tüchtigkeit und Gründlichkeit erst in Nro. 4 des diesjährigen Lutheraners zu treuem, dankbarem Gedächtnis empfohlen worden ist, und eine praktisch-theologische hier in Fort Wayne, von der ich den noch Un- oder Falschberichteten zur Kenntnisnahme, den übrigen zur Erinnerung hier Einiges in der Kürze beifügen will.
Unmöglich kann unter den jetzigen Verhältnissen unsere gelehrt-theologische Anstalt das schreiende Bedürfnis nach Predigern allgenugsam befriedigen. Dazu erfordert es auf diesem Wege zu lange Vorbereitungszeit, dazu fehlt es gar oft an den hiebei so nöthigen Sprachengaben, dazu geben im Ganzen leider, leider noch so gar wenige Eltern ihre begabten Söhne her. So hat denn die Noth gezwungen, auch eine praktisch-theologische Anstalt hier in Fort Wayne zu errichten, da in kürzerer Zeit, mit höchst geringem Kostenaufwand gottselige Jünglinge auf praktischem Weg für den Dienst der Kirche u. Schule vorbereitet werden könnten. Diese Anstalt, die seit ihrer Gründung im Jahre 1846 bereits über 60 Prediger und Schullehrer ausgebildet hat, und fortwährend einige 20 Zöglinge zählt, besteht jetzt aus 3 Abtheilungen: einer Präparandenschule, darinnen fähige Knaben, die entweder die Mittel oder die nöthigen Sprachengaben nicht besitzen, oder im Alter schon zu weit vorgerückt sind, um nach St. Louis in das College zu gehen, einen vorbereitenden Unterricht genießen; einem Proseminar, in welchem sich diejenigen gottseligen Jünglinge, die sich noch in späteren Jahren dem Dienst der Kirche widmen wollen, die ihnen etwa noch fehlenden Vorkenntnisse erwerben oder sich zum Schuldienst ausbilden können; und dem eigentlichen theologischen Seminar. Lehrgegenstände für die beiden ersten Abtheilungen sind: deutsche, lateinische, und englische Sprache, Rechnen, Geographie, Geschichte, biblische Geschichte, Katechismusübungen, Gesang, Instrumental-Musik; dazu kömmt für die Proseminaristen noch: Dogmatik, symbolische Bücher, ältere Kirchengeschichte, Katechisier-Uebungen; im Seminar: Bibelkenntnis und Bibelauslegung, Dogmatik, symbolische Bücher, vergleichende Symbolik, biblische Geschichte, Kirchengeschichte, Pastorale, Anweisung in der Homiletik, homiletische und katechetische Uebungen. Aller Unterricht wird unentgeldlich ertheilt. Die Kosten für Logis, Heitzung, Licht, Verköstigung, Bedienung ꝛc. betrugen im vergangnen Jahr nur $ 20 für die Person und dürften sich, wenn die hiesige Gemeinde und die umliegenden Landgemeinden in ihrem löblichen Eifer, die Anstalt mit Lebensmitteln ꝛc. zu unterstützen, nicht müde werden, kaum erhöhen, wahrscheinlich aber noch verringern. Die Wäsche wird von den Frauen hiesiger Gemeinde besorgt und das Ausbeßern ꝛc. von leinen Zeug, Wäsche und Kleidern geschieht durch den hiesigen Frauenverein. Ja nur wenige bestreiten selbst die so geringen Unkosten aus eignen Mitteln, sondern werden meist theils von Gliedern der hiesigen Gemeinde, theils von andern Gemeinden unterstützt oder ganz erhalten. — Alle diese unaussprechliche Wohlthat hat der HErr an uns Unwürdigen aus freier Gnade gethan, denn wer wäre so ruchlos, die Ehre davon einem andern beizulegen als Ihm, dem sie allein gebührt? Wie verhalten nun wir uns zu solchem reichen unverdienten Segen Gottes? Sollte man doch meinen, daß da Schaaren von Evangelisten ausgebildet werden müßten, daß die frommen Jünglinge sich in einem heiligen Wetteifer zu Haufen herzudrängen würden, um nach treuer Vorbereitung sich im Dienst der Kirche aufzuopfern, und alles weithin mit dem süßen Schall des gnadenreichen Evangelii zu erfüllen, und ihre vielen predigerlosen deutschen Glaubensbrüder in den Wäldern Nordamerikas mit Wort und Sacrament zu versorgen. Aber Gott seis geklagt, noch sind wir nicht einmal völlig im Stand unsere eigenen Gemeinden gehörig mit Predigern zu versehen und dem zur Freude aller treuen Gottesmänner immer lauter werdenden Bedürfnis der größeren Gemeinden nach treuen, tüchtigen Schullehrern gebührend abzuhelfen, geschweige denn, daß wir daran denken könnten, die Grenzen unseres so reichen Arbeitsfeldes in dem Maaße zu erweitern und auszudehnen, als wir wohl sollten und wollten.
Angesichts dieser großen herzzerreißenden Noth der Kirche wende ich mich denn zuvörderst an euch, ihr christlichen Eltern unseres Verbandes, denen Gott fähige und begabte Knaben geschenkt hat. Ach, denkt doch an die unaussprechliche Wohlthat, die euch der HErr dadurch erzeigt, daß Er euch Sein heilig seligmachend Wort lauter und rein verkündigen, euch und euren Kindern den Weg des Lebens recht lehren läßt; denkt an das theuere unschätzbare Gottesblut, das zu dem Ende euer HErr und Heiland Jesus Christus auch für euch am Stamm des heiligen Kreuzes vergossen hat; denkt an all den Trost, die Freude, den Frieden, die Seligkeit, die Er euch in Seinem gnadenreichen Evangelio und in den heiligen Sacramenten bereits gespendet hat; denkt an die unglückseligen Eltern, die im alten Vaterland durch Gewalt des Staates in gottlose Gemeinden eingepfercht oder gar falscher Lehre preisgegeben sind, wie sie seufzen und ächzen, und wie sie freilich Gott auf den Knieen danken und sich und alles, was sie sind und haben, Ihm freudig zum Dienste stellen würden, wenn sie's im Geistlichen so gut haben könnten, als ihr es habt; denkt an eure zerstreuten Glaubensbrüder in diesem Lande, die in der Dürre sitzen und nach dem Wasser des Lebens dürsten, die ihre zarten Kindlein vielleicht nicht einmal zur Taufe bringen können, weil weit und breit kein ordentlicher Diener des Worts zu finden ist, die sie mit Furcht und Zittern heranwachsen sehen in heidnische Finsternis hinein, die sammt ihnen in der tödlichen Gefahr schweben, den laufenden und rennenden Schwarmgeistern in die Hände zu fallen und durch das Gift falscher Lehre ewiglich zur Hölle verderbt zu werden, — und dann beschließet bei euch, ob es recht sei, und ihr es vor Gott verantworten könnt, wenn ihr aus irgend welchen irdischen, nichtigen Rücksichten eure begabten und natürlich vor allem auch gottesfürchtigen Knaben dem Dienst der Kirche vorenthalten wolltet. Sind sie doch allein Gottes Gabe, der sie im Augenblick wieder von euch zurückfordern kann, und seid ihr doch verbunden, sie Ihm aufzuerziehen in der Zucht und Vermahnung zum HErrn und sie, so viel an euch liegt, jedenfalls Ihm und dem gemeinen Wohl zum Dienst zu stellen, — warum nicht auch der Kirche, dem Reiche Gottes, zum besondern Dienst, der sie derselbigen so dringend bedarf? Sprecht nicht: ei wir können ja von Deutschland her mit Predigern versorgt werden, dort gibt es der müssigstehenden Candidaten genug. Ich sage euch: nicht Deutschland zunächst, sondern wir haben die heilige Pflicht von Gott, für die Bedürfnisse der Kirche hier zu sorgen; nicht Deutschland zunächst, sondern wir werden dermaleinst von Gott dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Wendet nicht ein: ja wir müssen doch auch auf das leibliche Wohl unserer Kinder bedacht sein, stellen wir sie aber der Kirche zum Dienst, so überliefern wir sie der Noth und dem Elend, zahllosen Mühseligkeiten und Entbehrungen. Ihr solltet Gott darum danken, wenn eure Kinder gewürdigt würden, sich Ihm und Seiner heiligen Kirche aufopfern, um Seines Namens Ehre und um Seines heiligen Wortes willen auch etwas leiden zu dürfen, denn dann würde einst im Himmel ihr Lohn gewislich groß sein. Ach bedenkt es wohl, wie würdet ihr erschrecken müssen, wenn Gott Sein seligmachend Wort von euch nähme, und ihr müßtet selbst bekennen: das haben wir mit dieser unserer Gleichgiltigkeit und unserm Undank gegen das heilige Evangelium nur zu wohl verdient! Wie wolltet ihr im Gericht bestehen, wenn euch einst eure eignen Kinder verklagen würden, daß ihr sie durch solch irdischen Sinn selbst der Welt und ihrem Dienst ausgeliefert, oder doch dem Dienst der Kirche entzogen habt; wenn Hunderte und Tausende das Ach und Weh über euch schreien würden, weil ihr sie, so viel an euch lag, der reinen Predigt und schriftgemäßen Verwaltung der heiligen Sacramente beraubt habt. Darum noch einmal bitte und beschwöre ich euch bei der Liebe Christi, bedenkt es wohl, und durchbrecht alle die kleinlichen irdischen Rücksichten, die euch bisher abgehalten haben, in diesem Punkt eure Pflicht zu thun, und erweiset
English translation AI translation
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Scarcely a decade has passed, and our dear confessional Synod, whose small and wretched beginnings can never be recalled enough, has by a miracle of undeserved divine grace and mercy grown into a young tree that spreads its branches in blessing on every side. Some 70 congregations already belong to our Synodical body; some 140 pastors and schoolteachers labor, constrained by the love of Christ, amid toils and self-denials of every kind, with zeal and faithfulness in the vineyard of the LORD, and even to the poor heathen at 2 stations the bread of life is broken through the service of our Synod. Two theological institutions have been founded under God's gracious assistance: a learned-theological one at St. Louis, Mo., which was commended to you for faithful and grateful remembrance, with its excellent organization of German thoroughness and soundness, only in No. 4 of this year's Lutheraner; and a practical-theological one here in Fort Wayne, of which I wish to add a few things briefly, for the information of those not yet or wrongly informed, and as a reminder to the rest.
Under the present circumstances our learned-theological institution cannot possibly satisfy the crying need for preachers adequately. For that it requires too long a time of preparation on this path; for that there is, all too often, a lack of the gifts of languages so needful in it; and for that, on the whole, alas, alas, still so very few parents give up their gifted sons. So necessity has compelled us to erect also a practical-theological institution here in Fort Wayne, since in a shorter time, at very small cost, godly young men could be prepared by a practical path for the service of the Church and school. This institution, which since its founding in the year 1846 has already trained over 60 preachers and schoolteachers, and continually numbers some 20 pupils, now consists of 3 divisions: a school for preparatory students, in which capable boys who either do not possess the means or the necessary gifts of languages, or are already too far advanced in age to go to the College in St. Louis, enjoy a preparatory instruction; a pro-seminary, in which those godly young men who wish to devote themselves to the service of the Church only in later years may acquire the preliminary knowledge they still lack or may train themselves for school service; and the theological seminary proper. The subjects of study for the first two divisions are: German, Latin and English language, arithmetic, geography, history, biblical history, catechism exercises, singing, instrumental music; to these are added for the pro-seminarians: dogmatics, the symbolical books, earlier Church history, catechizing exercises; in the seminary: knowledge and interpretation of the Bible, dogmatics, the symbolical books, comparative symbolics, biblical history, Church history, pastoral theology, instruction in homiletics, homiletical and catechetical exercises. All instruction is given without charge. The costs for lodging, heating, light, board, attendance, etc., amounted last year to only $20 per person, and, if the congregation here and the surrounding country congregations do not grow weary in their praiseworthy zeal in supporting the institution with provisions, etc., will hardly rise, but will probably be reduced still further. The washing is attended to by the women of the congregation here, and the mending, etc., of linen, laundry and clothing is done by the women's society here. Yes, only a few defray these so small expenses from their own means, but are for the most part supported, or wholly maintained, partly by members of the congregation here, partly by other congregations. — All this unspeakable benefit the LORD has done to us unworthy ones out of free grace, for who would be so unscrupulous as to ascribe the honor of it to another than to Him, to whom alone it is due? How then do we conduct ourselves toward such rich and undeserved blessing of God? One would think that hosts of evangelists would be trained, that the pious young men would crowd forward in holy emulation, in order, after faithful preparation, to sacrifice themselves in the service of the Church, to fill everything far and wide with the sweet sound of the gracious Gospel, and to provide their many preacherless German brethren in the faith in the forests of North America with Word and Sacrament. But, God be pitied, we are not yet even fully in a position to supply our own congregations properly with preachers, and to meet fittingly the need of the larger congregations for faithful, capable schoolteachers, a need growing ever louder to the joy of all faithful men of God, to say nothing of our being able to think of extending and enlarging the bounds of our so rich field of labor to the degree that we well ought and would.
In view of this great, heart-rending need of the Church I turn first of all to you, Christian parents of our body, to whom God has given capable and gifted boys. Ah, think of the unspeakable benefit the LORD shows you thereby, that He lets His holy, saving Word be proclaimed to you clearly and purely, and teaches you and your children rightly the way of life; think of the precious, inestimable blood of God, which for that very purpose your LORD and Savior Jesus Christ shed for you also on the stem of the holy cross; think of all the comfort, the joy, the peace, the blessedness which He has already dispensed to you in His gracious Gospel and in the holy Sacraments; think of the unhappy parents who in the old fatherland are, by the power of the State, penned into godless congregations or even abandoned to false doctrine, how they sigh and groan, and how they would gladly thank God on their knees and joyfully place themselves and all they are and have at His service, if they could have it as well in spiritual things as you have it; think of your scattered brethren in the faith in this land, who sit in the drought and thirst for the water of life, who perhaps cannot even bring their tender little children to Baptism, because far and wide no regular minister of the Word is to be found, who with fear and trembling see them grow up into heathen darkness, who together with them are in mortal danger of falling into the hands of the roving and running enthusiasts and of being everlastingly ruined for hell by the poison of false doctrine, — and then resolve among yourselves whether it is right, and whether you can answer for it before God, if from any earthly, trivial considerations you should withhold your gifted and, as a matter of course, above all God-fearing boys from the service of the Church. Are they not solely God's gift, which He can demand back from you in a moment, and are you not bound to bring them up for Him in the discipline and admonition of the LORD, and, so far as it lies with you, in any case to place them at the service of Him and of the common welfare, — why not also at the special service of the Church, the kingdom of God, which has such pressing need of it? Do not say: Oh, we can indeed be supplied with preachers from Germany, there are idle candidates enough there. I tell you: not Germany first, but we have the holy duty from God to provide for the needs of the Church here; not Germany first, but we shall one day be called to account for it by God. Do not object: yes, we must also be mindful of the bodily welfare of our children, but if we place them at the service of the Church, we deliver them over to want and misery, countless hardships and privations. You ought to thank God for it if your children were counted worthy to sacrifice themselves to Him and to His holy Church, to be permitted for the sake of the honor of His name and of His holy Word to suffer something too, for then their reward in heaven would certainly be great. Ah, consider well how you would have to be terrified if God took His saving Word from you, and you had to confess yourselves: we have only too well deserved this with this our indifference and our ingratitude toward the holy Gospel! How would you stand in the judgment, if your own children should one day accuse you that by such earthly-mindedness you delivered them up to the world and its service, or at least withdrew them from the service of the Church; if hundreds and thousands should cry Alas and Woe over you, because you, so far as it lay with you, robbed them of the pure preaching and the Scriptural administration of the holy Sacraments. Therefore once more I beg and adjure you by the love of Christ, consider it well, and break through all the petty earthly considerations that have hitherto held you back, to do your duty in this point, and show