Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 13 › Seite 99

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-14, Seite 99

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unterſtützungsgeſellſchaften 2

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anfangen, und du weißt, es giebt auch ein erlaubtes Fluchen! aber mit Gottes Hülfe will ich mich fassen und ruhig sein. Indessen mit dem Festprogramm ist's für diesmal nichts, deine Jungens können die Sonntagshosen nur getrost wieder ausziehen, und wenn dein Welschhinkel nur bei einem Siegs- und Friedensfeste, wie ich's eben im Sinne hatte, verzehrt werden soll, so hat's Aussicht, eines natürlichen Todes zu sterben. Es ist richtig so, wie du gedacht hast. Es ist wieder das alte Teufelsspiel mit der Union, wie bisher, nur noch viel greulicher, dummer und schändlicher, weil mit mehr Aufwand von freilich sehr handgreiflicher Heuchelei gespielt. Du siehst Martin, daß oben der Brief, wo ich mit dem Festprogramm beginnen wollte, unterbrochen ist. Der Herr Pfarrer kam nämlich auf einen nachbarlichen Besuch. Als er in's Zimmer tritt, sagt er: Guten Tag, Meister Hans, seid wohl bei'm Schreiben, gewiß wieder einmal an unsern alten guten Freund Martin; hab' mir's gedacht als Eure Frau den Bogen Papier von der Pfarrei holte. Nun ich erzähle ihm denn alles so treuherzig hin, da fängt der Hr. Pfarrer an zu lachen — du weißt, es ist seine Art so, wenn der Teufel seine Streiche einmal wieder ausgeheckt hat, und ich denke, es steckt oft mehr Glaube und Glaubensfreudigkeit hinter solch einem Lacher, als hinter manch langem essigsaurem Gesicht.— „Das hättet Ihr euch alles ersparen können, Meister Hans,“ sagt er, „damit ist's wieder einmal nichts. Die armen Leute sind nun einmal in die Tretmühle der Lüge und Heuchelei eingespannt, wie ein Pferd, dem man die Augen verbunden, und das nun immer in demselben Kreis sich drehen muß. Was können die armen Leute nun anders herausbringen, als Teufelsdreck, da ihr Herr und Meister ihnen natürlich nichts anders auf die Steine schüttet.“ Ich verstand den lieben Mann gar nicht, und kam ordentlich ein wenig in Harnisch, und sagte: „Mit Vergunst Herr Pfarrer, die Ungeänd. Augsb. Confession ist doch kein Teufelsdreck, und die ist doch diesmal dabei herausgekommen.“ Da lacht der Hr. Pfarrer noch viel feiner, und sagt: „Nachbar! Nachbar! wo habt ihr denn die Augen gehabt?“ „Nun in dem Friedensboten No. 12,“ sage ich, „und da steht's ja mit klaren Worten; 1530 Kaiser Karl V.“

Nun weißt du, Martin, ich habe es so an mir, wenn ich so den Hauptsatz eines Schreibens heraus habe, namentlich wenn er mit Gänsefüßen bezeichnet, oder mit gesperrter Schrift gedruckt ist, und ich will noch weiter lesen, so lege ich mir das Uebrige, was ich oft nicht klar verstehe, nach diesem Hauptsatz auf's beste zurecht, und denke, es muß doch damit stimmen. Der „Friedensbote“ aber hat's nun auch so an sich, daß er seinen Lesern einen blauen Dunst vormacht, wie du weiland in der Schule, wenn du nicht wußtest, ob du Mir oder Mich schreiben solltest. Da schriebst du Mirch, und zwar undeutlich, machtest auch wohl einen Klecks auf's Wort, und ließest es nun darauf ankommen, was der Schulmeister herauslesen wollte. Genug ich hatte die ganze Saalbaderei des „Friedensboten“ hinter dem Beschluß mit Gänsefüßen, nach meinem Sinn und den Gänsefüßen ausgelegt, und mich gefreut, wie doch der Bote so ernst und aufrichtig darein reden konnte. Aber der Herr Pfarrer deckt' mir's auf, daß in der That nichts anders herauskam, als das gewöhnliche heuchlerische Gelüge, was die Unirten immer im Munde führen, wenn sie von ihrer Union reden, um einfältige Lutherische Leute irre zu machen, und ihnen mit ihren Flausen die Augen zu verkleistern.—Zum Ueberfluß holte er nun auch noch einen Pack Zeitungen aus der Tasche, Englische und Deutsche, und denk dir, Martin, da steht's mit klaren dürren Worten, daß die 2000 in Berlin nach dem oben angeführten Beschluß einen andern abgefaßt haben, daß hinsichtlich des 10. Artikels der U. A. C. ein jeder glauben kann, wie und was er will!! Und das ist nicht etwa eine Gesellschaft lustiger Studenten gewesen, die in einem Fastnachtsspiel die Union haben lächerlich machen wollen, wie wir auf unserer Wanderschaft Aehnliches in Jena mal mit angesehen. Es sind auch keine Schuster und Schneider gewesen, wie du und ich, die der Teufel zu solchem schändlichen Unsinn gar nicht einmal gebrauchen kann in ihrer Einfalt, sondern wie der Hr. Pfarrer sagt: Professoren, Pastoren, hohe Staatsbeamten, Grafen ꝛc. Nein das geht doch über alle Begriffe in's Aschgraue hinein. Kommen die Leute aus aller Welt Gegend zusammen, gehen in die Kirche, predigen, singen, beten, und machen ein gewaltig Wesen, sprechen von Buße, Erkenntniß der Sünde, Beugung des Herzens, beschließen, endlich Hand an's Werk legen zu wollen, bekennen sich öffentlich und feierlich mit Herz und Mund zur Ung. Augsb. Confession, daß die Engel im Himmel darüber anfangen sollen, zu jauchzen, und drehen nachher durch einen andern Beschluß die Sache so, daß sie ganz wieder auf den alten Punkt zu stehen kommen, von wo sie ausgegangen, wie der Hr. Pfarrer sagt, Pferde in der Tretmühle der Lüge und Heuchelei. Denken dabei, sie haben nun bereits die armen unirten Bauers- und Bürgerleute so dumm und verwirrt gemacht, daß wenn sie nur alle Jahr mit großem Gepränge ein wenig mit der Ung. Augsb. Confession klappern, so ist's genug, da fällt jedes Haupt wieder ganz beruhigt auf's Kissen, von welchem Gott es vielleicht durch Unruhe im Gewissen über den schändlichen Abfall von der rechtgläubigen Kirche aufgeschreckt hatte. Das ist doch schändlich. Ach Gott vom Himmel sieh darein, und laß dich's doch erbarmen. Und der liebe Friedensbote ist auch flink bei der Hand, schiebt die Lügen in seinen Botensack, macht sich sein süß-freundliches Liebes- u. Friedensgesicht vor dem Spiegel zurecht, und bringt sie seinen geduldigen „Evangel.“ Schaafen in's Haus, die sich auch so gut, wie ich, die Augen zukleistern lassen mit dem Fahneneid, und Beschluß mit Gänsefüßen, und Stein und Bein darauf schwören, daß die Union so lutherisch sei, wie nur irgend eine Synode in Amerika oder Deutschland. Ich möchte nicht in des Boten Haut stecken, Martin, mir würde doch ganz unheimlich, ja angst und bange darin werden. Denn ich will auch den besten Fall setzen, sie sei so dick wie ein Rhinozerosfell, wenn der Herr einmal mit seiner schrecklichen Faust ihm auf die Haube greift und anfängt, seine Argumente a posteriori zu führen, wie unser Schulmeister sagte, wenn er recht ausholte, er wird's doch fühlen, und wohl so, daß er in der ganzen langen Ewigkeit nicht wieder auf die Beine kommt. Martin, du weißt, das Papstthum stinkt mich an, ganz außerordentlich stinkt mich's an, aber die Union fast mehr. Im Papstthum kommt mir der Teufel noch fast vor, wie ein ehrlicher Teufel, in der Union ist er so recht die Alte Schlange wieder aus dem Paradiese. Dort tritt er das Wort so ziemlich offen unter die Füße, hier kommt er mit dem freundlichsten und frömmsten Gesicht herangeschlichen, und will mit seinem „Sollte Gott gesagt haben“ den einfältigen Leuten bessere und würdigere Begriffe von Gott und seinem Worte beibringen, das er verdreht und damit die Menschen verdirbt. Dort zündet er seine Scheiterhaufen offen an, und nimmt das leibliche Leben der Kinder Gottes frisch hinweg in ihrer Glaubensfreudigkeit, hier bringt er die armen schwankenden Gewissen in die Daumschrauben, und spanischen Stiefel mit seinen verfluchten frömmelnden Manövern der Falschheit und Lüge, und drückt, und schraubt, und drückt, bis Blut, Mark und Leben durch die Knochen dringt, und verwirrt die armen Leute so mit seinen gleißnerischen Reden, von Liebe, Herzensbekehrung, Friede ꝛc., daß so ein armer Kerl nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, und meint, der Weg zum Himmel gehe nun einmal durch solche Daumschrauben und spanische Stiefel, während der große Haufe bei ihnen den noch bequemen Weg ausfindet, die Lutheraner für todte Hunde, oder höchstens für Bastarde auszurufen, weil sie nicht so mit liebeln und friedeln und frömmeln wollen, und das Wort und die heiligen Sacramente verachten, sondern bei'm Worte bleiben, und geraden Wegs zum Himmel gehen.

Wahrlich Martin, dieser Kirchentag ist ein wichtiger und würdiger Act, schwerlich aber der Schlußact in dem Spiel der Union. Welche wunderliche Dinge haben wir erlebt! Erst hebt ein Königliches Haupt, dem mehrere Potentaten folgen, die beschwornen Rechte einer ganzen Kirche auf, ladet also den Fluch des Meineides auf das unglückliche Land, Ezech. 16, 59. und decretirt auf gut päpstisch: es ist kein Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit, und das sollt ihr glauben. Die Gewissen wachen auf, und sagen: „Königliche Majestät, das können wir nicht glauben, wir sind lutherisch, und müssen den reformirten Irrthum verwerfen, können auch keine Kirchengemeinschaft mit Falschgläubigen haben.“ Da heißt's: „Kerle ihr habt die Liebe nicht, die die Hauptsumma des Evangeliums ist, dazu seid ihr Rebellen, die klüger sein wollen, und ein zarter Gewissen haben, als Euer Fürst, und seine Bischöfe und Geistlichen, dafür ziehe man euch die besten Kühe aus dem Stall, und pfände euch aus, und eure Prediger gehen in's Loch, damit ihr besser lernt, was Evangelische Liebe ist. Und was den Meineid betrifft, und

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begin, and you know, there is also a permitted cursing! but with God's help I will compose myself and be calm. Meanwhile, with the festival program it is nothing for this time, your boys may quite calmly take off their Sunday trousers again, and if your turkey is to be eaten only at a feast of victory and peace such as I had just in mind, it has prospect of dying a natural death. It is right as you thought. It is again the old devil's game with the Union, as before, only much more hideous, stupider and more shameful, because played with more expenditure of truly very palpable hypocrisy. You see, Martin, that above the letter, where I wanted to begin with the festival program, is interrupted. The Pastor, namely, came for a neighborly visit. As he enters the room, he says: Good day, Master Hans, you are surely writing, certainly again to our old good friend Martin; I thought so when your wife fetched the sheet of paper from the parsonage. Well, I tell him everything so open-heartedly, whereupon the Pastor begins to laugh—you know, it is his way so, when the devil has once more hatched out his tricks, and I think there often lies more faith and joyfulness of faith behind such a laugh than behind many a long vinegar-sour face.— "You might have spared yourself all that, Master Hans," says he, "it is again nothing. The poor people are once for all harnessed in the treadmill of lies and hypocrisy, like a horse whose eyes are bound, and which must always turn in the same circle. What can the poor people bring out other than devil's dung, since their lord and master naturally pours nothing else upon the stones for them." I did not understand the dear man at all, and got somewhat into a temper, and said: "With your permission, Pastor, the Unaltered Augsb. Confession is surely no devil's dung, and that is surely what has come out this time." Thereupon the Pastor laughs still more finely, and says: "Neighbor! Neighbor! where have you had your eyes?" "Well, in the Friedensbote No. 12," say I, "and there it stands with clear words: 1530 Emperor Charles V."

Now you know, Martin, I have it so with me, when I have got hold of the main sentence of a writing, especially when it is marked with quotation marks, or printed in spaced type, and I want to read further, I fit the rest, which I often do not clearly understand, to this main sentence as best I can, and think, it must surely agree with it. The "Friedensbote," however, has it also in this way with it, that it makes a blue haze for its readers, as you did formerly at school, when you did not know whether you should write Mir or Mich. Then you wrote Mirch, and indeed indistinctly, and made also perhaps a blot upon the word, and let it come to what the schoolmaster wanted to read out of it. Enough, I had read the whole quackery of the "Friedensbote" after the resolution with quotation marks, according to my sense and the quotation marks, and rejoiced how earnestly and sincerely the messenger could speak therein. But the Pastor uncovered to me that in fact nothing else came out than the usual hypocritical lying talk which the Unionists always have in their mouths when they speak of their Union, to confuse simple Lutheran people, and with their tricks to paste up their eyes.—Besides, he then also fetched a bundle of newspapers out of his pocket, English and German, and think, Martin, there it stands in clear plain words that the 2000 in Berlin, after the resolution quoted above, drew up another, that with regard to the 10th Article of the U. A. C. every one may believe how and what he will!! And that was not perhaps a company of merry students who in a Shrovetide play wanted to make the Union ridiculous, such as we once saw on our travels in Jena. They were also no cobblers and tailors, like you and me, whom the devil cannot at all use for such shameful nonsense in their simplicity, but, as the Pastor says: professors, pastors, high state officials, counts, etc. No, that goes beyond all conceptions into the ash-gray. The people come together from every region of the world, go into church, preach, sing, pray, and make a mighty ado, speak of repentance, knowledge of sin, bowing of the heart, resolve at last to lay hand to the work, confess themselves publicly and solemnly with heart and mouth to the Unaltered Augsb. Confession, so that the angels in heaven are to begin to rejoice over it, and then by another resolution they twist the matter so that they come to stand quite again upon the old point from which they set out, like, as the Pastor says, horses in the treadmill of lies and hypocrisy. Thinking meanwhile, they have now already made the poor Unionist peasant and burgher people so stupid and confused that if they only once a year, with great pomp, rattle a little with the Unaltered Augsb. Confession, it is enough, whereupon every head falls again quite quieted upon the pillow, from which God had perhaps startled it through unrest in the conscience over the shameful falling away from the orthodox Church. That is indeed shameful. Ah God in heaven, look down, and have pity. And the dear Friedensbote is also quick at hand, shoves the lies into his messenger's sack, arranges his sweet-friendly face of love and peace before the mirror, and brings them to his patient "Evangel." sheep in the house, who let their eyes be pasted shut as well as I with the oath of the colors, and the resolution with quotation marks, and swear by stone and bone that the Union is as Lutheran as any synod in America or Germany. I would not like to be in the messenger's skin, Martin, I should become quite uneasy, yes anxious and afraid in it. For I will suppose even the best case, that it be as thick as a rhinoceros hide, when the Lord once with His terrible fist grips him on the cap and begins to conduct His arguments a posteriori, as our schoolmaster said when he swung out in earnest, he will surely feel it, and so that he will not get on his legs again in the whole long eternity. Martin, you know, Popery stinks me, very extraordinarily it stinks me, but the Union almost more. In Popery the devil still seems to me almost like an honest devil, in the Union he is quite the old serpent again out of Paradise. There he treads the Word pretty openly under his feet, here he comes sneaking up with the friendliest and most pious face, and will with his "Hath God said" bring better and worthier conceptions of God and His Word to simple people, which he twists and thereby corrupts men. There he kindles his stakes openly, and takes away bodily life from the children of God fresh in their joyfulness of faith, here he puts the poor wavering consciences into the thumbscrews and Spanish boots with his accursed pious-pretending maneuvers of falsehood and lies, and presses, and screws, and presses, until blood, marrow and life come through the bones, and confuses the poor people so with his hypocritical speeches of love, conversion of the heart, peace, etc., that such a poor fellow no longer knows where his head stands, and thinks that the way to heaven goes once for all through such thumbscrews and Spanish boots, while the great crowd finds with them the still convenient way, to proclaim the Lutherans dead dogs, or at most bastards, because they will not so love-ify and peace-ify and piety-ify, and despise the Word and the holy Sacraments, but stay by the Word, and go straight on their way to heaven.

Verily, Martin, this Church Diet is an important and worthy act, but hardly the final act in the play of the Union. What strange things we have lived to see! First a royal head, whom several potentates follow, abolishes the sworn rights of a whole Church, thus lays the curse of perjury upon the unhappy land, Ezek. 16:59, and decrees in good papistical fashion: there is no difference between lie and truth, and that you shall believe. The consciences awake, and say: "Royal Majesty, that we cannot believe, we are Lutheran, and must reject the Reformed error, and can also have no church fellowship with false believers." Thereupon it is said: "Fellows, you have not the love which is the chief sum of the Gospel, besides you are rebels who want to be wiser, and to have a more tender conscience, than your Prince, and his bishops and clergy, for that let the best cows be drawn from your stall, and be distrained upon, and your preachers go to jail, that you may learn better what Evangelical love is. And as to the perjury, and