Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 18 › Seite 141

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-04-25, Seite 141

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Staatsſchule · Sonntagsſchule 6 · Sonntagsſchule 6 · Gemeindeſchule · Engliſch

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zu einer Schatzkammer unberechenbaren Werthes, wofür ihnen die englische Sprache nicht den kümmerlichsten Ersatz bietet. Ueber der deutschen sollte aber auch die englische Sprache nicht versäumt werden. Diese ist einmal die Sprache des Landes, welches wir zu unserem Vaterlande gemacht haben, sie ist die Geschäfts- und Gerichtssprache, zum bürgerlichen Fortkommen unerläßlich, und ohne sie fertig und geläufig zu sprechen und zu schreiben, kann ein Deutscher sich schwerlich die Achtung in der bürgerlichen Gesellschaft verschaffen, welche eine nicht zu verachtende Zugabe zum irdischen Lebensglücke und die unerläßliche Bedingung ist, seine Pflichten als Bürger genügend und gewissenhaft zu erfüllen. Deutsche Kinder sollten daher die englische Sprache eben so gründlich, fertig und fließend sprechen und schreiben lernen, wie ihre Muttersprache. Dieß sollte nicht dem bloßen zufälligen Umgang überlassen bleiben, dafür sollte die Schule sorgen. Allein die Ausbildung fürs irdische bürgerliche Leben ist nur die kleinste Hälfte der Aufgabe einer Volksschule. Kinder sind zum ewigen Leben erschaffen und berufen, sie sind getauft, nicht daß gebildete Staatsbürger, geschickte Kaufleute, tüchtige Professionisten, sondern daß Bürger des Reichs Gottes aus ihnen werden sollen. Darum kann und darf in einer guten Volksschule der christliche Religionsunterricht nicht fehlen, er muß vielmehr die Hauptsache und die Grundlage alles Unterrichts und aller Erziehung sein. Was christliche Hausväter und Mütter angefangen, das soll die Schule fortführen, was sie lückenhaft gelassen, das soll die Schule ausfüllen; derselbe Geist, der ein christliches Hauswesen regiert, soll auch in der Schule walten, welche nichts anders ist, als die Gehülfin und Stellvertreterin eines christlichen Vaters oder einer christlichen Mutter. Daher muß christlicher Religionsunterricht unter allen Lehrfächern voranstehen, christliche Grundsätze müssen alle andere Lehrfächer beleben und überwachen und in christlichem Geist muß die Zucht geübt werden. Wenn wir diesen Maaßstab an das hiesige amerikanische Volksschulwesen anlegen, so werden wirs nicht probehaltig finden. Es ist wahr, die hiesigen öffentlichen Schulen sind in ihrer Art vortrefflich eingerichtet, daß sie kaum etwas zu wünschen übrig lassen. Allein eine Hauptsache fehlt in ihnen allen, der gesunde christliche Religionsunterricht. Grundsätzlich ist dieser aus allen öffentlichen Volksschulen verwiesen, wie das bei einer so gemischten Bevölkerung wie die hiesige auch gar nicht anders sein kann. Wie dem hiesigen Staatsleben, so hängt auch der Schule das nothwendige Uebel des religiösen Indifferentismus an. Daher gehen aus diesen Volksschulen junge Leute heran, die im besten Fall vom Wege der Seligkeit gar nie etwas gehört haben und nicht wissen, wer sie erschaffen und erlöset hat oder die im schlimmern Falle aus den meist deistischen Lehr- und Lesebüchern solche Ideen und Grundsätze eingesogen haben, welche geeignet sind, später Feinde des christlichen Glaubens aus ihnen zu machen. Für beide Fälle könnte ich Beispiele in Menge anführen. Ich kann es in der That nicht begreifen, wie man von dem hiesigen Volksschulwesen so viel Rühmens machen kann, ohne sich zugleich dessen zu schämen, was ihm mangelt, oder wie christlich sein wollende Eltern sich mit diesen armseligen publie shools begnügen können (denn armselig nenne ich jede, auch die beste Schule, in der das christliche Element fehlt) oder wie ganze kirchliche Gemeinschaften der Verpflichtung, selbst christliche Gemeindeschulen zu unterhalten, durch die öffentlichen Schulen überhoben zu sein meinen können. Ich bin eurer ungetheilten Zustimmung, ihr Eltern, versichert, wenn ich die Behauptung ausspreche, christliche Eltern können nicht ohne schwere Gewissensverletzung, nicht ohne gegen ihre Kinder eine große Treulosigkeit zu begehen, ihre Kinder in die englischen Volksschulen schicken. Thun sie es, Golt wird dereinst ernste Rechenschaft von ihnen fordern. Ich weiß wohl auf welche Weise viele Eltern ihre Gewissen beschwichtigen: ich schicke meine Kinder in die Sonntagsschule, da sollen sie Religion lernen. Aber ich frage solche Eltern: was für Sonntagsschulen sind es, dahin ihr eure Kinder schicket? Etwa eine methodistische oder eine wiedertäuferische ꝛc., da sollen sie also Religion lernen? und gesetzt, es ist eine lutherische Sonntagsschule, was für ein kümmerlicher Ersatz ist sie doch für eine regelmäßige Wochenschule? Ich will die Sonntagsschulen, wenn sie im rechten Geist gehalten werden nicht verachten, und um armer, verwahrloseter Kinder willen, die von ihren unchristlichen Eltern in keine regelmäßige Wochenschule geschickt werden, möchte ich wünschen, daß jede lutherische Kirche eine Sonntagsschule unterhalten möchte; aber wenn Eltern, die lutherischen Gemeinden angehören, ihren Kindern das tägliche Brod der Wochenschule entziehen und sie nur mit einem dürftigen Bröcklein Sonntagsschule abspeisen wollen, das müssen in der That hartherzige, grausame Eltern sein. Ich habe auch schon andere sagen hören: ich schicke mein Kind in die sonntägliche Kinderlehre, die unser Pfarrer hält, da wird reichlich ersetzt, was den englischen Schulen abgeht. Aber meint ihr wirklich, daß eine halbe Stunde Kinderlehre am Sonntage einen regelmäßigen Religionsunterricht ersetzt? Die Kinderlehre ist eine vortreffliche Einrichtung für Kinder und Erwachsene. Geht ihr aber der tägliche Catechismusunterricht in der Schule nicht voran, so wird auch die sonntägliche Kinderlehre so viel, als nichts ausrichten. Es sind mir endlich auch schon Leute vorgekommen, die unverschämt genug waren, von mir zu verlangen, ich sollte ihre Kinder, die bis in ihr 12., 13. Jahr in englischen Schulen aufgewachsen waren und weder deutsch lesen, noch einen Artikel des christlichen Glaubens hersagen konnten, in ein Paar Wochen zur Confirmation zustutzen und sofort confirmiren. Ich schweige, was ich solchen geantwortet habe.

Was müssen nun christliche Eltern und christliche Gemeinen thun? Sie müssen christliche Gemeindeschulen aus ihren eigenen Mitteln errichten und unterhalten. Vor 300 Jahren schärfte Dr. Luther den christlichen Rathsherrn und Obrigkeiten das Gewissen und ermahnte sie, christliche Schulen zu errichten. Diese Ermahnung haben sich hiesigen Landes alle christlichen Gemeinden anzunehmen. Rathsherrn und Obrigkeiten thun hier nichts und können nichts thun für christliche Schulen; so müssen christliche Gemeinden aus eigenen Mitteln dafür sorgen, damit ihre Kinder nicht ohne Gottes Erkenntniß aufwachsen. Keine Gemeinde sollte es dulden, daß ihre Glieder ihre Kinder, mit Umgehung der Gemeindeschule, in englische Volksschulen schicken und sie darin geistlich verwahrlosen und verwildern lassen.

Laßt mich euch nun noch den Segen anpreisen, den christliche Schulen stiften. Groß ist der Segen, den christliche Eltern davon genießen. Fromme, dazu in allerlei nöthigen Wissenschaften wohl unterrichtete Kinder sind ihrer Eltern Freude und Krone, ihre Hülfe und Stütze in ihrem Alter. Dagegen verwahrlosete Kinder werden je länger, desto mehr ihrer Eltern Verdruß, Herzeleid und Schande werden. Groß ist der Segen, den Kinder selbst von der christlichen Schule genießen. Was Kinder Gutes und Nützliches in der Schule gelernt haben, das kommt ihnen zu Gute in ihrem ganzen Leben. Wie manches fleißige Schülerlein hat in der Schule den ersten Grundstein zu seinem künftigen Lebensglücke gelegt und ist aus ihm ein großer Mann geworden. Würde er das geworden sein, wenn er die Schule versäumt hätte oder faul und liederlich in der Schule gewesen wäre? Nimmermehr. Was aber ein frommes Kind in der Schule aus Gottes Wort lernt, das kommt ihm zu Gute im ewigen Leben. Weil du von Kind auf die heilige Schrift weißest, kann dich dieselbe unterweisen zur Seligkeit. Gottes Wort ist ein heiliger Saame, der, wenn er nicht muthwillig erstickt wird, selige Früchte trägt und gesetzt, ein Kind sollte so unglücklich sein, den guten Weg zu verlassen, so geht oft nach vielen Jahren der Saame, der wie todt im Herzen lag, unter Gottes Gedeihen auf und der heilige Geist erinnert es an das Wort, das es in der Schule gelernt hatte. Es sind mir viele Exempel derer bekannt, die unter dem gnädigen Erinnerungsamte des heiligen Geistes ihre spätere Bekehrung dem verdanken, was in der Schule in ihr Herz gepflanzt worden war. Groß ist endlich der Segen, der von der christlichen Schule überfließt über die ganze Kirche. Die Schule ist der Baumgarten, aus welchem die Kirche ihren immerwährenden Zuwachs erhält. Kinder sind bereits von ihrer Taufe an der edelste Bestandtheil der Kirche, Schulen sind die Ammen und Wärterinnen, die der Kirche dieses edle Eigenthum bewachen helfen. Vieles, vieles möchte ich noch hinzufügen um euch die christliche Schule recht lieb, werth und wichtig zu machen. Die Zeit aber gebietet, zu schließen. Nur zwei Bitten erlaubt mir noch auszusprechen, eine an euch ihr l. Eltern. Der getreue Gott hat uns eine schöne Schule geschenkt, christliche treue Lehrer arbeiten darin, laßt diese Schule nicht leer stehen. Sehet sie nicht an, als eine Last, sondern als eine Wohl-

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into a treasury of incalculable worth, for which the English language offers them not the poorest substitute. But over the German, the English language also should not be neglected. This is, for one thing, the language of the country which we have made our fatherland; it is the language of business and of the courts, indispensable to advancement in civil life, and without speaking and writing it fluently and readily a German can hardly win for himself that respect in civil society which is a not-to-be-despised addition to earthly happiness and the indispensable condition of fulfilling his duties as a citizen adequately and conscientiously. German children should therefore learn to speak and write the English language just as thoroughly, readily and fluently as their mother tongue. This ought not to be left to mere chance association; the school ought to see to it. But the training for earthly civil life is only the smaller half of the task of a common school. Children are created and called to eternal life; they are baptized, not that educated citizens, skilful merchants, capable tradesmen, but that citizens of the kingdom of God should come of them. Therefore Christian religious instruction can and may not be lacking in a good common school; rather it must be the chief matter and the foundation of all instruction and of all education. What Christian fathers and mothers have begun, the school shall carry on; what they have left incomplete, the school shall fill out; the same spirit that governs a Christian household shall also rule in the school, which is nothing else than the helper and deputy of a Christian father or a Christian mother. Therefore Christian religious instruction must stand first among all the branches of study, Christian principles must quicken and oversee all the other branches, and discipline must be exercised in a Christian spirit. If we apply this standard to the American common-school system here, we shall not find it to hold the test. It is true, the public schools here are in their way so excellently arranged that they leave hardly anything to be desired. But one chief thing is lacking in them all, sound Christian religious instruction. On principle it is banished from all public common schools, as in a population so mixed as the one here cannot be otherwise. As with the political life here, so the necessary evil of religious indifferentism clings also to the school. Hence there come forth from these common schools young people who in the best case have never heard anything of the way of salvation and do not know who created and redeemed them, or who in the worse case have drunk in from the mostly deistic school-books and readers such ideas and principles as are fitted to make enemies of the Christian faith out of them later. For both cases I could cite examples in plenty. I cannot in truth comprehend how one can make so much boast of the common-school system here without at the same time being ashamed of what it lacks, or how parents who wish to be Christian can content themselves with these wretched publie shools (for I call wretched every school, even the best, in which the Christian element is lacking), or how whole church bodies can suppose themselves relieved by the public schools of the obligation to maintain Christian parish schools of their own. I am assured of your undivided assent, you parents, when I declare that Christian parents cannot, without grave injury to conscience, without committing a great unfaithfulness toward their children, send their children to the English common schools. If they do it, God will one day require a strict account of them. I know well in what manner many parents quiet their consciences: I send my children to the Sunday school, there they are to learn religion. But I ask such parents: what kind of Sunday schools are they to which you send your children? Perhaps a Methodist or an Anabaptist one, etc., and there they are to learn religion? And supposing it is a Lutheran Sunday school, what a poor substitute it is, after all, for a regular weekday school! I will not despise Sunday schools, if they are conducted in the right spirit, and for the sake of poor, neglected children who are not sent by their unchristian parents to any regular weekday school, I could wish that every Lutheran church might maintain a Sunday school; but when parents who belong to Lutheran congregations withdraw from their children the daily bread of the weekday school and mean to put them off with a meagre crumb of Sunday school, they must in truth be hard-hearted, cruel parents. I have also already heard others say: I send my child to the Sunday catechization which our pastor holds; there what the English schools lack is richly made up. But do you really think that half an hour of catechization on Sunday takes the place of regular religious instruction? The catechization is an excellent institution for children and adults. But if the daily catechism instruction in the school does not go before it, then the Sunday catechization too will accomplish about as much as nothing. Finally, there have also come to me people who were shameless enough to demand of me that I should trim their children, who had grown up to their twelfth, thirteenth year in English schools and could neither read German nor recite one article of the Christian faith, into shape for confirmation in a couple of weeks and confirm them forthwith. I keep silence about what I answered such people.

What now must Christian parents and Christian congregations do? They must establish and maintain Christian parish schools out of their own means. Three hundred years ago Dr. Luther pricked the conscience of the Christian councillors and magistrates and exhorted them to establish Christian schools. In this land all Christian congregations must take this exhortation to themselves. Councillors and magistrates here do nothing and can do nothing for Christian schools; so Christian congregations must provide for them out of their own means, that their children may not grow up without the knowledge of God. No congregation should suffer its members to send their children to English common schools, passing by the parish school, and to let them become spiritually neglected and run wild in them.

Let me now commend to you also the blessing which Christian schools bring. Great is the blessing which Christian parents enjoy from them. Pious children, well instructed besides in all manner of needful knowledge, are their parents' joy and crown, their help and support in their old age. On the other hand, neglected children will, the longer the more, become their parents' vexation, heartache and shame. Great is the blessing which the children themselves enjoy from the Christian school. What children have learned of good and useful things in school redounds to their good in their whole life. How many a diligent little scholar has laid in school the first cornerstone of his future happiness in life and has become a great man. Would he have become that if he had neglected school, or been lazy and slovenly in school? Never. But what a pious child learns in school out of God's Word redounds to his good in eternal life. Because thou hast known the holy Scriptures from a child, they are able to make thee wise unto salvation. God's Word is a holy seed which, if it is not wilfully choked, bears blessed fruit; and supposing a child should be so unhappy as to forsake the good way, then often after many years the seed that lay like dead in the heart springs up under God's blessing, and the Holy Ghost reminds him of the word which he had learned in school. Many examples are known to me of those who, under the gracious work of remembrance of the Holy Ghost, owe their later conversion to what had been planted in their heart in school. Finally, great is the blessing which overflows from the Christian school upon the whole Church. The school is the orchard from which the Church receives her perpetual increase. Children are from their baptism the noblest part of the Church; schools are the nurses and attendants who help to guard this noble possession of the Church. Much, much would I still add, to make the Christian school truly dear, valuable and important to you. But time bids me close. Only two requests permit me still to utter, one to you, dear parents. The faithful God has given us a fine school, Christian faithful teachers labor in it, do not let this school stand empty. Do not look upon it as a burden, but as a bene-