Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 2 › Seite 14

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-09-12, Seite 14

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Heinzen.

Aber ihr laßt euch von Jedem berücken, der euch mit einem Schwall leerer Phrasen unterhält, und klatscht Beifall, wo ein vernünftiger Mensch Widerwillen oder Bedauern empfindet?

Freie Männer.

Macht nichts, wir schimpfen auf die Pfaffen und sind freie Männer.

Heinzen.

Aber ihr gebt euch ohne Urtheil und ohne Stolz Jedem hin, der euch schmeichelt und eure Schwächen schont, statt sie zu tadeln, ja ihr laßt euch unter täuschenden Namen als Feinde der Freiheit, als Bedienten von Menschenjägern und Aemterjägern benutzen?

Freie Männer.

Macht nichts, wir schimpfen auf die Pfaffen und sind freie Männer.

Heinzen.

Aber wenn ein wirklich freier Mann, der sogar frei von eurer Freiheit ist, ein Urtheil über euch fällt oder euch weiter führen will, als zum leeren Pochen auf einen leeren Namen, so kehrt ihr ihm den Rücken oder wünscht ihn zum Teufel oder feindet ihn an?

Freie Männer.

Macht nichts, wir schimpfen auf die Pfaffen und sind freie Männer.

Heinzen.

Ja, so ist es, ihr freien Männer, bei Vielen von euch bestellt. Und wer trägt die Schuld? Hauptsächlich Diejenigen, die euch zu freien Männern gemacht haben. Es ist bei den Deutschen nichts leichter, als durch Polemisiren gegen die Pfaffen ein „großer Mann“ unter „freien Männern“ zu werden und nichts bequemer, als es zu bleiben. Gleichzeitig ist aber auch nichts verderblicher, als dieses perpetuirliche Ausbeuten eines negativen und zugleich rohen Standpunktes. Wenn die bloße Anfeindung der Pfaffen, die bei Manchen zum wirklichen Geschäft, zum wahren „Büsineß“ wird, uns frei machte, so würde nach Entfernung der Pfaffen der Hebelpunkt unserer Freiheit fehlen. Wir würden Pfaffen brauchen, um zu zeigen, daß wir frei, „freie Männer“ wären.

Kircheinweihung

Am zweiten Pfingsttage, den 5. Juni d. J., hatte die „Heilige Dreieinigkeits-Gemeine in Allen Co. Ind. die Freude, ihre neuerbaute Kirche einweihen zu können.

Die Glieder dieser Gemeine gehörten bisher zur St. Pauls Gemeine in Fort Wayne. Da sie nun so weit erstarkt waren, um eine eigne Schwestergemeine zu bilden, so legten sie vorigen Sommer den Grund zu einer Kirche, die den Namen „Heil. Dreieinigkeitskirche“ erhielt. Es ist eine freundliche, schöne Framekirche mit einem Thurm. Ihre Länge beträgt 45 und die Breite 28 Fuß, und hat hohe Fenster in Spitzbogenform. Sie ist mit einer niedlichen Kanzel, einem Altar und Taufbecken inwendig schön ausgeschmückt, und in den geräumigen Stühlen findet eine ziemliche Anzahl Zuhörer Platz.— Schon am frühen Morgen des 2. Pfingsttages kamen von allen Seiten der Umgegend Gäste hier an, um an unserm fröhlichen Kirchweihfest Antheil zu nehmen. Bei dem Anfang der Feier versammelten sich die Gemeinde und die anwesenden Gäste in und um das nahestehende Schulhaus, in welchem bis jetzt der Gottesdienst gehalten wurde. Von hier aus bewegte sich der Zug zur neuen Kirche. Voraus gingen die Pastoren, Herr Dr. Sihler, Prof. Crämer und der Pastor der Gemeinde, mit der Bibel, der Agende und den heil. Gefäßen. Dann folgte die Gemeinde mit den Gästen unter Absingung des Liedes 134: „Komm heil. Geist ꝛc.— Beim Einzug in die neue Kirche stimmte der Sängerchor von Fort Wayne das Lied an: „Hoch thut euch auf! ꝛc.— Darauf sang die ganze Versammlung das Lied No. 1: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr.“— Nach Beendigung desselben trat Herr Dr. Sihler vor den Altar, verlas den 84 Psalm und sprach darauf ein Weihgebet. Dann ward das Lied 183: „Wir glauben all an einen Gott“ gesungen, worauf der Pastor des Orts die Epistel am Kirchweihsonntag Apoc. 21, 1—5 vor dem Altar verlas.

Nach Beendigung des Kirchweihliedes No. 168: „Dreifaltig-heilig-großer Gott,“ hielt Herr Prof. Crämer vor der großen Menge Zuhörer in und außerhalb der Kirche eine kräftige Predigt über das Evangelium am Tage der Kirchweihung Luc. 19, 1—10.

Thema: „Das süße Kirchweihevangelium von der heilbringenden Einkehr im Hause des Zachäus.“

1. Wie Christus damals heilbringend eingekehrt ist, so kehrt er auch jetzt noch heilbringend ein durch sein Wort und Sacrament.

2. Wie wir uns zu solcher seiner heilbringenden Einkehr verhalten sollen.

Nach beendigter Predigt trat der Pastor der Gemeine zum andern Mal vor den Altar, sprach das Kirchweihgebet und dann begann die Feier des h. Abendmahls, wobei Herr Prof. Crämer assistirte.

Darauf dankte der Pastor im Namen der Gemeine Herrn Dr. Sihler für die geistliche Pflege, welche er ihr unter treuer Seelsorge so viele Jahre lang durch Wort und Sacrament zu Theil werden ließ, und sprach auch seinen Dank aus gegen die milden Geber, welche zum Bau der Kirche ihr Scherflein beigetragen haben. Nach dem Liede No. 12, beschloß der Sängerchor mit: „Preis und Anbetung sei unserm Gott ꝛc“ die Feier des Festes.—

Möge der Herr, so oft Seines Namens Gedächtniß auch in dieser Kirche erneuert wird, zu den Versammelten kommen und sie segnen und die Gemeinde zu einer Stadt Gottes machen auf hohem Berge, die da leuchte durch reine lutherische Lehre und reinen gottseligen Eifer.

Friedrich Dietz, Pastor.

Kircheinweihung.

Mit Gottes Hilfe ist es der evang. luth. Gemeinde in Defiance, Ohio, gelungen, eine schöne freundliche Framekirche zu bauen, welche den 9ten July, als den 4ten Sonntag nach Trinitatis, eingeweiht wurde. Herr Professor Crämer folgte einer Einladung, und hielt die Vormittagspredigt über das Kirchweihevangelium. Abends predigte der Unterzeichnete über Ps. 126, 3.: „Der HErr hat Großes an uns gethan, des sind wir fröhlich. Der Gesang wurde mit 6 Blasinstrumenten begleitet. Es war ein freudiger Tag für hiesige Gemeinde. Viele theilnehmende Freunde von nah und fern hatten sich dazu eingefunden, so daß die Kirche kaum 2 Dritttheile der Anwesenden in den innern Räumen aufnehmen konnte. Den Abend vorher waren viele Gemeindeglieder sehr thätig, um die Kirche außen und innen schön und feierlich zu zieren. Selbst die Englischen dieser Stadt rühmten den Eifer der deutschen Lutheraner, daß dieselben, obwohl größtentheils unbemittelt, doch in so kurzer Zeit den Bau einer so schönen Kirche—der schönsten in der Stadt—zu Stande gebracht. Sie ist 32 Fuß weit, 45 Fuß lang und mit einem Thurm versehen. Einige Frauen der Gemeinde besorgten die Altar- und Kanzelbekleidung und Fenstervorhänge. Die Altarbekleidung haben sie sehr schön gestickt.—

Der HErr verleihe der Gemeinde auch einen rechten Eifer im Geistlichen, schenke ihr immer mehr Lust und Liebe zur reinen Lehre und begnade sie, die Wahrheit mit einem heiligen Leben zu zieren. Er gebe, daß in unserem neuen Kirchlein, da Er seines Namens Gedächtniß gestiftet hat, Sein Wort auch in Zukunft allezeit lauter und rein verkündigt werde. Ja Er, der HErr unser Gott, der seit 3 Jahren die Gemeinde durch so manchen Kampf geführt u. jederzeit der Wahrheit den Sieg verliehen hat, helfe ihr und allen Gemeinden Seiner theuern Kirche in dieser letzten betrübten und gefahrvollen Zeit ausharren bis an das Ende, um Jesu Christi, unsers Heilandes willen. Amen.

A. Detzer.

„Der Pilger im Süden der Union.“

Auch in dem südlichsten Staate der Union, in Texas, befindet sich eine Anzahl deutscher Prediger (gegenwärtig sind es ihrer eilf), welche als eine deutsch-lutherische Synode zusammengetreten sind. Ausgegangen sind dieselben zumeist aus der Vorbereitungsanstalt St. Chrischona bei Basel in der Schweiz, seit dem Jahre 1840. Derzeitiger Präsident der Synode ist ein gewisser Herr H. Wendt, Prediger der ev. luth. Gemeinde in Galveston. Diese Synode erklärt zwar den Inhalt der Bekenntnißschriften unserer Kirche für ihren Lehrgrund, wie sehr es ihr jedoch an rechter Entschiedenheit und christlicher klarer Erkenntniß noch fehlen müsse, ist daraus ersichtlich, daß sie sich in den Verband der hiesigen abgefallenen sogenannten lutherischen Generalsynode hat aufnehmen lassen und sich von derselben unterstützen läßt. Der genannte Prediger Wendt hat sich nun entschlossen eine Zeitschrift unter obigem Titel herauszugeben. Sie soll jeden Monat etwa zwei Bogen stark in Heften erscheinen. Es wird in dem vor uns liegenden

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Heinzen.

But you let yourselves be taken in by anyone who entertains you with a flood of empty phrases, and you clap applause where a sensible man feels aversion or regret?

Free Men.

Never mind, we rail at the priests and are free men.

Heinzen.

But you give yourselves up without judgment and without pride to anyone who flatters you and spares your weaknesses instead of rebuking them; indeed, you let yourselves be used, under deceptive names, as enemies of freedom, as lackeys of man-hunters and office-hunters?

Free Men.

Never mind, we rail at the priests and are free men.

Heinzen.

But if a truly free man, who is free even from your freedom, passes a judgment upon you or would lead you further than to empty knocking upon an empty name, then you turn your back on him, or wish him to the devil, or make an enemy of him?

Free Men.

Never mind, we rail at the priests and are free men.

Heinzen.

Yes, so it stands, you free men, with many of you. And who bears the blame? Chiefly those who have made you free men. Among the Germans nothing is easier than to become a "great man" among "free men" by polemicizing against the priests, and nothing more convenient than to remain one. At the same time, however, nothing is more ruinous than this perpetual exploitation of a negative and at once coarse standpoint. If the mere hostility to the priests, which with many has become a regular trade, a true "business," made us free, then after the removal of the priests the fulcrum of our freedom would be lacking. We should need priests in order to show that we are free, "free men."

Dedication of a Church

On the second day of Pentecost, the 5th of June of this year, the "Holy Trinity Congregation" in Allen Co., Ind., had the joy of being able to dedicate its newly built church.

The members of this congregation had hitherto belonged to St. Paul's Congregation in Fort Wayne. When they had grown strong enough to form a sister congregation of their own, they laid, last summer, the foundation of a church, which received the name "Holy Trinity Church." It is a pleasant, handsome frame church with a tower. Its length is 45 and its breadth 28 feet, and it has high windows in the pointed-arch form. It is beautifully adorned within with a neat pulpit, an altar, and a baptismal font, and in the spacious pews a fair number of hearers find room.— Already early in the morning of the 2nd day of Pentecost guests came from all sides of the surrounding country to take part in our joyous church dedication festival. At the beginning of the celebration the congregation and the guests present assembled in and around the nearby schoolhouse, in which divine service had been held until now. From there the procession moved to the new church. In front went the pastors, Dr. Sihler, Prof. Crämer, and the pastor of the congregation, with the Bible, the Agenda, and the sacred vessels. Then followed the congregation with the guests, singing hymn 134: "Come, Holy Ghost, etc."— As the procession entered the new church, the choir from Fort Wayne struck up the hymn: "Open wide, ye gates, etc."— Thereupon the whole assembly sang hymn No. 1: "All glory be to God on high."— After it was ended, Dr. Sihler stepped before the altar, read the 84th Psalm, and spoke a prayer of dedication. Then the hymn 183: "We all believe in one true God" was sung, whereupon the pastor of the place read before the altar the Epistle for the Church Dedication Sunday, Rev. 21, 1—5.

After the dedication hymn No. 168, "Triune, holy, mighty God," was ended, Prof. Crämer delivered, before the great crowd of hearers in and outside the church, a powerful sermon on the Gospel for the day of church dedication, Luke 19, 1—10.

Theme: "The sweet Church-Dedication Gospel of the salvation-bringing visit to the house of Zacchaeus."

1. As Christ then entered in with salvation, so He still enters in with salvation now through His Word and Sacrament.

2. How we are to conduct ourselves toward such His salvation-bringing visit.

After the sermon was ended the pastor of the congregation again stepped before the altar, spoke the prayer of dedication, and then the celebration of the holy Supper began, in which Prof. Crämer assisted.

Thereupon the pastor, in the name of the congregation, thanked Dr. Sihler for the spiritual care which he, under faithful pastoral oversight, had let it receive through Word and Sacrament for so many years, and also expressed his thanks to the kind givers who contributed their mite to the building of the church. After hymn No. 12 the choir concluded the celebration of the festival with: "Praise and adoration be to our God, etc."—

May the Lord, as often as the memorial of His name is renewed also in this church, come to the assembled and bless them, and make the congregation a city of God upon a high hill, shining by pure Lutheran doctrine and pure godly zeal.

Friedrich Dietz, Pastor.

Dedication of a Church.

With God's help the Evang. Luth. congregation in Defiance, Ohio, has succeeded in building a handsome, pleasant frame church, which was dedicated on the 9th of July, the 4th Sunday after Trinity. Professor Crämer accepted an invitation and preached the forenoon sermon on the church-dedication Gospel. In the evening the undersigned preached on Ps. 126, 3: "The LORD hath done great things for us, whereof we are glad. The singing was accompanied by 6 wind instruments. It was a joyful day for the congregation here. Many sympathizing friends from near and far had come, so that the church could scarcely take in two thirds of those present within its interior. The evening before, many members of the congregation had been very busy adorning the church outside and in, beautifully and festively. Even the English of this city praised the zeal of the German Lutherans, that they, although for the most part without means, had in so short a time accomplished the building of so beautiful a church—the most beautiful in the town. It is 32 feet wide, 45 feet long, and provided with a tower. Some women of the congregation provided the altar and pulpit hangings and the window curtains. The altar hangings they embroidered very beautifully.—

May the LORD also grant the congregation a right zeal in spiritual things, give it ever more desire and love for pure doctrine, and graciously enable it to adorn the truth with a holy life. May He grant that in our new little church, where He has founded the memorial of His name, His Word be proclaimed in the future also always clearly and purely. Yes, may He, the LORD our God, who for 3 years has led the congregation through so many a conflict and has at all times given the victory to the truth, help it and all congregations of His dear Church to hold out unto the end in this last troubled and perilous time, for Jesus Christ's sake, our Saviour. Amen.

A. Detzer.

"Der Pilger im Süden der Union."

Also in the southernmost state of the Union, in Texas, there is a number of German preachers (at present eleven of them), who have come together as a German Lutheran synod. They have for the most part come out of the preparatory institution of St. Chrischona near Basel in Switzerland, since the year 1840. The present president of the synod is a certain Mr. H. Wendt, preacher of the Ev. Luth. congregation in Galveston. This synod, to be sure, declares the content of the Confessions of our Church to be its basis of doctrine, but how greatly it must yet lack in right decisiveness and Christian, clear knowledge is evident from this, that it has had itself received into the union of the apostate so-called Lutheran General Synod here and lets itself be supported by it. The said preacher Wendt has now resolved to publish a periodical under the above title. It is to appear every month in numbers about two sheets strong. In the prospectus before us it is