Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 2 › Seite 12

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-09-12, Seite 12

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alten Streiter, die jetzt vor dem Throne Gottes triumphiren, müssen wir jetzt erkennen, wir empfinden und genießen dieselbe, wir rühmen daher auch jene Helden, die des HErren Kriege geführt haben und würden es für eine schändliche Undankbarkeit ansehen, wenn wir über ihre Lehrkämpfe scheel sehen wollten: wollen wir uns nun hingegen daran stoßen, wenn auch in unserer Zeit ernster Streit für die Wahrheit u. gegen den Irrthum geführt wird?

Um den Nutzen dieses Streites zu erkennen, muß man freilich nicht blos darauf sehen, wie viele Irrlehrer auf solchen Streit sich für widerlegt und überwunden bekennen. Von den offenbaren Irrlehrern und Verführern hat selbst der Sohn Gottes nur wenige bekehrt. Luther schreibt in seiner herrlichen Schrift: „Daß diese Worte Christi: Das ist mein Leib, noch feste stehen,“ hierüber Folgendes: „Es ist noch nie gehört, daß der bekehret sei, der falsche Lehre erfunden hat; denn solche Sünde ist zu groß, weil sie Gottes Wort lästert, und sündiget in den heiligen Geist; darum läßt sie Gott verstocken, daß es gehet nach dem Spruch Jes. 6, 9. Christus bekehret keinen Hohenpriester, aber ihre Jünger wurden wohl bekehret, als Nicodemus, Joseph, Paulus und dergl. Die alten Propheten bekehrten keinen falschen Propheten. Paulus konnte auch keinen falschen Apostel bekehren, sondern gab die Lehre: wenn einer wäre zwei- oder dreimal vermahnet, sollte man ihn meiden und fahren lassen als einen Verkehrten. Also haben die heiligen Doktores auch noch nie keinen Ketzermeister bekehret. Nicht darum, daß diese alle jener Irrthum nicht hätten jemals gnugsam bestritten u. überzeuget mit der Wahrheit, sondern ihr Herz war besessen mit eigenem Dünkel und ging ihnen, wie es dem gehet, der durch ein gemalet Glas siehet.“ (Opp. XX, 958.) Die Hauptfrucht des Streites über die Lehre besteht darin, daß erstlich die Schwachen gegen die Verführer gewaffnet und gestärkt und die Schwankenden befestigt, und sodann daß die Irrlehrer wenigstens abgehalten werden, immer weiter von Gottes Wort abzugehen. So vergeblich oft ein ernster und langer Streit zu sein scheint, diese Frucht hat er immer. Denn, was die Irrlehrer betrifft, so hartnäckig dieselben auch bei ihrem Abweichen von dem Buchstaben des Wortes Gottes beharren, werden doch, wenn ihnen dieß wieder u. immer wieder öffentlich vorgehalten wird, dadurch besorgt daß sie endlich völlig entlarvt werden und in der Christenheit alles Zutrauen verlieren könnten; sie hüten sich daher gar sehr, die ihnen vorgeworfene Verwerfung des Wortes Gottes weiter blicken zu lassen, ja halten nun oft, ihre Rechtgläubigkeit zu beweisen, desto mehr an anderen Artikeln des christlichen Glaubens fest. Dies hat nun zwar vor Gott für sie keinen Werth, aber denen, die sie lehren, kommt es zu Gute. Ach, wohin würde es schon mit den meisten Irrlehrern und Sekten gekommen sein, wie bald würden sie von Stufe zu Stufe immer mehr vom christlichen Glauben abgefallen sein, wenn nicht treue Zeugen ihre Irrlehren angegriffen und ihren schon theilweise geschehenen Abfall blosgestellt hätten! Wohin würde es u. A. mit der scheinheiligen, liebegleißenden Union der Lutheraner und Reformirten gekommen sein, wenn nicht endlich treue Lutheraner erweckt worden wären, diesem elenden Menschenwerke die fromme Larve vom Gesicht zu reißen! Wohin würde hier die s. g. lutherische Generalsynode, andere lutherisch sich nennende Synoden, die methodistische Parthei und andere hiesige irrgläubige Gemeinschaften noch gerathen sein, hätten sie von den Rechtgläubigen keinen Widerstand erfahren, hätten diese ihnen nicht in ihren Abweichungen ein ernstes „Halt!“ zugerufen! Erst in der Ewigkeit werden wir den überschwenglichen Segen sehen, den diejenigen der Christenheit gebracht haben, die um Christi willen die Schande auf sich nehmen, für zanksüchtig, für lieblose, unbekehrte, todte Streitköpfe zu gelten, weil sie sich den Verkehrern der Wahrheit mit aller Macht widersetzten und die Wahrheit vertheidigten bis zum Tod. Dann wird mancher wahre Christ, der jetzt in einer Sekte gefangen liegt, den mit Freuden als ein gesegnetes Werkzeug dankend umarmen, den er hier in Verblendung für einen Zerstörer der Christenheit und für einen Feind des Friedens der Christen ansah.

(Schluß folgt.)

Vollendung des Concordia-College-Gebäudes.

Nachdem beschlossen war, das früher in Altenburg befindliche theologische Seminar und Gymnasium nach St. Louis zu verlegen und der Synode von Missouri, Ohio u. a. St. zum Eigenthum zu übergeben, wurde ein Plan für ein Gebäude für die Anstalt angenommen, nach welchem dasselbe aus einem Mittelgebäude und zwei Flügeln bestehen sollte. Wegen Mangels an Mitteln jedoch wurde anfänglich nur der südliche Flügel, ein Gebäude von Backsteinen 42 Fuß Front und 43 Fuß tief, mit einem Erdgeschoß, 2 Stockwerken und Dachzimmern auf dem von der Gemeine von St. Louis dazu geschenkten Lande, eine Englische Meile südlich von der Stadt, errichtet. Dies wurde im Sommer 1850 von dem damaligen Personale der Anstalt, das bis dahin in der Stadt so gut als möglich untergebracht war, mit Loben u. Danken gegen Gott bezogen. Das gesammte Personale bestand aus dem Professor der Theologie F. Walther, dem Rector J. Gönner, dem Hausverwalter F. Große und 16 Zöglingen: 6 Studenten und 10 Schülern. Der Raum war schon damals ziemlich beschränkt. Als nun aber im Herbst desselben Jahres noch ein Professor der Philosophie in der Person Schreibers dieses an die Anstalt berufen wurde und die Zahl der Zöglinge sich mehrte, so daß die letztgenannten bei Nachbaren ein Unterkommen suchen mußten, unternahm es die von der Synode ernannte Baucommittee im Hinblick auf die Noth und im Vertrauen auf Gott im Frühjahr 1852 zum Bau des andern, nördlichen Flügels zu schreiten, der im Herbst desselben Jahres vollendet wurde, und bei dessen Errichtung unsere Brüder in Deutschland uns freundliche Handreichung gethan haben. Mit Freuden dehnte sich nun, was bisher zusammengedrängt gewesen war, ein wenig mehr aus, und sammelte sich, was bisher noch außerhalb gewohnt hatte, in die Gebäude der Anstalt. Aber die Pflanze, die der Herr den lieben Gemeinen in der Anstalt geschenkt, wuchs fort und der Raum ist wiederum zu klein geworden. Die Zahl der Zöglinge hat sich nehmlich so vermehrt, daß diese jetzt fast zu dicht gedrängt wohnen und, wo nicht anderweitig geholfen wird, wieder außerhalb der Anstalt ein Unterkommen suchen müssen. Ueberdies wird ein neuer Lehrer erwartet, der Director des Gymnasiums, wie den Gemeinen durch die Bekanntmachung im Lutheraner betreffend die Wahl desselben, bekannt sein wird, dem die Anstalt in ihrer gegenwärtigen Verfassung auch keine Wohnung zu bieten vermag. Das Personale der Anstalt besteht gegenwärtig mit Einrechnung des vierten Lehrers aus einem Professor der Theologie, einem Professor der Philosophie, einem Director und einem Rector des Gymnasiums, dem Hausverwalter (seit Februar 1853 Hrn. L. Wüllner) und 45 Zöglingen: 9 Studenten und 36 Schülern. In so schnellem Zunehmen ist die Anstalt begriffen, obwohl dies durch Mangel an Raum und Lehrerkräften immer zurückgehalten ist, denn es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn Raum und Lehrerkräfte es erlaubt hätten, in weitern Kreisen bekannt zu machen, daß in das Gymnasium auch solche Knaben aufgenommen werden, die sich nicht später dem Studium der Theologie widmen wollen, sondern für einen andern Lebensberuf eine weitere Ausbildung, als wozu Gemeineschulen Gelegenheit bieten, begehren, noch viele mehr Aufnahme in die Anstalt begehrt haben und begehren würden. Bis jetzt haben wir dies selbst in St. Louis noch nicht gethan.

Muß sich nun nicht jedermann herzlich des Aufblühens der Anstalt freuen? Denn in ihr, und dies ist das Vornehmste, werden junge Leute zum Dienste der Kirche herangebildet und außerdem, was ja auch gar wichtig ist, anderen neben allerhand nützlichem Wissen für dies Leben auch der Schatz der Erkenntniß, in welcher das ewige Leben steht, geboten.

Euch, liebe lutherische Gemeinen, gehört die Anstalt. Ihr habt sie errichtet und bisher gepflegt. Sie ist ein Brunnen, den ihr immer tiefer und weiter machet, damit es durch gläubige und treue Prediger, die nachher ausgehen, euch und euern Nachkommen und vielen, die sich unter euch niederlassen, am frischen Wasser des ewigen Lebens, wie groß auch das Feld werden und sonst die Dürre sein möge nicht fehle. Sie ist ein Fruchtbaum, den ihr umzäumt, umgrabet und begießet, damit er seine Zweige immer weiter ausbreite und reichlichere Früchte trage, auf daß ihr und eure Nachkommen und Brüder und Fremdlinge, die sich zu euch gesellen, in seinem Schatten weilen und von seinen Früchten essen, und also auf euerer Pilgerschaft hinieden mit himmlischem Labsal erquickt werden möget.

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old fighters, who now triumph before the throne of God, we must now recognize; we feel and enjoy it; we therefore also extol those heroes who fought the wars of the LORD, and would regard it as a shameful ingratitude if we should look askance at their doctrinal battles: shall we then, on the other hand, take offence if in our own time too earnest strife is waged for the truth and against error?

To recognize the usefulness of this strife, one must indeed look not merely at how many false teachers, as a result of such strife, confess themselves refuted and overcome. Of the manifest false teachers and seducers even the Son of God converted but few. Luther writes in his glorious treatise: "That these words of Christ: This is my body, still stand fast," on this the following: "It was never yet heard that one was converted who had invented false doctrine; for such sin is too great, because it blasphemes God's Word and sins against the Holy Ghost; therefore God lets him become hardened, so that it goes according to the saying in Is. 6, 9. Christ converted no high priest, but their disciples were indeed converted, as Nicodemus, Joseph, Paul, and the like. The old prophets converted no false prophet. Paul also could convert no false apostle, but gave the rule: if one were admonished twice or thrice, one should avoid him and let him go as a perverted man. So the holy Doctors also have never yet converted any arch-heretic. Not because all these did not at some time sufficiently refute and convince by the truth the error of those, but their heart was possessed with its own conceit, and it went with them as it goes with him who looks through a painted glass." (Opp. XX, 958.) The chief fruit of the strife over the doctrine consists in this, that first the weak are armed and strengthened against the seducers and the wavering are made firm, and then that the false teachers are at least held back from departing ever further from God's Word. However vain a serious and long strife often seems to be, it always has this fruit. For as to the false teachers, however obstinately they persist in their departure from the letter of God's Word, yet, when this is held up to them again and again publicly, they are made anxious thereby that they might at length be wholly unmasked and lose all confidence in Christendom; therefore they take great care not to let the rejection of God's Word charged against them be seen any further, yea, they often now hold the more firmly to other articles of the Christian faith, in order to prove their orthodoxy. This indeed has no worth before God for them, but it benefits those whom they teach. Alas, whither would it already have come with most false teachers and sects, how soon would they have fallen away from the Christian faith from step to step ever more, if faithful witnesses had not attacked their false doctrines and exposed their apostasy already partly accomplished! Whither would it have come, among other things, with the hypocritical, love-flattering Union of Lutherans and Reformed, if faithful Lutherans had not at length been raised up to tear the pious mask from the face of this miserable work of men! Whither would the so-called Lutheran General Synod here, other synods calling themselves Lutheran, the Methodist party and other heterodox communities here still have come, if they had met with no resistance from the orthodox, if these had not called out to them a solemn "Halt!" in their departures! Only in eternity shall we see the overflowing blessing which those have brought to Christendom who for Christ's sake take the shame upon themselves of being counted contentious, loveless, unconverted, dead quarrelsome heads, because they resisted with all their might the perverters of the truth and defended the truth unto death. Then many a true Christian, who is now held captive in a sect, will gladly and thankfully embrace as a blessed instrument him whom here in his blindness he regarded as a destroyer of Christendom and as an enemy of the peace of Christians.

(Conclusion to follow.)

Completion of the Concordia College Building.

After it had been resolved to remove the theological seminary and gymnasium formerly at Altenburg to St. Louis and to transfer it to the Synod of Missouri, Ohio and other States as its property, a plan for a building for the institution was adopted, according to which it was to consist of a central building and two wings. For lack of means, however, at first only the southern wing was erected, a building of brick 42 feet in front and 43 feet deep, with a ground floor, 2 stories and attic rooms, on the land given for the purpose by the congregation of St. Louis, an English mile south of the city. This was occupied in the summer of 1850, with praise and thanks to God, by the then staff of the institution, which until then had been housed in the city as well as possible. The whole staff consisted of the Professor of Theology F. Walther, the Rector J. Gönner, the steward F. Große, and 16 pupils: 6 students and 10 scholars. The room was even then rather limited. But when in the autumn of the same year a Professor of Philosophy, in the person of the writer of this, was called to the institution, and the number of pupils increased, so that the latter had to seek lodging with neighbors, the building committee appointed by the Synod, in view of the need and in trust in God, undertook in the spring of 1852 to proceed to the building of the other, northern wing, which was completed in the autumn of the same year, and in the erection of which our brethren in Germany gave us friendly assistance. With joy what had hitherto been crowded together spread out a little more, and what had hitherto still lived outside gathered into the buildings of the institution. But the plant which the Lord has given to the dear congregations in the institution has grown on, and the room has again become too small. The number of pupils has increased so greatly that they now live almost too closely crowded, and, unless help is given otherwise, must again seek lodging outside the institution. Moreover, a new teacher is expected, the Director of the gymnasium, as will be known to the congregations through the announcement in the Lutheraner concerning his election, for whom the institution in its present condition is able to offer no dwelling either. The staff of the institution at present consists, counting in the fourth teacher, of a Professor of Theology, a Professor of Philosophy, a Director and a Rector of the gymnasium, the steward (since February 1853 Mr. L. Wüllner) and 45 pupils: 9 students and 36 scholars. The institution is in such rapid growth, although this has been constantly held back by lack of room and teaching force, for there is no doubt that, if room and teaching force had permitted making it known in wider circles that boys are admitted to the gymnasium also who do not intend later to devote themselves to the study of theology, but desire for another calling in life a further education than the common schools afford, still many more would have asked and would ask for admission to the institution. Until now we have not done this even in St. Louis.

Must not everyone heartily rejoice at the flourishing of the institution? For in it, and this is the chief thing, young men are trained for the service of the Church, and besides, which is indeed also very important, others are offered, along with all sorts of useful knowledge for this life, also the treasure of the knowledge in which eternal life stands.

To you, dear Lutheran congregations, the institution belongs. You have established it and thus far fostered it. It is a well which you make ever deeper and wider, that through believing and faithful preachers who afterward go forth there may not fail for you and your descendants and many who settle among you the fresh water of eternal life, however great the field may grow and otherwise the drought may be. It is a fruit tree which you fence, dig about and water, that it may spread its branches ever further and bear richer fruit, so that you and your descendants and brethren and strangers who join themselves to you may dwell in its shade and eat of its fruits, and so on your pilgrimage here below be refreshed with heavenly comfort.