Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 2 › Seite 9
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-09-12, Seite 9
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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 11. St. Louis, Mo., den 12. September 1854. No. 2.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
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Vorwort des Redakteurs
zum eilften Jahrgang des „Lutheraner“
(Fortsetzung.)
Das Wort Gottes, welches wir denen vorhalten, die sich an dem Streiten und an der Zwietracht in der Kirche ärgern oder die doch darüber betrübt sind und deswegen Trost bedürfen, ist vorerst dieses: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen Frieden zu senden, sondern das Schwerdt. Denn ich bin gekommen den Menschen zu erregen wider seinen Vater, und die Tochter wider ihre Mutter, u. die Schnur wider ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“ (Matth. 10, 34-36.)
So spricht der HErr. Merkwürdige Worte! Wie? sollte also der Zweck des Kommens Christi in die Welt sein, die Menschen unter sich zu entzweien, die zarten Bande des Blutes, der Liebe und Freundschaft, durch welche die Menschen unter einander verknüpft sind, zu zerreißen und unter ihnen die Stürme der Leidenschaft selbst zu entfesseln? Sollte es also hiernach wohl wirklich wahr sein, was eine gewisse Partei in der Christenheit lehrt, daß Gott selbst der Urheber der Sünde sei, daß er nur einiger Menschen Seligkeit wolle, nach einem unbedingten Rathschluß daher nur einige wenige erwählt habe, an den anderen aber mit seiner Gnade vorübergegangen sei und vorübergehe, deren Heil er nicht will, an deren Untergang er sich freut und die er zur Offenbarung seiner Gerechtigkeit von Ewigkeit zur Verdammniß bestimmt u. verworfen hat? — Das sei ferne! — Dieß kann nicht der Sinn jener Worte sein; Christus ist die Wahrheit, und die Wahrheit kann sich nicht selbst widersprechen. Er der Sohn Gottes ist nicht ja und nein, sondern bei ihm ist Ja ja u. Nein ist nein. (2 Cor. 1, 17-20.) Es stehet aber geschrieben: „Du bist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt; wer böse ist, bleibet nicht vor ihm.“ (Ps. 5, 5.) „Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen, Er versucht niemand; er ist ein Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und Finsterniß.“ (Jac. 1, 13. 17.) Und es steht ferner geschrieben: „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen.“ (1 Tim. 2, 4.) „Gott will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre.“ (2 Pet. 3, 9.) „So wahr als Ich lebe, spricht der HErr HErr, Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. Warum wollt ihr sterben, Israel?“ (Hesek. 33, 11.)
Was der HErr eigentlich meine mit jenen Worten, sehen wir aus dem, was denselben unmittelbar vorhergeht. Zuvor hatte nehmlich Christus gesagt: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will Ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ Wenn er nun hierauf hinzusetzt: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen Frieden zu senden, sondern das Schwerdt —“ so will sonach Christus hiermit offenbar dieses sagen: Ihr werdet mir freilich entgegnen, wenn ihr mich, nehmlich mein Wort und meine Wahrheit vor den Menschen bekennen wolltet, so würden dieß wohl nur wenige Menschen mit Freuden anhören und annehmen, die meisten würden euch vielmehr deßwegen feind werden, euch hassen, wider euch streiten und euch verfolgen, und so nichts als Streit und Zwietracht entstehen. Hierauf antworte ich euch: es ist wahr, so wird's euch ergehen, wenn ihr mich vor den Menschen bekennen werdet. Aber ihr sollt auch gar nicht wähnen, daß ich gekommen bin, euch Friede mit allen Menschen und gute Tage zu bringen. Ich bin vielmehr gekommen, euch Friede zu bringen mit Gott und das ewige Leben, und zwar kann das nur durch ein Evangelium geschehen, auf dessen Predigt alle Welt erregt werden u. Kampf
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."
Published by the German Ev. Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 11. St. Louis, Mo., September 12, 1854. No. 2.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the annual subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay the same in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only the letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
Preface of the Editor
to the Eleventh Volume of the "Lutheraner"
(Continuation.)
The Word of God which we hold before those who are offended at the strife and discord in the Church, or who at least are grieved over it and therefore need comfort, is first of all this: "Think not that I am come to send peace on earth: I came not to send peace, but a sword. For I am come to set a man at variance against his father, and the daughter against her mother, and the daughter in law against her mother in law. And a man's foes shall be they of his own household." (Matt. 10, 34-36.)
So says the LORD. Remarkable words! What? Should the purpose of Christ's coming into the world be, then, to divide men among themselves, to tear asunder the tender bonds of blood, of love and friendship by which men are bound to one another, and to let loose among them the very storms of passion? Should it then indeed be true, as a certain party in Christendom teaches, that God Himself is the author of sin, that He wills the salvation of only some men, that by an unconditional decree He has therefore elected only a few, but has passed by the others with His grace and still passes them by, whose salvation He does not will, in whose perdition He rejoices, and whom, for the manifestation of His righteousness, He has appointed from eternity to damnation and rejected? — Far be it! — This cannot be the meaning of those words; Christ is the truth, and the truth cannot contradict itself. He, the Son of God, is not yea and nay, but in Him is Yea yea and Nay is nay. (2 Cor. 1, 17-20.) But it is written: "Thou art not a God that hath pleasure in wickedness; neither shall evil dwell with thee." (Ps. 5, 5.) "God cannot be tempted with evil, neither tempteth he any man; He is the Father of lights, with whom is no variableness, neither shadow of turning." (James 1, 13. 17.) And it is further written: "God will have all men to be saved, and to come unto the knowledge of the truth." (1 Tim. 2, 4.) "The Lord is not willing that any should perish, but that all should come to repentance." (2 Pet. 3, 9.) "As I live, saith the Lord GOD, I have no pleasure in the death of the wicked; but that the wicked turn from his way and live: turn ye, turn ye from your evil ways; for why will ye die, O house of Israel?" (Ezek. 33, 11.)
What the LORD really means by those words we see from what immediately precedes them. For previously Christ had said: "Whosoever therefore shall confess me before men, him will I confess also before my Father which is in heaven. But whosoever shall deny me before men, him will I also deny before my Father which is in heaven." When He now adds to this: "Think not that I am come to send peace on earth: I came not to send peace, but a sword —" Christ therefore evidently wishes to say by this: You will indeed object to me that if you were to confess me, that is, my Word and my truth, before men, only few men would hear and accept it gladly, but the most would rather become your enemies on that account, hate you, strive against you and persecute you, and so nothing but strife and discord would arise. To this I answer you: it is true, so it will go with you when you confess me before men. But neither shall you suppose at all that I am come to bring you peace with all men and good days. I am rather come to bring you peace with God and eternal life, and indeed that can happen only through a Gospel, at whose preaching all the world is stirred up and strife