Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 3 › Seite 19
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-09-26, Seite 19
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehrer 12
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ein innerlicher, geistlicher, himmlischer Friede, der mitten in der äußerlichen Zwietracht bestehen kann. Daher Christus sagt: „Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.“ (Joh. 14, 27.) Wenn rechtschaffene Diener des Wortes Gottes für das Kleinod der reinen Lehre kämpfen, so werden sie damit nicht Störer des rechten Friedens, sondern sie kämpfen vielmehr dann für diesen Frieden. Diejenigen hingegen, welche, um den äußerlichen, weltlichen Frieden in der Kirche herzustellen oder zu erhalten, die Wahrheit unvertheidigt und die Verkehrung derselben unbekämpft lassen, gelten freilich in der Welt für Leute von echt evangelischer Gesinnung, für friedfertige, liebreiche Leute, aber die heilige Schrift malt sie anders ab. Sie sagt von ihnen: „Das Volk bauet die Wand, so tünchen sie dieselbe mit losem Kalk. Das sind die Propheten Israels, die Jerusalem weissagen und predigen von Frieden, so doch kein Friede ist, spricht der HErr.“ (Hesek. 13, 10—16.)
Doch, g. L., aus diesem allem darfst du nicht etwa schließen, daß es des „Lutheraners“ Freude und Lust ist, wenn er allenthalben die Flammen der Zwietracht lodern sieht und wenn er an dem allgemeinen Kampfe theil nehmen kann. Ach nein! Wohl tröstet er sich damit, daß dieser Kampf unumgänglich, ja selbst um der Ehre Gottes und um des Heils der Welt von Seiten der rechtgläubigen Christen nöthig ist und daß mitten in der äußeren Zwietracht die wahre Kirche JEsu Christi ihren inneren Frieden bewahrt, wie das Meer, wenn seine Oberfläche durch Stürme aufgewühlt ist, in der Tiefe still und ruhig ist. Wohl tröstet sich der „Lutheraner“ damit, daß der HErr selbst sagt: „Es muß ja Aergerniß kommen“ (Matth. 18, 7.), und daß Sein heiliger Apostel schreibt: „Es müssen Rotten unter euch sein, auf daß die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.“ (1 Cor. 11, 19.) Allein zugleich trauert auch der „Lutheraner“ mit allen wahren Christen über diese traurige Nothwendigkeit. Der nothwendige Streit macht ihm, wie allen rechtschaffenen Christen, die Welt zu einem fremden Lande, zu einem rechten Thränenthal, zu einer Wüste des Kummers und der Seufzer und er sehnet sich unter anderem auch darum von Herzen hinaus aus dieser ruhelosen Welt nach vollkommenem Frieden. Es thut dem „Lutheraner,“ wie jedem Christen, der Liebe in seinem Herzen trägt, schmerzlich, ja schmerzlich wehe, daß er nicht jedem, der sich hier einen Christen nennt, die Bruderhand friedlich reichen kann und er sehnet sich nach einem Tage, wo alle Christen aus allen Zeiten, Ländern, Nationen und Partheien sich erkennen und ungestört von falschen Brüdern zusammen leben und Gott mit Einer Stimme loben und preisen werden. Und daß endlich laut göttlicher Verheißung ein solcher Tag anbrechen wird, wo aller Kampf zu Ende sein, wo Christi Creuzgemeinde das sie entstellende u. unkenntlich machende Kleid ausziehen und mit ihrem HErrn in der Herrlichkeit offenbar werden und sie, die hier streitende Kirche, dort in die triumphirende verwandelt sein wird: das ist des „Lutheraners“ eigentlicher, letzter und höchster Trost in der Zwietracht und in dem Kampf und Streit, der jetzt in der Christenheit entbrannt ist. Damit tröste denn auch Du Dich, geliebter Leser! Daß aber dieser Trost uns nicht fehlschlage, laß uns hier treu sein im Glauben, Lieben, Hoffen, Dulden und Kämpfen; ja, auch im Kämpfen — denn ob jemand auch kämpfet, so wird er doch nicht gekrönet, er kämpfe denn recht.
Die Wiedertäufer zu Münster.
Von Dithmar.
Zur Zeit, da das reine Evangelium durch das starke Rüstzeug Gottes, Dr. Martin Luther, wieder in Schwang kam, und das falsche Wesen der Lehre und des Gottesdienstes hin und wieder in deutschen Landen, wie morsches Bretterwerk zusammenbrach, da kam anno 1532 einer, genannt Bernhard Rottmann, gen Münster in Westfalen und fieng allda an im Stift zu St. Moriz, außen vor der Stadt, zu predigen gegen die Geistlichkeit und gewann einige Bürger, die ihn gern wollten in die Stadt hineinbringen. Die geistlichen Herrn aber, da sie solches mit Unwillen vernahmen, gaben dem hergelaufenen Prediger Geld, auf daß er anders wohin zöge und sie nicht belästigen möchte. Rottmann nahm es, zog von dannen, aber siehe, nach etlichen Monaten erschien er wieder und ließ sich nicht abermal abspeisen. Die alten Freunde sammelten sich bald um ihn, machten eine Rotte und brachten es zuwege, daß Rottmann in die Stadt gelaßen wurde. Eine Kirche wollten ihm nun doch die Geistlichen nicht aufthun. Da wußten die guten Leute alsbald Rat und ließen ihm einen Predigtstuhl vor St. Lamberts Kirche zurichten, strömten in starkem Zulauf dahin, wenn er predigte, hörten ihn unter freiem Himmel und thaten, als ob sie von der Liebe zur Wahrheit ganz entbrannt wären. Bald setzten sie auch durch, daß der neue Prediger die Kanzel in der Lambertus Kirche besteigen durfte.
Jetzt sollte es ernstlicher ans Werk gehen. Rottmann allein zwang es nicht. Darum sandte man auf seinen Rat ein Schreiben an die theologischen Professoren zu Marburg und bat, ihnen doch etliche fromme und gelehrte Leute zu schicken, welche genanntem Rottmann hülfen in Münster das Wort Gottes mit allem Fleiß treiben. Nun wurden von der Universität Marburg zwei Geistliche, Petrus Wirtheim und Gottfried Strahl nach Münster abgefertiget.
Da nun diese zwei gen Münster kamen, sind ihnen noch drei: Glandorp, Rollius und Brictius zu Norden beigeordnet, also daß es ihrer nun sechs waren, die das reine Evangelium predigen sollten. Nachdem sie nun zusammen einen Rat gehalten, welcher Gestalt man das Papstthum zu Münster am füglichsten tilgen möchte, haben sie endlich beschlossen, alle der Papisten Irrtümer in etliche Artikel zu faßen und solche dem Rat zu übergeben. Dazu erboten sie sich, diese Artikel aus dem hellen und klaren Worte Gottes genugsam zu beweisen, u. wo sie das nicht thäten, wollten sie sich keiner Leibesstrafe weigern.
Darauf berief der Rat alle Papstpfaffen aufs Rathaus und ließ ihnen die angeregten Artikel — es waren dreißig — vorhalten und begehrte von ihnen zu wißen, ob sie die Dinge, so ihnen vorgelesen wären, mit der heiligen Schrift widerlegen wollten und ihre Lehre verteidigen. Da konnten nun die alten Herrn gegen die Artikel nichts aufbringen und gestanden, was sie bisher gesagt und gehalten, das sei mehr aus gemeinem Wahn und Unwißenheit geschehen, denn daß sie davon etwas gründliches sollten wißen. Darauf befahl nun der Rat, nachdem sie ihrer unrechten Lehre überwunden und ihren falschen Wahn selbst erkannt und bekannt hätten, sie sollten hinfüro sich des Lehramts enthalten und den neuen Lehrern Raum und Platz geben in den Kirchen. Darnach sind aus Bedacht des Rats und Volks den neuen Predigern sechs Kirchen gegeben worden, was die Domherrn fast heftig verdroßen, und sind darum alle aus der Stadt gewichen und zu ihrem Bischof kommen, welcher Franciscus hieß und seiner Geburt halben ein Graf von Waldeck gewesen. Mit diesem haben sie sich vereinigt, die Landstraßen und alle Wege einzunehmen, auf daß den Bürgern in der Stadt von Getreide und anderm nichts möchte zukommen. Alsdann haben sie einen Boten zum Rat nach Münster geschickt mit Briefen des Inhalts: sie sollten von ihrem Fürnehmen abstehen und alle Sachen in vorigen Stand bringen, wo nicht, so wollten sie sie alle für Feinde achten und halten.—
Der Bischof, die geistlichen Herren, Ritter und Knechte waren nach einem Städtchen gezogen, Telkenheim genannt, eine halbe Meile von Münster, um von da den Aufrührern in der Stadt ernstlicher beikommen zu können. Nun kam der Bote nach Münster und vermeldete den Bürgern, was die ungnädigen Herren zu thun beschloßen hätten. Man fragte nun: Was ist zu thun? Sollen wir uns fügen oder Gegenwehr leisten und unser Blut dran setzen? Da waren beherzte Männer, die gaben einen Rat, der sollte den Herrn in Telkenheim den Uebermuth bald austreiben. An neun hundert Münstermänner zogen mit Wehr und Waffen am Christabend 1532 von Münster aus, kamen in der Nacht vor dem Städtlein an, erstiegen die Mauern, nahmen Thor und Straßen ein, daß niemand entwischen mochte und fiengen also ihre Feinde, die sich eines solchen Ueberfalls nicht versehen hatten. Der Herr Bischof war zu seinem Glück kurz vörher weggeritten, sonst wäre er auch Gefangener worden. Die Sieger kamen am St. Stephanstag im Triumf zurück, brachten die gefangenen Domherrn mit einigen Räten des Bischofs und mehreren Rittern auf drei oder vier Wagen in Münster ein und legten solch in die Herbergen.
Nun wurden die Herren gefragt, ob sie auch hinfürder die Predigt des reinen Evangeliums
English translation AI translation
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an inward, spiritual, heavenly peace, which can subsist in the midst of outward discord. Therefore Christ says: "My peace I give unto you: not as the world giveth, give I unto you." (John 14:27.) When upright servants of God's Word contend for the jewel of the pure doctrine, they do not thereby become disturbers of the true peace, but rather they then fight for this peace. Those, on the other hand, who, in order to establish or preserve outward, worldly peace in the Church, leave the truth undefended and its perversion unopposed, pass indeed in the world for men of genuinely evangelical disposition, for peaceable, loving people, but the Holy Scripture paints them otherwise. It says of them: "One built up a wall, and, lo, others daubed it with untempered morter. These are the prophets of Israel which prophesy concerning Jerusalem, and which see visions of peace for her, and there is no peace, saith the Lord GOD." (Ezek. 13:10-16.)
Yet, dear reader, from all this thou must not conclude that it is the "Lutheraner's" joy and delight when he sees the flames of discord blazing up on every side and when he can take part in the general conflict. Ah, no! He comforts himself indeed with this, that this conflict is unavoidable, yea, necessary even for the honor of God and for the salvation of the world on the part of orthodox Christians, and that in the midst of the outward discord the true Church of JESUS Christ keeps its inner peace, as the sea, when its surface is stirred up by storms, is still and calm in the depths. The "Lutheraner" comforts himself indeed with this, that the LORD Himself says: "It must needs be that offences come" (Matt. 18:7), and that His holy Apostle writes: "There must be also heresies among you, that they which are approved may be made manifest among you." (1 Cor. 11:19.) But at the same time the "Lutheraner" also mourns with all true Christians over this sad necessity. The necessary strife makes the world to him, as to all upright Christians, a strange land, a true vale of tears, a wilderness of sorrow and sighing, and among other things he longs from his heart on this account also to be out of this restless world and in perfect peace. It grieves the "Lutheraner," as every Christian who bears love in his heart, painfully, yea painfully sore, that he cannot peaceably extend the hand of brotherhood to everyone who here calls himself a Christian, and he longs for a day when all Christians of all times, lands, nations and parties shall recognize one another and, undisturbed by false brethren, live together and praise and magnify God with one voice. And that at last, according to the divine promise, such a day shall break, when all strife shall be at an end, when Christ's congregation of the cross shall put off the garment which disfigures it and makes it unrecognizable and shall be made manifest with its LORD in glory, and it, the church militant here, shall there be transformed into the church triumphant: this is the "Lutheraner's" proper, last and highest comfort in the discord and in the conflict and strife which has now broken out in Christendom. With this comfort do thou also comfort thyself, beloved reader! But that this comfort may not fail us, let us here be faithful in believing, loving, hoping, enduring and fighting; yea, also in fighting — for "if a man also strive for masteries, yet is he not crowned, except he strive lawfully."
The Anabaptists at Münster.
By Dithmar.
At the time when the pure Gospel, through the mighty instrument of God, Dr. Martin Luther, came again into vogue, and the false nature of the doctrine and the worship here and there in German lands collapsed like rotten boards, there came in the year 1532 one named Bernhard Rottmann to Münster in Westphalia and began there in the foundation of St. Maurice, outside before the city, to preach against the clergy, and won some citizens who gladly wished to bring him into the city. The clerical gentlemen, however, when they learned of this with displeasure, gave the runaway preacher money, that he might go elsewhere and not trouble them. Rottmann took it and went away, but behold, after some months he appeared again and would not again be put off. His old friends soon gathered about him, formed a faction and brought it about that Rottmann was admitted into the city. A church the clergy were still unwilling to open to him. Thereupon the good people soon knew what to do and had a preaching chair set up for him before St. Lambert's church, streamed in great numbers thither when he preached, heard him under the open sky and acted as though they were quite aflame with love for the truth. Soon they also carried it through that the new preacher might mount the pulpit in the Lambertus church.
Now it was to go more seriously to work. Rottmann alone could not manage it. Therefore, on his advice, a letter was sent to the theological professors at Marburg, asking them to send some pious and learned men, who should help the said Rottmann in Münster to promote the Word of God with all diligence. Thereupon two clergymen, Petrus Wirtheim and Gottfried Strahl, were dispatched from the University of Marburg to Münster.
When these two came to Münster, three others, Glandorp, Rollius and Brictius of Norden, were assigned to them, so that there were now six of them who were to preach the pure Gospel. After they had taken counsel together in what manner the papacy at Münster might most fittingly be abolished, they finally resolved to put all the errors of the papists into several articles and to deliver these to the Council. They offered besides to prove these articles sufficiently from the clear and plain Word of God, and if they did not do so, they were willing to decline no bodily punishment.
Thereupon the Council summoned all the popish priests to the town hall and had the articles laid before them — they were thirty — and asked them to say whether they would refute with the Holy Scripture the things that had been read to them and defend their doctrine. Then the old gentlemen could bring forward nothing against the articles and confessed that what they had hitherto said and held had come more from common delusion and ignorance than that they should know anything thorough about it. Thereupon the Council ordered, after they had been overcome in their wrong doctrine and had themselves recognized and acknowledged their false delusion, that they should henceforth abstain from the teaching office and give room and place to the new teachers in the churches. After this, by the decision of the Council and people, six churches were given to the new preachers, which vexed the cathedral canons almost violently, and for this reason they all departed from the city and came to their bishop, who was named Franciscus and by birth had been a Count of Waldeck. With him they united to occupy the highways and all roads, so that nothing of grain and other things might reach the citizens in the city. Then they sent a messenger to the Council at Münster with letters to this effect: they should desist from their undertaking and put all things back in their former state; if not, they would regard and treat them all as enemies.—
The bishop, the clerical gentlemen, knights and men-at-arms had gone to a little town called Telkenheim, half a mile from Münster, in order to get at the rebels in the city more severely from there. Now the messenger came to Münster and reported to the citizens what the ungracious lords had resolved to do. Men asked: What is to be done? Shall we submit, or offer resistance and stake our blood upon it? There were stout-hearted men who gave counsel that should soon drive the arrogance out of the gentlemen in Telkenheim. About nine hundred men of Münster marched with arms and weapons on Christmas Eve 1532 out of Münster, came in the night before the little town, scaled the walls, seized gate and streets, so that no one might escape, and thus captured their enemies, who had not expected such an assault. The lord bishop, to his good fortune, had ridden away shortly before, otherwise he too would have been taken prisoner. The victors came back in triumph on St. Stephen's day, brought the captured cathedral canons with some of the bishop's counsellors and several knights on three or four wagons into Münster and lodged them in the inns.
Now the gentlemen were asked whether they would also henceforth the preaching of the pure Gospel