Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 3 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-09-26, Seite 21
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heil. Sacramente anbelangte, und da der Rat zu Münster den Landgrafen um rechtgläubige Lehrer aus Hessen gebeten hatte, so verordnete der Landgraf im November Johannes Lening zu Melsungen und Theodor Fabricius zu Allendorf i. d. Soden, zwei Prediger, nach Münster zu ziehen, um das Feuer, so durch die Wiedertäufer angezündet war, wieder auszulöschen und erschrecklichen Folgen bei Zeiten zu steuern.
Die Prediger aus Hessen kamen nun Martini in Münster an, dem Rat und der Bürgerschaft zu großer Freude, denn sie hofften, es sollte durch die zwei neuen Prediger dem wachsenden Uebel stattlich begegnet werden. Lening machte eine feine Kirchenordnung, die gefiel auch dem Rat sehr wohl u. er wollte beide auch gern als Prediger in ihrer Stadt behalten u. ihnen zwo Kirchen eröffnen. Lening aber vermerkte, daß ein wild wüst Leben und Wesen allda war, sah, daß er wenig Nutzes würde schaffen und reiste mit des Landgrafen Vergunst bald wieder nach Hause, Fabricius aber blieb dort, predigte in der Lambertus Kirche und verharrete mit höchstem Fleiß und Ermahnungen so lange, bis er durch die Wiedertäufer Rotte nachmals aus der Stadt vertrieben ward.
Nun waren die Wiedertäufer dreister geworden, so daß sie die evangelischen Prediger zu einer neuen Disputation vor dem Rat herausforderten. Der Rat willigte ein, doch mit diesem ausdrücklichem Beding, daß die Disputation allein durch klare Zeugnisse der heil. Schrift geschehen sollte. Dabei sollten auch fromme und gelehrte Männer als Schiedsleute gesetzt werden, nach deren Erkenntnis es hinfürder ohne einige Weiterung sollte gehalten werden. Aber Rottmann und seine Gesellen wollten mit solchem Andingen nicht disputieren, u. weil sie sich weigerten, begann nun der gemeine Mann sie zu verachten. Nun sah es scheu aus um die Rotte, und der Rat würde ihrer erledigt worden sein, wenn sie, die Wiedertäufer, nun nicht einen kürzeren Weg vor die Hand genommen hätten, um ihrer Sache bei dem Pöbel einen Schein und Anstrich zu geben. Es war kurz nach dem heil. Weihnachtsfeste, da fieng der erste große Lärm der bösen Rotte an. Einer nemlich von den Gesellen mußte, als wäre er durch den heiligen Geist angeblasen, durch alle Gassen der Stadt laufen und schreien: Thut Buße und laßet euch anderweit taufen, sonst wird euch der Zorn Gottes überfallen. Darauf hat sich ein groß Geschrei und Getümmel unter dem gemeinen Mann erhoben, denn alle, die sich von neuem hatten taufen laßen, sind also unsinnig durch die Gaßen gelaufen wie der erste und haben überlaut gerufen: Thut Buße und laßet euch anderweit taufen, sonst wird euch der Zorn Gottes überfallen. Ein Narr macht hundert Narren und Unsinn gebieret Unsinn. Der Pöbel ward ergriffen, ehrliche und unehrliche Leute wurden fortgerißen durch den höher und höher anschwellenden Strom. Einige fürchteten wirklich Gottes Zorn, andere aber fürchteten das Gelüste nach Plünderung, denn es fiengen schon etliche der Spießgesellen an denjenigen, so ihnen nicht zufallen wollten, Hab und Gut wegzunehmen. Die Rotte lief nun auf dem Markte zusammen und sie riefen: alle die sollten als Heiden und Gottlose todtgeschlagen werden, welche sich nicht wiederum wollten taufen laßen, fielen auch in den Rathof und nahmen das Geschütze fort, womit sie vielen Gewalt anlegten. Etliche vernünftige Bürgrr aber, um sich und die Ihren gegen solchen Unfug zu schützen, nahmen einen Ort, der etwas fest war, ein, und fiengen viele aus der Wiedertäufer Anhang. Und dieser Kampf währete so lange, bis daß ein Theil dem andern Bürgen gab und sie sich endlich beiderseits dahin verglichen, daß jeder Theil bei seiner Religion bleiben, nach Hause ziehen und sich friedlich halten sollte. So endete das Jahr 1534 in Münster.
(Fortsetzung folgt)
Die Frage von Kirche und Amt.
In der Rudelbach-Guerick'schen Zeitschrift, im dritten Vierteljahrsheft dieses Jahres, finden sich zwei Beurtheilungen der Harleß'schen Schrift von Kirche und Amt. Aus der zweiten dieser Beurtheilungen theilen wir Folgendes mit:
„Nach den Zeugnissen der alten und neuen Zeit können wir diese Frage in Beziehung auf die lutherische Kirche für erledigt halten. Die Zeugnisse und Beweisführungen der alten und neuern sind so klar, daß die Frage, was hat die lutherische Kirche darüber gelehrt, völlig beantwortet ist. Hier kann nichts Neues hinzugebracht werden. Auch Harleß hat in dieser kleinen aber bedeutenden Schrift nichts Neues vorbringen wollen und können. Die alten Lehren der Kirche hat er auf seine Art im neuen Licht gezeigt. Daß Harleß die Aussprüche Luthers immer als Noten anführt, ist sehr förderlich. Ungesucht und ungekünstelt sieht man den theuern Lehrer der Gegenwart Hand in Hand mit Luther wandern: es ist eben eine Kirche, und was sie vor Jahrhunderten gelehrt, das müssen sie jetzt noch lehren, wenn sie denselben Glauben der Kirche haben. Von einem Verleugnen mancher Anfangsschriften Luthers, wie es heut zu Tage bei manchen Lutheranern der entgegengesetzten Ansicht bedenklicherweise sich gezeigt hat, ist bei Harleß nichts zu finden. Er benutzt unbedenklich die frühesten Schriften Luthers. Und daran hat er gewiß völlig recht gethan. Es ist ein Geist, der in den ersten Hauptschriften Luthers wie in seinen letzten lebt, wenigstens in Bezug auf die uns hier beschäftigenden Fragen von Kirche und Amt (oder wo stehen Luthers Widerrufe?), und in diesem Geiste sind die Symbole verfaßt. Es ist demnach ebenso unrecht als unnütz, um der mißliebigen Ansichten Luthers von der Kirche und vom Amte willen diese oder jene Schrift des Reformators, die in den eignen Kram ganz besonders nicht zu passen scheint, bei Seite zu legen. Lieber sollte man offen das ganze Princip (den obersten Grundsatz) der Reformation bei Seite legen, wie es sich in Luthers Schriften und in den Bekenntnißschriften ausspricht; das Princip aber von Anfang war: die rechte, die unsichtbare Kirche muß nach der Schrift der falschen und sichtbaren Kirche nach den römischen Lehrvorschriften entgegengestellt werden. Man sollte offen gestehen, daß man den Artikel von der unsichtbaren Kirche, wie ihn die Reformatoren gefaßt, aufgegeben habe. Fangen wir aber nur erst an, unsrerseits diese oder jene Schriften Luthers als irrig bei Seite zu legen, an Nachfolgern, falls uns die Vorgänger hierin nicht genügen, wird es uns gewiß nicht fehlen. Man wird bald den ganzen Luther über Port geworfen sehen. An Luthers Worte sind wir natürlich nicht gebunden, aber wer der lutherischen Kirche angehört, der wird auch das lutherische Kirchenprincip anerkennen müssen, das von Anfang der Reformation an klar ausgesprochen wurde. Diese bestreitende Stellung der Gegner gegen Luther und die Symbole und gegen die altprotestantischen Lehrer ist aber nicht das Einzige, was uns an ihnen mißfällt. Ihre Verneinung ist uns so unlieb wie was sie selbst festsetzen. Man frage nur einmal herum: Diejenigen, die die altprotestantische Ansicht von Kirche und Amt nicht haben, lehren alle verschieden. Erst sollte es eine presbyteriale Amtssuccession geben“ (das heißt, erst behauptete man, daß das Amt durch die Pfarrer in ununterbrochener Folge fortgepflanzt werde), „das soll nun vorbei sein; dann sollte das Amt in der Ordination entstehen, es sollte hier unmittelbar gegeben werden. Ganz neuerlich ist nun behauptet worden, die Schlüssel seien zwar der ganzen Kirche gegeben, aber nicht die Ausübung der Schlüsselgewalt, die besitze nur das Amt. Was diese letzte Ansicht betrifft, so scheint sie ganz besonders mißlungen zu sein. Nehmen wir zu diesen verschiedenen Ansichten auch noch die verschiedenen Lehren, die gegnerischerseits über die Sichtbarkeit der Kirche, über die angebliche Göttlichkeit der Kirchenordnungen und ihrer Nothwendigkeit zum Wesen der Kirche vorgebracht worden sind, so wissen wir in der That nicht, was wir nun eigentlich als feste moderne Lehre der altprotestantischen gegenüber festhalten sollen. Es wird wohl bald dahin kommen, daß jeder in diesem Kreise seine besondere Ansicht von Kirche und Amt haben wird. Es erinnert dieß an jene Lehrdifferenz zur Zeit der Reformation über das heil. Abendmahl. Zwingli, Calvin, Oecolompad u. s. w. hatten ihre besondern Ansichten, jeder dachte, er werde das Rechte treffen, einig waren sie nur im Verwerfen der wahren kirchlichen Auslegung, die einmüthig Brod und Wein als wirklich gegenwärtig annahm, aber in dem Brode und in dem Weine auch den Leib und das Blut JEsu Christi gegenwärtig dachte. Ebenso behauptet die altprotestantische Kirche bis auf Harleß herab einmüthig das allgemeine Priesterthum in seiner Wirklichkeit und Wahrheit, aber zugleich in ihm das Amt göttlichen
English translation AI translation
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holy Sacraments were concerned, and since the council at Münster had asked the Landgrave for orthodox teachers from Hesse, the Landgrave in November appointed Johannes Lening of Melsungen and Theodor Fabricius of Allendorf on the Soden, two preachers, to go to Münster, in order to put out again the fire that had been kindled by the Anabaptists, and to check in good time the dreadful consequences.
The preachers from Hesse arrived in Münster about Martinmas, to the great joy of the council and the citizenry, for they hoped that through the two new preachers the growing evil would be handsomely met. Lening drew up a fine church order, which pleased the council very well also, and it would gladly have kept both as preachers in its city and opened two churches to them. But Lening perceived that a wild and dissolute life and conduct prevailed there, saw that he would accomplish little good, and with the Landgrave's leave soon traveled home again; Fabricius, however, remained there, preached in the Lambertus church, and persevered with the utmost diligence and exhortations, until he was afterwards driven out of the city by the Anabaptist rabble.
Now the Anabaptists had grown bolder, so that they challenged the evangelical preachers to a new disputation before the council. The council consented, yet with this express condition, that the disputation should be conducted solely by clear testimonies of the holy Scripture. In addition, pious and learned men were to be appointed as arbiters, according to whose judgment it should henceforth be held without any further delay. But Rottmann and his companions would not dispute on such terms, and because they refused, the common man began to despise them. Now things looked bad for the rabble, and the council would have been rid of them, had the Anabaptists not taken a shorter way in hand, in order to give their cause a semblance and gloss with the mob. It was shortly after the holy Christmas festival that the first great uproar of the wicked rabble began. For one of the companions had to run through all the streets of the city, as if he had been inspired by the Holy Spirit, and cry: Repent, and be baptized anew, otherwise the wrath of God will fall upon you. Thereupon a great outcry and tumult arose among the common people, for all who had let themselves be baptized anew ran senselessly through the streets like the first, and cried out at the top of their voices: Repent, and be baptized anew, otherwise the wrath of God will fall upon you. One fool makes a hundred fools, and folly begets folly. The mob was seized, honest and dishonest people were swept away by the ever higher and higher swelling stream. Some truly feared God's wrath, others however feared the lust for plunder, for already some of the confederates began to take away goods and property from those who would not join them. The rabble now ran together in the marketplace and cried that all those should be put to death as heathen and godless who would not let themselves be baptized again, broke also into the town hall and carried off the artillery, with which they did violence to many. But some sensible citizens, to protect themselves and their families against such outrage, occupied a place that was somewhat strong, and captured many of the Anabaptists' following. And this struggle lasted until the one party gave the other hostages, and at last they came to an agreement on both sides that each party should remain in its religion, go home, and keep the peace. Thus the year 1534 ended in Münster.
(To be continued)
The Question of Church and Ministry.
In the Rudelbach-Guericke Zeitschrift, in the third quarterly number of this year, there are found two reviews of Harleß's treatise on Church and Ministry. From the second of these reviews we communicate the following:
"According to the testimonies of ancient and modern times we may regard this question, in respect to the Lutheran Church, as settled. The testimonies and proofs of the older and newer writers are so clear that the question, what has the Lutheran Church taught about it, is fully answered. Nothing new can be added here. Harleß also, in this small but important treatise, did not wish and was not able to bring forward anything new. The old doctrines of the Church he has shown in his own manner in a new light. That Harleß always cites the sayings of Luther as notes is very helpful. Unsought and unaffected, one sees the dear teacher of the present walk hand in hand with Luther: it is just one Church, and what she taught centuries ago, that they must still teach now, if they have the same faith of the Church. Of a repudiation of many of Luther's earliest writings, as has shown itself, to be sure with misgivings, today among many Lutherans of the opposite view, there is nothing to be found in Harleß. He uses without hesitation the earliest writings of Luther. And in this he has certainly done quite right. There is one spirit that lives in the first principal writings of Luther as in his last, at least in regard to the questions of Church and Ministry that concern us here (or where are Luther's recantations?), and in this spirit the Symbols were composed. It is therefore as wrong as it is useless, on account of Luther's disagreeable views of the Church and of the Ministry, to lay aside this or that writing of the Reformer which seems not to suit one's own stock in trade. Rather should one openly lay aside the whole principle (the supreme foundation) of the Reformation, as it expresses itself in Luther's writings and in the Confessions; but the principle from the beginning was: the right, the invisible Church must according to Scripture be set over against the false and visible Church according to the Roman doctrinal prescriptions. One should openly confess that one has given up the article of the invisible Church as the Reformers conceived it. But let us once begin on our part to lay aside this or that writing of Luther as erroneous, and followers, in case the predecessors do not satisfy us in this, will certainly not be lacking to us. One will soon see the whole Luther thrown overboard. We are of course not bound to Luther's words, but whoever belongs to the Lutheran Church will also have to acknowledge the Lutheran principle of the Church, which was clearly expressed from the beginning of the Reformation. This contentious attitude of the opponents toward Luther and the Symbols and toward the old Protestant teachers is, however, not the only thing in them that displeases us. Their denial is as distasteful to us as what they themselves set up. Only ask around: Those who do not hold the old Protestant view of Church and Ministry all teach differently. First there was to be a presbyterial succession in the ministry" (that is, first it was asserted that the ministry is propagated by the pastors in unbroken succession), "that is now to be past; then the ministry was to arise in ordination, it was to be given here immediately. Quite recently it has now been asserted that the keys were indeed given to the whole Church, but not the exercise of the power of the keys, which only the ministry possesses. As regards this last view, it seems to have failed quite especially. If we add to these various views also the various doctrines which have been put forward on the opponents' side concerning the visibility of the Church, concerning the alleged divinity of church orders and their necessity to the essence of the Church, we truly do not know what we are actually to hold fast as the firm modern doctrine over against the old Protestant. It will probably soon come to this, that everyone in this circle will have his own particular view of Church and Ministry. This recalls that difference of doctrine at the time of the Reformation concerning the holy Lord's Supper. Zwingli, Calvin, Oecolampadius, etc., had their particular views, each thought he would hit upon the right one, they were agreed only in rejecting the true churchly interpretation, which unanimously held bread and wine to be actually present, but thought the body and blood of JESUS Christ present also in the bread and in the wine. Likewise the old Protestant Church, down to Harleß, unanimously maintains the universal priesthood in its reality and truth, but at the same time in it the ministry of divine