Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 3 › Seite 20

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-09-26, Seite 20

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zu hindern gedächten. Darauf antworteten sie mit veränderten Sinnen, sie wollten selbst allen möglichen Fleiß ankehren, daß die reine Lehre des Evangeliums in Münster zunehmen und wachsen möchte. Darum ward ein Anstand zwischen ihnen und der Stadt Münster aufgerichtet und von demselben eine Abschrift dem Landgrafen Phillipp zu Hessen überschickt mit freundlichem und untertänigem Ersuchen, daß er doch um Förderung des heiligen Evangelii willen sich in diese Sachen einlaßen und helfen wollte, daß sie zu gutem Ende gebracht würden. Darauf hat der Landgraf einige seiner vortrefflichsten Räte: Jacob von Taubenheim, Dr. Walther und Vicekanzler Nußbickler nach Münster abgefertigt, die Sachen allda gütlich zu vertragen. Der Vertrag kam richtig zu Stande, also, daß hinfürder in sechs Kirchen lutherisch geprdigt, der Dom aber in seinem alten Wesen verbleiben sollte. Dieser Vergleich ward am 14 Februar 1533 von dem Landgrafen zu Hessen, dann dem Bischofe, dem Domstift, der Ritterschaft und der ganzen Landschaft angenommen, verbrieft und versiegelt. Damit war also der erste Lärm in Münster glücklich vorüber. Sie lebten nun ruhig in der Stadt, keiner irrte, keiner biß mehr den andern, aber siehe da, ein Mensch kam nach Münster, den 24. November 1533, der sollte noch größeren Rumor anrichten, es war der Wiedertäufer Johann Bockold von Leiden.

Mit den Wiedertäufern aber hatte es solche Bewandtnis. Gleichwie aus dem woltätigen Schlamme des Nil in Aegypten Würmer auskriechen, die die schöne Saat verzehren, und Dünste aufsteigen, die die Pestilenz erregen, also krochen aus Luthers Reformation Wiedertäufer aus, die, wenn man nicht mit Feuer u. Schwert, mit Galgen u. Rad hinter ihnen gewesen wäre, alles verwirrrt, alles unterst zu oberst gekehrt hätten. Ob Einbildung, ob Hochmut oder sonst ein Ding Ursache der Schwärmerei sei, wo sie einmal aufgekommen, da greift sie um sich wie Seuche und Pestilenz und bringt Aufruhr und Mord, Elend und Verderben zur Welt. Die wunderlichen Gesellen, so Wiedertäufer heißen, verwehrten die Kindertaufe, vermeinten, wenn ein Mensch zu Vernunft und Jahren sei kommen, erst dann müße er getauft werden und lebe nun in christlicher Freiheit d. h. er thue dann keine Sünde mehr, wenn er auch thut, was sonst ein rechtschaffener Christ für Greuel und Boßheit halten muß. Ja sie hunzten Luther aus, daß er nur das Aeußere in der Kirche reformiere, sie wollten aufs Innere gehen. Sie wollten ein Reich Christi stiften, worin nur Heilige d. i. Wiedertäufer wären, Regenten und Obrigkeit abschaffen, Güter und Weiber gemeinschaftlich brauchen, sich an Gelehrte, an Bibel und was sonst die Menschen für Richtschnur haben, sich nichts kehren, dagegen dem Geist d. i. der Einbildung, vermeinten oder erlogenen Eingebungen von oben folgen und dieses Geistes Befehle ausüben, ob auch die Welt darüber zu Grunde gienge. Und gegen solche Leute war mit Wort und Lehre nichts auszurichten, sie hörten auf nichts, denn auf sich selber, und so man ihnen zu Leibe rückte, griffen sie nach Dreschflegeln und Mistgabeln oder was sie sonst zur Hand hatten. Gott genade, wer kann mit solchen Menschen leben!

Die Tollheit besagter Wiedertäufer spukte seit 1521 in Deutschland, der Schweiz und in Holland. Melchior Hoffmann, ein Kürschner aus Schwaben, schwärmte in Holland und zog von da nach Straßburg. In Holland aber ließ er einen Namens Johann Trypmaaker als Nachfolger zurück. Dieser war eifrig, alle Menschen zu Wiedertäufern zu machen und gab dem ehrsamen Bruder Johann Matthiesen in Harlem die Macht, durch Auflegung der Hände Apostel zu machen und sie nachher in alle Welt auszusenden.

Diese Apostel gingen nun immer je zu zwei aus und so ein Paar kamen denn auch anno 1533 nach Münster, nemlich der Schneidergeselle J. Bockold von Leiden und der Buchbinder Gerhard.

Hier folgt die Geschichte dieser Schneidermajestät, wie sie aus ihrer Schneiderhölle hervorkroch, auf einen Thron stieg und zuletzt auf einen Thurm kam. Bockold, sonst auch Johann von Leiden genannt. war ein unehelicher Sohn eines Unbekannten, hatte das Schneiderhandwerk gelernt, legte aber nachher, vielleicht um so den Menschen dienlicher zu werden, eine Wein- u. Bierschenke in Leiden an, u. ließ sich, man weiß nicht wie, von dem Harlemer Becker Matthiesen bekehren und zum Wiedertäuferapostel machen. So kam er in die Welt und gedachte größere Dinge auszurichten als er bisher mit Wein und Bier gethan hatte. Da nun Bockold nach Münster kommen, hat er etliche evangelische Predicanten angesprochen, und damit er mit denselbigen desto füglicher in Kundschaft käme, hat er sich fein christlich und fromm gestellt; alsdann hat er sie gefragt, ob sie es auch für recht hielten, daß man die jungen Kinder taufe. Wenn sie ihm nun antworteten, ja, man thäte recht daran, so hat er allemal angefangen zu höhnen und zu lachen und sie deswegen zu verachten. Der schlaue Mensch verstand es auch, sich heimlich bei etlichen einzuschleichen, sich mehr und mehr unter den Haufen zu mengen und seine Lehre unter den gemeinen Mann zu bringen. Da nun solches Bernhard Rottmann vernahm, ermahnte er etlichemal in der Predigt die Zuhörer, Gott herzlich anzurufen, daß unter ihnen die reine Lehre möchte unverrückt erhalten und vor den unsinnigen Menschen verteidiget werden.

Eben um dieselbe Zeit war nun auch gen Münster kommen Hermann Strapeda, welcher ein Schüler war des Heinrich Rollius, den man des Wiedertaufs willen zu Utrecht verbrannt hatte. Strapeda gesellte sich zu Bockold, strafte öffentlich in der Predigt die Kindertaufe und blies noch mehr das Feuer an, welches Bockold angelegt hatte. Die Wiedertäufer aber begaben sich bei der Nacht in die Häuser, und wenn ehrliche Leute schliefen, trieben sie ihre Geheimnisse und Bubenstücke. Als nun solches mehr an den Tag kam und fast die meiste Bürgerschaft darob einen merklichen Verdruß gewann und sich darüber unhellig hören ließen, daß man gestatte, solche neue Lehre heimlich und gar bei der Nacht zu treiben und auszubreiten, da ward durch den fürsichtigen Rat zu Münster ein Beschluß gefaßt, daß man allen Anfängern solcher Sekte gebieten solle, aus der Stadt zu ziehen. Es geschah, Aber sobald sie zu einem Thor waren hinausgezogen, siehe, so kamen sie zum andern wieder herein und rühmten sich, sie hätten von Gott dem Vater den Befehl empfangen, in Münster zu verharren und die angefangenen Sachen mit allem Ernst zu vollführen.

Durch solche Dinge ward nun der Rat sehr bewegt und gewann Sorge, was aus dem Spiel werden würde. Um aber alle Mittel zu versuchen, damit größerer Unrath und Fährlichkeit verhütet würde, wurden Wiedertäufer und evangelische Lehrer, worunter Herrmannius Buschius war, aufs Rathaus gefordert, sich allda wegen der zwiespaltigen Lehre öffentlich zu unterreden. Sie erschienen am 7. und 8. August 1533 — wie doch Menschen umschlagen können — eben jener Rottmann, der seine Zuhörer ermahnt hatte, fleißig zu beten, daß dem Unwesen der bösen Secte gesteuert werde, derselbige trat jetzt auf als Haupt der neuen Secte in Münster, und schüttete sein Gift, das er lange im Herzen verborgen getragen, auf einmal unverschämt heraus und sagte, die Kindertaufe wäre gottlos und lästerlich. Worauf ihm H. Buschius eine feine christliche Antwort gab, darinnen er aus heiliger Schrift klärlich das Wiederspiel bewies, nemlich daß die Kindertaufe göttlich und recht wäre. Das gefiel auch dem ganzen Rat sehr wol und ließ deswegen abermal allen Wiedertäufern ernstlich gebieten, sich von Stund an aus der Stadt hinweg zu machen. Da sie nun vorgaben, sie könnten ohne Gefahr nicht durch des Bischofs Länder hinwegkommen, erlangte ihnen der Rat bei dem Bischof ein frei Geleite und gab ihnen dazu Geld zur Zehrung. Und nun — giengen sie von dannen? Mit nichten, sondern kehrten bei denen ein, so in der Stadt ihrer Meinung waren, und hielten sich allda verborgen. Wegen des Zehrgeldes, das sie vom Rat genommen, hatten sie keinen Scrupel, das brauchten sie nach ihrem Belieben. Der Rat erfuhr solches, machte aber keinen Ernst, denn da die Rotte immer größer ward, besorgte er einen Aufruhr und legte nicht Hand an die Menschen. Sogar alle evang. Kirchen in der Stadt, ausgenommen die zu St. Martin, wo Brictius predigte, wurden auf des Rats Befehl geschlossen, denn man fürchtete, die Wiedertäufer möchten ungewarnter Sachen in die Kirchen fallen und die Prädicanten hinauswerfen.

Nun hatte Rottmann eine neue Kirchenordnung gemacht, schickte die dem Landgrafen zu Hessen mit der Bitte, dieselbige zu übersehen und auch seinen Theologen zu Marburg zuzustellen. Als aber diese allerlei Mängel und Gebrechen darin befunden, sonderlich was die

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intend to hinder. Thereupon they answered with changed minds that they themselves would apply all possible diligence that the pure doctrine of the Gospel might increase and grow in Münster. Therefore a truce was set up between them and the city of Münster, and a copy of it was sent to Landgrave Philip of Hesse with a friendly and submissive request that he, for the furtherance of the holy Gospel, would take up these matters and help to bring them to a good end. Thereupon the Landgrave dispatched some of his most excellent counsellors, Jacob von Taubenheim, Dr. Walther and Vice-chancellor Nußbickler, to Münster, to settle the matters there amicably. The treaty was concluded duly, so that henceforth Lutheran sermons should be preached in six churches, but the cathedral should remain in its old condition. This agreement was on the 14th of February 1533 accepted, sealed and signed by the Landgrave of Hesse, then by the bishop, the cathedral chapter, the knighthood and the whole country. Thus the first tumult in Münster had passed happily over. They lived now quietly in the city, no one erred, no one bit another any more, but behold, a man came to Münster, on the 24th of November 1533, who was to raise a still greater uproar; it was the Anabaptist John Bockold of Leyden.

With the Anabaptists, however, it was thus. Just as out of the fertilizing mud of the Nile in Egypt worms creep forth that consume the fair seed, and vapors rise that cause the pestilence, so there crept out of Luther's Reformation Anabaptists who, if one had not been after them with fire and sword, with gallows and wheel, would have confounded everything and turned everything upside down. Whether imagination, whether pride or some other thing is the cause of fanaticism, wherever it has once arisen it spreads like plague and pestilence and brings tumult and murder, misery and ruin into the world. The strange fellows who are called Anabaptists forbade infant baptism, supposed that when a man has come to reason and years, only then must he be baptized, and now lives in Christian liberty, that is, he commits no more sin, even if he does what an upright Christian must otherwise hold for abomination and wickedness. Yea, they scolded Luther because he reformed only the outward part in the church; they wished to go to the inward. They wished to found a kingdom of Christ in which only saints, that is, Anabaptists, should be, to abolish rulers and magistracy, to use goods and wives in common, to heed nothing of the learned, of the Bible and of whatever else men have for a rule, but on the contrary to follow the spirit, that is, imagination, supposed or fabricated inspirations from above, and to carry out this spirit's commands, though the world should go to ruin over it. And against such people nothing could be accomplished with word and doctrine; they listened to nothing but themselves, and when one pressed upon them, they seized flails and dung-forks or whatever else they had at hand. God have mercy, who can live with such men!

The madness of the said Anabaptists had been haunting since 1521 in Germany, Switzerland and Holland. Melchior Hoffmann, a furrier from Swabia, raved in Holland and went from there to Strasburg. In Holland, however, he left behind one named John Trypmaaker as successor. He was zealous to make all men Anabaptists and gave to the worshipful brother John Matthiesen at Haarlem the power, by laying on of hands, to make apostles and afterwards to send them out into all the world.

These apostles went out always in pairs, and such a pair came also in the year 1533 to Münster, namely the journeyman tailor J. Bockold of Leyden and the bookbinder Gerhard.

Here follows the history of this tailor-majesty, how he crept out of his tailor-hell, mounted a throne and at last came upon a tower. Bockold, otherwise also called John of Leyden, was an illegitimate son of an unknown father, had learned the tailor's trade, but afterwards, perhaps in order thus to become more useful to men, set up a wine and beer tavern in Leyden, and, one knows not how, let himself be converted by the Haarlem baker Matthiesen and made an Anabaptist apostle. So he came into the world and thought to accomplish greater things than he had hitherto done with wine and beer. When Bockold had now come to Münster, he addressed some evangelical preachers, and in order that he might the more readily come into acquaintance with them, he put on a fine Christian and pious air; then he asked them whether they also held it right that young children should be baptized. When they answered him, yes, that it was right to do so, he always began to mock and laugh and to despise them on that account. The crafty man understood also how to creep in secretly among some, to mingle more and more among the crowd and to bring his doctrine among the common people. When Bernhard Rottmann learned of this, he exhorted his hearers several times in the sermon to call upon God heartily, that among them the pure doctrine might be kept unshaken and be defended against the insane men.

Just at the same time there had also come to Münster Hermann Strapeda, who was a pupil of Henry Rollius, whom they had burned at Utrecht for the sake of rebaptism. Strapeda joined Bockold, rebuked publicly in the sermon infant baptism and blew still more the fire which Bockold had kindled. The Anabaptists, however, betook themselves by night into the houses, and while honest folk slept, practised their secrets and knaveries. When now this came more to the light of day and almost the greater part of the citizens received a notable vexation thereat and let themselves be heard to be displeased that such new doctrine was permitted to be driven and spread secretly and even by night, there was resolved by the prudent Council of Münster a decree that all the beginners of such a sect should be commanded to depart from the city. It was done. But as soon as they had gone out at one gate, behold, they came in again at another and boasted that they had received command from God the Father to remain in Münster and to carry out with all earnestness the things begun.

By such things the Council was greatly moved and became anxious what would come of the game. But in order to try every means whereby greater mischief and danger might be prevented, Anabaptists and evangelical teachers, among whom was Hermannus Buschius, were summoned to the town hall to confer publicly there concerning the divided doctrine. They appeared on the 7th and 8th of August 1533 — how men can change round! — that very Rottmann who had exhorted his hearers to pray diligently that the unseemly doings of the wicked sect might be checked, the same now appeared as head of the new sect in Münster, and poured out his poison, which he had long carried hidden in his heart, all at once shamelessly, and said that infant baptism was godless and blasphemous. Whereupon H. Buschius gave him a fine Christian answer, in which he proved clearly from Holy Scripture the contrary, namely that infant baptism was divine and right. This pleased the whole Council also very well, and it therefore again earnestly commanded all Anabaptists to betake themselves out of the city forthwith. When they now pretended that they could not without danger pass through the bishop's lands, the Council obtained for them from the bishop a free safe-conduct and gave them besides money for travelling expenses. And now — did they depart? By no means, but turned in with those in the city who were of their opinion, and kept themselves hidden there. Concerning the travelling money which they had taken from the Council, they had no scruple; they used it according to their pleasure. The Council learned of this, but made no earnest of it, for since the faction grew ever greater, it feared an uproar and laid no hand on the people. Indeed all evangelical churches in the city, except that of St. Martin, where Brictius preached, were closed by order of the Council, for it was feared that the Anabaptists might fall unawares into the churches and cast out the preachers.

Now Rottmann had made a new church order, sent it to the Landgrave of Hesse with the request to look it over and also to submit it to his theologians at Marburg. But when these found in it all sorts of defects and faults, especially what the