Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 4 › Seite 26
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-10-10, Seite 26
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unverzüglich befolgt werden. Er predigte oft, und das Zeichen zur Versammlung war ein Kanonenschuß. Einst gebot Matthies, jedermann sollte was er an güldner, silberner und anderer Münze hätte, anzeigen und in den gemeinen Kasten liefern bei Verlust Leibes und Lebens und es war dazu eine eigene Behausung verordnet, wo einige Leute, Diakonen genannt, Aufsicht und Verwaltung führen sollten über das gemeinsame Gut. Von wegen dieses ernsten Gebotes erschrak das Volk heftig, doch um das Leben zu erhalten war jedermann gehorsam. Und es waren zwei Mägdlein daselbst, die hatten (so gab man vor) weissagende Geister, die zeigten alles an, wo einer zu betrügen gewagt hätte. Ueberdieß gebot der gedachte Prophet, daß keiner hinfürder ein Buch lesen sollte denn allein die Bibel, die andern Schriften allesammt mußten sie an einen Ort bringen und allda verbrennen laßen. Auch diesen Befehl gab der Prophet für Gottes Offenbarung und Gebot aus.*) Indes begab sichs, daß ein Schmied, mit Namen Hubert Truteling, misfällige Worte hatte fallen laßen über solche, welche sich Weissagung und heimliche Offenbarung anmaßten. Das erfuhr Matthies, berief die ganze Menge des Volks, befahl, jedermann sollte bewaffnet erscheinen, verklagte vor der Menge besagten Schmied und brachte zuwege, daß er zum Tod verurteilt ward. Der arme Schmied, der die Wiedertäufermajestät verletzt hatte, wie ward er von dem Unmenschen, der da wollte ein Mann Gottes sein, zu Tode gebracht! Der Prophet griff den armen Schmied, legte ihn vor sich nieder auf die Erde und stach ihn mit einem Spieße. Der Schmied, nicht sogleich tödtlich verwundet, springt auf und will sich wehren, da heißt der Prophet ihn bei Seite führen, nimmt dann eine Büchse und durchschießt den Schmied, so daß derselbige bald hernach stirbt. Doch Matthies sollte seinen Richter bald finden. Er lief durch die Stadt mit langem Spieß und rief, Gott hätte befohlen, die Feinde von der Stadt hinwegzutreiben, er zog zum Thore hinaus bis an der Feinde Lager, da ward er von einem Kriegsmann durchstochen. Somit war freilich seine Weissagung als Betrug erfunden, allein die Menschen waren nun einmal verdüstert, wollten nicht hören und sehen und verständig werden, sondern den tollen Tanz weiter treiben. Wen Gott will verderben, den macht er vorher blind. —
Das ist bisher ein Vorspiel der Dinge, die nun kommen sollten. Jetzt erst tritt der Haupthelt unserer Geschichte auf die Schaubühne, der wird uns noch größere Dinge vor die Augen stellen und Thaten aufführen, die mehr als erstaunlich sind, es ist Johann Bockold von Leiden, dessen oben schon Erwähnung geschah, der in der Vorgeschichte aber weiter nicht hervorleuchtete. Matthies war, wie gesagt todt, war todt und blieb todt. Bockold tröstete das Volk, zeigte an, er hätte eine Offenbarung gehabt, daß derselbige also sterben und ein Ende gewinnen würde und nahm des Propheten Weib zu seinem Weib.
*) Manche schöne Antiquität, noch aus Kaiser Karl des Großen Zeit her, soll verbrannt worden sein.
Zween Tage vor Ostern geschah es, am Karfreitag, da ließ Knipperdoling, der Bürgermeister, mit allen Glocken läuten, ließ das Volk in eine Kirche kommen, weissagte, es würde binnen kurzem geschehen, daß diejenigen, so jetzt hoch erhaben wären, erniedriget, dagegen andere, so dieser Zeit schlecht und gering wären auf den höchsten Stuhl gesetzt würden. Zugleich befahl er, alle Kirchtürme, als die höchsten Spitzen der Stadt abzuwerfen und alle Kirchen und Klöster zu zerbrechen. Der Pöbel gieng schier an die Arbeit, tobte, schlug ein, riß nieder, stahl und raubte. Greulich, wenn Menschen um die ärgsten Greuelthaten den Schein des Heiligen legen!
Johann Bockold ist nicht dumm gewesen, er fieng den Bürgermeister Knipperdolling mit seinen eigenen Worten. Ha, sagte er, soll alles Hohe niedergelegt werden, so mußt du von deinem Bürgermeistersitz runter und nun mehr das allergeringste Amt verwalten. Gab ihm sodann das Richtschwert, und machte ihn zum Scharfrichter und Henker. Knipperdolling, er mochte gern wollen oder nicht, mußte es nehmen und ward von nun an Scharfrichter in Münster.
Um Pfingsten 1534 ward die Stadt hart bestürmt, und verlor der Bischof viel Volks und kamen sonderlich derer aus Meissen, so mehrenteils von Adel waren, viele vor der Stadt um.
Darnach legte sich Bockold schlafen, und blieb also drei Tage an einander schlummernd. Als er wieder aufwachte, redete er kein Wort, begehrte Papier und schrieb darauf zwölf Männer mit Namen, die sollten das Regiment über alles haben, solches wäre der unwandelbare Wille Gottes. Somit bahnte der Schneider sich einen Weg zum Königreich, das er, wenn die Zeit käme, an sich zu nehmen gedachte. Auch machte er zwölf Artikel, worunter das vornehmste war, daß kein Mann an ein Weib allein sollte gebunden sein, sondern es dürfte einer zugleich viel Eheweiber haben. Die Prediger wollten dieß Wesen zwar nicht zugeben, Bockold berief sich aber auf seine Offenbarungen, bedrohte die Prediger mit tapfern wichtigen Worten, gieng hin und nahm drei Weiber auf einmal, und diesem Exempel folgten bald andere und thaten desgleichen, und riefen es für ein sonderlich Lob aus, da einer sich zu vielen malen in den Ehestand begab. Aber etliche ehrliche Bürger, welchen dieser Handel zum höchsten misfiel, wollten dem Dinge nicht länger müßig zusehen, ließen ausrufen, wer der reinen Lehre des Evangeliums zugethan wäre, sollte auf den Markt kommen. Diese griffen darnach den Propheten, Knipperdolling, den Scharfrichter, und alle wiedertäuferische Lehrer. Es dauerte aber nicht lange, da rottete sich der Pöbel mit Grimm und Ungestüm zusammen, nahm die Gefangenen wieder, u. erschlugen der ehrlichen Bürger etwa fünfzig ganz erbärmlich. Etliche banden sie an Bäume, andere an Pfosten, und schoßen sie mit Büchsen todt. Dazwischen lief der Prophet umher und rief, welcher Gott einen wohlgefälligen Dienst wolle thun, der sollte zuerst auf sie schießen. Knipperdolling war hierbei auch geschäftig, etlichen hieb er den Kopf herunter, andere mitten entzwei.
Jetzt glaubte Bockold mehr wagen zu können. Auf Johannistag trat ein gewisser Johann Tausentschuer (aus Warendorf, ein Goldschmied) auf, der sagte vor dem Volke auf dem Markte, es wäre des Vaters im Himmel Wille und Befehl, daß Johann Bockold von Leiden sollte König sein in der ganzen Welt und mit starker Kriegsrüstung und großem Haufen Volk ausziehen, alle Könige und Fürsten ohne allen Unterschied zu erschlagen und allein des gemeinen Volks zu verschonen, nemlich derjenigen, so die Gerechtigkeit lieb hätten, und sollte also den Stuhl seines Vaters David besitzen, so lange bis Gott der Vater das Reich wieder von ihm fordern würde. Doch sollte er zuvor alle Gottlosen umbringen, auf daß die Gottseligen allein hier auf Erden möchten herrschen.
Kaum hatte der Goldschmied ausgeredet, siehe, da fiel Johann von Leiden auf seine Knie, hub seine Augen gen Himmel und sprach: Liebe Männer und Brüder, das habe ich vor vielen Tagen wol gewußt, hab es aber nicht selbst wollen offenbaren, und um mehr Glaubens willen hat Gott der Vater im Himmel hierzu eines andern Dieners gebraucht.
So ward der ehemalige Schneiderknecht König über alle Welt und hat sofort die zwölf Regimentsmänner abgesetzt. Johann von Leiden wußte, was einem König zukommt, das sollte ihm auch nicht fehlen, nemlich Hofstaat und königliche Ornamente. Er bestellte Hofdiener aller Art, vergaß nicht den Kämmerer, noch weniger den Mundschenk, geheime Räte, Kanzler und den Orator. Nur an den Hofpoeten ward nicht gedacht. Und wer war passender zum Orator als Rottmann? König Johann ließ sich nun auch zwo Kronen machen, Scepter u. dgl. alles vom besten Golde. Der Titel, welchen er in seinen Briefen an Fürsten annahm, lautete: Johann von Gottes Gnaden König in dem neuen Tempel Gottes, ein wahrhaftiger Diener der Gerechtigkeit aus Kraft der Stadt Münster. Das Wappen war eine Erdkugel mit darauf gesetztem Kreuz, zu beiden Seiten durchstochen. Auch ließ er güldne und silberne Münzen prägen mit den Worten: Dat Wort is fleisch geworden un wenet in uns. We nich gebore is uth de wat un geis mac nich ingaen int rike Gades etc. tho M. 1534. So oft er unter den Haufen gieng, begleiteten ihn seine Hofdiener, etwan ritt er mit dreißig Hengsten, hatte an ein Kleid von Silber, mit rotem Sammt ausgefuttert und mit güldenen Spangen zusammengeknüpft. Seine Krone, eine Bibel und ein bloßes Schwert wurden hinter ihm her getragen. Trabanten, in blau und weißer Seide, gleich den Wolken am Himmel, liefen um ihn herum. Und mit solcher Pracht kam auch sein Weib, die Königin, gezogen. Daneben hielt er sich aber noch dreizehn Weiber, darunter Knipperdollings junge Tochter. —
English translation AI translation
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obeyed without delay, on pain of divine wrath and bodily death. He preached often, and the signal for the assembly was a cannon shot. Once Matthies commanded that everyone should report whatever gold, silver and other coin he had, and deliver it into the common chest on pain of loss of body and life; and a special building was appointed for this, where some persons, called deacons, were to have oversight and administration of the common property. On account of this stern command the people were greatly terrified, but to save their lives everyone was obedient. And there were two maidens there who had (so it was claimed) prophesying spirits, which disclosed everything, wherever anyone had dared to cheat. Moreover the said prophet commanded that no one henceforth should read any book except the Bible alone; all other writings they had to bring to one place and have burned there. This command also the prophet gave out as God's revelation and commandment.*) Meanwhile it happened that a smith, by the name of Hubert Truteling, had let fall some displeasing words about those who arrogated to themselves prophecy and secret revelation. Matthies learned of it, called together the whole multitude of the people, commanded that everyone should appear armed, accused the said smith before the multitude, and brought it about that he was condemned to death. The poor smith, who had offended the Anabaptist majesty, how he was put to death by the monster who wanted to be a man of God! The prophet seized the poor smith, laid him down before him on the ground and stabbed him with a spear. The smith, not mortally wounded at once, springs up and wants to defend himself, whereupon the prophet orders him led aside, then takes a gun and shoots the smith through, so that he soon afterward dies. Yet Matthies was soon to find his judge. He ran through the city with a long spear and cried that God had commanded him to drive the enemies away from the city; he went out through the gate as far as the enemy's camp, and there he was run through by a soldier. Thereby his prophecy was of course found out to be a fraud; but men were now once for all darkened, would not hear and see and become sensible, but wished to carry on the mad dance further. Whom God will destroy, he first makes blind. —
This is so far a prelude to the things that were now to come. Only now the chief hero of our history steps upon the stage, who will set still greater things before our eyes and perform deeds that are more than astonishing; it is Johann Bockold of Leyden, whose mention was made above, but who did not stand out further in the earlier history. Matthies was, as said, dead, was dead and stayed dead. Bockold comforted the people, declared that he had had a revelation that the same man should die thus and come to an end, and took the prophet's wife as his own wife.
*) Many a fine antiquity, still from the time of Emperor Charlemagne, is said to have been burned.
Two days before Easter, on Good Friday, it happened that Knipperdolling, the burgomaster, had all the bells rung, had the people come into a church, and prophesied that within a short time it would come to pass that those who were now highly exalted would be abased, and others, who at this time were mean and lowly, would be set upon the highest seat. At the same time he commanded that all church towers, as the highest points of the city, be thrown down, and all churches and monasteries be torn down. The mob went almost eagerly to the work, raged, smashed in, tore down, stole and plundered. Dreadful, when men lay the semblance of holiness upon the worst atrocities!
Johann Bockold was not stupid; he caught the burgomaster Knipperdolling with his own words. Ha, said he, if everything high is to be laid low, then you must come down from your burgomaster's seat and henceforth administer the lowliest office of all. He then gave him the executioner's sword, and made him headsman and hangman. Knipperdolling, whether he would or no, had to take it, and from that time was executioner in Münster.
About Pentecost 1534 the city was hard stormed, and the bishop lost many men, and especially many from Meissen, who were for the most part of the nobility, fell before the city.
Thereupon Bockold lay down to sleep, and remained thus three days slumbering on end. When he awoke again he spoke not a word, asked for paper, and wrote upon it twelve men by name, who were to have the government over everything, saying that this was the unalterable will of God. Thus the tailor paved himself a way to the kingdom, which he intended to take upon himself when the time should come. He also drew up twelve articles, of which the chief was that no man should be bound to one wife alone, but that one might have many wives at the same time. The preachers would indeed not allow this practice, but Bockold appealed to his revelations, threatened the preachers with brave weighty words, went and took three wives at once, and others soon followed this example and did likewise, and proclaimed it a special praise when a man entered into the estate of marriage many times. But some honest citizens, to whom this affair was highly displeasing, would no longer look idly on, had it proclaimed that whoever was devoted to the pure doctrine of the Gospel should come to the market. These then seized the prophet, Knipperdolling the executioner, and all the Anabaptist teachers. But it was not long before the mob gathered together with rage and tumult, took the prisoners back, and slew of the honest citizens some fifty most pitifully. Some they bound to trees, others to posts, and shot them dead with guns. Meanwhile the prophet ran about and cried that whoever wished to do God an acceptable service should be the first to shoot at them. Knipperdolling was also busy in this; some he cut the head off, others he cut in two through the middle.
Now Bockold thought he could venture more. On St. John's Day a certain Johann Tausentschuer (from Warendorf, a goldsmith) came forward and said before the people in the market that it was the will and command of the Father in heaven that Johann Bockold of Leyden should be king over the whole world and with strong armament and a great host of people go forth to slay all kings and princes without distinction and to spare only the common people, namely those who loved righteousness, and he should thus possess the throne of his father David, until God the Father should require the kingdom again of him. But he should first destroy all the ungodly, that the godly alone might rule here on earth.
Hardly had the goldsmith finished speaking when, behold, Johann of Leyden fell upon his knees, lifted his eyes toward heaven and said: Dear men and brethren, this I knew well many days ago, but I would not reveal it myself, and for the sake of greater credence God the Father in heaven has used another servant for this.
So the former tailor's journeyman became king over all the world and at once dismissed the twelve men of the government. Johann of Leyden knew what befits a king, and that too should not be lacking to him, namely court and royal ornaments. He appointed court servants of every kind, forgot not the chamberlain, still less the cupbearer, privy councillors, chancellor and the orator. Only the court poet was not thought of. And who was more suitable as orator than Rottmann? King Johann now also had two crowns made, scepters and the like, all of the finest gold. The title which he assumed in his letters to princes ran: Johann, by the grace of God King in the new Temple of God, a true servant of righteousness by the power of the city of Münster. The coat of arms was a globe with a cross set upon it, pierced through on both sides. He also had golden and silver coins struck with the words: Dat Wort is fleisch geworden un wenet in uns. We nich gebore is uth de wat un geis mac nich ingaen int rike Gades etc. tho M. 1534. Whenever he went among the crowds his court servants accompanied him; sometimes he rode with thirty stallions, wore a garment of silver, lined with red velvet and fastened together with golden clasps. His crown, a Bible and a bare sword were carried behind him. Guards in blue and white silk, like the clouds in heaven, ran about him. And with such splendor his wife also, the queen, came along. Besides, he kept thirteen other wives, among them Knipperdolling's young daughter. —