Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 4 › Seite 30
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-10-10, Seite 30
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nossen vergißt, und es ist eine unverantwortliche Blindheit, von Ausbreitung der Kirche durch Heidenmissionen zu reden, während der lutherischen Kirche unbeweint alljährlich viele Tausende verloren gehen — d. i. mehr, als die protestantischen Missionen zusammen in Jahrzehnten gewinnen.“ Das sei ferne! solcher Spruch müsse nimmer über uns wahr werden!
Die fluthende Auswanderung wird durch keine menschliche Macht gehemmt; sie ist ein Weg Gottes geworden. Aber verhüten kann die Kirche, und nur sie allein, daß nicht die Auswanderung in den Abgrund geistlichen wie leiblichen Ruins verläuft. Die Kirche Christi hat über die wandernden Germanen des 5ten Jahrhunderts die Oberhand behalten; sie kann auch die wandernden Deutschen des 19ten Jahrhunderts unter das Kreuz versammeln, wenn sie nur treu sein will. Und besitzt sie zur Treue die Weisheit, so greift sie das Uebel an der Wurzel an, indem sie sorgt, daß das allmächtige Wort vom Kreuz reichlich von den Lippen ihrer Diener erschalle. Unsere Tochterkirche über dem Meere hat rüstig damit begonnen. Gott erwecke unsre Herzen, daß wir nicht zu träge sind, ihr wenigstens Handlangerdienste zu thun. Er selbst setze das Concordia-Collegium zum Segen, daß es wachse zu einer Zierde unsrer lutherischen Kirche, zu einer Leuchte der ausgewanderten Brüder, zu einem Preis Seines Namens.“
Aus Weimar.
Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht gestraft wird. Darum spricht Er: Wache auf, der Du schläfest und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. Ephes. 5, 13. 14.
Glück auf! es regt sich auch in der Weimarschen Landeskirche; sie haben lange genug geschlafen und heitere Träume geträumt; und die Götter Griechenlands haben einen behaglichen Auszug genossen im Weimarschen Land. Wird der Großherzog denn seinen Augen trauen, wenn er die Petition liest, welche von evangel.-luth. Unterthanen jüngst ihm überreicht worden ist? Nun, der Herr der Kirche gebe den theuren Männern, welche den Kampf, der sicherlich nicht leicht werden wird, begonnen haben, wackere Augen, tapferen Muth, heilige Geduld und — die Fürbitte aller Gläubigen! Hier sind einige Stellen aus jener „Petition ev.-luther. Unterthanen in Sachen des Rechtsbestandes der evangel.-luther. Kirche als Landeskirche.“
Allerdurchlauchtigster Großherzog,
Gnädigster Landesfürst und Herr!
Es ist eine Thatsache, daß in Kirche und Schule unseres Großherzogthums dasjenige theologische System herrscht, welches man mit dem Namen des Rationalismus bezeichnet, ein System, welches die menschliche Vernunft zur Richterin über Gottes Wort macht, welches angehet gegen den Hauptgrundsatz unserer theuren Evangelisch-lutherischen Kirche von der Rechtfertigung allein aus dem Glauben, welches bei Seite wirft die ersten Glaubensartikel der gesammten Christenheit, von der heiligen Dreieinigkeit, von der Gottheit Christi. Daher ist es denn hauptsächlich zu erklären, daß in den meisten Gemeinden unserer Landeskirche christlicher Glaube und folgeweise christliches Leben, christliche Zucht tief, tief gesunken sind und immer mehr sinken. Wird das nicht anders, so gehen wir einer furchtbaren Zukunft entgegen. Die Verachtung des Wortes Gottes, des Heilandes unseres Herrn wird zunehmen, das jetzige moderne, in hohen und niederen Ständen vorhandene Heidenthum, welches dem natürlichen Menschen so sehr schmeichelt, wird sich weiter verbreiten von Haus zu Haus, und tiefer hineinsenken in die Herzen. Alle Bande der Ordnung und des Gehorsams werden sich mehr und mehr lösen. Es steht die Zeit bevor, auf welche auch angewendet werden kann das weissagende Wort des Herrn: „es wird hier kein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde!“ Die wenigen Bekenntnißtreuen unter den Geistlichen, Lehrern, Laien seufzen darum und ringen und beten zum Herrn: „ach, daß die Hülfe aus Zion käme!“ — —
„Die Zukunft unserer Landeskirche hängt offenbar zum größten Theile mit ab, einmal von unserer Landesuniversität, und sodann von unsern Schullehrerseminarien, welche Anstalten mittelbar und unmittelbar sattsam einflußreich auf unser Volk und seinen Glauben wirken. Seit Jahrzehnten nun schon war an diesen für das Volksheil so wichtigen Anstalten vorzugsweise das rationalistische Glaubenssystem herrschend, zum Nachtheil der wissenschaftlich tieferen Bildung, zum Nachtheil der Entwickelung des Lebens im christlichen Glauben. Diesem Mißstande nun abzuhelfen, bitten wir auf das Inständigste: Ew. Königliche Hoheit wolle in Gnaden veranlassen, daß nach Jena, an unsere Landesuniversität, welche ja durch den erlauchten Märtyrer Johann Friedrich zur Aufrechterhaltung des reinen lutherischen Glaubens gegründet wurde, stets bekenntnißtreue theologische Lehrer berufen werden, und bitten wir ferner auf das Dringendste, es wolle Ew. Königliche Hoheit gnädigst Befehl ertheilen, daß die Directoren- und Lehrerstellen an den beiden Seminarien zu Weimar und Eisenach, sobald irgend thunlich, mit bekenntnißtreuen Männern besetzt werden möchten.“
Pilger aus Sachsen.
Geschichtsverfälschung.
Obgleich es kaum eine größere Sünde der Bücherschreiber geben kann, als die Geschichtsverfälschung, so ist doch unter jener Classe von Gelehrten in unseren Tagen keine Sünde gewöhnlicher, als diese. Und wie schon in alten Zeiten vor allem die Reformirten, besonders nach Luthers Tod, sich dieser schändlichen Sünde vielfach schuldig gemacht haben, so auch gegenwärtig. Die Herrn Unirten stehen den Reformirten als deren ächte natürliche Sprößlinge hierin würdig zur Seite. Ein Beispiel hierzu ist der Professor der Theologie zu Marburg, Dr. Heppe. Selbiger hat neuerdings eine Schrift herausgegeben: „Die confessionelle Entwickelung der altprotestantischen Kirche Deutschlands.“ Darin sucht der genannte Verfasser zu beweisen, daß die wahre Lehre der lutherischen Kirche vom heil. Abendmahl von jeher eigentlich nicht die Lehre Dr. Martin Luthers über diesen Artikel gewesen sei, sondern eine sich mehr der reformirten nähernde Lehre Philipp Melanchthons. Eine Behauptung, die auch die hiesigen Unirten als eine ausgemachte Wahrheit zu Gunsten ihrer Union und Religionsmengerei an die Leute zu bringen suchen. In dem „Kirchenblatt für die ev. luth. Gemeinde des Herzogthums Braunschweig“ findet sich in der Mai-Nummer und in den folgenden eine überaus gründliche Recension (Beurtheilung) des angeführten Werkes von Dr. Heppe. Darin heißt es u. A.: „Der folgende Aufsatz wird durch Mittheilung der betreffenden Documente (schriftlichen Urkunden) nachweisen, daß man sich nicht auf Heppe's Behauptungen mit getroster Sicherheit schlafen legen könne, daß sie vielmehr durchweg Unwahrheiten sind.“ Dieser Nachweis wird denn auf eine so schlagende Weise in dieser Beurtheilung geführt, daß Herr Dr. Heppe hohe Ursache hat, zu fürchten, daß er sich mit dieser seiner Schrift um allen Credit, das heißt, um den Ruf aller wahren Gelehrsamkeit und christlichen Ehrlichkeit gebracht hat. Zugleich wird nachgewiesen, daß Dr. Ebrard, nunmehr Consistorialrath der baierschen Rheinpfalz, sich mit der Sünde der Geschichtsverfälschung in Betreff desselben Punktes ebenfalls befleckt hat. Darum, liebe Leser, seid gewarnt vor geschichtlichen Beweisen, wenn dieselben von denen geführt werden, die irrig in der Lehre sind. Es kann nicht anders sein, als daß die, welche es wagen, Gottes Wort zu verfälschen, sich mit noch leichterem Gewissen an den menschlichen Geschichtszeugnissen vergreifen.
(Für den „Lutheraner.“)
Verspätung des Synodalberichts.
Gewiß haben viele meiner geliebten, mit unserer Synode verbundenen oder befreundeten Amts- und Glaubensbrüder längst der Erscheinung des diesjährigen Synodalberichts entgegengesehen.— Es thut mir, dem Unterzeichneten, herzlich leid, daß ich nicht im Stande gewesen bin, dieser ihrer billigen Erwartung entsprechen zu können,— hoffe aber, daß mich die lieben Brüder gütigst entschuldigen werden, wenn sie die Ursache dieser Verzögerung vernehmen.— Sehr unpäßlich, leiblich und geistlich erschöpft, kam ich von der Synodalreise zurück, und konnte außer den nöthigen Amtsgeschäften und einigen Briefen, an keine schriftlichen Nebenarbeiten denken. Als ich mich nun aber durch Gottes Hülfe eben so weit erholt hatte, daß ich mich in den Nebenstunden mit der Ausarbeitung des Synodalberichts befassen konnte
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forgets, and it is an irresponsible blindness to speak of the extension of the Church through heathen missions, while unlamented every year many thousands are lost to the Lutheran Church — that is, more than the Protestant missions together gain in decades." Far be it! may such a saying never become true of us!
The flooding emigration is checked by no human power; it has become a way of God. But the Church can prevent, and she alone, that the emigration should run out into the abyss of spiritual as well as bodily ruin. The Church of Christ gained the upper hand over the wandering Germanic tribes of the 5th century; she can also gather the wandering Germans of the 19th century under the cross, if she will only be faithful. And if she possesses for faithfulness the wisdom, then she attacks the evil at the root, by taking care that the almighty Word of the cross resound abundantly from the lips of her servants. Our daughter church across the sea has begun briskly with this. May God awaken our hearts, that we be not too slothful to do for her at least the services of a helper. May He Himself set the Concordia-Collegium for a blessing, that it grow to be an ornament of our Lutheran Church, a light to the emigrated brethren, a praise of His name."
From Weimar.
But all things that are reproved are made manifest by the light. Wherefore He saith: Awake thou that sleepest, and arise from the dead, and Christ shall give thee light. Eph. 5, 13. 14.
Good luck to it! there is a stirring also in the Weimar state church; they have slept long enough and dreamed cheerful dreams; and the gods of Greece have enjoyed a comfortable sojourn in the land of Weimar. Will the Grand Duke indeed trust his eyes when he reads the petition which was lately presented to him by evangelical Lutheran subjects? Well, may the Lord of the Church give the dear men who have begun the struggle, which will surely not be easy, watchful eyes, brave courage, holy patience and — the intercession of all believers! Here are some passages from that "Petition of Evangelical Lutheran Subjects Concerning the Legal Standing of the Evangelical Lutheran Church as State Church."
Most Serene Grand Duke,
Most Gracious Sovereign and Lord!
It is a fact that in church and school of our Grand Duchy that theological system prevails which is designated by the name of Rationalism, a system which makes human reason the judge over God's Word, which goes against the chief principle of our dear Evangelical Lutheran Church, of justification by faith alone, which casts aside the first articles of faith of all Christendom, of the Holy Trinity, of the Godhead of Christ. Hence it is chiefly to be explained that in most of the congregations of our state church Christian faith, and consequently Christian life and Christian discipline, have sunk deep, deep, and sink ever more. If this does not change, we are going toward a dreadful future. The contempt for the Word of God, of the Savior our Lord, will increase; the present modern heathenism, found in high and low estates, which so greatly flatters the natural man, will spread farther from house to house, and sink deeper into the hearts. All bonds of order and of obedience will loosen more and more. The time is at hand to which may also be applied the prophetic word of the Lord: "There shall not be left here one stone upon another that shall not be thrown down!" The few confession-faithful among the clergy, teachers and laity sigh therefore, and wrestle and pray to the Lord: "Oh, that the salvation of Israel were come out of Zion!" — —
"The future of our state church depends evidently for the greatest part upon, first, our state university, and then upon our teachers' seminaries, which institutions, mediately and immediately, exert a sufficiently strong influence upon our people and their faith. For decades now the rationalistic system of belief has prevailed predominantly at these institutions, so important for the people's welfare, to the detriment of the more profound scientific training, to the detriment of the development of the life in the Christian faith. To remedy this evil we beg most earnestly: may Your Royal Highness be pleased graciously to cause that to Jena, our state university, which was indeed founded by the illustrious martyr John Frederick for the maintenance of the pure Lutheran faith, always confession-faithful theological teachers be called; and we beg further most urgently that Your Royal Highness would graciously give command that the positions of directors and teachers at the two seminaries at Weimar and Eisenach be filled, as soon as ever practicable, with confession-faithful men."
A Pilgrim from Saxony.
Falsification of History.
Although there can scarcely be a greater sin of book-writers than the falsification of history, yet among that class of scholars in our days no sin is more common than this. And as already in ancient times the Reformed above all, especially after Luther's death, have been guilty of this shameful sin in many ways, so also at present. The gentlemen Unionists stand worthily beside the Reformed in this, as their genuine natural offspring. An example of this is the Professor of Theology at Marburg, Dr. Heppe. He has recently published a writing: "Die confessionelle Entwickelung der altprotestantischen Kirche Deutschlands." Therein the said author seeks to prove that the true doctrine of the Lutheran Church concerning the holy Lord's Supper was from of old really not the doctrine of Dr. Martin Luther on this article, but a doctrine of Philip Melanchthon, approaching more the Reformed. An assertion which the Unionists here too seek to bring to the people as an established truth, in favor of their Union and religious mixture. In the "Kirchenblatt für die ev. luth. Gemeinde des Herzogthums Braunschweig" there is found in the May number and in the following ones an exceedingly thorough review (judgment) of the said work of Dr. Heppe. Therein it says among other things: "The following essay will prove, by the communication of the relevant documents (written records), that one cannot lay oneself down to sleep with confident security upon Heppe's assertions, that they are rather throughout untruths." This proof is then carried out in so striking a manner in this review that Dr. Heppe has high cause to fear that he has, with this writing of his, forfeited all credit, that is, the reputation of all true learning and Christian honesty. At the same time it is shown that Dr. Ebrard, now Consistorial Councillor of the Bavarian Rhenish Palatinate, has likewise stained himself with the sin of the falsification of history in respect of the same point. Therefore, dear readers, be warned against historical proofs when they are offered by those who are in error in doctrine. It cannot be otherwise than that those who dare to falsify God's Word will lay hands with a still lighter conscience on the testimonies of human history.
(For the "Lutheraner.")
Delay of the Synodal Report.
Surely many of my beloved brethren in office and in faith, connected or befriended with our Synod, have long been looking forward to the appearance of this year's Synodal Report.— It grieves me, the undersigned, from my heart that I have not been able to meet this their reasonable expectation,— but I hope that the dear brethren will kindly excuse me when they learn the cause of this delay.— Very unwell, bodily and spiritually exhausted, I came back from the synodal journey, and besides the necessary official duties and a few letters I could think of no written side-labors. But when, by God's help, I had just so far recovered that I could occupy myself in my spare hours with the preparation of the Synodal Report