Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 7 › Seite 53

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-11-21, Seite 53

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Ein Aktenstück,

betreffend den Streit zwischen den lutherischen Synoden von Buffalo und von Missouri in Nordamerika.

Die von der deutsch-lutherischen Synode von Buffalo in Nordamerika nach Deutschland abgeordneten Pastoren Grabau und von Rohr hatten von unserm Ober-Kirchenkollegium „ein Gutachten und Rath in ihrem Verhältnisse zur Synode von Missouri“ gefordert. Unser Ober-Kirchenkollegium willfahrtete diesem Ansuchen und richtete nachstehendes Schreiben an die bezeichnete Synode, welches der Oeffentlichkeit zu übergeben wir um so weniger Anstand nehmen können, als in Nr. 11 des von Herrn Pastor Grabau redigirten kirchlichen Informatoriums v. d. J. S. 87 gesagt wird, unser Ober-Kirchenkollegium sei in der in Rede stehenden Streitigkeit um ein „öffentliches“ Gutachten ersucht worden. Wir hoffen aber, daß dies Gutachten sich als geeignet erweisen werde, die getheilten Meinungen über den betrübenden Streit zwischen den Synoden von Buffalo und von Missouri insoweit zusammenführen,“ als dies ohne genaue Kenntniß der einzelnen Vorkommnisse in diesem Zerwürfnisse möglich ist.

An die Hochwürdige deutsch-lutherische Synode von Buffalo N. Y., z. H. des Herrn Pastor Grabau, Hochehrwürden

zu

Buffalo N. Y.

in Nord-Amerika.

Die Hochwürdige deutsch-lutherische Synode von Buffalo hat mittelst Zuschrift ihrer Abgeordneten, der Herren Pastoren Grabau und von Rohr d. d. Copenhagen den 29. Oktober 1853, die „Bitte um Gutachten und Rath in ihrem Verhältnisse zur Synode von Missouri“ an uns gerichtet. Für das hierdurch gegen uns an den Tag gelegte brüderliche Vertrauen sprechen wir der Hochw. Synode unsern herzlichen Dank aus und geben die Versicherung, daß es uns am Herzen liegt, um der heiligen Sache des Herrn willen dem in uns gesetzten Vertrauen durch unsern treuen christlichen Rath und gewissenhaftes Gutachten nach Kräften zu entsprechen.

Wir halten uns bei Darlegung unserer gutachtlichen Erklärungen an die einzelnen fraglichen Punkte, welche in dem Schreiben der Herren Synodal-Abgeordneten uns vorgelegt sind.

Ad. I. wird begehrt, daß wir die Synode von Missouri ermahnen, von dem öffentlichen Eingreifen in das Amt der Buffalo-Prediger, die sie selbst zugestehen, abzulassen.

Zur Begründung des hiermit ausgesprochenen Vorwurfs wird auf die Schriften: „Sag’s der Kirche“, auf die Synodalberichte der Missouri Synode und auf einige Stellen des kirchlichen Informatoriums hingewiesen.

Wir erklären hierauf: daß wir prinzipiell es nicht für recht erkennen, wenn man Ausgeschlossene anderer zumal glaubensverwandter Kirchengemeinschaften ohne Weiteres aufnimmt und dazu die Hand bietet, daß sie ihrem rechtmäßigen Kirchengerichte entzogen werden.

Doch leidet dieser Grundsatz in der Anwendung mancherlei Ausnahmen, die einerseits in der Möglichkeit eines schreienden und offenbaren Mißbrauchs der Kirchenzucht, andererseits in der obersten Rücksicht bei allen kirchlichen Dingen, dem HErrn Christo Seelen zu erretten, ihren Grund haben und wobei die verwickeltsten Thatfragen in Betracht kommen können. Ob also wirklich durch Aufnahme Ausgeschlossener Seitens einer anderen Kirche gesündigt worden sei, wird sich bloß im Wege eines Urtheils nach Gehör beider Theile und auf Grund geführten Beweises aussprechen lassen. Da uns nun in Bezug auf die einzelnen in den genannten Schriften angeführten Fälle, wo über die Praxis der Missouri-Synode und über vorhandene Rotten und Rottenprediger Beschwerde geführt wird, die nöthige specielle Kenntniß des Thatbestandes fehlt, so müssen wir uns enthalten, auf einzelne Fälle hin ein Urtheil auszusprechen, und sehen uns demnach außer Stande, dem Wunsche der hochw. Buffalo-Synode in diesem Punkte zu entsprechen und die Missouri-Synode wegen dieser ihr Schuld gegebenen Praxis zu ermahnen, indem wir die nöthigen Beweise nicht würden führen können. Wenn bemerkt wird, daß die Missourier jene Amts-Eingriffe selbst zugestehen: so kann dies füglich doch nur so verstanden werden, daß sie einräumen, Ausgeschlossene der Buffaloer aufgenommen und sie mit Predigern versehen zu haben, nicht aber, daß sie dies ihr Thun selbst als einen Eingriff in fremdes Amt beurtheilt und anerkannt hätten.

Ad. II. wird ein christliches Gutachten von uns begehrt „über die von den Missouriern zur Rechtfertigung ihrer Praxis — welche als eine kirchenzerstörende bezeichnet wird — aufgestellten Lehren und Theorieen.“

Wir bemerken hierbei im Allgemeinen, daß auch nach unserem Erkennen eine solche Praxis, welche das obige Prinzip rücksichtlich der Behandlung Ausgeschlossener anderer Kirchen verläugnet und ohne strengen Beweis einer begründeten Ausnahme rücksichtslos in diesem Punkte verfährt, mit recht eine kirchenzerstörende genannt wird.

Wenn man nun zur Rechtfertigung einer solchen Praxis, wie den Missouriern Schuld gegeben wird, 1) die Theorie aufstellt: daß ein ungerechter Bann die Kirche falsch mache: so müssen wir diesen Satz verwerfen; sobald unter dem ungerechten Banne ein solcher verstanden wird, der bei vorhandener schriftgemäßer Kirchenzuchtordnung von einer Kirchenbehörde ordnungswidrig vollzogen wird. Soll dagegen unter dem ungerechten Banne eine in der Kirche eingeführte unevangelische Kirchenzuchtordnung gemeint sein: dann könnte die Kirche um deswillen allerdings in gewissem Maaße — insoweit nämlich die unevangelische Zuchtordnung auf falscher Lehre beruhte — eine unlautere und falsche genannt werden, wenn gleich der Irrthum als kein fundamentaler gelten dürfte. Wenn es

2) als missourischer zur Rechtfertigung der dortigen Praxis aufgestellter Grundsatz angegeben wird: daß, so lange der Lehrstreit zwischen beiden Synoden daure, die Missourier ein Recht gehabt hätten, Oppositionsprediger in die Buffalo-Gemeinden zu senden und dieselben dort zu behalten bis zur Einigung in der Lehre: so folgt bereits aus dem Obigen, daß wir prinzipiell ein solches Verfahren, namentlich bei zugestandener Bekenntniß-Einheit beider Synoden, wonach der Lehrstreit nur untergeordnete Puncte betreffen kann, nicht zu rechtfertigen wissen.

Denn der Lehrstreit allein giebt noch keinem Theile ein Recht, den andern Theil der falschen Lehre überführt zu halten, geschweige ihm die kirchlichen Rechte abzusprechen, und zur Austragung eines solchen Streits müssen noch ganz andere Mittel in Anwendung gebracht werden, als bisher versucht worden sind.

Da jedoch hiermit, wie schon oben erklärt wurde, noch keinesweges über alle einzelne Fälle, welche das Gepräge von Amtseingriffen an sich tragen, abgeurtheilt sein kann, und sich hiermit abermals erweist, wie der Weg eines einseitig erlangten Gutachtens in unserer Stellung der hochw. Synode schwerlich viel weiter helfen wird, so nehmen wir hiervon Veranlassung, denjenigen Rath, welchen wir zur Beilegung des obschwebenden Streits für den fruchtbarsten erachten, der hochw. Synode in brüderlichem Wohlmeinen vorzulegen.

Wir sind nämlich nach dem Gesammteindrucke, den die gegenwärtige Stellung der beiden Synoden zu einander auf uns gemacht hat, dahin gelangt. der hochw. Synode von Buffalo rathen zu müssen: daß sie um der heiligen Sache Gottes und um der Liebe Christi willen auf ein Colloquium mit der Synode von Missouri eingehe, und zwar in der Weise, wie die letztere es beantragt hat, nämlich ohne darauf zu bestehen, daß die Oppositionsprediger vorher von den losgetrennten Gemeinden abberufen und die letzteren aus dem Verbande der Missouri-Gemeinden wieder entlassen und zur Buffalo-Synode zurückgewiesen werden.

Zwar enthält das Schreiben der Herren Abgeordneten

ad III. 2, ein aus der heil. Schrift geschöpftes Bedenken dagegen, indem gesagt wird, daß es nach Gottes Wort unzulässig sei, mit Excommunicirten zu colloquiren. Wir müssen jedoch hiegegen erklären, daß wir in denjenigen Bibelstellen, auf welche hier gewiesen wird, nämlich 2 Thess. 3, 14. 15. und Röm. 16, 17. 18., ein solches Verbot des Verkehrs mit Excommunicirten nicht finden können. Denn daß in der ersten Stelle die Worte: „Habt nichts mit ihm zu schaffen“, kein absolutes Verbot der Art ausdrücken sollen, finden wir deutlich angezeigt durch den Zusatz: „ermahnt ihn als einen Bruder“, wonach also dem Verkehr Behufs Belehrung, Bekehrung, Besserung freier Raum gelassen ist. — Hiermit kann die 2. Stelle nicht im Widerspruche stehen. — Außerdem wird hierbei mit Recht an 1 Petri 3, 15: „seid be-

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A Document concerning the Dispute between the Lutheran Synods of Buffalo and of Missouri in North America.

Pastors Grabau and von Rohr, delegated to Germany by the German Lutheran Synod of Buffalo in North America, had requested of our Supreme Church Council "an opinion and counsel concerning their relation to the Synod of Missouri." Our Supreme Church Council complied with this request and addressed the following letter to the said synod, which we can the less hesitate to give to the public, since in No. 11 of the ecclesiastical Informatorium edited by Pastor Grabau, of this year, p. 87, it is said that our Supreme Church Council was asked for a "public" opinion in the dispute in question. We hope, however, that this opinion will prove suited to bring together the divided opinions concerning the distressing dispute between the Synods of Buffalo and of Missouri, so far as this is possible without exact knowledge of the particular occurrences in this discord.

To the Reverend German Lutheran Synod of Buffalo N. Y., care of Pastor Grabau, Right Reverend Sir,

at

Buffalo N. Y.

in North America.

The Reverend German Lutheran Synod of Buffalo has, by a letter of its delegates, Pastors Grabau and von Rohr, dated Copenhagen, the 29th of October 1853, addressed to us the "request for an opinion and counsel concerning their relation to the Synod of Missouri." For the brotherly confidence thereby shown toward us we express to the Rev. Synod our hearty thanks, and give the assurance that it lies upon our heart, for the sake of the holy cause of the Lord, to answer to the confidence placed in us, to the best of our ability, by our faithful Christian counsel and conscientious opinion.

In setting forth our expressed opinions we keep to the several questions in point which have been laid before us in the letter of the Synodical delegates.

Under I. it is desired that we admonish the Synod of Missouri to desist from the public interference in the office of the Buffalo preachers, which they themselves admit.

In support of the reproach hereby uttered, reference is made to the writings: "Sag's der Kirche," to the Synodical Reports of the Missouri Synod, and to some passages of the ecclesiastical Informatorium.

We declare in reply: that we do not on principle consider it right when one receives without further ado persons excluded from other church bodies, especially those of kindred faith, and lends a hand to their being withdrawn from their lawful church court.

Yet this principle suffers in application many exceptions, which have their ground, on the one hand, in the possibility of a glaring and manifest abuse of church discipline, on the other hand, in the highest consideration in all church matters, namely to save souls for the LORD Christ, and in which the most complicated questions of fact may come into consideration. Whether, therefore, sin has actually been committed by the reception of excluded persons on the part of another church, can only be pronounced by way of a judgment after hearing both parties and upon the ground of proof adduced. Since now, with regard to the several cases cited in the writings named, in which complaint is brought concerning the practice of the Missouri Synod and concerning existing factions and faction-preachers, the necessary special knowledge of the facts is lacking to us, we must refrain from pronouncing a judgment upon individual cases, and see ourselves accordingly unable to comply with the wish of the Rev. Buffalo Synod on this point and to admonish the Missouri Synod on account of this practice laid to its charge, since we would not be able to furnish the necessary proofs. When it is remarked that the Missourians themselves admit those interferences in office, this can fairly be understood only to mean that they concede having received persons excluded by the Buffaloans and having provided them with preachers, but not that they themselves have judged and acknowledged this their doing to be an interference in another's office.

Under II. a Christian opinion is desired of us "concerning the doctrines and theories set up by the Missourians for the justification of their practice — which is designated as destructive of the church."

We remark hereupon in general that, in our judgment also, such a practice, which denies the above principle with regard to the treatment of persons excluded from other churches, and without strict proof of a well-founded exception proceeds regardlessly on this point, is rightly called destructive of the church.

When, now, for the justification of such a practice as is laid to the charge of the Missourians, 1) the theory is set up: that an unjust ban makes the church false: we must reject this proposition, if by the unjust ban is understood one which, where a scriptural order of church discipline exists, is carried out contrary to order by a church authority. If, however, by the unjust ban is meant an unevangelical order of church discipline introduced in the church: then the church might on that account indeed be called, to a certain degree — namely so far as the unevangelical order of discipline rested on false doctrine — an impure and false one, even though the error might not be held to be a fundamental one. If it

2) is given as a Missourian principle, set up for the justification of the practice there: that, so long as the doctrinal controversy between the two synods lasts, the Missourians had a right to send opposition preachers into the Buffalo congregations and to keep them there until agreement in doctrine: then it follows already from the above that we cannot on principle justify such a procedure, especially where unity of confession of both synods is conceded, according to which the doctrinal controversy can concern only subordinate points.

For the doctrinal controversy alone gives to neither party a right to hold the other party convicted of false doctrine, much less to deny to it the rights of the church; and for the settlement of such a dispute quite other means must be applied than have hitherto been tried.

Since, however, as already explained above, no judgment can thereby be passed upon all the individual cases which bear the stamp of interferences in office, and since it is hereby again shown how the way of an opinion obtained from one side only, in our position, will hardly help the Rev. Synod much farther, we therefore take occasion to lay before the Rev. Synod, in brotherly good will, that counsel which we consider the most fruitful for the settlement of the pending dispute.

We have, namely, according to the total impression which the present position of the two synods toward one another has made upon us, come to the point of having to advise the Rev. Synod of Buffalo: that for the sake of the holy cause of God and of the love of Christ it enter upon a colloquy with the Synod of Missouri, and indeed in the manner in which the latter has proposed it, namely without insisting that the opposition preachers first be recalled from the separated congregations, and that the latter be again released from the union of the Missouri congregations and referred back to the Buffalo Synod.

It is true that the letter of the delegates contains

under III. 2, a scruple drawn from Holy Scripture against this, in that it is said that according to God's Word it is inadmissible to hold a colloquy with excommunicated persons. We must however declare in reply, that in those passages of the Bible to which reference is here made, namely 2 Thess. 3, 14. 15. and Rom. 16, 17. 18., we cannot find such a prohibition of intercourse with excommunicated persons. For that in the first passage the words: "Have no company with him," are not meant to express an absolute prohibition of that kind, we find plainly indicated by the addition: "admonish him as a brother," according to which, therefore, free room is left for intercourse for the purpose of instruction, conversion, and amendment. — With this the second passage cannot be in contradiction. — Besides, there is rightly recalled in this connection 1 Peter 3, 15: "be ready