Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 7 › Seite 54
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-11-21, Seite 54
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reit zur Verantwortung Jedermann“ erinnert, in welcher Stelle wir keinen Grund sehen, das „Jedermann“ in beschränkterem Sinne zu fassen und etwa nur auf obrigkeitliche und andere vorgesetzte Personen zu beziehen. Auch müssen wir noch bemerken, daß, falls auch ein Schrift-Verbot gegen den Verkehr mit Ausgeschlossenen, selbst innerhalb der hier angedeuteten Grenzen, nachgewiesen werden könnte, wir es doch nicht gerechtfertiget erachten möchten, ein solches Verbot auf die ganze Synode deshalb überzutragen, weil dieselbe, ihren Grundsätzen consequent, die Excommunicirten aufgenommen hat.
Während wir hiernach für die Brüder der Buffalo-Synode kein Gewissenshinderniß erblicken, mit den Missouriern zu colloquiren, noch ehe diese von ihrer bisherigen Praxis abgelassen haben, so müssen wir allerdings zugestehen, daß für die Missourier ein derartiges Hinderniß wirklich besteht. Denn die Missourier sagen: ihre Praxis sei nur eine Consequenz ihrer Ueberzeugungen, und die Brüder der Buffalo-Synode bestätigen dies, indem sie die ihnen anstößige Handlungsweise der Missourier als eine Frucht ihrer irrthümlichen Theorieen darstellen. Ist dem nun so: dann kann man das Verlangen der Missourier nicht ungerecht finden, daß ihnen zuvor auf dem Wege eines Colloquiums das Irrthümliche ihrer Grundsätze nachgewiesen werde, bevor man ihnen zumuthe, von ihrer bisherigen Praxis abzustehen.
Außerdem machen wir darauf aufmerksam, daß, wenn auch die Missourier den Brüdern der Buffalo-Synode zu Willen sein und vor Veranstaltung eines Colloquiums die Oppositionsprediger zurückrufen, und die von der Buffalo-Synode losgetrennten Glieder in ihren früheren Verband zurückweisen wollten, sie dies doch gar nicht würden ausführen können. Denn die Prediger würden nicht Folge leisten, bevor es gelungen wäre, sie zuüberzeugen, daß sie sich mit Unrecht in ihrer gegenwärtigen Stellung befänden und die von ihnen bedienten losgetrennten Gemeinden würden auf eine Forderung der Missouri-Synode, ihre Prediger zu entlassen und zur Buffalo-Synode zurückzukehren, nicht achten, schon kraft der selbstständigen, fast independentistischen Stellung, in welcher sie sich nach dortiger Verfassung, der Synode gegenüber, befinden, sodann aber auch jedenfalls deßhalb, weil sie, gleich ihren Predigern, zuvor den Beweis fordern würden, daß ihre derartige Stellung eine unrechtmäßige sei.
Alles dies weist auf die Nothwendigkeit eines vorangehenden Colloquiums hin — Auch dürfte nicht zu übersehen sein, welch ein großer Schade den Seelen dadurch zugefügt werden würde, wenn diese Gemeinden plötzlich ihrer Prediger beraubt und aufgelöst würden, ohne doch in den Verband mit ihren früheren, der Buffalo-Synode angehörigen Predigern zurückzukehren, wozu man sie nicht zwingen könnte.
Es ist bei dem ganzen traurigen Conflicte nicht zu vergessen, daß unsere Kirche in solchen Streitfällen keine äußere Auctorität besitzt, der sich alle fügen müßten, sondern daß sie nur durch Gottes Wort und die Demüthigung unter dasselbe geschlichtet werden können. Die Anwendung bloß äußerlicher Mittel, wohin wir auch das Aufstellen abstracter Sätze rechnen, in Fällen, die überwiegend eine concrete Seite haben, kann hier nur mehr entfremden, weil damit der menschlichen Rechthaberei Vorschub geleistet wird. Alles dagegen, was dem Geiste Gottes Raum gibt Irrthum und Sünde zu strafen, sei es im eigenen oder in des Bruders Herzen, hilft wesentlich zum Frieden in der Wahrheit und dahin rechnen wir nach den Vorbildern der apostolischen und der reformatorischen Zeit hauptsächlich die Colloquien, sofern man dazu nur in wahrhaft demüthigem, Gottes Ehre und das Heil der Brüder suchenden, die eigene Ehre verdammenden Sinne sich anschickt.
Dieses vorausgesetzt, läßt sich nun auch im vorliegenden Falle von einer persönlichen Zusammenkunft Behufs einer Besprechung theils über die bestehenden theoretischen Differenzen, theils über die eingetretenen Conflikte in der Praxis der gesegnetste Erfolg erwarten.
Die beiderseits Statt gefundenen schriftlichen, der Öffentlichkeit übergebenen Auslassungen über die bestehenden Differenzen haben bisher mehr dazu gedient, die Gemüther in eine immer schroffere Opposition gegen einander zu bringen. Es sind, wie aus dem „Lutheraner“ und dem „Kirchlichen Informatorium“ zu ersehen ist, auf beiden Seiten Folgerungen gezogen worden, welche gegenseitig perhorrescirt, mitunter sogar als Verläumdung angesehen wurden, während dennoch beide Theile ihren übereinstimmenden Bekenntnißstand nicht in Abrede stellen.
Werden sie — die Hauptrepräsentanten von beiden Seiten — sich zu einem Colloquium zusammenbegeben: so läßt sich hoffen, der Geist des Herrn, der doch auf beiden Seiten unläugbar vorhanden ist, werde zunächst den Erfolg schaffen, daß sie einander als Brüder, welche Einem Herrn nach einer Glaubensregel dienen wollen, erkennen und die eingeschlichenen Versündigungen, die Bitterkeit und Rechthaberei zu Gottes Ehre und zu ihrem eigenen Heile bußfertig bekennen. Haben sie aber so dem heil. Geiste, der ein Geist der Demuth und Liebe ist, Raum gegeben und damit das Mißtrauen und die Bitterkeit aus ihrem Herzen wegschmelzen lassen, so werden sie auch dem Geiste der Wahrheit zugänglich und dafür empfänglich werden, auf dem Wege des Meinungs-Austausches und der Beweisführung aus Gottes Wort von einander zu lernen und es wird, nachdem sie sich auf diesem Wege in Theorieen und Grundsätzen einander genähert haben, auch leichter sein, sich rücksichtlich der Praxis zu verständigen; das Fehlerhafte wird auf beiden Seiten eher anerkannt werden. So würde denn auch der Streitpunkt, welcher die Rückkehr der Losgetrennten und die Abberufung ihrer Prediger betrifft, friedlich beigelegt werden können.
Anstatt nun noch auf die übrigen Fragen speciell einzugehen, welche das Schreiben der Herren Synodalbevollmächtigten enthält, und welche sämmtlich schon in unseren vorstehenden Äußerungen mittelbare Erledigung finden, fügen wir unserem Rathe noch den Vorschlag bei: daß zu dem Colloquium Männer aus der lutherischen Kirche Deutschlands als Zeugen, Berather und Moderatoren gesucht werden möchten; indem wir der Ueberzeugung sind, daß dadurch einem friedlichen und geordneten Verlauf der Verhandlungen wesentliche Dienste geleistet werden könnten. Die Brüder der Buffalo-Synode würden zu diesem Ende sich mit den Missouriern in Verbindung setzen und ein Uebereinkommen mit ihnen in Betreff der Wahl der Personen herbeizuführen suchen müssen.
Hiermit wird auch der Antrag ad V., die Sendung von Schiedsrichtern betreffend, im Wesentlichen beantwortet sein.
Noch bleibt uns übrig, über die am Schlusse des Schreibens an uns gerichtete Frage: „ob der christbrüderlichen geistlichen Vereinigung beider Synoden, der Breslauer und Buffaloer, noch etwas im Wege stehe?“ uns auszusprechen. Wir können hierauf antworten: daß wir eine hinreichende Bürgschaft einer zwischen der Buffalo-Synode und unserer diesseitigen Kirche bestehenden Einigkeit im Geiste darin erkennen, daß wir die Brüder der Buffalo-Synode auf einerlei Glaubens- und Bekenntnißgrunde mit uns stehen sehen. Und weil der gleiche Bekenntnißstand auch bei den Gliedern der Missouri-Synode sich findet: so freuen wir uns, auch diese als unsere Brüder in Christo anzuerkennen. Bei diesem Vorhandensein der Haupterfordernisse zur kirchlichen Gemeinschaft und Eintracht dürfen wir indeß eine noch bestehende Verschiedenheit nicht übersehen, welche uns für eine gedeihliche Fortentwickelung des kirchlichen Lebens nicht unerheblich erscheint. Sie betrifft im Ganzen eben dieselben Fragen, über welche die Buffalo- und die Missouri-Synode getheilt sind. Ein vergleichender Blick in unsere Synodalbeschlüsse zeigt, daß, wenn wir gleich einen Theil jener Fragen keinesweges ebenso, wie die Missourier beantworten, wir doch auch in so manchen Punkten, die Verfassung und Disciplin anlangend, worin sich die bei uns vorwaltenden Grundsätze über Kirche und Amt ausprägen, von der Buffalo-Synode abweichen.
Doch, wie wir die Hoffnung hegen, es werden sich die beiden Schwester-Synoden in Amerika auf Grund ihres gemeinsamen Bekenntnisses auch noch in denjenigen Punkten mehr vergleichen und zusammenwachsen, welche zur Darstellung des kirchlichen Lebens gehören; so geben wir uns der Hoffnung hin, es werde, was auch zwischen uns und den Synoden von Buffalo und Missouri zur Zeit noch Trennendes liegt, kraft der unter uns schon vorhandenen wesentlichen Einigkeit im Bekenntnisse, immer mehr schwinden und überwunden werden. Und ob auch einige Differenzen stets übrig blieben, so werden dieselben, wie wir überzeugt sind, — wofern nur jene Einheit im Bekenntnisse stehen bleibt — uns niemals hindern, die zwischen uns und den Brüdern in Amerika obwaltende geistliche Gemeinschaft vor aller Welt mit Freuden zu bekennen und dafür Gott zu preisen.
English translation AI translation
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to give an answer to every man," in which passage we see no ground for taking the "every man" in a narrower sense and referring it perhaps only to persons of authority and other superiors. We must also remark that, even if a scriptural prohibition against intercourse with excluded persons, even within the limits here indicated, could be proved, we should yet not consider it justified to transfer such a prohibition to the whole synod on that account, because the same, consistently with its principles, has received the excommunicated.
While we therefore see for the brethren of the Buffalo Synod no hindrance of conscience to holding a colloquy with the Missourians even before these have desisted from their former practice, we must nevertheless concede that for the Missourians such a hindrance really exists. For the Missourians say: their practice is only a consequence of their convictions, and the brethren of the Buffalo Synod confirm this, in that they represent the manner of acting of the Missourians, which gives them offense, as a fruit of their erroneous theories. If this is so, then one cannot find the demand of the Missourians unjust, that the erroneousness of their principles be first demonstrated to them by way of a colloquy, before one requires them to desist from their former practice.
Furthermore we call attention to this: that even if the Missourians were willing to oblige the brethren of the Buffalo Synod and, before the holding of a colloquy, to recall the opposition preachers and to refer back to their former connection the members separated from the Buffalo Synod, they would yet not be able to carry this out at all. For the preachers would not obey, before it had been possible to convince them that they are wrongly in their present position; and the separated congregations served by them would not heed a demand of the Missouri Synod to dismiss their preachers and return to the Buffalo Synod, already by virtue of the independent, almost independentistic position in which they stand toward the synod according to their constitution there, and then also in any case because they, like their preachers, would first demand proof that their present position is an unlawful one.
All this points to the necessity of a preceding colloquy — Neither should it be overlooked what great harm would be done to souls thereby, if these congregations were suddenly robbed of their preachers and dissolved, without yet returning into connection with their former preachers belonging to the Buffalo Synod, to which one could not compel them.
In the whole sad conflict it is not to be forgotten that our church in such disputes possesses no external authority to which all must submit, but that they can be settled only by God's Word and humble submission under it. The application of merely external means, among which we also reckon the setting up of abstract propositions, in cases which have predominantly a concrete side, can here only estrange the more, because thereby human self-righteousness is given furtherance. Everything, on the contrary, that gives room to the Spirit of God to rebuke error and sin, be it in one's own or in the brother's heart, helps essentially to peace in the truth; and to this we reckon, after the examples of the apostolic and the Reformation age, chiefly the colloquies, provided one prepares for them in a truly humble mind, seeking God's honor and the welfare of the brethren, condemning one's own honor.
This presupposed, there may also in the present case be expected the most blessed result from a personal meeting for the purpose of a conference, partly on the existing theoretical differences, partly on the conflicts that have arisen in practice.
The written statements made on both sides and given to the public concerning the existing differences have hitherto served rather to bring minds into an ever sharper opposition against one another. There have been drawn, as may be seen from the "Lutheraner" and the "Kirchliches Informatorium," on both sides inferences which are mutually abhorred, sometimes even regarded as slander, while nevertheless both parties do not deny their agreeing standing in confession.
If they — the chief representatives from both sides — betake themselves together to a colloquy: then it may be hoped that the Spirit of the Lord, who is undeniably present on both sides, will first of all bring about the result that they recognize one another as brethren who desire to serve One Lord according to one rule of faith, and penitently confess the sins that have crept in, the bitterness and self-righteousness, to God's honor and to their own salvation. But if they have thus given room to the Holy Spirit, who is a Spirit of humility and love, and thereby let distrust and bitterness melt away from their hearts, then they will also become accessible and receptive to the Spirit of truth, to learn from one another by the way of exchange of opinions and of proof from God's Word; and after they have in this way drawn nearer to one another in theories and principles, it will also be easier to come to an understanding concerning practice; what is faulty will sooner be acknowledged on both sides. So the point of contention also, which concerns the return of the separated and the recall of their preachers, could be peaceably settled.
Instead of now going further into the remaining questions specially, which the letter of the Synodical plenipotentiaries contains, and which all find indirect settlement already in our foregoing utterances, we add to our counsel the further proposal: that for the colloquy men from the Lutheran Church of Germany be sought as witnesses, advisers and moderators; since we are of the conviction that thereby essential services could be rendered to a peaceable and orderly course of the proceedings. The brethren of the Buffalo Synod would to this end have to put themselves in communication with the Missourians and seek to bring about an agreement with them concerning the choice of the persons.
Herewith the motion under V., concerning the sending of arbitrators, is also essentially answered.
It still remains for us to express ourselves upon the question put to us at the close of the letter: "whether anything still stands in the way of the Christian brotherly spiritual union of both synods, the Breslau and the Buffaloan?" We can reply to this: that we recognize a sufficient guarantee of a unity in spirit existing between the Buffalo Synod and our church on this side, in this, that we see the brethren of the Buffalo Synod standing with us on one and the same ground of faith and confession. And because the same standing in confession is found also among the members of the Missouri Synod, we rejoice also to acknowledge these as our brethren in Christ. In this presence of the chief requisites for church fellowship and concord, we must nevertheless not overlook a difference still existing, which appears to us not inconsiderable for a wholesome further development of church life. It concerns on the whole just the same questions concerning which the Buffalo and the Missouri Synods are divided. A comparative look into our Synodical resolutions shows that, although we by no means answer a part of those questions in the same way as the Missourians, we yet also differ from the Buffalo Synod in many points, touching constitution and discipline, in which the principles prevailing among us concerning Church and Ministry find expression.
Yet, as we cherish the hope that the two sister synods in America will, on the ground of their common confession, also come to resemble and grow together more in those points which belong to the presentation of church life; so we give ourselves to the hope that whatever of a separating nature still lies between us and the Synods of Buffalo and Missouri at present will, by virtue of the essential unity in confession already existing among us, ever more vanish and be overcome. And even if some differences should always remain, they will, as we are persuaded, — provided only that unity in confession remains standing — never hinder us from confessing, with joy, before all the world, the spiritual fellowship existing between us and the brethren in America, and from praising God for it.