Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 7 › Seite 50

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-11-21, Seite 50

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wichtigere Gegengründe als unhaltbar darzuthun, mithin die Gerechtigkeit des früheren Urtheils zu bestätigen und den Schuldigen zu gründlicher Buße und wo möglich auch zu menschlicher Gutmachung seines Unrechts zu ermahnen.

Gleichmäßig aber erforderte es auch die christliche Liebe, dem Gesuch des Herrn P. Albach zu willfahren; denn da er sich, gerade durch diese Bitte um Erneuerung der Untersuchung seiner Sache an Ort und Stelle, von Neuem heranließ und sich nicht feindselig abwandte, so erforderte es durchaus die christliche Liebe, die Alles hofft, entgegenzukommen. Zudem ist Herr P. Albach vor jenem betrübten Handel, darin er schwerlich mit bösem Willen, sondern aus Unklarheit der Erkenntniß, ja theilweise aus irrendem Gewissen gefehlt hat, niemals ein händelsüchtiger Zänker, sondern ein moralisch durchaus ehrenhafter Mann von unbeflecktem Wandel gewesen und wir, die wir hier in einem jahrenlangen Umgange mit ihm gestanden, haben ihn nie anders als einen durchaus aufrichtigen, treuen, selbstverleugnenden Christen und Diener der Kirche erfunden; und schwerlich vermögen seine englische Herrn Amts- und Synodalbrüder vor jenem traurigen Handel etwas anders auf ihn zu bringen, als daß diesen und jenen, die bisher auf gut unionistisch in ihren Gemeinden, sonderlich in der Zulassung zum heiligen Abendmahl und in der Austheilung desselben amtirten, seine bekenntnißtreue lutherische Praxis unbequem und widrig war.

Endlich beweist der Bittsteller die Aufrichtigkeit seiner Gesinnung in dem Schlusse seines Gesuches, der wörtlich also lautet:

„Schließlich erlaubt sich der Unterzeichnete die Bemerkung, daß er freilich Niemand Ursache zu Aergerniß zu geben wünscht, sich auch gerne und willig strafen lassen will, wenn er überwiesen wird, mehr im Unrecht zu sein, als er er- und vor der Synode selbst bekannt hat. Und wenn etwa sein der englischen Distrikts-Synode angezeigter Austritt einer Untersuchung hinderlich sein sollte, so wollte er denselben hiemit zurückgenommen haben, um solches Hinderniß aus dem Wege zu räumen. Was endlich die englische Distrikts-Synode anbelangt, so kann der Unterzeichnete auch hier nicht anders, als es bei derselben im vorigen Spätjahr zugesandter Protestation bewenden zu lassen; daß die Fassung besagter Protestation in einiger Beziehung eine mildere hätte sein mögen, will er dabei nicht in Abrede stellen.“

Angesichts dieses Schlusses nun frage ich jeden unpartheiischen und urtheilsfähigen Leser: wie konnte das Ministerium der allgemeinen Synode von Ohio also gegen die Gerechtigkeit und die Liebe zugleich handeln, das Gesuch des Herrn P. Albach „für immer auf den Tisch zu legen,“ d. i. darin zu erklären, daß sie mit ihm und seiner Sache durchaus nichts mehr wolle zu schaffen haben? Denn angenommen, es wäre mit der Erklärung seines übereilten früheren Austritts aus der englischen Distrikts-Synode und seiner jetzigen Zurücknahme dieses Schritts, der Form nach, nicht zufrieden gestellt oder es verlangte eine förmliche Zurücknahme der in jener Protestation gegen das Verfahren der Distrikts-Synode, möglicher Weise, verletzenden Ausdrücke, so mußte das Ministerium der allgemeinen Synode ihm doch dies sein Begehren kundthun, darnach aber die Untersuchung bewilligen, wenn er es erfüllt hätte.

Was bleibt nun P. Albach Anderes übrig, als von solcher ungerechten Verweigerung des Rechtes und von dieser unchristlichen Abstoßung, darin er stillschweigend als ein moralisch unverbesserlicher Mensch bezeichnet ist, durch eine öffentliche Schrift an das Urtheil der lutherischen Kirche zu appelliren, um wenigstens, in moralischer Hinsicht, vor der Welt seine Ehre zu retten, in Hinsicht aber auf die Gesinnung und Handlungsweise des Ministeriums gegen ihn, von diesem an Gott zu appelliren, der, als der gerechte Richter, zu seiner Zeit auch diese Ungerechtigkeit richten und den Rath des Herzens offenbaren wird. — *)

3., Da von Gliedern der Synode ein Gutachten derselben über geheime Gesellschaften begehrt wurde, so erfolgte dieser Beschluß:

„Beschlossen, daß diese Synode alle Gesellschaften außerhalb der Kirche, und besonders die geheimen, sobald sie sich die Zwecke zum Ziel setzen, welche die christliche Kirche nach dem Worte Jesu hat, und haben muß, für unkirchlich hält, indem sie nicht nur durch die Kirche gänzlich unnöthig werden, sondern auch geeignet sind, Gleichgültigkeit gegen das Reich Jesu, ja oft völlige Entfremdung vom Christenthum, wie auch den Unglauben zu fördern.“

Sodann aber läßt die Synode, die doch ein berathender Körper sein soll und will, die rathbedürftigen Pastoren und Gemeinden, auf deren Anfrage, wie mit Gemeindegliedern zu verfahren sei, die zugleich Glieder geheimer Gesellschaften seien, hergebrachter Maßen rathlos und in der Schwebe; denn sie gibt ihnen nur den unbestimmten Rath, „nach ihrer eigenen Gewissens-Ueberzeugung und dem Worte Gottes gemäß zu handeln,“ so daß die Fragenden eigentlich so klug sind, als zuvor; denn darüber wollten sie ja wohl sicherlich von der Synode Belehrung und Unterricht, auf welche Weise man, nach Gottes Wort, der eigenen und jener Gemeindeglieder Gewissen wahrnehmen und letztere gründlich berichten solle, die eben zugleich Glieder geheimer Gesellschaften sind, um sie zur rechten Erkenntniß ihres Unrechts zu bringen und wo möglich zum Austritt aus diesen Gesellschaften zu bewegen und ob und wann Kirchenzucht gegen sie anzuwenden sei? Auf diesen letzten Theil der Anfrage gibt nun die Synode scheinbar eine bestimmtere Antwort, die aber, näher besehen, auch nichts Befriedigendes enthält; denn sie sagt „sie sei der Meinung, daß nicht in allen Fällen das gleiche Verfahren anzuwenden und dann Kirchenzucht darin auszuüben wäre, wenn sich oberwähnte Folgen zeigen.“ Denn sicherlich ist allen Fällen das gleiche Verfahren anzuwenden, die betreffenden Gemeindeglieder aus und nach Gottes Wort (wofür aber die Synode, aus Armuth der Mittel und langwierigem Siechthum den Rath und die Handleitung schuldig geblieben ist) gründlich zu unterrichten, daß und wie die beharrliche Theilnahme und Mitgliedschaft an geheimen Gesellschaften mit dem christlichen Glauben und dem guten Gewissen zu Gott und seiner Kirche durchaus unverträglich sei und im schärfsten Widerspruch sich befinde; sodann aber muß sicherlich Kirchenzucht da angewendet werden, wo die Erkenntniß von der Schriftwidrigkeit u. Verwerflichkeit jener Mitgliedschaft im Verstande und Gewissen der Unterrichteten bereits gewirkt ist und doch der Wille dieser besseren Erkenntniß beharrlich nicht folgt. Die Synode aber gibt den unbestimmten weiten und geräumigen Rath, „die Kirchenzucht sei dann anzuwenden, wenn sich oberwähnte Folgen“ (nämlich „Gleichgültigkeit gegen das Reich Jesu, ja oft völlige Entfremdung vom Christenthum und Unglaube“) zeigen.“ Da müßte sie aber häufig, wunderlicher Weise, schon vor jenem gründlichen Unterricht und der daraus erzeugten besseren Erkenntniß eintreten, da sicherlich, einzelne Fälle der Unwissenheit bei sonst aufrichtigem Herzen ausgenommen, die Meisten aus „Gleichgültigkeit gegen das Reich Jesu und im Unglauben“ Glieder geheimer Gesellschaften werden und sind. Fürwahr. wer aus solchem Rath den rechten Zeitpunkt ersähe, die Kirchenzucht eintreten zu lassen, der wäre klüger als seine Rathgeber.

Endlich erfolgte nun noch dieser merkwürdige Beschluß:

„Beschlossen, daß wir, als Synodalkörper, nur dann, wenn oben erwähnte Folgen sich zeigen, uns zur Ausübung der Kirchendisciplin aufgefordert fühlen, in Zukunft jedoch Niemand in unsern Verband aufnehmen werden, der zu den obenerwähnten Gesellschaften gehört.“

Hier möchte man nun mit dem römischen Dichter ausrufen: difficile est, satyram non scribere d. i. es ist schwer, keine Satyre zu schreiben; denn dieser Beschluß, popular übersetzt und umschrieben, lautet also:

Begehrt ein lutherischer Pastor Aufnahme in unsern Synodalverband, der Glied einer geheimen Gesellschaft ist, so verweigern wir ihm

*) Es gereicht uns zu großer Freude, aus der neuesten Nummer des „Lutheran Standard“ zu ersehen, daß die Ohio-Synode nördlichen Distrikts (unter dem gegenwärtigen Präsidenten Pastor H. Lang, Ehrw.) in einer der im vorigen Monat zu New Washington, Crawford Co., O., gehaltenen Sitzungen die Barmherzigkeit gethan hat, zu welcher Salomo in seinen Sprüchen Cap. 31, 8. ermahnt, wofür sie der HErr segnen wolle. So heißt es nehmlich in den von dieser Synode a. a. O. publicirten Verhandlungen: „Indem einige Unzufriedenheit geäußert wurde sowohl in Betreff des bei der Ausschließung Bruder Albach's aus dem Ministerium beobachteten Verfahrens, als auch in Betreff der Beachtung, welche dessen an die letzte Allgemeine Synode eingereichte Appellation gefunden hatte: darum sei es Beschlossen: Daß wir hier mit unsere Delegaten anweisen, eine vollständige Wiederuntersuchung der Sache Bruder Albach's zu beantragen.“ — Dieselbe Synode spricht zugleich ihren „herzlichen Dank“ aus für eine Warnung, welche ihr von Dr. Sihler in Betreff eines Candidaten zugegangen war, welcher sich hatte verleiten lassen, in Huntington einen ungültigen Beruf anzunehmen. D. R. d. L.

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weightier counter-reasons to be untenable, and thereby to confirm the justice of the former judgment and to admonish the guilty party to thorough repentance and, where possible, also to human restitution of his wrong.

Equally, however, Christian love also required that Mr. P. Albach's petition be granted; for since he, precisely through this request for a renewal of the investigation of his case on the spot, came forward anew and did not turn away in hostility, Christian love, which hopes all things, required absolutely that one meet him halfway. Moreover, before that unhappy quarrel, in which he erred hardly with an evil will, but out of unclearness of knowledge, indeed partly out of an erring conscience, Mr. P. Albach was never a quarrelsome wrangler, but a morally thoroughly honorable man of unspotted conduct, and we who stood here with him in years of intercourse have never found him otherwise than a thoroughly upright, faithful, self-denying Christian and servant of the Church; and hardly can his English brethren in office and synod before that sad quarrel bring anything else against him than that to this one and that, who hitherto in a good unionistic fashion served in their congregations, especially in the admission to the Holy Supper and in the distribution of the same, his Confession-faithful Lutheran practice was inconvenient and distasteful.

Finally, the petitioner proves the sincerity of his disposition in the conclusion of his petition, which reads literally thus:

"Finally the undersigned permits himself the remark that he indeed does not wish to give anyone cause for offense, and also will gladly and willingly let himself be rebuked, if he is shown to be more in the wrong than he has acknowledged and confessed before the Synod itself. And if perchance his resignation, announced to the English District Synod, should be a hindrance to an investigation, he would herewith have the same withdrawn, in order to remove such a hindrance out of the way. As to what concerns the English District Synod, the undersigned cannot here also do otherwise than let it stand with the protest sent to it last autumn; that the wording of the said protest might in some respect have been a milder one, he does not wish to deny."

In view of this conclusion I now ask every impartial and discerning reader: how could the Ministerium of the General Synod of Ohio act thus against justice and love together, "to lay the petition of Mr. P. Albach on the table forever," that is, to declare therein that it wished to have nothing more to do with him and his cause? For granted that it were not satisfied, as to the form, with the declaration of his hasty former withdrawal from the English District Synod and his present retraction of this step, or that it required a formal retraction of the expressions in that protest against the proceeding of the District Synod which were possibly offensive, the Ministerium of the General Synod must nevertheless have made this its desire known to him, and then granted the investigation if he had fulfilled it.

What remains, then, for P. Albach but, from such unjust denial of right and from this unchristian repulse, in which he is tacitly designated as a morally incorrigible person, to appeal by a public writing to the judgment of the Lutheran Church, in order at least, in moral respects, to save his honor before the world, but with regard to the disposition and conduct of the Ministerium toward him, to appeal from it to God, who, as the righteous Judge, will in His time also judge this injustice and make manifest the counsel of the heart. — *)

3. Since a judgment of the Synod on secret societies was desired by members of the Synod, the following resolution was passed:

"Resolved, that this Synod holds all societies outside of the Church, and especially the secret ones, as soon as they set before themselves as their aim the purposes which the Christian Church has and must have according to the word of Jesus, to be unchurchly, inasmuch as they not only become wholly unnecessary through the Church, but are also fitted to promote indifference toward the kingdom of Jesus, yes, often complete estrangement from Christianity, as well as unbelief."

Thereupon, however, the Synod, which is supposed to be, and wants to be, an advisory body, leaves the pastors and congregations in need of counsel, upon whose inquiry how to proceed with members of the congregation who are at the same time members of secret societies, as of old without counsel and in suspense; for it gives them only the indefinite counsel "to act according to their own conscientious conviction and in conformity with the Word of God," so that the inquirers are in fact as wise as before; for about that they surely wished to have instruction and teaching from the Synod, in what manner one, according to God's Word, should heed the conscience of one's own members and of those others, and thoroughly instruct the latter, who are at the same time members of secret societies, in order to bring them to the right knowledge of their wrong and where possible to move them to withdraw from these societies, and whether and when church discipline is to be applied against them? To this last part of the inquiry the Synod now gives an apparently more definite answer, which, however, on closer inspection also contains nothing satisfactory; for it says "it is of the opinion that the same procedure is not to be applied in all cases, and that church discipline would then be exercised therein when the above-mentioned consequences show themselves." For surely in all cases the same procedure is to be applied, to instruct the members concerned thoroughly out of and according to God's Word (for which, however, the Synod, from poverty of means and long-lasting infirmity, has remained debtor of the counsel and guidance), that and how the persistent participation and membership in secret societies is wholly incompatible with the Christian faith and with a good conscience toward God and His Church and stands in the sharpest contradiction; and then surely church discipline must be applied where the knowledge of the unscripturalness and reprehensibility of that membership has already been wrought in the understanding and conscience of those instructed, and yet the will persistently does not follow this better knowledge. The Synod, however, gives the indefinite, wide and roomy counsel, "church discipline is to be applied then, when the above-mentioned consequences" (namely "indifference toward the kingdom of Jesus, yes, often complete estrangement from Christianity and unbelief") show themselves." In that case it would often, strangely enough, have to step in even before that thorough instruction and the better knowledge produced by it, since surely, individual cases of ignorance with an otherwise upright heart excepted, the most become, and are, members of secret societies out of "indifference toward the kingdom of Jesus and in unbelief." Verily: whoever should discern from such counsel the right moment for letting church discipline set in, would be wiser than his counsellors.

Finally there followed now this remarkable resolution:

"Resolved, that we, as a synodical body, only then, when the above-mentioned consequences show themselves, feel called upon to the exercise of church discipline, in future, however, will receive no one into our connection who belongs to the above-mentioned societies."

Here one would like to exclaim with the Roman poet: difficile est, satyram non scribere, that is, it is hard not to write a satire; for this resolution, popularly translated and paraphrased, reads thus:

If a Lutheran pastor who is a member of a secret society requests admission into our synodical connection, we refuse him

*) We are greatly pleased to learn from the latest number of the "Lutheran Standard" that the Ohio Synod of the Northern District (under the present President, Pastor H. Lang, Rev.), in one of the sessions held last month at New Washington, Crawford Co., O., has performed the act of mercy to which Solomon exhorts in his Proverbs, chap. 31, 8., for which the LORD will bless it. For thus it is said in the proceedings published by this Synod, loc. cit.: "Whereas some dissatisfaction was expressed both with regard to the procedure observed in the exclusion of Brother Albach from the Ministerium, and with regard to the attention which his appeal, submitted to the last General Synod, had found: therefore be it Resolved: That we herewith instruct our delegates to move a complete re-investigation of Brother Albach's case." — The same Synod at the same time expresses its "hearty thanks" for a warning which came to it from Dr. Sihler concerning a candidate who had let himself be misled into accepting an invalid call at Huntington. Ed. of the L.