Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 12 › Seite 91
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-01-30, Seite 91
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uns nach wie vor seine alten beliebten und gewohnten Vorurtheile von unsrer Lehre, als wirklich und wahrhaftig bestehend, unterschiebt; und dies fürwahr wäre noch die beste Auffassung seiner Darstellung von unsrer Lehre, da hier die Ungerechtigkeit mehr aus dem Wahn des Kopfes und nicht aus der Gesinnung des Herzens herflösse.
4. Herr Pfarrer Löhe berichtet nun ferner, „diese Lehre sei nicht nur den um Buffalo wohnenden preußischen Lutheranern, Pastor Grabau an ihrer Spitze, einseitig und vom Worte Gottes abweichend erschienen, sondern auch ihren reiferen Brüdern, Großmann und Deindörfer, welche in der Nähe manche schlimme Folgen jener Amtsführung für das Leben der lutherischen Gemeinden zu bemerken glaubten.“
Nun freilich, lehrten wir also, wie er uns, althergebrachter Weise, unterschiebt, ohne daß wir, trotz aller Mühe, im Stande gewesen, seine geschwärzte Brille, damit er uns anschaut, von ihrem Ruß zu befreien, so wären alle unsre Gegner in gutem Recht, unsere Lehre als einseitig, ja irrthümlich und der Glaubensregel göttlichen Wortes zuwiderlaufend zu erklären; aber dem ist nicht also, wie so eben summarisch nachgewiesen; und Niemand, der unser gedrucktes Zeugniß nur ohne Parthei-Interesse und Vorurtheil sorgfältig gelesen und bedacht hat, wird diesen Vorwurf auf uns bringen können, daß wir in ungebührlicher und ungeschickter Hervorhebung der einen Seite der Lehre (als z. B. von der Unsichtbarkeit der Kirche und dem allgemeinen Priesterthum aller Christen) die andere Seite (von der Erkennbarwerdung der Kirche und vom kirchlichen Lehramte) zu Gunsten schwärmerischer Irrlehre herunter gedrückt hätten; vielmehr sind wir deß gewiß und berufen uns auf das Urtheil jedes mit dem lutherischen Lehrbegriff vertrauten, unbefangenen und urtheilsfähigen Lesers, ob wir in unsern Thesen über Kirche und Amt sammt deren Begründung aus der heiligen Schrift und deren Bezeugung aus den symbolischen Büchern und den Privatschriften rechtgläubiger Lehrer nicht eben so sehr die papistischen und schwärmerischen Abirrungen gemieden und ausgeschieden, als beide Seiten der Lehre ebenmäßig zusammengefaßt haben.
Dagegen ist für denselben Leser eben so sehr offenbar und am Tage, daß z. B. die Herrn Pf. Löhe und Wucherer in ihren Büchlein den Standpunkt und die Handleitung der lutherischen Bekenntnißschriften verlassen und gleichsam Entdeckungsreisen und schriftauslegerische Kreuz- und Querzüge in den Ocean der heiligen Schrift hineingethan haben, ob es ihnen nicht gelingen möchte, Stellen zu finden, an denen ihre Lieblingsmeinungen eine Art Stütze und Unterlage hätten; und siehe! sie fanden sie, obgleich dieselben wider den Zusammenhang der evangelischen Lehre, und also von gar keiner Beweiskraft sind und dem auf diesem Zusammenhange ruhenden, fest in sich geschlossenen lutherischen Lehrbegriffe nicht das Geringste anzuhaben vermögen. Und da Herr Pf. Löhe die Ohnmacht seiner Korkküglein wider die starken Mauern der lutherischen Bekenntnißfeste wohl selber zu fühlen und doch keine Lust zu haben scheint, sich wieder in diese Feste zurückzuziehen, Pulver und Blei aber vor den Augen der Seinen nicht gerne möchte umsonst verschossen haben, so hat es ihm beliebt, seltsamer Weise, die von den kirchlichen Symbolen durchweg bezeugte kirchliche lutherische Lehre von Kirche und Amt hin und her in seinen „kirchlichen Mittheilungen“ seit einiger Zeit „die individuell-lutherische Ansicht“ d. i. die persönliche Privatmeinung Luthers, zu nennen, der nun zum guten Theil die kirchlichen Symbole aus einer übergroßen Pietät gegen Luthers Person und Zeugniß, und aus einer gewissen Beschränktheit gefolgt seien, da sie eben leider das Licht des 19. Jahrhunderts und dessen Vervollständiger der Reformation noch nicht gehabt hatten. Durch jenen Ausdruck aber und dessen öftere Wiederholung geschieht es nun ohne Zweifel bei den meisten Lesern, die zudem enthusiastische Anhänger und Bewunderer der Person des Herrn Pfarrer Löhe und um derer willen auch seiner Worte und Werke sind, daß sich allmählich die eigentlich individuell-Löhesche Ansicht oder noch eigentlicher die episcopalisirende Lehre von Kirche und Amt als die kirchlich-lutherische Lehre in ihrem Herzen und Verstande festsetzt.
5. Wundersam ist es ferner zu lesen, daß der damalige Seminar-Vorstand Herr Großmann in Saginaw City und Herr Pastor Deindörfer „reifere Brüder“ von Herrn Pfarrer Löhe genannt werden; und warum dieses? 1. weil auch ihnen unsere Lehre als „einseitig und vom Worte Gottes abweichend erscheint;“ und 2. „weil sie in der Nähe manche schlimme Folgen jener Amtslehre für das Leben der lutherischen Gemeinden zu bemerken glaubten.“
Wider diese gerühmte Reife aber sprechen sehr entschieden die hiesigen geschichtlichen Thatsachen und Zeugnisse, die schwerlich durch die Anschauung der Vergrößerungs- und Verschönerungsbrille des Herrn Pfarrer Löhe entkräftet werden können.
Herr Großmann nämlich, der die zweite Auflage der Löheschen Aphorismen zu seinem symbolischen Buch erwählt und auch deß kein Hehl hat, wurde von einem der Unsern herzlich und dringend eingeladen, doch unsrer Synodalversammlung zu Cleveland 1853 beizuwohnen und dort seine Einwürfe und Bedenken gegen unsere Lehre frei und offen vorzubringen. Hätte er nun wirklich jene von ihm ausgesagte „Reife“ der Erkenntniß gehabt oder wäre doch noch leidlich unbefangen und ungefangen vom Autoritätsglauben gegen Löhe's Person und Aphorismen gewesen, so wäre er sicherlich der Einladung gefolgt und hätte offen und freimüthig, wie früher Herr Pastor Schaller gethan, seine Bedenken und Einwürfe vorgebracht, sei es, daß sie von uns wären gehoben und beseitigt worden, und er mit uns in die erwünschte Lehreinheit getreten wäre, oder daß er, „als ein reiferer Bruder,“ im Stande gewesen wäre, uns aus den Löheschen Aphorismen der Einseitigkeit und des Irrthums zu überführen und darin zugleich den großartigen Nachweis zu liefern, daß dies sein symbol. Buch auf, das Bekenntniß der lutherischen Kirche aber neben der heiligen Schrift stehe. Herr Großmann aber entschuldigte sich mit der offenen Erklärung, er sei mit sich in Betreff jener Lehrpunkte noch nicht im Reinen, müsse in der Stille der Sache weiter nachdenken, fürchte in manchem bereits Gewonnenen wieder irre und wankend zu werden und dergleichen. Welch eine „Reife“ und Festigkeit der Erkenntniß aus dieser ausweichenden Antwort zu entnehmen sei, überlassen wir, ohne weitere Bemerkung, dem Urtheil des verständigen Lesers. So viel aber geht aus seiner Ablehnung unzweifelhaft hervor, 1. daß er in seinem Herzen und Gewissen der evangelischen Grundanschauungen, in jenen Lehrartikeln, als göttlicher Wahrheit, noch nicht fest und gewiß war; 2. daß er von einem irrenden Gewissen und einer falschen Pietät gegen die Person und Lehrmeinung des Herrn Pfarrer Löhe gefangen und gehalten war und deßhalb fürchtete, in möglicher Aufgebung der letzteren durch unsere Beweisführung die Pietät gegen die Person des Herrn Pfarrer Löhe zu verletzen; — Summa eine klägliche Unreife, eine höchst unlutherische Verwechselung und Vermischung des Persönlichen und Sachlichen geht unleugbar daraus hervor; denn sonst wäre er ja gern und willig und uneingeladen gekommen und hätte eben so offen männlich und brüderlich mit uns gehandelt, als wir mit ihm zu thun Willens waren; denn wodurch anders, als durch mündliche Aussprache, durch mündliche Rede und Gegenrede, durch ehrlichen Kampf, durch gegenseitigen Angriff und Vertheidigung in brüderlicher Liebe und in Aufrichtigkeit des Herzens konnte er der Sache gewiß werden, ob wir oder Herr Pfarrer Löhe und seine Freunde irren? Wie konnte er in seiner einsamen Studierstube in Saginaw einen Ersatz für unsere mündlichen näheren Erklärungen und Erläuterungen in Verantwortung unserer Lehre bekommen, die er auf der Synodalversammlung so leicht gehabt hätte?
Pastor Deindörfer dagegen kam schon 1852 in Fort Wayne zur Synode und wir können nicht anders urtheilen, da er zudem in gewisser Hinsicht uns zuerst wohl mit mißtrauischen Augen durch die Löhesche Brille anschaute, daß die göttliche Wahrheit in Verantwortung unsrer Lehre gegen Pastor Habel, seine Zweifel und Bedenken hinwegräumte und den Sieg über sein Herz und Gewissen gewann, also daß er sich gliedlich an die Synode anschloß. Es ist also eine geschichtliche Unwahrheit, wenn Herr Pfarrer Löhe aussagt, daß auch er sich nicht der Synode völlig angeschlossen habe; er that es so völlig, als er es konnte; denn da bis jetzt seine Gemeinde sich noch nicht anschloß, so konnte er, für seine Person, nur als berathendes Glied aufgenommen werden. Durch seinen Anschluß nämlich erklärte er natürlich, daß er mit uns in völlige Lehreinheit getreten sei, indeß Herr Pfarrer Löhe, den geschichtlichen Thatsachen zuwider, behauptet, auch er, wie Herr Großmann, habe sich nicht angeschlossen, indem er „noch bei seiner von den Missouriern abweichenden Anschauung“ beharren müsse.
Später nun trug es sich zu, daß Herr Pfarrer Löhe einigen Gliedern unserer Synode in Michigan eine sogenannte „kirchenrechtliche Verbindung“ — gewiß eine seltsame Anmuthung — mit ihm antrug, und zwar unter der Bedingung, daß sie ohne seine Einwilligung, keine Berufung an eine andere Gemeinde außerhalb Michigan annähmen,
English translation AI translation
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still imputes to us, as before, his old favorite and accustomed prejudices about our doctrine as really and truly existing; and this indeed would still be the best construction of his presentation of our doctrine, since in that case the injustice would proceed more from a delusion of the head and not from the disposition of the heart.
4. Pastor Löhe reports further, "this doctrine appeared one-sided and divergent from the Word of God not only to the Prussian Lutherans dwelling around Buffalo, Pastor Grabau at their head, but also to their more mature brethren, Großmann and Deindörfer, who believed they observed at close range many evil consequences of that conduct of the ministry for the life of the Lutheran congregations."
Now indeed, if we taught thus as he, in time-honored fashion, imputes to us, without our having been able, despite all pains, to free his blackened spectacles, through which he looks at us, from their soot, then all our opponents would be in good right to declare our doctrine one-sided, yes erroneous and contrary to the rule of faith of the divine Word; but it is not so, as has just now been shown in summary; and no one who has read and considered our printed testimony carefully, only without party interest and prejudice, will be able to bring this reproach upon us, that in an unseemly and clumsy emphasis on the one side of the doctrine (as for instance on the invisibility of the Church and the universal priesthood of all Christians) we have pressed down the other side (on the recognizability of the Church and on the ministry of the church) in favor of fanatical heresy; rather we are sure of this, and appeal to the judgment of every unprejudiced and discerning reader familiar with the Lutheran system of doctrine, whether in our theses on Church and Ministry, together with their grounding in the holy Scripture and their attestation from the symbolical books and the private writings of orthodox teachers, we have not just as much avoided and excluded the papistic and fanatical aberrations as we have likewise comprehended both sides of the doctrine.
On the other hand it is just as evident and clear to the same reader that, for instance, Pastors Löhe and Wucherer in their little books have abandoned the standpoint and the guidance of the Lutheran confessional writings and, as it were, undertaken voyages of discovery and Scripture-expounding cruises and forays into the ocean of the holy Scripture, to see whether they might not succeed in finding passages in which their favorite opinions might have a sort of support and foundation; and behold! they found them, although these are contrary to the connection of the evangelical doctrine, and therefore of no force of proof whatever, and are unable to do the least harm to the Lutheran system of doctrine, resting on this connection and firmly closed in itself. And since Pastor Löhe seems well to feel the powerlessness of his little cork-balls against the strong walls of the Lutheran fortress of confession, and yet to have no desire to withdraw again into this fortress, but would not gladly have powder and shot fired in vain before the eyes of his people, it has pleased him, strangely enough, to call the churchly Lutheran doctrine of Church and Ministry, attested throughout by the churchly symbols, here and there in his "kirchliche Mittheilungen," for some time now, "the individual-Lutheran view," that is, the personal private opinion of Luther, which the symbols, for the most part, have followed out of an excessive piety toward Luther's person and testimony, and out of a certain narrowness, since they, alas, had not yet had the light of the nineteenth century and its perfecters of the Reformation. By that expression, however, and its frequent repetition, it comes about, without doubt, with most readers, who moreover are enthusiastic adherents and admirers of the person of Pastor Löhe and for his sake also of his words and works, that the properly individual-Löhean view, or still more properly the episcopalianizing doctrine of Church and Ministry, settles in their hearts and understanding as the churchly Lutheran doctrine.
5. It is wonderful further to read that the then seminary director Mr. Großmann at Saginaw City and Pastor Deindörfer are called "more mature brethren" by Pastor Löhe; and why this? 1. because to them also our doctrine appears "one-sided and divergent from the Word of God;" and 2. "because they believed they observed at close range many evil consequences of that doctrine of the ministry for the life of the Lutheran congregations."
Against this vaunted maturity, however, speak very decidedly the historical facts and testimonies here, which can hardly be invalidated by the view through the enlarging and beautifying spectacles of Pastor Löhe.
Mr. Großmann namely, who has chosen the second edition of Löhe's Aphorisms for his symbolical book and makes no secret of it either, was heartily and urgently invited by one of ours to attend our synodical convention at Cleveland in 1853 and to bring forward there freely and openly his objections and scruples against our doctrine. Had he now really possessed that "maturity" of knowledge which he professed, or been at least tolerably unprejudiced and not held captive by faith in authority toward Löhe's person and Aphorisms, he would surely have followed the invitation and would have brought forward his scruples and objections openly and frankly, as formerly Pastor Schaller did, whether they would have been removed and set aside by us, and he with us have entered into the desired unity of doctrine, or whether he, "as a more mature brother," would have been able to convict us out of the Löhean Aphorisms of one-sidedness and error, and in this at the same time to furnish the grand proof that this his symbolical book stands upon the confession of the Lutheran Church, but the confession beside the holy Scripture. Mr. Großmann, however, excused himself with the open declaration that he was not yet clear with himself concerning those points of doctrine, must reflect further in quiet on the matter, feared in much that he had already gained to become again uncertain and wavering, and the like. What sort of "maturity" and firmness of knowledge is to be gathered from this evasive answer we leave, without further remark, to the judgment of the intelligent reader. So much, however, follows from his refusal beyond doubt: 1. that in his heart and conscience he was not yet firm and sure of the evangelical fundamental views in those articles of doctrine, as divine truth; 2. that he was held captive and bound by an erring conscience and a false piety toward the person and doctrinal opinion of Pastor Löhe and therefore feared, in a possible giving up of the latter through our proof, to wound piety toward the person of Pastor Löhe; — in sum, a lamentable immaturity, a most unlutheran confusion and mixing of the personal and the factual, follows undeniably from it; for otherwise he would gladly and willingly and uninvited have come, and would have dealt as openly, manfully and brotherly with us as we were minded to deal with him; for by what other means than by oral discussion, by oral speech and reply, by honest struggle, by mutual attack and defense in brotherly love and in sincerity of heart could he become sure of the matter, whether we or Pastor Löhe and his friends err? How could he in his solitary study in Saginaw obtain a substitute for our oral nearer explanations and elucidations in defense of our doctrine, which he could have had so easily at the synodical convention?
Pastor Deindörfer, on the other hand, came to the Synod already in 1852 at Fort Wayne, and we cannot judge otherwise, since he moreover in a certain respect at first looked at us, no doubt, with distrustful eyes through the Löhean spectacles, than that the divine truth, in the defense of our doctrine against Pastor Habel, removed his doubts and scruples and won the victory over his heart and conscience, so that he joined the Synod as a member. It is therefore a historical untruth when Pastor Löhe states that he too did not fully join the Synod; he did so as fully as he could; for since up to now his congregation has not yet joined, he could, for his own person, be received only as an advisory member. By his joining, namely, he declared naturally that he had entered with us into full unity of doctrine, whereas Pastor Löhe, contrary to the historical facts, asserts that he too, like Mr. Großmann, had not joined, in that he must "still persist in his view departing from that of the Missourians."
Later it then came to pass that Pastor Löhe offered to some members of our Synod in Michigan a so-called "church-law connection" — surely a strange demand — with himself, and indeed on the condition that they should accept, without his consent, no call to any other congregation outside of Michigan,