Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 21 › Seite 161

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-06-05, Seite 161

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſang

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Der Lutheraner.
Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 11.  St. Louis, Mo., den 5. Juni 1855.  No. 21.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Addresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

(Eingesandt von Past. Wyneken.)

Die Noth der Lutherischen Kirche seit dem Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch den am 25. Sept. 1555 geschlossenen Religionsfrieden zu Augsburg.

Ein geschichtlicher Beitrag zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes am nächstkommenden 25. September.

Fortsetzung.

Das Interim.

Während der Kriegsunruhen war es den päpstlichen Machinationen gelungen, das Concilium von Trient nach Bologna zu verlegen und der Kaiser vermochte nicht, den Papst zu bewegen, es von neuem in Trient zu eröffnen. Es kam darüber zum offenen Bruch zwischen Kaiser und Papst und es war kein Absehen, daß, so lange der alte Papst am Leben blieb, die Sache sich anders stellen werde. Schon früher war der Kaiser von seinem Bruder Ferdinand darauf aufmerksam gemacht, daß er sich nicht zu sehr auf das Concilium allein verlassen möge, es würde doch nichts anders beschließen, als eine völlige Wiederherstellung des alten katholischen Wesens, womit die Protestanten sich nicht begnügen würden; er solle vielmehr selbst die Sache in die Hand nehmen und bei den mancherlei Vorlagen, welche die bisher gepflogenen Colloquia geliefert, sei es doch wohl nicht schwer, einen Vergleich zu Stande zu bringen, den sich die Protestanten gefallen ließen und den auch doch das Concilium nicht geradezu verwerfen würde. So sollte denn noch einmal der Versuch gemacht werden, Christus und Belial zu vereinigen und Licht und Finsterniß zu einer Dämmerung zu verschmelzen, in welcher geängstete Gewissen herumtappen sollten. Er hatte auch die Männer zur Hand, die solch Werk vollbringen sollten. Es war der gemäßigte Pflug, der nun durch Moritz in sein Bisthum Naumburg eingesetzt war, nachdem der alte Amsdorf hatte weichen müssen und Helding, oder Sidonius, Churmainzischer Weihbischof. Joachim von Brandenburg stellte den dritten von Protestantischer Seite, Johann Agricola, der „so gerne Bischof von Camin gewesen wäre und solches auch durch den Churfürsten von Brandenburg bei der Kaiserl. Majestät zu erprakticiren sich gute Hoffnung gemacht.“ Ja es wurde dem Kaiser, vielleicht von Joachim von Brandenburg, ein solch fertiger Entwurf, vielleicht von Agricola ausgearbeitet, vorgelegt. Wenigstens rühmte sich derselbe, als er in Berlin den Wagen bestieg, der ihn nach Augsburg bringen sollte, „er ziehe nun dahin, als ein Reformator des ganzen deutschen Landes,“ schrieb auch von Augsburg aus an seine guten Freunde, „er habe nicht nur mitgearbeitet, sondern den Vorsitz geführt bei den Berathungen über das Interim,“ ja er war so sehr von der Eitelkeit, die ihre Ehre in der Schande sucht, betrogen, daß er sich rühmte: „er habe nun dem Evangelio ein groß breit Fenster aufgethan, er habe den Papst reformirt, den Kaiser bekehrt und Lutherisch gemacht, nun würde güldene Zeit sein, das Evangelium solle in aller Bischöfe Länder und in ganz Europa gepredigt werden.“

Der Kaiser ging auf diesen vorgelegten Plan ein und konnte es um so mehr, da die Stände bei seiner Anfrage, was zu thun sei, um die kirchlichen Wirren zu ordnen, bis das Concilium seine Sitzungen geschlossen habe? (was freilich in weiter Ferne lag, da sie noch nicht einmal wieder zu Trient eröffnet waren) ihm die ganze Angelegenheit in die Hand gegeben hatten. Die Arbeit wurde nun den drei oberwähnten Männern übertragen. Die letzte Feile legten auf Geheiß des Kaisers noch zwei Spanische Dominikaner an: Malvenda und Dominicus a Soto, die das an sich schon elende Machwerk des Vaters der Lügen so umschmolzen, daß selbst Pflug nicht geleugnet, es stehe viel Abgöttisches in dem Interim, welches, wenn man's annähme, bestätigt würde, es rühre aber nicht von den ersten Arbeitern her, sondern von den Spanischen Mönchen. Aber selbst vor dieser Ueberarbeitung gestand Bucer, den der Churfürst Joachim von Straßburg hatte kommen lassen, in der Hoffnung, er werde es unterschreiben, es bestätige das ganze Papstthum und weder glänzende Anerbietungen, noch Drohungen mit Scheiterhaufen, die Granvella gegen ihn ausstieß, konnten ihn bewegen, es zu billigen; er verließ Augsburg heimlich und erreichte nur unter großen Gefahren Straßburg wieder. Dieses Buch, welches nun nach des Kaisers Willen eine Richtschnur sein sollte, wonach man sich in der Kirche zu halten habe, bis die Streitigkeiten durch das Concilium gehoben seien und das deswegen kurzweg gewöhnlich das „Interim“ genannt wird, war nun trefflich dazu geeignet, zwar dem Faß nicht alsobald den Boden auszuschlagen, aber doch Bahn zu machen, die verfaßte Augsburgische Confession dem Volke aus den Augen und dem Herzen zu

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Der Lutheraner.
Rev. John, Chap. 14, v. 6. 7.
"God's Word and Luther's doctrine shall pass away nevermore."
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Year 11.  St. Louis, Mo., June 5, 1855.  No. 21.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who pay for it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents. Only the letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

(Sent in by Pastor Wyneken.)

The Distress of the Lutheran Church since the Death of Luther, and its Deliverance therefrom through the Religious Peace of Augsburg, concluded on the 25th of Sept. 1555.

A Historical Contribution to this Year's Celebration of the Peace Jubilee on the coming 25th of September.

Continuation.

The Interim.

During the disturbances of the war the papal machinations had succeeded in transferring the Council from Trent to Bologna, and the Emperor was unable to move the Pope to open it anew at Trent. This led to an open breach between Emperor and Pope, and there was no prospect that, so long as the old Pope remained alive, the matter would turn out otherwise. Already earlier the Emperor had been cautioned by his brother Ferdinand not to rely too much on the Council alone; it would decide nothing else than a complete restoration of the old Catholic order, with which the Protestants would not be satisfied; he should rather take the matter into his own hands, and with the various proposals which the colloquies held hitherto had furnished, it would surely not be difficult to bring about an agreement which the Protestants would accept and which the Council also would not simply reject. So once more the attempt was to be made to unite Christ and Belial and to fuse light and darkness into a twilight in which anxious consciences should grope about. He also had the men at hand who were to accomplish such a work. There was the moderate Pflug, who was now installed by Maurice in his bishopric of Naumburg, after old Amsdorf had had to give way, and Helding, or Sidonius, suffragan bishop of the Elector of Mainz. Joachim of Brandenburg furnished the third from the Protestant side, Johann Agricola, who "would so gladly have been bishop of Camin, and had also, through the Elector of Brandenburg, made himself good hope of procuring it from his Imperial Majesty." Yes, such a ready-made draft, perhaps prepared by Agricola, was laid before the Emperor, perhaps by Joachim of Brandenburg. At least he boasted, when he mounted the carriage in Berlin that was to bring him to Augsburg, "that he was now going forth as a reformer of the whole German land"; he also wrote from Augsburg to his good friends "that he had not only helped in the work, but had presided at the deliberations on the Interim"; indeed he was so deceived by the vanity which seeks its honor in shame that he boasted: "he had now opened a great broad window for the Gospel, he had reformed the Pope, converted the Emperor and made him Lutheran, now a golden age would come, the Gospel should be preached in the lands of all the bishops and in all Europe."

The Emperor entered into this plan that was laid before him, and the more readily could he do so since the Estates, when he asked what was to be done to settle the confusions of the church until the Council should have closed its sessions? (which was indeed a long way off, since it had not even been opened again at Trent) had put the whole matter into his hands. The work was now entrusted to the three men mentioned above. The last touch of the file was given at the Emperor's command by two Spanish Dominicans, Malvenda and Dominicus a Soto, who so remolded the already wretched botch-work of the father of lies that even Pflug did not deny that much idolatry stood in the Interim, which would be confirmed if it were adopted, but that this did not come from the first workers, but from the Spanish monks. But even before this revision Bucer, whom the Elector Joachim had caused to come from Strasburg in the hope that he would subscribe to it, confessed that it confirmed the whole papacy, and neither splendid offers nor threats of the stake, which Granvella hurled against him, could move him to approve it; he left Augsburg secretly and reached Strasburg again only under great dangers. This book, which according to the Emperor's will was now to be a rule of conduct by which one should hold oneself in the church until the disputes should be settled by the Council, and which is therefore usually called simply the "Interim," was now excellently fitted, though not at once to knock the bottom out of the cask, yet to prepare the way for removing the composed Augsburg Confession from the eyes and from the heart of the people