Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 21 › Seite 165
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-06-05, Seite 165
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Kraft mehr, war schier erloschen — „ein Mund“ — mit den Thaten war es aus — „zu reden große Dinge“ — es führte doch noch die prächtigen Titel, die einst Augustus und seiner Nachfolger Macht bezeugt und versiegelt hatten — „und Lästerung,“ — alle seine Titel waren nur erfunden, um als Schatten der päpstlichen Hoheit die gotteslästerlichen Lügen der römischen Hure auf Erden in Schwang zu bringen und zu schirmen — „und ward ihm gegeben, daß es mit ihm währete“ — es hatte also, so viel an ihm lag, aufgehört: daß es noch „mit ihm währete,“ war ein Geschenk päpstlicher Gnaden. Fortan spielte es auf Erden als der Widerschein des Irrlichts, das den Himmel zauberisch umflirrte in der Nacht päpstischer Finsterniß die immer wiederkehrenden — „zween und vierzig Monden lang,“ — selbst ein Spiel des trugvollen Wechsels, dessen Abbild die Monden sind.
V. 6. „Und es that seinen Mund auf“ — scheinbar zur Ehre Gottes, als das heilige römische Reich, das mit seinen Befehlen und der heiligen Acht dem heiligen Papstthum ein Ansehen gab und selbst wie eine von den drei Mauern Jerusalem's anzusehen war: darum könnte es nun wieder kühnlich reden, da es vorher und noch, sobald es nicht lästern wollte, seinen Mund in den Staub stecken mußte; aber in der That — „zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen“ — z. B. als es den treuen Märtyrer Joh. Huß treulos der römischen Bestie vorwarf und nachher Luther und in ihm Gott den HERRN, weil um Seines Namens willen, mit frecher Stirn in die Acht erklärte — „und seine Hütten“ — so mußte es geschehen, da es sich den Schirmherrn der Christenheit nannte — „und die im Himmel wohnen“ —: darauf gehört wohl mit Recht ein Wehe! (C. 11, 14.).
V. 7. „Und ward ihm gegeben zu streiten mit den Heiligen“, — so spottet der heilige Geist der Titel, die das neugebackene römische Kaiserthum zu einer festen Burg der Heiligen machten: denn eben in Kraft dieser Titel wurden die Kaiser vom Papst zu Bütteln gebraucht, um die rechten Heiligen, wie Joh. Huß und Luther aller bürgerlichen Ehren und Rechte zu berauben — „und sie zu überwinden“ — wie denn der sel. Joh. Huß eins seiner Siegesdenkmäler ist. „Und ihm ward gegeben Macht über alle Geschlechter und Sprachen und Heiden“ — auch über solche, deren eiserner Nacken sich unter das alte römische Joch nicht hatten beugen wollen; und war doch so ohnmächtig im Vergleich mit dem alten Rom: darum ward's ihm gegeben.
V. 8. „Und alle, die auf Erden wohnen“ — die welche das Wort zur Leuchte ihrer Füße hatten: Unser Wandel aber ist im Himmel ꝛc. fragten nach kaiserlicher Acht nicht, wenn es darauf ankam, Gott den HErrn auch durch freimüthiges Bekenntniß seines Wortes anzubeten und ihm allein zu dienen — „beteten es an“ —: denn wenn sie, wie Mancher zu Luthers Zeiten aus Furcht vor der kaiserlichen Macht das Zeugniß der Wahrheit verachteten, so beteten sie auch ohne Kniebeugung und Händefalten nicht zu Gott, sondern zu kaiserlicher Majestät. Vorher V. 4. ward als Grund der Abgötterei, die man mit dem römischen Reiche trieb, die Gewalt des Teufels angegeben. Jetzt tritt diese Sünde in ein noch grelleres Licht, wenn es weiter heißt: — „deren Namen nicht geschrieben sind in dem lebendigen Buch des Lammes“ — denn Jedem, auch dem schwächsten Kinde, wie dem verworfensten Bösewicht stehen die Ohren offen, in welchen das Angstgestöhn des Schächers widerhallte, als er bat: „Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und Er lebt ja jetzt viel gewisser als da er am Kreuz mit dem Tode rang. Verachtung der Gnade und Unglaube ist es also, wenn trotz solcher mächtigen Hülfe ein Gefangener des Teufels — und seine Gefangene sind ja in sich selbst Alle — vor dem blendenden und schrecklichen Glanz der Reiche dieser Welt nicht in Gottes Reich eingeht. Damit sich aber Niemand verwundere und kein schwaches Kind Gottes darob ärgere, daß es so zugeht, wie bisher beschrieben worden ist, daß unter dem allerchristlichsten Namen Christus in seinen Gliedeen verfolgt wird, so folgt zum Schluß noch eine Erinnerung, daß das von Adams Zeiten an der Lauf der Welt sei, wenn es dort heißt: — „das erwürget ist von Anfang der Welt.“
Die tröstliche Erinnerung des letzten Verses wird zu einer Warnung für diejenigen, welche auf Seiten der Verfolger stehen, ohne doch zu wissen, was sie thun, oder in den Netzen des päpstlichen Kaiserthums gefangen gehalten werden, weil sie noch Gunst und Furcht der Hohen in der Welt bethört. Diese werden aufgeweckt durch den Ruf:
V. 9. „Hat Jemand Ohren, der höre.“
Was es aber so dringend macht, daß sie in ihrer nächtlichen Ruhe gestört werden ist die Gefahr, die über ihren Häuptern schwebt, die wegen seiner Uebelthaten das ganze Reich bedroht, das sie gefangen hält: denn was an dem alten Rom kraft der Weissagung des HErrn („bis daß der Heiden Zeit erfüllet wird“ Luc. 21, 24.) geschah, das wartet des neuen, dessen Balken von dem Feuer glühen, das in dem Schutt noch glomm, als man darauf das päpstliche Kaiserthum erbauete. Das ist die Mahnung des folgenden Verses:
V. 10. „So Jemand in das Gefängniß führet, der wird in das Gefängniß gehen ꝛc.“ — hier freilich, wo die Frommen erleiden, was der Gottlosen in der Ewigkeit wartet und das Gericht anfängt am Hause des HErrn haben wohl ergebene Schergen des Antichrists unangefochten leben und ruhig sterben können, während ein Conradin sein Haupt auf den Block legen mußte: aber doch fehlt es nicht an Exempeln, die wie zuckende Blitze des Feuereifers Gottes die Höllenschlünde schon in der Zeit beleuchteten, in die auch vom römischen Kaiserstuhl Satans Knechte endlich gestürzt worden sind, und wenn es gleich auf Erden nicht nach dem obigen Spruch gegangen ist, so dürfen doch Alle dem, in dessen Munde stets ja ja und nein nein war zutrauen, er werde keinem das ewige Gefängniß schenken, der in das Gefängniß führete und nicht noch in der Zeit der Gnaden Buße that, sondern ihn dort ewig mit dem Schwert seines Mundes tödten. Einstweilen auf den Tag der gerechten Vergeltung harren übt die Geduld und den Glauben der Schlachtschafe. „Hie ist Geduld und Glaube der Heiligen.“
(Eingesandt von Th. Brohm.)
Die ev. luth. Tennessee-Synode.
Seit mehreren Jahren waren unserer Synode erfreuliche Gerüchte zugegangen, daß im Südwesten der V. Staaten eine lutherische Synode bestehe, welche noch treu an dem Bekenntniß der lutherischen Kirche festhalte. Allein es waren bloße Gerüchte und die isolirte Lage dieser Synode wie andere örtliche Schwierigkeiten hinderten eine nähere Bekanntschaft mit ihr. Erst im letzten Herbst gelang es, in einen näheren, persönlichen Verkehr mit ihr zu treten, und es wird den Lesern noch erinnerlich sein, mit welcher Freude sie unsere Sendung an sie aufgenommen hat. Gewiß befriedige ich ein allgemeines Verlangen der Leser dieses Blattes, wenn ich über diese Synode, auf welche unsere Augen mit großen Hoffnungen blicken, eine nähere und zuverlässige Nachricht ertheile, und ich würde schon früher mein in No. 10. des dießjährigen „Lutheraners“ gegebenes Versprechen erfüllt haben, wenn ich nicht geglaubt hätte, die mündlichen Mittheilungen, die mir von den dortigen Brüdern gemacht wurden noch zuvor durch andre gedruckte Materialien vervollständigen zu müssen. Da diese endlich eingegangen sind, eile ich das Versprechen zu liefern.
Schon in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatten sich deutsch lutherische Gemeinden im Staate Nord Carolina gebildet. Gegen das Jahr 1798 wurden die ersten Versuche gemacht, diese Gemeinden sammt ihren Pastoren durch ein geordnetes Synodalband zu vereinigen; allein in Folge des Wegzuges mehrerer der Pastoren gerieth das dortige Kirchenwesen in Verfall. Als sich aber nach etlichen Jahren die Gemeinden wieder zu mehren anfingen, so wurde im Jahre 1803 der erste Grund zu der ev. lutherischen Synode von Nord Carolina gelegt. Paulus Henkel war einer ihrer ersten Gründer. Der Anfang war schwach, doch fand die gute Sache Fortgang. Auch in Virginien, Süd Carolina und Tennessee entstanden lutherische Gemeinden, welche sich an die genannte Synode anschlossen. Da die meisten der dortigen Pastoren aus Pennsylvanien gekommen waren, so bestand auch zwischen der pennsylvanischen Synode und der von Nord Carolina eine herzliche Eintracht. Allein allmählich säete der Satan Unkraut unter den Waizen. Mitten in der Synode bildeten sich zwei entgegengesetzte Richtungen; die eine, der die große Mehrzahl angehörte, war diejenige, welche später in der Generalsynode ihren Ausdruck und ihre Verkörperung gefunden hat und die den Lesern zu wohl bekannt ist, als daß ich sie hier schildern müßte; die andere war die streng und ächt lutherische Richtung, welcher freilich nur eine kleine Minderzahl anhing. Von jener Mehrzahl in Verabredung mit einigen einflußreichen Stimmen der pennsylvanischen Synode wurde zuerst die Idee einer Generalsynode ans Licht geför-
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power, was almost extinguished — "a mouth" — with deeds it was over — "speaking great things" — yet it still bore the splendid titles which the might of Augustus and his successors had once attested and sealed — "and blasphemies," — all its titles were devised only to bring into currency and to protect, as the shadow of papal majesty, the blasphemous lies of the Roman whore on earth — "and power was given unto him to continue" — so that it had, as far as lay in it, come to an end: that it still "continued" was a gift of papal favor. Henceforth it played on earth as the reflection of the will-o'-the-wisp that bewitchingly flickered about the heavens in the night of papal darkness, the ever-returning — "forty and two months," — itself a play of deceitful change, of which the moons are the likeness.
V. 6. "And he opened his mouth" — seemingly to the honor of God, as the Holy Roman Empire, which with its commands and the holy ban lent the holy papacy a standing, and was itself to be regarded as one of the three walls of Jerusalem: therefore it might now boldly speak again, since before, and even now, as soon as it did not wish to blaspheme, it had to put its mouth in the dust; but in truth — "in blasphemy against God, to blaspheme his name" — e.g., when it treacherously threw the faithful martyr John Huss to the Roman beast, and afterwards declared Luther, and in him God the LORD, because of His name, with a brazen forehead under the ban — "and his tabernacle" — so it had to happen, since it called itself the protector of Christendom — "and them that dwell in heaven" —: upon this a woe is rightly due! (Ch. 11, 14.).
V. 7. "And it was given unto him to make war with the saints", — so the Holy Ghost mocks the titles which made the newly-baked Roman empire a strong fortress of the saints: for it was precisely by virtue of these titles that the emperors were used by the pope as beadles, to rob the true saints, such as John Huss and Luther, of all civil honors and rights — "and to overcome them" — as the blessed John Huss is one of its monuments of victory. "And power was given him over all kindreds, and tongues, and nations" — even over such as whose iron necks had not been willing to bow under the old Roman yoke; and yet it was so powerless in comparison with old Rome: therefore it was given to him.
V. 8. "And all that dwell upon the earth" — those who had the Word as a lantern to their feet: Our conversation, however, is in heaven, etc. — cared nothing for imperial ban when it came to worshipping God the LORD also by a free-spirited confession of His Word and to serving Him alone — "worshipped him" —: for if, like many in Luther's time out of fear of the imperial power, they despised the testimony of the truth, then even without bending the knee and folding the hands they worshipped not God, but imperial majesty. Before this, in v. 4, the power of the devil was given as the ground of the idolatry which was practiced with the Roman empire. Now this sin steps into a still more glaring light, when it says further: — "whose names are not written in the book of life of the Lamb" — for to everyone, even the weakest child, as to the most abandoned villain, the ears stand open in which the anguished groaning of the thief resounded when he prayed: "Lord, remember me when thou comest into thy kingdom!" And He lives now far more surely than when He wrestled with death on the cross. Contempt of grace and unbelief it is therefore, when in spite of such mighty help a prisoner of the devil — and his prisoners are indeed all in themselves — does not enter into God's kingdom before the dazzling and terrible splendor of the kingdoms of this world. But that no one may marvel, and no weak child of God be offended, that it goes as has been described hitherto, that under the most Christian name Christ is persecuted in his members, there follows at the close yet a reminder that this has been the course of the world from Adam's time, when it says there: — "slain from the foundation of the world."
The comforting reminder of the last verse becomes a warning for those who stand on the side of the persecutors without knowing what they do, or are held captive in the nets of the papal empire because favor and fear of the great in the world still befool them. These are awakened by the call:
V. 9. "If any man have an ear, let him hear."
What makes it so urgent that they be disturbed in their nightly rest is the danger that hangs over their heads, which on account of its misdeeds threatens the whole empire that holds them captive: for what happened to old Rome by virtue of the prophecy of the LORD ("until the times of the Gentiles be fulfilled" Luke 21, 24.), that awaits the new, whose beams glow with the fire that still smouldered in the rubble when the papal empire was built upon it. That is the admonition of the following verse:
V. 10. "He that leadeth into captivity shall go into captivity, etc." — here, to be sure, where the pious suffer what awaits the godless in eternity, and judgment begins at the house of the LORD, devoted henchmen of Antichrist may well have lived unmolested and died in peace, while a Conradin had to lay his head upon the block: but yet there is no lack of examples which, like flashing lightnings of God's zeal of fire, illumined the abysses of hell even in time, into which Satan's servants have at last been cast down even from the Roman imperial throne, and if it has not gone on earth according to the above saying, yet all may trust Him, in whose mouth ever yea was yea and nay nay, that He will grant no one eternal captivity who led into captivity and did not still do penance in the time of grace, but will slay him there eternally with the sword of His mouth. Meanwhile to wait for the day of just retribution exercises the patience and faith of the sheep for the slaughter. "Here is the patience and the faith of the saints."
(Sent in by Th. Brohm.)
The Evangelical Lutheran Tennessee Synod.
For several years pleasing rumors had reached our Synod that in the southwest of the United States there existed a Lutheran synod which still held faithfully to the confession of the Lutheran Church. But they were mere rumors, and the isolated situation of this synod, like other local difficulties, hindered a closer acquaintance with it. Not until last autumn did it succeed in entering into closer, personal intercourse with it, and the readers will still remember with what joy it received our mission to it. Surely I satisfy a general desire of the readers of this paper if I give closer and trustworthy news about this synod, upon which our eyes look with great hopes, and I would have fulfilled sooner my promise given in No. 10 of this year's "Lutheraner," had I not thought that I had first to complete the oral communications made to me by the brethren there through other printed materials. Since these have at last arrived, I hasten to deliver the promise.
Already in the latter half of the last century German Lutheran congregations had formed in the state of North Carolina. Toward the year 1798 the first attempts were made to unite these congregations together with their pastors by an ordered synodical bond; but in consequence of the departure of several of the pastors the church life there fell into decay. But when after some years the congregations began to increase again, the first foundation of the Evangelical Lutheran Synod of North Carolina was laid in the year 1803. Paul Henkel was one of its first founders. The beginning was weak, yet the good cause made progress. Lutheran congregations also arose in Virginia, South Carolina and Tennessee, which joined the said synod. Since most of the pastors there had come from Pennsylvania, there existed also between the Pennsylvania Synod and that of North Carolina a hearty concord. But gradually Satan sowed tares among the wheat. In the midst of the synod two opposed tendencies formed; the one, to which the great majority belonged, was that which later found its expression and embodiment in the General Synod, and which is too well known to the readers for me to have to describe it here; the other was the strict and genuine Lutheran tendency, to which, to be sure, only a small minority adhered. By that majority, in agreement with some influential voices of the Pennsylvania Synod, the idea of a General Synod was first brought to light, pro-