Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 21 › Seite 167
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-06-05, Seite 167
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kindern geht, um bald zu schrecken und zu züchtigen, bald aber auch das Ohr der Leute zu öffnen. Sind Träume auch weder göttliche Offenbarungsmittel im Neuen Bunde, wie sie es im Alten waren, durch welche Gott seinen Rathschluß zur Seligkeit der Menschen kund thut, noch Zeichen und Siegel der göttlichen Gnade, womit die Seelen versiegelt und ihres Gnadenstandes göttlich gewiß werden: so sind sie doch göttliche Führungsmittel, deren sich Gott nach seiner wunderbaren Gnade und Herablassung zuweilen bedient, um auf einzelne Seelen einen heilsamen Einfluß zu üben. Ein solch denkwürdiges Beispiel göttlicher Einwirkung mittels eines Traumes ist uns aus der Lebensgeschichte des Johannes Lassenius bekannt, das ich dem lieben Leser nicht vorenthalten möchte. Vielleicht, daß die Meisten darum noch nicht wissen.
Johannes Lassenius war den 26. April 1636 zu Waldau in Pommern geboren, dort war sein Vater Pastor. Auch er war von seinem Vater dazu bestimmt, daß er sollte ein Prediger des Evangeliums werden. Deßhalb wurde er auf die Schulen in Danzig und Stettin geschickt, wo er allen Fleiß anwendete, um sich für seinen zukünftigen Beruf treulich vorzubereiten. Nach seines Vaters Tode ging er zur Universität nach Rostock, wo damals Heinrich Müller lehrte, aus dessen „Erquickstunden“ und „Herzensspiegel“ wir uns heute noch erbauen. Das war nun unsers Lassenius Mann! Ihn nahm er sich zu seinem Vorbilde; und da ist er gewiß in einer guten geistlichen Schule gewesen. Als die Zeit seines Universitätslebens zu Ende ging, begleitete er als Hofmeister einen vornehmen Mann auf seinen Reisen durch Brabant, Flandern und Frankreich. Auch England, Schottland und Irrland durchreiste er, sah und sprach die berühmtesten Leute jener Zeit und das trug ihm mancherlei Kenntnisse und Lebenserfahrung ein. Er kam dann wieder nach Danzig zurück, aber er sollte da nicht lange bleiben. Er wurde aufs Neue Hofmeister zweier Prinzen und durchreiste mit diesen Italien, Spanien und Portugal. Als er mit den beiden Prinzen zurückkehrte, war er des Reisens müde und sehnte sich nach dem h. Predigtamt. Er hätte nun gern sogleich eine Gemeinde mit dem Worte Gottes geweidet, aber es wollte sich nicht schicken. Da arbeitete er eine Zeitlang in der Bibliothek zu Berlin, besuchte dann die Universitäten Wittenberg, Leipzig, Prag, Straßburg und Tübingen. Bis dahin hatte er immer sein täglich Brod gehabt und mitunter reichlich. Aber nun kam's anders. Als er nach Nürnberg reiste, da lauerten ihm die Jesuiten auf, vielleicht weil er früher wider die Anhänger des Papstes geschrieben oder aus sonst einer Ursache, schickten ihn in ein Kloster Wiens und suchten ihn nun auf alle mögliche Weise zu bearbeiten, römisch zu werden. Aber da waren sie an einen Mann gekommen, der ihnen auf's Kräftigste widerstand. Als man dort mit ihm nichts ausrichten konnte, schaffte man ihn in ein anderes Kloster. Dort wurde er auf's Furchtbarste gepeinigt. Einmal steckte man ihn neun Tage in eine finstere Grube, dennoch blieb er dem lutherischen Glauben treu und hielt sich fest an den treuen HErrn und Heiland, der in den Schwachen stark ist. Am Ende dachten seine Verfolger: „Mit dem ist nichts anzufangen!“ und schickten ihn über die Grenze nach Ungarn. Dort hausten damals die Türken. In ihren Händen wäre er verloren gewesen. Aber der treue Gott war eine feurige Mauer um seinen Knecht, er führte ihn aus Ungarn glücklich und wohlbehalten zu den Seinen nach Waldau zurück.
Nun hätte er freilich am liebsten den Pilgerstab mit dem Hirtenstab vertauscht, aber es wollte sich immer noch nicht schicken. Da pilgerte er nun von Land zu Land, von Stadt zu Stadt und sah zu, ob ihn der HErr etwa wollte in seinen Weinberg führen. So führte ihn sein Weg auch endlich in's Holsteinische und er zog eines Abends hungrig und müde in Itzehoe ein. Zehrgeld hatte er keins, daß er in einem Gasthofe hätte sein Unterkommen suchen können, ein Besuch bei dem dortigen Pastor war auch mißglückt, weil er denselben nicht zu Hause getroffen. Da sprach er denn in dem ersten besten Bäckerladen ein, sich ein Brod zu kaufen, denn länger wollte es sein hungriger Magen nicht mehr leiden. „Lieb' Mütterchen,“ — so sprach er die betagte Bäckerin an, — „ich wollte ein Brod kaufen.“ Die freundliche Anrede und sein mildes Angesicht gewannen ihm das Herz des Mütterchens. Sie reichte ihm das Brod. Da faßte sich der arme Candidat ein Herz und fügte noch freundlich bittend hinzu: „lieb' Mütterchen, hättet ihr wohl ein Schälchen Milch für mich, mein Brod hinein zu brocken?“ „Von Herzen gern“, erwiederte diese. Sie nöthigte ihn in die Stube und setzte ihm Milch vor. Nun that sich aber auch das Herz des Mütterchens auf, sie fragte: woher er käme, wohin er wolle und wer er sei? Und so gab ein Wort das andere. Da hatte denn unser Lassenius vollauf zu erzählen, so daß die Unterhaltung gar kein Ende nehmen wollte. Endlich mußte doch abgebrochen werden, denn es war schon spät geworden. Lassenius hätte gern im Hause der Bäckerin sein Nachtlager gehalten, weil er doch nicht wußte, wo er eins finden sollte, aber seine Bescheidenheit ließ es nicht zu, daß er diese Bitte über seine Lippen brachte. Wie er nun nach seinem Wanderstab griff und frug, was er schuldig sei, da erwiederte dos Mütterchen fast ungehalten: „Sollte ich von Euch Geld nehmen? das wäre ja Sünde und Schande.“ Und diese Worte kamen dem armen Wandrer grade recht. „Herzlichen Dank!“ rief er, „lieb' Mütterchen, Gottes Segen ruhe auf diesem Hause!“ und zog seine Straße weiter.
Aber wohin? das wußte er selbst nicht. Er ging in der Abenddämmerung Straße aus, Straße ein, dachte wohl im Stillen, ob sich nicht für ihn noch ein Unterkommen finden würde. Aber es fand sich eben keins. Da wanderte er nach dem Gottesacker, lehnte seinen Kopf an einen Leichenstein und ehe er sich's versah, war er in einen Schlaf gesunken. Um Mitternacht aber faßt ihn Etwas am Arme und rüttelt ihn. Er fährt erschrocken auf und sieht einen Mann vor sich stehen. „Wie! (denkt er) sollst du vielleicht gar hier aufgegriffen und eingesperrt werden?“ Aber der Mann fährt ganz säuberlich mit ihm und spricht: „der Bürgermeister läßt bitten, sogleich zu ihm zu kommen.“ Getrosten Muthes nun ohne zu wissen, ob diese Einladung eine gute oder üble Wendung für ihn nehmen würde, folgt er dem Unbekannten. Es war der Hausknecht des Bürgermeisters. Wie er beim Bürgermeister ankommt, fragt ihn dieser, warum er denn den Gottesacker zu seinem Nachtquartier gewählt habe. Er antwortet in aller Gebühr und erzählt, wie es gekommen. Nicht wenig überrascht aber wird er nun, als ihm Speise und Trank zur Erquickung vorgesetzt und endlich auch ein bequemes Nachtlager im Hause des Bürgermeisters angewiesen wird. Mit Dank gegen seinen freundlichen Wirth, aber auch mit Dank gegen seinen HErrn und Gott begiebt er sich auf sein Lager. Und da lag sich's wohl etwas sanfter als auf dem Gottesacker!
Am folgenden Morgen empfing ihn der Bürgermeister mit seiner Frau mit sichtlicher Theilnahme. Sie forschten nun ihren Gast freundlich aus und freuten sich nicht wenig seiner Erzählung. Es erfuhr nun aber auch unser Lassenius, auf welche wunderbare Weise ihn der HErr in dieses Haus geführt. Die Frau des Bürgermeisters war nehmlich um Mitternacht durch einen besonders lebhaften Traum, in dem sie einen armen Wandersmann auf einem Grabsteine des Gottesackers hatte schlafen sehen, aus dem Schlafe aufgeweckt worden. Sie hatte ihren Mann geweckt. Der hatte sie darüber beruhigen wollen, aber Alles vergebens. Sie kann zu keiner Ruhe kommen. Endlich giebt der Mann den Bitten seines Weibes nach und schickt seinen Hausknecht nach dem Gottesacker, der dort unsern Lassenius findet. Da hatten sie in dem Traume Gottes Fingerzeig gesehen und den Gast beherbergt.
Es war nun aber nicht genug, daß Lassenius in diesem Hause ein bequemes und freundliches Nachtlager fand. Er sollte noch mehr finden. So wunderbar führte der HErr seinen Knecht. Es war grade damals in der Stadt das Amt eines Predigers zu St. Nicolai frei, mit dem das Rectorat an der lateinischen Schule zu Itzehoe verbunden war. Das trug nun dem Candidaten der Bürgermeister an. So wurde der arme Fremdling nach kurzer Zeit Rector und Prediger zu Nicolai in Itzehoe und verwaltete beide Aemter mit Treue unter großem Segen.
Er hatte sich aber wohl gemerkt, wie wunderbar der HErr ihm geholfen. Ueberall wo er konnte, nahm er sich der Armen an. Was aber noch viel wichtiger war, er predigte gewaltig Gottes Wort unter Beweisung des Geistes und der Kraft in der Gemeinde, in die ihn Gott geführt. So wunderbar sind des HErrn Wege. Ja „im Traume des Gesichtes in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette, da öffnet er das Ohr der Leute“ — so sprechen wir gewiß dem Hiob nach und thuen's mit Dank und Preis. Wohl aber Allen, die des HErrn Stimme hören und die Augen sich öffnen lassen! zur Erkenntniß Seines Evangeliums und zum Aufstehn vom Schlaf und Tod in Sünden und zum Wandeln auf ewigem Wege.
Wir wissen aus der Lebensgeschichte des Lassenius, daß er später noch durch den König
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to chastise and sometimes also to open the ear of men. Although dreams are neither divine means of revelation in the New Covenant, as they were in the Old, by which God makes known His counsel for the salvation of men, nor signs and seals of divine grace, whereby souls are sealed and made divinely certain of their state of grace: yet they are divine means of guidance, of which God, according to His wonderful grace and condescension, sometimes avails Himself, in order to exert a salutary influence upon individual souls. A memorable example of such divine working by means of a dream is known to us from the life of Johannes Lassenius, which I should not like to withhold from the dear reader. Perhaps most do not yet know it.
Johannes Lassenius was born the 26th of April 1636 at Waldau in Pomerania; his father was pastor there. He too was destined by his father to become a preacher of the Gospel. Therefore he was sent to the schools at Danzig and Stettin, where he applied all diligence in order faithfully to prepare himself for his future calling. After his father's death he went to the university at Rostock, where Heinrich Müller was then teaching, from whose "Erquickstunden" and "Herzensspiegel" we still edify ourselves today. That was now our Lassenius's man! Him he took as his model; and there he was surely in a good school of the spirit. When the time of his university life drew to its end, he accompanied as tutor a gentleman of rank on his travels through Brabant, Flanders and France. England, Scotland and Ireland also he traversed, saw and spoke with the most famous people of that time, and this brought him manifold knowledge and experience of life. He then came back to Danzig, but he was not to remain there long. He became tutor anew to two princes and traveled with them through Italy, Spain and Portugal. When he returned with the two princes, he was weary of travelling and longed for the holy ministry. He would gladly have at once pastured a congregation with the Word of God, but it would not work out. So he worked for a time in the library at Berlin, and then visited the universities of Wittenberg, Leipzig, Prague, Strassburg and Tübingen. Until then he had always had his daily bread, and at times in plenty. But now it turned out otherwise. When he traveled to Nuremberg, the Jesuits lay in wait for him, perhaps because he had formerly written against the adherents of the pope, or for some other reason, and sent him to a cloister of Vienna and tried in every possible way to work upon him to become a Romanist. But they had come upon a man who resisted them most strongly. When nothing could be accomplished with him there, they removed him to another cloister. There he was tormented in the most terrible manner. Once they put him for nine days in a dark pit; yet he remained true to the Lutheran faith and held fast to the faithful LORD and Savior, who is strong in the weak. At last his persecutors thought: "Nothing is to be done with him!" and sent him across the border to Hungary. The Turks were then dwelling there. In their hands he would have been lost. But the faithful God was a wall of fire round about His servant, He led him out of Hungary happily and safe back to his own people at Waldau.
Now he would indeed have most gladly exchanged the pilgrim's staff for the shepherd's staff, but it still would not work out. So he went pilgrimaging from land to land, from city to city, and looked to see whether the LORD might perhaps want to lead him into His vineyard. So his way at last led him into Holstein, and he entered Itzehoe one evening, hungry and weary. He had no money for the journey, so that he could have sought lodging in an inn, and a visit to the pastor there had also failed, because he had not found him at home. So he stepped into the first bakery that offered, to buy himself a loaf of bread, for his hungry stomach would endure no longer. "Dear little mother," — so he addressed the aged baker's wife, — "I would like to buy a loaf." The friendly address and his mild countenance won him the heart of the little mother. She handed him the bread. Then the poor candidate took heart and added, kindly entreating: "dear little mother, would you perhaps have a little bowl of milk for me, to crumble my bread into?" "With all my heart," replied she. She bade him into the room and set milk before him. Now the little mother's heart also opened, she asked whence he came, whither he would go, and who he was? And so one word led to another. Then our Lassenius had plenty to tell, so that the conversation would not end at all. At length it had to be broken off, for it was already late. Lassenius would gladly have spent the night in the baker's wife's house, since he did not know where he should find a lodging, but his modesty did not permit him to bring this request across his lips. As he now reached for his walking-staff and asked what he owed, the little mother replied almost indignantly: "Should I take money from you? That would be sin and shame." And these words came to the poor wanderer just right. "Hearty thanks!" cried he, "dear little mother, God's blessing rest upon this house!" and went on his way.
But whither? that he did not know himself. He went in the evening twilight up one street and down another, thinking perhaps quietly whether some lodging might not yet be found for him. But none was found. So he wandered to the churchyard, leaned his head against a gravestone, and before he knew it he had sunk into sleep. At midnight, however, something seizes him by the arm and shakes him. He starts up in fright and sees a man standing before him. "What! (thinks he) shall you perhaps be taken up here and locked up?" But the man deals very gently with him and says: "The burgomaster bids you come to him at once." With good courage, without knowing whether this invitation would take a good or an evil turn for him, he follows the stranger. It was the burgomaster's manservant. When he arrives at the burgomaster's, the latter asks him why he had chosen the churchyard for his night quarters. He answers with all propriety and tells how it had come about. Not a little surprised, however, he now is, when food and drink are set before him for refreshment, and at last a comfortable bed is assigned him in the burgomaster's house. With thanks to his kind host, but also with thanks to his LORD and God, he betakes himself to his couch. And there he lay somewhat softer than in the churchyard!
On the following morning the burgomaster and his wife received him with visible sympathy. They questioned their guest kindly and rejoiced not a little at his story. Now our Lassenius learned also in what wonderful manner the LORD had led him into this house. The burgomaster's wife had been awakened out of sleep at midnight by an especially vivid dream, in which she had seen a poor wanderer sleeping on a gravestone in the churchyard. She had awakened her husband. He had wished to quiet her about it, but all in vain. She could find no rest. At last the husband yields to his wife's entreaties and sends his manservant to the churchyard, who finds our Lassenius there. In the dream they had seen God's finger-pointing, and had sheltered the guest.
It was not enough, however, that Lassenius found a comfortable and friendly night's lodging in this house. He was to find more. So wonderfully did the LORD lead His servant. It happened that just at that time in the city the office of preacher at St. Nicolai was vacant, with which the rectorship of the Latin school at Itzehoe was connected. The burgomaster now offered this to the candidate. So the poor stranger became, after a short time, Rector and preacher at Nicolai in Itzehoe and administered both offices faithfully with great blessing.
But he had well taken note how wonderfully the LORD had helped him. Wherever he could, he took up the cause of the poor. But what was still much more important, he preached God's Word mightily, in demonstration of the Spirit and of power, in the congregation into which God had led him. So wonderful are the ways of the LORD. Yes "in a dream, in a vision of the night, when deep sleep falleth upon men, in slumberings upon the bed, then he openeth the ears of men" — so we surely say after Job and do it with thanks and praise. But blessed are all who hear the voice of the LORD and let their eyes be opened! to the knowledge of His Gospel and to rising from the sleep and death in sins and to walking in the everlasting way.
We know from the life of Lassenius that he later came, through the king