Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 16 › Seite 247

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. August 1913, Seite 247

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SEr uthsrane

Unsere Missionen.

10. Die Taubstummenmission.

Wenn sogar auch unsere lieben Taubstummen sich zum
Wort melden, so soll ihnen dasselbe gewiß gern gegeben werden.
Können wir auch nicht leiblicherweise die Tauben hörend und
die Sprachlosen redend machen, wie unser allmächtiger Heiland
einst dies tat, so sollen und wollen wir ihnen doch mit Freuden
dazu behilflich sein, daß sie ihn, der auch ihr Heiland ist, recht
erkennen und ihn preisen lernen, daß sie also geistlicherweise
hörend und redend werden, daß sie mit uns auch einmal dahin
gelangen mögen, wo der Tauben Ohren geöffnet werden, und
der Stummen Mund des SErrn Lob verkündigen wird in
Ewigkeit. Ein Zweiglein an dem fruchtbaren Baum unserer
synodalen Mission ist ja, Gott sei Dank, auch die Taubstummen⸗
mission, die durch Gottes wunderbaren Segen sich so herrlich
ausgebreitet hat, daß sie jetzt über das ganze Land hin betrieben
wird, nachdem auch an der Küste des Atlantischen und der des
Stillen Ozeans dies gesegnete Werk in Angriff genommen ist.
In den Diensten dieser Mission stehen acht Missionare, die in
13 Staaten 10 organisierte Gemeinden und 37 Predigtplätze
regelmäßig bedienen und auf allen Stationen einen erfreulichen
Zuwachs verzeichnen, da sie jetzt 106 stimmberechtigte und
284 kommunizierende Glieder und 34 Katechumenen haben,
während 1137 Personen regelmäßig zur Predigt des göttlichen
Wortes kommen. Allen, die jemals Gelegenheit gehabt haben,
zu beobachten, mit welcher Aufmerksamkeit die armen Taub⸗
stummen „schauen die schönen Gottesdienste des SErrn“,
wird gewiß der dann empfangene Eindruck unvergeßlich bleiben.
Wie tief ergreifend muß aber erst die vor einigen Monaten in
Minneapolis vollzogene öffentliche Konfirmation eines taub—
blinden Jünglings für alle dabei Gegenwärtigen gewesen sein!
Wie müssen wir alle, die wir von den lieblichen Erfolgen in
unserer Taubstummenmission hören oder lesen, uns gedrungen
fühlen, das so segensreiche Werk mit herzlicher Fürbitte und
mit unsern Liebesgaben fördern zu helfen, auch darauf bedacht
zu sein, daß noch mehr Arbeiter, die recht nötig wären, ge⸗
funden, gewonnen und ins Feld gestellt werden mögen! Zur
Förderung der Mission wird ein kirchliches Monatsblatt,
½ée Deaf Lutheran, herausgegeben, und es wäre im In—
teresse der guten Sache, dem Blättchen wohl ein paar hundert
Abonnenten mehr zu wünschen. Auch Frauenvereine und Ju⸗
gendvereine könnten darin viel Gutes und Schönes für ihre
geselligen Zusammenkünfte finden. Etwa §6000.00 werden
zur Fortführung der Taubstummenmission in diesem Jahre
nötig sein.

Die Ev.-Luth. Taubstummenanstalt zu North Detroit,
Mich. (Ev. ILuth. Deaf-Mute Institute), gegründet 1871, ist
zwar nicht eine Synodalanstalt, sondern Eigentum einer Pri⸗
vatgesellschaft innerhalb der Synode, darf sich aber doch wohl
zu den Pflegekindern der Synode rechnen lassen. „Zweck dieser
Anstalt ist, taubstummen Kindern innerhalb der Synodalkon—
ferenz eine christliche und bürgerliche Erziehung zu geben. Sie
ist eine Schule für taubstumme Kinder.“ Der Unterricht
geschieht vermittelst der englischen Sprache, ist überaus müh⸗
sam, erfordert viel Zeit und noch mehr Geduld, trägt aber auch
so herrliche Früchte, daß alle, die sie kennen lernen, Gott hoch
loben und preisen müssen. Es wird berichtet: „Unser Werk
geht seinen stillen, gesegneten Gang. Eine große Klasse —

ich glaube sechs — sollen bis Juni so weit kommen, daß sie zum
heiligen Abendmahl zugelassen werden können. Gute Gesund⸗
heit hat der himmlische Vater beschert. Auch in dem Sturm
am Karfreitag hat er seine Hand über uns gehalten, hat uns
nur gerade merken lassen, daß wir seines Schutzes bedurften,
indem unser Hauptschornstein umgeworfen wurde. Für unsere
arme Kasse ist das freilich wieder recht empfindlich. Klagen
dürfen wir ja auch da nicht. Wir wirtschaften aus der Hand
in den Mund; aber das Nötige wird immieer wiedet beschert,
ehe die Not zu groß wird. Vielen lieben Christen bewegt Gott
das Herz, ihre Hand gerade dann aufzutun, wenn unser Beutel
leer ift. Außer dem, was an Kostgeld, vom Taubstummenfest
und von der Farm eingeht, brauchen wir jährlich §54000.00
bis 54500.00. Im letzten Rechnungsjahr war unsere Ge⸗
samtausgabe 56126.94. Was uns am meisten not tut, sind
mehr Schüler. Es ist so traurig, daß unsere Christenleute in
dem Stück so kurzsichtig, ja leichtfertig sind. Es sind in der
Synodalkonferenz mehr taubstumme Kinder, als unsere Anstalt
beherbergen kann.“ Ja, das ist freilich unbegreiflich, wie
Eltern ein armes taubstummes Kind so vernachlässigen können,
daß sie es einer solchen Erziehungsanstalt, wie wir sie in North
Detroit haben, vorenthalten. Man sollte meinen, sie hätten
Jammers genug tagtäglich vor Augen an einer so dunkeln
Führung und schweren Heimsuchung Gottes, daß eins ihrer
lieben Kinder weder hören noch sprechen kann, und sie müßten
mit größter Dankbarkeit und Freude die sich darbietende aus⸗
gezeichnete Gelegenheit benutzen, ihr teures Kind einer solchen
Schule anzuvertrauen, in der es zu einem nützlicheren Glied
der menschlichen Gesellschaft und vor allem zu einem Bürger
des Himmelreichs erzogen werden kann. Sollte nicht das
Seufzen unsers Heilandes über das Unglück jenes taubstum⸗
men Menschen (Mark. 7, 34) in christlichen Elternherzen mäch⸗
tig widerklingen im Hinblick auf ihr eigenes, unglückliches
Kind? Sollten nicht auch andere dazu helfen, daß ein solches
Kind unserer Taubstummenanstalt zugeführt werde, gleichwie
jene Leute einen Tauben, der stumm war, zu JIEsu brachten
und den HErrn baten, daß er die Hand auf ihn legte? (Mark.
7, 32.) Gott aber segne auch hinfort in Gnaden unsere Taub⸗
stummenanstalt und unsere ganze Taubstummenmission!

Unsere Synodalbauten.

Die von der letzten Synode beschlossenen Bauten sind nun
alle bis auf das Wirtschaftsgebäude in Springfield teils voll—
endet, teils in Angriff genommen.

1. Die sechs Professorenwohnungen in Bronxville sind
fertiggestellt und bereits bezogen. Der Allgemeine Kassierer
hat laut des Synodalbeschlusses das dafür nötige Geld —
§35,400 — geborgt. Erst im nächsten Triennium wird das
erste Drittel der durch diese Bauten kontrahierten Schuld fällig.

2. Der Eßsaal in Fort Wayne ist vollendet und soll im
September eingeweiht werden. Die Bausumme ist aus dem
Erlös der Collegefarm zu Fort Wayne, die für §50,000 ver⸗—
kauft worden ist, zunächst geborgt.

3. In Winfield hat die Allgemeine Aufsichtsbehörde kürz⸗
lich die Errichtung eines Wohngebäudes genehmigt. Der Kan⸗
sas⸗Distrikt gibt dazu §15,000, während unsere Synode eine
gleiche Summe bewilligt hat.

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