Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 16 › Seite 251
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. August 1913, Seite 251
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S er„Tutheranes 251
ordiniert und in sein Amt als Hilfspastor an der dortigen predigt hielt. — Der Entschlafene hinterläßt uns ein Vorbild
St. Paulsgemeinde eingeführt. Im Jahre 1857 folgte er
einem Rufe an die lutherische Gemeinde in Lancaster, O. Ende
der fünfziger Jahre siedelte er über nach New York und über—⸗
nahm zuerst das Pastorat an der ev.⸗luth. Dreieinigkeitskirche
an Avenue B und 9. Straße. Im Jahre 1873 finden wir ihn
als Pastor der Immanuelsgemeinde an der 83. Straße in New
Hork, wo er bis 1878 wirkte. Er entfaltete eine vielseitige
Tätigkeit während seines Aufenthalts in der Stadt New York.
So war er einer der Begründer der Emigrantenmission, des
jetzigen Pilgerhauses; auch an der Gründung des Altenheims
in East New Nork und des deutsch-lutherischen Hospitals in jenem
Stadtteil nahm er tätigen Anteil. Im Herbst des Jahres 1878
siedelte er nach Vonkers, N. Y., über und bediente dort die
ev.⸗luth. St. Johannesgemeinde. Das hereinbrechende Alter,
verbunden mit Krankheit, zwang ihn schließlich im Jahre 1892,
das ihin liebe Pfarramt niederzulegen und sich ins Privatleben
zurückzuziehen. Bis an seinen seligen Tod war er gliedlich mit
seiner letzten Gemeinde verbunden. — Die Leichenfeierlichkeit
fand am Samstag, den 24. Mai, unter Beteiligung vieler
Amtsbrüder aus New York und Umgegend statt. Auf Bitten
des Unterzeichneten hielt P. H. C. Steup von New York seinem
alten Freunde die Leichenpredigt über Mal. 2. 6. 7. Der Unter—
zeichnete hielt eine Ansprache und amtierte auf dem Gottesacker.
A. v. Schlichten.
'. Georg Julius Burger ist am 5. Juni im Alter
von 63 Jahren und 2 Monaten durch einen seligen Tod von uns
geschieden. Ein gläubiges Kind Gottes, ein treuer Bekenner der
Wahrheit, ein teures Werkzeug der Kirche ist aus unserer Mitte
genommen. Seine ihn überlebende Gattin Luise, geb. Schlienz,
und neun erwachsene Kinder, seine Gemeinde, an der er 23 Jahre
lang treu und segensreich gewirkt hat, und eine große Anzahl von
Amtsbrüdern und Freunden empfinden schmerzlich den erlittenen
Verlust. Das ganze Leben des teuren Verstorbenen war reich an
christlichen Erfahrungen. Von seiner Wiege bis zu seinem Grabe
war Gottes gnädiges Walten sichtbar, ganz besonders in der Be—
rufung in seinen Weinberg und den Führungen im Amt. Zu
Nördlingen, Bayern, am 5. April 1850 geboren und getauft, be⸗
suchte er seit seinem elften Jahre die Realschule und wurde im
Jahre 1864 konfirmiert. In seinem achtzehnten Lebensjahre
ging er nach Steeden, Nassau, und besuchte die dortige Brunnsche
Anstalt und kam dann im Jahre 1869 auf das Predigerseminar
in St. Louis, wo er fleißig studierte und im Jahre 1872 sein
Examen bestand. Drei Jahre lang war er in Stanton, Nebr.,
segensreich tätig und dann fünfzehn Jahre in Hampton, Nebr.
Im Nebraska-Distrikt unserer Synode bekleidete er auch längere
Zeit das Amt eines Vizepräses. Im Jahre 1890 berief ihn der
HErr der Kirche zum Aufbau einer neuen Gemeinde nach
Sheboygan, Wis. Auch hier segnete der gnädige Gott die treue
Arbeit seines Dieners reichlich, wovon jetzt noch der Stand dieser
Gemeinde Zeugnis ablegen dürfte. Außer seiner Gemeinde ver—
waltete der Entschlafene in Wisconsin auch längere Zeit in
tüchtiger Weise das Amt eines Visitators. Kurz vor Ostern
dieses Jahres niachte sich plötzlich ein ernstes Leiden bemerkbar,
das weder den Arzneien noch einer Operation weichen sollte. Der
Patient, der während seines ganzen Lebens Gottes gnädige und
wunderbare Führungen erfahren hatte, sollte jetzt die letzte und
seligste aller Erfahrungen machen, indem ihn der HErr von allem
übel erlöste und ihm aushalf zu seinem himmlischen Reich. Das
feierliche Leichenbegängnis, wozu auch eine große Anzahl von
Anitsbrüdern und andere Freunde des Verstorbenen von auswärts
eingetroffen waren, fand am 10. Juni in seiner bisherigen Kirche
statt, wo P. W. Wambsganß über 2 Kor. 6, 1—10 die Leichen⸗
standhaften Glaubens und brüderlicher Liebe. Gott mache uns
gleicher Gnade teilhaftig und tröste die Hinterbliebenen mit
seinem ewigen Troste! G. E. M.
Unsere arme fremdsprachige Mission hat wieder einen emp—
findlichen Schlag erlitten, indem es dem allmächtigen Gott in
seinem unerforschlichen Rat gefallen hat, einen unserer schier un—
entbehrlichen Missionare zu sich zu nehmen. Es ist dies der
Litauermissionar Peter Drignat. Er starb in Naugatuck,
Conn., am Gesichtskrebs im Alter von 40 Jahren, 7 Monaten
und 1 Tag. Geboren wurde der Entschlafene in Litauen, Ruß—
land. Im Jahre 1890 kam er nach Amerika. Nachdem er im
Jahre 1904 unser Predigerseminar zu Springfield, Ill., absol⸗
viert hatte, wurde er als Litauermissionar nach Philadelphia
berufen, wo er eine evangelisch-lutherische Litauergemeinde
gründete. Im Jahre 1910 wurde er an die ev.⸗luth. Litauer⸗
gemeinde in Naugatuck. Conn., berufen, die er bis zu seinem Tode
in aller Treue bediente. — Am 18. Juni fand das Leichen—
begängnis statt. Nach einem Gottesdienst am Morgen, in wel⸗
chem P. Val. Geist aus Waterbury, Conn., amtierte, wurde die
Leiche unter Vorantritt der Sonntagsschulkinder und der jungen
Leute der Gemeinde von den Vorstehern aus dem Trauerhause
in die gegenüberliegende Kirche getragen. Am Nachmittag fand
der Trauergottesdienst in der Kirche statt. P. H. S. Brustat aus
Philadelphia hielt eine Leichenrede über 1 Sam. 3, 18 b in der
Litauersprache und P. H. C. Beckmann von South Manchester,
Conn., über Röm. 8, 18 in der deutschen Sprache. Den Altar—
gottesdienst versahen die Pastoren O. Düssel aus Bristol, Conn.,
und H. S. Brustat. Der Chor der Gemeinde trug einige Lieder
vor. Anwesend waren neun Pastoren der Connecticut Valley⸗
Pastoralkonferenz. Ein langer Leichenzug solgte nun der Leiche
bis zur letzten Ruhestätte, wo der verblichene Körper dem herr⸗
lichen Auferstehungsmorgen entgegenschlummert. Am Grabe
amtierten die Pastoren O. Düssel und H. S. Brustat. — Der
Entschlafene hinterläßt seine tiefbetrübte Gattin Mathilde, geb.
Lingertad, und zwei unmündige Töchter. Der HErr sei ihr Trost
und Beistand! Der Heiland aber, der König der Kirche, der uns
die Missionsarbeit aufgetragen hat, wolle sich in Gnaden unserer
fremdsprachigen Missionen erbarmen! Er setze ihnen die so nötigen
Hirten und erfülle die Herzen unserer lieben Christen mit einer
brennenden Liebe und einem heiligen Eifer für die Mission gerade
auch unter den armen, gedrückten, vielfach hin und her getriebenen
und gestoßenen fremdsprachigen Bewohnern unsers Landes. Ver⸗
gessen wir sein Wort nicht: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr
getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das
habt ihr mir getan.“ A. v. Schlichten,
Subkommissär für fremdsprachige Misstonen.
Wiederum hat der HErr einen treuen Arbeiter aus seinem
Weinberg gerufen und ihn Feierabend machen lassen, obwohl er
in den besten Jahren seiner Amtstätigkeit stand und nach unse⸗
rer Meinung noch viele Jahre hätte arbeiten können. nämlich
P. Heinrich Kaspar Brinkmann. Er starb in zuver⸗
sichtlichem Glauben an seinen Heiland, den er 23 Jahre vielen
gepredigt und bekannt hat, nach einem kurzen Krankenlager an
Rückgratentzündung den 27. Juni und wurde am 1. Juli auf
dem Kirchhof bei Blue Earth. Minn., christlich beerdigt. Etwa
25 Pastoren, zumeist Glieder der Südwest-Spezialkonferenz von
Minnesota, waren erschienen, um ihrem lieben Freund und Amts⸗
bruder das letzte Geleit zu geben. Nach einem kurzen Trauer⸗
gottesdienst im Hause, geleitet von dem Unterzeichneten, wurde
die Leiche von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags in der Kirche
aufgebahrt. P. C. Albrecht hielt der großen Trauerversammlung
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