Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 21 › Seite 327

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Oktober 1913, Seite 327

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Ner „Tutheranet

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trage von §12,000 und er schreibt: „Ich kann nicht auszahlen.“
Gott hat uns Pastoren befohlen, ein offenes Auge über unsere
Gemeinden zu haben. Unsere Gemeinden erwarten, daß wir
wacker ausschauen über Gebiet und Werk unserer Synode und
ihnen dann berichten. Bei Gelegenheit der Versammlung der
Allgemeinen Pastoralkonferenz von Nord⸗Illinois redeten wir
über den überaus kläglichen Stand unserer Synodalkasse. Und
die Schulden steigen, während doch unsere Synode imstande ist,
ihre Ausgaben zu decken. Was half es, jetzt nur eingehend
über Ursachen zu reden? Das wird wohl gründlich bei Ge—
legenheit der Allgemeinen Synode geschehen. Es mußte Ab⸗
hilfe geschafft werden. Es mußte von irgendwoher ein Vorschlag
kommen, der Hilfe aus allen Teilen unserer Syn⸗
ode bezweckte. Da hat unsere Konferenz es gewagt,
die Initiative zu ergreifen. Wir bitten dich, lieber Leser,
verwirf den Plan zur Abhilfe nicht um der Personen
willen, die ihn vorlegen! Wir wären viel lieber
andern gefolgt und hätten bescheiden „Mit Gott mit euch
voran!“ in letzter Reihe stehend gerufen, als nun schon zum
zweiten Male in bedrängter Lage denselben Abhilfsvorschlag
bittend vorzulegen. Wir sind ja doch eine große Familie von
Brüdern und Schwestern; halte es uns zugute, daß wir so
hervortreten! Irgend jemand mußte es wagen; im festen
Vertrauen auf den, dessen das Reich ist, der die Herzen lenkt,
dessen auch Silber und Gold ist, und in der Zuversicht, daß die
Liebe unserer Synodalgenossen uns tragen werde, haben wir
das Wagnis unternommen.

Der Vorschlag der Allgemeinen Pastoralkonferenz von
Nord⸗Illinois geht also dahin, aus den 132,292 stimmberech⸗
tigten Gemeindegliedern etwa 7000 etwas bemittelte Personen
zu suchen, die willig wären, je §10.00 für Schuldentilgung der
Synodalkasse zu geben. Es ist nicht die Meinung, als ob nicht
auch andere herangezogen werden sollten, auch nicht, als ob
überall unter allen Umständen nur dieser Vorschlag zur Aus⸗
führung gebracht werden müßte; die Hauptsache ist, daß wir
alle am Strange ziehen, daß „jeder Synodaldistrikt eine ge—
wisse Summe der Schuld für sich beanspruche, jede Gemeinde
nach Größe und Gebekraft eine bestimmte Summe aufzubringen
versuche“. Es ist nicht nötig, daß, wenn wir nächstes Frühjahr
als Allgemeine Synode zusammentreten, unser ganzes gott⸗
gefälliges Werk durch eine solche Schuldenlast lahm liege. Das
wissen wir alle. Die vor acht Jahren gemachte Erfahrung
hat bewiesen, daß dieser Plan kräftig ist. Lieber Leser, bist du
ein Pastor? Warst du schon vor acht Jahren einer von unsers
HErrgotts geistlichen Bettelknaben? Wie hat den meisten unter
uns das Herz gezittert, als wir uns aufmachten, um für seines
Reiches Ausbau bei unsern bemittelteren Christen eine Gabe
von je §510.00 zu erbitten, um die Schuld der Synodal bau—
kasse zu tilgen! Wir konnten damals und können jetzt sagen:
„Der SErr JEsus bedarf's.“ Welche Erfahrungen haben wir
damals gemacht? An wenigen entmutigender Art hat es zwar
nicht gefehlt, aber es zeigte sich doch bald, daß unsere zagenden
Herzen dem Eifer unserer lieben Christen nicht fröhlich genug
getraut hatten. Stellte es sich nicht schließlich sogar heraus,
daß manche etwas ungehalten waren, weil man sie nicht für
bemittelt und willig genug gehalten hatte? Holten nicht hie
und da Christen, die nicht gefragt worden waren, 510.00 oder
55.00 usw. aus dem Salze und brachten sie? Und kein Geber
hat sich später beklagt, daß Gott ihn seiner Gabe wegen habe
Mangel spüren lassen. Auch hat keiner seiner Gemeinde des⸗

halb etwas entzogen. Noch dieser Tage erzählte mir ein Pastor,
dessen Hoffnung auf Erfolg in seiner Gemeinde sehr gering
gewesen war, mit vollem Herzen und heißen Worten, wie sein
Kleinglaube so glänzend beschämt worden sei. Wie viele Frucht
war gereift, die wir sonst nicht gesehen hätten! Wie atmete die
ganze Synode so froh auf, als der Berg jener Schuld abge—
tragen war! O ihr lieben Leser, die ihr, wie ich, IEsu Hand—
langer im Amte seid, wollen wir nicht getrosten Mutes, da der
HErr JEsus es bedarf, ausgehen und fragen um JEsu willen?

Und du, lieber Leser, der du schon vor acht Jahren einer
der Tausende warst oder doch jetzt in der Reihe zu finden sein
willst, es handelt sich um Wohl und Weh unserer Lehran—
stalten, die zum Bau des Reiches JEsu unumgänglich
notwendig sind. Wie froh wird auch dir ums Herz sein,
wenn das Werk wohl ausgeführt ist! Und JEsus gibt den

Gnadenlohn.
m Auftra
Im Auftran Hölter—

Schulen und Schulen.

(Schlu ß.)

2. Die römisch⸗katholischen Schulen. Das Be⸗
streben der römisch-katholischen Schulen ist nicht das der ameri⸗
kanischen Volksschulen. Sie arbeiten in ganz anderer Richtung.
Zwar geben sie vor, daß sie ebenfalls das Wohl des Staates
im Auge haben, aber das muß man in ihrem Sinne verstehen.
Das Ziel der römischen Schulen ist Rom. Sie
werden nur im Interesse des Papsttums gegründet und er—
halten, was heutzutage ganz besonders in unserm Lande der
Fall ist. Sie werden hauptsächlich dazu benutzt, die Macht des
Antichristen hier auszubreiten und zu befestigen und allmählich
das amerikanische Volk unter seine greuliche Herrschaft zu
bringen. Das ist der Plan, und um das Gelingen dieses
Planes desto leichter und sicherer zu machen, soll zuerst das
amerikanische Volksschulwesen zertrümmert werden. Kardinal
MecCloskey fordert dazu alle katholischen Stimmgeber zur Mit—
hilfe auf, indem er erklärt: „Wir müssen uns an den Wahlen
beteiligen, müssen in geschlossenen Reihen Front machen in
jedem Staat gegen die Partei, die die öffentlichen Schulen, wie
sie sind, aufrechterhalten will.“ Ein weitverbreitetes katholi—
sches Blatt, ½e Catholie Telegraph, veröffentlicht folgendes:
„Es wird das ein herrlicher Tag in diesem Lande sein, an dem
die öffentliche Schule durchs Gesetz zu Scheitern geschlagen
wird.“ Diese Gesinnung beseelt natürlich auch die Priester,
wie folgende Aussprachen zeigen: „Ich bekenne es frei, daß die
Katholiken vor der Bevölkerung stehen als die Feinde der
öffentlichen Schulen.“ „Ich würde ebensolieb einem Hunde das
Sakrament reichen wie einem Katholiken, der seine Kinder in
die öffentlichen Schulen schickt.“ Die OQuelle, aus der solche
teuflische Erbitterung fließt, ist in Rom zu finden. Papst
Pius IX. gab nämlich folgende Erklärung ab: „Alle Erziehung
außerhalb der katholischen Kirche ist verdammliche Ketzerei.“
Dieser Sinn wird selbstverständlich auch den Zöglingen in den
römischen Schulen eingeprägt. Alle andern Schulen und Er—
ziehungsanstalten werden als reine Brutstätten der Hölle hin—
gestellt, und in den Schülern wird ein tiefsitzender, glühender
Haß gegen jene erweckt.

Das ist die Stellung, die die römischen Schulen hierzu⸗
lande einnehmen. Daraus geht klar und deutlich hervor, daß

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