Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 21 › Seite 328
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Oktober 1913, Seite 328
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8 er Wuthoraneb
sie landesgefährliche Institute sind. Die Leiter der⸗
selben beabsichtigen nichts Geringeres, als alle andern Schulen
zu verdrängen und ihre eigenen an deren Stelle zu setzen. Gott
gebe in Gnaden, daß ihre Anschläge nicht gelingen, und daß
unserm Volk die Augen aufgehen, ehe es zu spät ist!
3. Die evangelisch⸗lutherischen Schulen. Diese
Schulen haben ein doppeltes Ziel: sie suchen des Schülers zeit⸗
liches und ewiges Wohlergehen. Wie ein Leuchtturm zeigen
sie den rechten Weg durch dieses Leben und schließlich den siche—
ren Eingang in den friedlichen Hafen jenes Lebens. Sie zeigen
also ihren Zöglingen, wer hier in der Welt ein treuer, zuver⸗
lässiger, wahrhaft patriotischer Bürger und zugleich ein ge—
wisser Erbe des Paradieses ist. In diesen Bestrebungen grün⸗
den sie sich allein auf Gottes Wort. Daraus schöpfen sie ihre
Erziehungslehren. Die Bibel, das Buch der Bücher, ist das
Grundbuch nicht nur der christlichen, sondern überhaupt aller
Volkserziehung, ob mian das zugeben will oder nicht. In der
Bibel brennt eine Fackel, die man auch dem Niedrigsten im
Volk anzünden darf, ohne dabei befürchten zu müssen, daß er
damit Städte und Länder einäschern wird. Die Bibel ist die
einzige zuverlässige Quelle aller wahren Bildung und Auf—⸗
klärung, und deshalb ist ohne sie der Bestand eines gesunden
Volkslebens absolut unmöglich. Nur da, wo die Leuchte des
Wortes Gottes scheint, können bessere Zustände in sozialer Hin—
sicht erreicht, und der Volksgeist wenigstens einigermaßen in
richtige Bahnen gelenkt werden. Der deutsche Dichter Goethe,
der ja leider nicht wegen seiner christlichen Gesinnung berühmt
ist, sagte einmal: „Je höher die Jahrhunderte an Bildung
steigen, desto mehr wird die Bibel zum Teil als Fundament,
zum Teil als Werkzeug der Erziehung, freilich nicht von
naseweisen, sondern von wahrhaft weisen Menschen genützt
werden.“
Deshalb schärft die christlich⸗lutherische Schule ihren Zög—
lingen das vollkommenste Sitten- oder Moralgesetz, die zehn
Gebote, ein, in denen der HErr vom Himmel selbst ihnen ihre
Bürger- und Christenpflichten vorhält. Dazu wird ihnen das
wunderbar liebliche Vorbild des Heilandes, der ja freilich vor
allen Dingen eben Heiland ist, auch als ein Muster eines
gottesfürchtigen, liebevollen, edlen Menschen vor die Seele ge⸗
führt, damit sie von ihrem himmlischen Bruder selbst lernen,
wie man nach den zehn Geboten lebt. Darüber sagt Goethe:
„Mag der menschliche Geist sich erweitern, wie er will, über die
Hoheit und sittliche Kultur des Christentums, wie es im Evan—
gelium leuchtet, wird er nicht hinauskommen.“
Unsere evangelisch-lutherischen Schulen arbeiten also nach
einem Erziehungssystem, das selbst von einsichtsvollen, verstän⸗
digen Weltmenschen als unübertrefflich anerkannt wird. Das
Ziel unserer Bestrebungen ist — noch einmal kurz gesagt —
die Ehre Gottes und der Menschheit Nutz und Wohlergehen.
Solche Schulen, und nur solche, sind auf richtiger Fährte und
suchen wirklich der Stadt Bestes.
Ein Lehrer an einer solchen Schule steht darum in einem
unaussprechlich hohen Beruf. Er arbeitet nach einem System
des allweisen Gottes selbst für Staat und Kirche. Er steht im
Dienste seines Heilandes und seines Nächsten. Das ist ein
überaus herrlicher, erhabener Dienst, der gerade in unserer
jetzigen Zeit so hoch vonnöten ist. Gott erfülle uns darum mit
immer größerem Eifer für unser Schulwesen, das schönste und
edelste in der ganzen Welt! M. Nessel.
Versammlung des Wisconsin⸗Distrikts.
Der Wisconsin⸗Distrikt unserer Synode hielt seine Sitzun⸗
gen vom 9. bis zum 15. Juli in der Dreieinigkeitskirche zu
Sheboygan, Wis. Im Eröffnungsgottesdienst predigte der
dritte Allgemeine Vizepräses, P. J. Strasen, über 1 Kor. 16, 13.
Der Referent für die Lehrverhandlungen war ?P. S.
Rathke. Er behandelte die 27. der von )). Walther aufgestell⸗
ten Thesen, die Eigenschaften einer wohlgegründeten wahrhaft
lutherischen Gemeinde betreffend. Sie lautet: „Eine wohlge—
gründete wahrhaft lutherische Gemeinde hält Gottes Gaben
auch im Reich der Natur und der Welt hoch und ist eine Freun⸗
din aller guten Künste und Wissenschaften.“ In der Einlei⸗
tung zeigte der Referent die moderne Bildung in ihren geistigen
Strömungen, wie sie größtenteils dem Worte Gottes wider—
spreche und davon abweiche. Im ersten Teil besprach er die
Stellung der Schrift zu Natur, Erfindungen, Kunst und Wissen.
Die Natur wird in Gottes Wort als Gottes Werk gepriesen
und, obschon unter der Sünde leidend, doch nicht als sündlich
bezeichnet. Die Erfindungen sind zwar größtenteils von Gott⸗
losen gemacht, aber, soweit als weislich, von Gott selbst in seinen
Dienst gestellt. Ebenso verhält es sich mit den Künsten und
dem menschlichen Wissen. Im zweiten Teil wurde gezeigt, wie
die Heiden alle diese Gottesgaben zu ihrem Schaden mißbraucht
haben und noch mißbrauchen, Christen jedoch sie zuweilen ver⸗
achten. Ferner wurde hingewiesen auf überschätzung dieser
Sachen, besonders der Kunst in der römischen Kirche und der
Wissenschaft in der modernen Theologie. Im dritten Teil zeigte
der Referent, wie wertvoll die Naturkenntnis für die Kirche sei;
welchen Schaden, aber auch Nutzen die Erfindungen unserer
Zeit gewähren; warum wir die Poeten studieren; was uns
dialektische Studien nützen; wie wertvoll die Kenntnis der alten
Sprachen sowie der Geschichte für die Kirche sei; wie die falsche
moderne Kunst schade, die rechte aber auch nütze. Den Schluß
des Referats bildete eine Besprechung der Musik in Haus und
Kirche. Es wird sich für jedermann wohl verlohnen, diese mit
großem Fleiß und Geschick ausgearbeitete, interessante, zeitge—
mäße und lehrreiche Arbeit, die im Synodalbericht gedruckt er—
scheinen wird, zu studieren.
Der Bericht des Direktoriums zeigte, wie Gott auch im
ver flossenen Jahre die Arbeit unserer Missionare gesegnet hat.
Bei der Besprechung dieses Berichtes wurde betont, daß unser
Missionswerk nicht eingeschränkt, aber mehr in neue Bahnen
gelenkt werden sollte. Es wohnen namentlich in den großen
Städten Tausende von Leuten, die in der lutherischen Kirche
getauft und konfirmiert worden sind, aber nun der Kirche ferne—
stehen. Die Kommission wurde ermuntert, besondere Stadt⸗
missionare anzustellen, deren Hauptaufgabe es sein soll, diesen
Verirrten nachzugehen. Auch wurde hingewiesen auf den Stand
der Kassen. Insonderheit wurde betont, daß die Christen die
Wichtigkeit der Kirchbaukasse immer noch nicht zu erkennen
scheinen. Es ist das die Kasse, aus welcher Missionsgemeinden
einen Teil des zum Bau von Kirche und Schule nötigen Geldes
zinsfrei borgen können. Da das geborgte Geld in Ratenzah—
lungen in die Kasse zurückfließt, kann es immer wieder andern
bedürftigen Gemeinden geliehen werden, so daß es fort und
fort zum Bau des Reiches Gottes verwandt wird. Die Anfor⸗
derungen an diese Kasse sind in den letzten Jahren so groß
gewesen, daß es unmöglich war, allen Bittstellern Hilfe zu
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