Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 21 › Seite 331

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Oktober 1913, Seite 331

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wohltätigkeit 2

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Seligkeit im letzten Grunde auf dem guten Verhalten des Men⸗
schen stehe, oder, was dasselbe ist, daß Gottes bekehrende und
seligmachende Gnade sich nach dem richtigen Verhalten des Men⸗
schen richte. Das lutherische Bekenntnis hingegen lehrt: Es gibt
unter den Menschen, wenn man sie miteinander vergleicht, keinen
Unterschied und kein „verschiedenes Verhalten“. Sie verhalten
sich allzumal böse. Wenn daher die Seligwerdenden mit den

Verlorengehenden sich vergleichen, so müssen sie bekennen,

daß sie sich auch übel verhalten haben und in gleicher Schuld sind.
Nicht ihr besseres oder richtiges Verhalten ist der „Erklärungs⸗
grund“ für ihre Bekehrung und Seligkeit, sondern allein
Gottes Gnade in Christo, während die, welche nicht
selig werden, allein aus eigener Schuld verloren gehen. Mit

dieser Lehre des lutherischen Bekenntnisses stimmen auch alle

Christen in den genannten Synoden völlig überein; aber ihre
öffentlichen Lehrer haben im öffentlichen Streit die Lehre des
lutherischen Bekenntnisses verworfen, wie wir in dem Buch „Zur
Einigung“ mit Dokumenten nachgewiesen haben. Diese bekennt⸗
niswidrige Lehre vom guten oder richtigen Verhalten des Men⸗
schen als „Erklärungsgrund“ für die Bekehrung, Seligkeit und
Gnadenwahl ist auch nicht bloß so nebenbei gelehrt worden, wie
kürzlich behauptet wurde, sondern diesen Punkt hat man von der
andern Seite fort und fort für den eigentlichen Streitpunkt er—
klärt, und von diesem Punkte aus hat man alle, die beim luthe⸗
rischen Bekenntnis blieben, des Calvinismus beschuldigt. Das,
und nichts anderes, ist die Sachlage. Die öffentlichen Lehrer auf
der andern Seite sollten daher ihre Lehre vom richtigen mensch⸗—
lichen Verhalten als „Erklärungsgrund“ für die Bekehrung,
Seligkeit und Gnadenwahl öffentlich zurückziehen. Es geht
wirklich nicht anders, wenn eine Einigung auf Grund des
lutherischen Bekenntnisses zustande kommen soll.
F. P.

In einer kleinen Gemeinde unsers Jowa⸗Distrikts wurde
kürzlich, wie jedes Jahr, Missionsfest gefeiert. Die Kollekte be—
trug 880.00. Trotzdem steht unter den Missionsfestberichten diese
Gemeinde mit §106.00 verzeichnet. Wie stimmt das wohl? Das
wird in einem Schreiben des Seelsorgers der Gemeinde also er⸗
klärt. Nachdem es dort in Jowa vier Wochen lang nicht geregnet
hatte, kam der ersehnte- Regen — am Missionsfest. „Trotz des
Regens“, schreibt der Ortspastor, „waren viele erschienen, so daß
die Kollekte etwa 880.00 betrug. Nun habe ich bei denen, welche
nicht anwesend waren, persönlich um ein Missionsopfer angehalten
und so über §26.00 erhalten, mehr, als ich erwartete, zumal die
meisten meiner Leute Tagelöhner sind und von der Hand in den
Mund leben. Gott der SErr segne nun diese Gabe zu seines
Namens Preis und Ehre und zur Rettung unsterblicher, mit dem
teuren Blute Christi erkaufter Seelen!“ Aus diesem kurzen Briefe
lernen wir mancherlei in bezug auf das Geben für Gottes Reich.
Erstens ist da der rechte Beweggrund angedeutet, der uns
Christen zum Geben willig machen soll: die Liebe zum Heiland
und die Liebe zum Mitmenschen. Und zwar steht solche Liebe
nicht in Worten, sondern in der Tat. Das bewiesen die Ge⸗
meindeglieder, die von ihrer Armut so reichlich gaben; das be—
wies auch der Prediger, der sich der Arbeit unterzog, nach dem
Feste die einzelnen, die da fehlten, um eine Gabe anzugehen.
Damit ist auch der Kern eines jeden systematischen Gebens
für Gottes Reich genannt: Man geht zu dem einzelnen und
fragt ihn: „Wieviel willst du geben?“ Auch das Resultat
systematischen Sammelns für die Zwecke des Reiches Gottes liegt
in diesem Bericht vor Augen: Man erhält „mehr, als man
erwartet“. Und der Segen ist auch genannt, den Gott
auf solche Opfer legt, die nach Vermögen und willig gebracht
werden. Nur eins steht nicht darin — es steht aber wo anders,
nämlich in Gottes Wort —, daß der HErr der Kirche solche Opfer⸗

willigkeit hundertfältig in dieser Zeit und nachher im ewigen Leben
nach dem Reichtum seiner Gnade belohnen wird. So steht zu
lesen Matth. 19, 29, Mark. 10, 28 und Luk. 18, 28. G.

Was einen Christen ausmacht, und was die Aufgabe der
Kirche ist, das wissen wir ja, Gott Lob! Aber viele, die sich Chri⸗
sten nennen, wissen es nicht; und wer will sagen, ob nicht manch
ein lutherischer Christ von dem neueren Wahn mehr oder weniger
angesteckt ist! Da ist es wohltuend, zu hören, wie auch in andern
Kirchen Leute die Christen zur geistlichen Nüchternheit zurückrufen.
So schreibt der Presbyterian: „Wir stellen Werke der Liebe über
die geistlichen Werke. Das zweite Hauptgebot wird wichtiger ge—
macht als das erste. In unsern Tagen stellt man die Liebe zum
Menschen als das eine Nötige hin, während die Liebe zu Gott erst
an zweiter Stelle kommt. Wir leben heutzutage in einer Zeit,
in der Brüderschaften und Wohltätigkeitsbestrebungen bis in den
höchsten Himmel verherrlicht werden. Zu unserer Zeit gilt eines
Menschen persönliche Frömmigkeit gar nichts im Vergleich mit
seiner Liebestätigkeit. Alles, was heutzutage ein Mensch zu tun
braucht, ist, daß er notleidenden Leuten in Indien oder China
Hilfe bringt, die Schwindsucht ausrotten hilft oder eine Suppen⸗
küche an der Bowery einrichtet. Dann stempelt man ihn zu einem
guten Christen. Ist es nicht an dem, daß heutzutage nach dem
Urteil der Menge der für einen vollendeten Christen gilt, der zu
Wohltätigkeitsgesellschaften gehört? Und die selbstverleugnenden
Frauen, die in den settlements die Leute in den Armenvierteln in
Gesundheitslehre und Haushaltung unterweisen, werden alle als
Christen bezeichnet, ob sie an Christum glauben oder nicht. Und
die Kirche lehrt in unsern Tagen wohl, daß Geldgaben und men—
schenfreundliches Wirken viel wichtiger sei als die Arbeit der
Seelenrettung. Es ist ebenso wahr, daß die Welt nichts als
Verachtung und Hohn übrig hat für den Mann, der vor Gott auf
den Knien liegt und der Christo Seelen zuführt, während der
Mann, der die Hungrigen speist, bis in den höchsten Himmel er⸗
hoben wird. Wir glauben, daß die Bibel lehrt, daß eines Men⸗
schen Seele vor Gott unsagbar teuer geachtet wird. Er hat uns
so sehr geliebt, daß er seinen Sohn uns zu gut in den Tod ge—
geben hat. Aber die Kirche hat diese Anschauung in bezug auf
die Seele verloren und treibt ihr Werk auf dem Gebiet der
Menschenfreundlichkeit. Die öffentliche Meinung hält nicht mehr
dafür, daß ein Mensch, um rein, gerecht und heilig zu sein, zur
Kirche gehören müsse. Wenn Männer und Frauen nur menschen—
frenndlich angelegt sind, dann lobt die Welt sie bis in die Wolken.
Seit einem Vierteljahrhundert herrscht eine wahre Tollheit nach
settlements, parish houses und allerlei Wohltätigkeitsbestre⸗
bungen; und das hat die persönliche Frömmigkeit und das
eigentliche Werk der Kirche des lebendigen Gottes beinahe ertötet.
Viele von uns wissen, daß viel von der Arbeit, die in den eng—
bewohnten Stadtvierteln von settlements, guilds und parish
houses getan wird, von Anfang bis zu Ende weltlich ist. Ja
alles, was irgendwie einen geistlichen Anstrich hat, wird mit
Fleiß ferngehalten, um ja den Juden und zuweilen den Katho⸗
liken nicht zu beleidigen. Auch hat die institutional church in
der Regel keine Botschaft für den Ungeretteten, und die Sünde
wird nicht bekämpft als ein Feind der Gerechtigkeit.“

E. P.

Für die Ausführung des Planes, der von der Nord-⸗Illinois⸗
Pastoralkonferenz zur Deckung der Schuld in der Synodalkasse
empfohlen ist, ist man schon in vielen Distrikten der Synode rührig
an der Arbeit. Alle Präsides haben dem Plane zugestimmt. „Nur
voran in Gottes Namen“, schreibt einer der Präsides; „der HErr
gebe seinen Segen dazu! In meiner Gemeinde ist schon beschlossen
worden, nach diesem Plan zu handeln.“ Ein anderer Präses
schrieb dem Komitee: „Fort mit der elenden Schuld, die auf
unserer Synodalkasse lastet! Ich werde unverweilt ans Sammeln

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