Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 21 › Seite 330

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Oktober 1913, Seite 330

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er „Tutheranstss

„Im Irdischen haben die Neger in den letzten 25 Jahren
bedeutende Fortschritte gemacht. Sie sind reicher geworden;
und das ist ihr Hauptbestreben gewesen. Auch auf dem Gebiete
der Erziehung ist eine Besserung eingetreten. Sie bestreben
sich, ihren Kindern weltliche Kenntnisse beibringen zu lassen,
damit sie desto leichter und besser „Geld machen können. Aber
der geistliche Zustand der Neger ist noch immer ein beklagens⸗—
werter. Die Masse des Volks sitzt noch tief in Finsternis und
im Schatten des Todes, ohne Gott und ohne Hoffnung in der
Welt. Die großen Kirchengemeinschaften, Baptisten und Metho⸗
disten, mit ihren Erweckungsversammlungen, üben lange nicht
mehr den Einfluß aus wie in früheren Jahren. Die Bußbank—
religion mit ihren Leibes- und Lungenübungen ist selbst den
Negern etwas widerlich geworden. Die besten, lungenstärksten
Erweckungsprediger vermögen nicht mehr die Massen zu ziehen
und zu „bekehren“. Nach dem letzten Zensus befinden sich in
unserm Lande noch zwischen 6 und 7 Millionen kirchloser Neger.
Welch ein großes Missionsfeld! Es ist größer als alle andern
Missionen der Synodalkonferenz zusammen, die Heidenmission
ausgenommen; und unsere lutherische Kirche mit den reinen
Gnadenmitteln und mit ihren christlichen Schulen hat unter
diesen kirchlosen Millionen eine versprechende Zukunft. Gebe
Gott, daß wir die uns von ihm gegebene Zeit und Gelegenheit
wahrnehmen und reichlich auskaufen!

„Auf dem Gebiet unserer Negermission standen im Jahre
1912 46 Arbeiter, nämlich 13 weiße Pastoren und Professoren,
12 farbige Missionare, 4 weiße und 10 farbige Lehrer, 4 far—
bige Lehrerinnen und 3 Studenten zur Aushilfe. Diese Ar⸗
beiter bedienten in 8 verschiedenen Staaten 38 Gemeinden und
Predigtplätze. Die Zahl der Seelen!) betrug am Ende des
letzten Jahres 2297 (Zunahme: 160), die der Stimmberech—
tigten 243 (Zunahme: 12), die der Abendmahlsglieder 975
(Zunahme: 70), die der Abendmahlsgäste?) 2439 (Zunahme:
498), die der Gemeindeschulkinder 1739 (Zunahme: 184), die
der Konfirmierten 126 (Zunahme: 29).

„Recht erfreulich ist auch die Zunahme der Beiträge:
§5692.17 gegen §54524.55 im Jahre zuvor, also eine Zunahme
von §1167.62. Jedes konfirmierte Glied hat im Jahre 1912
durchschnittlich 55.92 für das Reich Gottes geopfert. Das ist
fein, zumal wenn man bedenkt, daß die meisten Neger doch noch
sehr arm sind. Die große Opferwilligkeit unserer lieben Neger⸗
christen sowie ihr Eifer im Kampf um die Wahrheit und um
ein gesundes christliches Gemeindewesen beweist, daß es wohl
möglich ist, die Neger zu guten lutherischen Christen zu er—
ziehen, was hie und da auch von Leuten, die nicht zu uns ge—
hören, aber an Ort und Stelle die Früchte unserer Mission
sehen, mit freundlichen, anerkennenden Worten ausgesprochen
wird. Wie mit dem Wachstum in der Erkenntnis auch die
Freudigkeit zum Geben zunimmt, das zeigt sich sonderlich in
unsern ältesten Negergemeinden. In einer derselben hat jedes
kommunizierende Glied durchschnittlich §11.00, in einer andern
511.60, in einer dritten sogar §13.60 im Jahr beigetragen.
In einer Gemeinde hat ein Glied §24.00, zwei über §22.00,
andere bis zu 515.00, 812.00, 510.00, §58.00 usw. beigesteuert.

1) Alle Getauften, Stimmfähige und nicht Stimmfähige, Große und
Kleine.

2) Alle, die berechtigt sind, an der Kommunion teilzunehmen.

3) Die Gesamtsumme derer, die im Laufe des Jahres am heiligen
Abendmahl teilgenommen haben.

Dieselbe Gemeinde hat beschlossen, ihren monatlichen Beitrag
an die Missionskasse von 540.00 auf §50.00 zu erhöhen. (Je
länger ich Glied der Kommission für Negermission bin, desto
mehr wächst meine Verwunderung über die Macht des Evan⸗
geliums von Christo unter unsern weißen Christen sowohl als
unter den Farbigen.) Durch die Ausbreitung des Werkes und
die Verteuerung der Lebensmittel, da in 21 Fällen das Gehalt
erhöht werden mußte, auch für den Missionsdirektor Gehalt
und Reisekosten bestritten werden müssen, sind die monatlichen
Ausgaben auf §52500.00 bis §2600.00 gestiegen. Aber der
gütige Gott hat uns nicht im Stich gelassen. Er hat unter
unsern lieben Mitchristen in der Synodalkonferenz den Kreis
der Freunde und Gönner unserer Negermission vergrößert. ö
Ihm sei Lob und Dank!“ Fr. S.
(Schluß folgt.)

Zur kirchlichen Chxonik.

Die Einigkeit auf Grund des lutherischen Bekenntnisses. Der
Jutheran Standard der Ohiosynode stellt dem General Council
auf Grund der letzten Versammlung desselben das folgende Zeug—
nis aus, das wir im iowaschen „Kirchenblatt“ vom 4. Oktober
finden: „Es offenbarte sich dort das Verlangen, die Bekenntnisse
unserer Kirche anzuerkennen und sich auf sie freudig bei jeder
möglichen Gelegenheit zu beziehen. Ich gehöre nicht zu denen,
die das Luthertum des Konzils bezweifelt haben; es sind aber
solche unter uns, die darüber die Achseln gezuckt haben. Es
würde ihnen gut gewesen sein, diese Versammlung zu besuchen.
Ich gehe in der Tat so weit, zu sagen, daß in dieser Hinsicht diese
Versammlung des Konzils tadellos war. Ich habe Versamm⸗
lungen meiner eigenen Synode“ (nämlich der Ohiosynode) „bei⸗
gewohnt, auf denen die Bekenntnisse unserer Kirche weniger ge—
ehrt wurden.“ Dazu fügt das iowasche „Kirchenblatt“ die
Bemerkung: „Diese wohlverdiente Anerkennung der gesunden
Stellung des Generalkonzils von dieser Seite ist auch ein Zeichen
der Zeit. Die Lutheraner suchen und verlangen Einigkeit und
Frieden. Einigkeit auf Grund unsers guten Bekenntnisses ist die
Hoffnung unserer Kirche. Auf diesem Grunde steht das General—
konzil, steht die Ohiosynode, stehen die norwegischen Synoden und

andere. Sollten wir uns auf diesem gemeinsamen Grund nicht
zusammenfinden?“ Dazu ist zu sagen: Sicherlich sollten wir

uns auf dem Grunde des lutherischen Bekenntnisses zusammen⸗
finden. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, wie dieses Sich⸗
zusammenfinden auf Grund des lutherischen Bekenntnisses zustande
kommt. Nicht so, daß wir das lutherische Bekenntnis nur in der
Synodalkonstitution und bei Synodalversammlungen anerkennen,
hoch loben und ehren, sondern dadurch, daß wir auf Kanzeln, in
Synodalversammlungen und in unsern Zeitschriften tatsächlich
die Lehre führen, die das lutherische Bekenntnis aus Gottes Wort
bekennt. Daran hat es bisher in der amerikanisch-lutherischen
Kirche gefehlt. Die tatsächliche Lehre in vielen lutherisch sich
nennenden Kirchengemeinschaften hat nicht mit dem lutherischen
Bekenntnis gestimmt. Darüber ist der Streit entstanden und von
unserer Seite geführt worden. Daß im General Oouncil nicht
durchweg lutherisch gelehrt wird, weiß man im Council selbst.
Was Jowa, Ohio und die „Vereinigte Kirche“ der Norweger be—
trifft, so steht die Sache so, daß die öffentlichen Lehrer dieser
Kirchengemeinschaften seit vierzig, beziehungsweise dreißig Jah—
ren gegen die Lehre des lutherischen Bekenntnisses von der
Bekehrung und Gnadenwahl öffentlich Stellung genommen haben.
Sie haben nämlich gelehrt, daß des Menschen Bekehrung und

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