Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 1 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. August 1856, Seite 4

1 2 3 4 5 6 7 8

Scan: Internet Archive item DerLutheraner13.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 8 · Wiederkunft · Gemeindeſchule · Geſang

⤓ Download .txt · copy text

wahren Inhalt dieser Lehre die Ehre zu geben,
werden wir suchen und nicht finden; werden
nicht finden, was wir suchen, sondern zuletzt ver⸗
lieren, was wir durch Gottes Gnade haben und
wodurch wir allein eine rechte Kirche Christi sein
und bleiben können, auf der Gottes Wohlgefallen
ruht, nämlich das lautre Evangelium und den
rechten Brauch der Sakramente. — Die Lehre
des 7. Art. der Angsb. Conf. ist Wabrheit, eine
Wahrheit, die wir nicht verläugnen können, ohne
den Artikel fahren zu lassen, daß wer durch den
heiligen Geist an Christum glaubt, an Ihm Theil
hat und ein Glied ist an Ihm, dem Haupte.
Daß aber Christen, die einer kirchlichen Gemein⸗
schaft angehören, in welcher neben der Wahrheit
Irrthum sich findet, trotz' dem Irrthum, um der
überwiegenden Macht der Wahrheit willen, so
lange nur diese überhaupt noch da ist und Christus
als der eingeborne Sohn Gottes gepredigt wird
und als das Lamm, welches die Sünde der Welt
trägt, daß, sage ich, Glieder einer solchen Ge—
meine durch das Evangelinm, welches in ihr ge⸗
predigt wird, zum lebendigen Glauben an Chri⸗
stum gelangen können, darüber sind wir alle einig.
Wir kennen auch Alle in diesem und jenem, von
uns getrennten Haufen der Christenheit Personen,
die wir als wahrhaft an Christum gläubig aner⸗
kennen, mit denen wir uns, ungeachtet der von
ihnen uns trennenden Mauer, dennoch auf dem
Fundament des Glaubens au den gekreuzigten
Christus im Geiste einig wissen, und mit welchen
wir einst in der Herrlichkeit zu völliger, seliger

Gemeinschaft zu gelangen hoffen; ja, wir können

nicht umhin zu gestehen, daß solche Christen uns
innerlich und geistlich näher stehen, als an Chri⸗
stum nicht lebendig gläubige Glieder unsrer
Kirche.
ertragen, daß wir von solchen Christen getrennt
sind und der Kirchengemeinschaft mit ihnen nicht
pflegen kͤͤnnen, und wenn wir so herzlich gern
möchten, es könute das sein — beweis't das nicht
deutlich, daß wir durch ein starkes Band mit

ihnen verbunden sind? dies Band aber ist der
heilige Geist, welcher die Glieder Christi in.

Christo zu Einem geistlichen Leibe verbindet. Und
wenn wir es beklagen, daß die Christenheit in
Parteien zerrissen ist und wenn wir wünschen, es
möchte eine in sich einige Christenheit auf Erden
sein, ist nicht die QOnelle dieses Wunsches das
Verlangen, die innere Einheit der in der Christen⸗
heit zerstreueten Glieder Christi auch äußerlich
dargestellt zu sehen? Wahrlich die Lehre des 7.

Artikels der Augsb. Conf. ist aus der Wahrheit

des Lebens geuommen, und wir sind Alle genö—
thigt und gezwunugen, dieser Wahrheit die Ehre

zu geben. — — Aber es muß der Leib Christi,

auf dieser Erde sichtbar werden; es muß der
Glaube an Ihn bekannt werden, und die, welche
ihn bekennen, muüssen sich als Glieder Eines
Leibes sichtbar darstellen, es muß eine sichtbare

Gemeine Christi auf Erden geben, deren Panier, von Gott und eine berrliche Offenbarung des die Kirche des reinen Wortes und Sakraments

um welches sie sich schaart, die Predigt von Ihm,

das vor der Welt abgelegte Bekenntniß Seines

Namens ist, das Evangelium, welches eine Kraft rische Kirche an und fragen, wofür wir laut Augsb. Conf.); aber wie ist ihr Panier, ihr

ist seligzu machen, und der Gebrauch der von

Ihm gestifteten Sakramente. Dies nothwendige was wir von ihr auszusagen haben: so ist zuerst in manchen Läͤndern, welche lutberisch genannt 1
Offeubarwerden der Kirche Christi bekennt der 8. so viel klar, daß die lutherische Kirche nicht gleich worden, dies Panier auf den Boden geworfen

4

Artikel der Augsb. Confession. Dies Offenbar- ist der Kirche Christi, von dieser eigentlich ge⸗
werden der Kirche ist aber nie ein vollkommen sprochen; denn diese ist die Versammlung alber
reines, ungetrübtes gewesen, so daß die Herrlich- gläubigen Christen, in der lutherischen Kirche
keit des geistlichen Leibes Christi sichtbar geworden ö aber sind nicht die gläubigen Christen alle ver⸗
wäre, wie sie ist und wie die des Hauptes in sammelt, indem es auch außer ihr solche giebt;
seiner Erscheinung auf Erden sichtbar geworden und andrerseits stehen die gläubigen Christen,
ist. Von Anfang an ist Unkraut unter dem welche in der lutherischen Kirche sich finden, in
Weizen gewesen, so unter den Aposteln schon Ju⸗ ihr neben vielem Unkraut. Ist aber die lutheri
das, so in den apostolischen Gemeinen viele sche Kirche nicht gleich der Versammlung der
Glieder; wie denn unter andern Paulus von Heiligen und wahrhaft Glänbigen, so dürfen wir
den Gliedern der Gemeine zu Philippi zeugt, daß sie auch nicht audern christlichen Gemeinschaften
viele unter ihnen wandeln als Feinde des Kreuzes als etwas gegenüberstellen, was sie nicht ist, näͤm⸗

Und weunn es uns schwer wird, es zu

Christi. Dadurch aber, daß die Gemeine Christi
von Anfang an unlantre Glieder in ihrer Mitte
hatte, war zugleich den Irrlehren und Abwei⸗
chungen von der lautern Wahrheit Thür und
Thor geöffnet; denn wer nicht innerlich aus der
Wahrheit ist, der vermag nicht das Wort der
Wahrheit fest zu halten, und der Satan benutzt
ihn zu seinem Werkzeuge, an die Stelle der Wahr⸗
heit die Lüge zu setzen.
unlautern Gliedern der Kirche und in ihnen zu—
gleich auch der Keim zu Spaltungen gelegt, zu
Kämpfen innerhalb der Menge oder des Haufens,
welcher in der Welt als die Kirche Christi dastand
und es auch war, zu Kämpfen, die zwischen dem
Weizen und Unkraut geführt wurden und bald
zur Folge hatten, daß es zu foͤrmlichen Trennun⸗
gen kam.
daß durch sie nun in einer der von einander ge—
trennten Parteien der Leib Christi in voͤlliger
Lauterkeit offenbar geworden und fortbestanden
wäre; vielmehr wiederholte es sich immer wie—
der, daß auch nnter der Partei, welche die Wahr—
heit gegen den Irrthum vertheidigte, Unkrant
blieb und wieder wucherte; was denn wieder
neue Scheidungen herbeiführte, — wenn gegen
dies Unkraut durch Gottes Gnade kräftig gezeugt
wurde. Wohin nun bei solcher Zerworfenheit
der Christenheit sich halten? Antwort: dahin,
wo innerhalb der Christenheit durch die Barm⸗
herzigkeit Gottes das Evangelium von Christus
recht gelehrt wird und die Sakramente nach Christi
Einsetzung verwaltet werden, dahin also, wo
Gottes Name durch Bekenntniß Seiner Wahrheit
und durch Gehorsam gegen Sein Wort geehret,

Gnaͤdenmittel den Weg zur Seligkeit richtig und
kräftig geführt wird.

So weit haben wir also zu sehen und zu suchen.
Wo in einer Gemeine das Evangelium recht ge⸗
lehrt wird und die Sakramente recht verwaltet
werden — eine solche Gemeine ist gewiß eine
rechte Gemeine Christi, und zu solcher sollen wir
uns halten, und um der Wahrheit Gottes willen
zu ihr uns bekennen. Und wenn eine Summe
von solchen Gemeinen in der Christenheit sich zu
einander hält um des gemeinsamen Bekenntnisses
der Wahrheit willen und eine die andre stäͤrkt
und eine der andern hilft, so ist das große Gnade

Leibes Christi auf Erden.
Wenden wir das Gesagte auf die luthe-

7

ihrer eignen Bekenutnißschriften sie zu halten und

Darum war mit den

Diese aber geschahen nicht in der Art,

und wo der Meusch durch die von Ihm geschenkten

lich nicht als die eigentliche Kirche Christi, oder
als die Kirche Christi schlechthin; sondern, ange
seben daß auch in andern christlichen Gemein-
schaften Glieder der eigeutlichen Kirche, des geis⸗
lichen Leibes Christi sich finden, welche in diesen
Gemeinschaften durch das Wort gezeuget worden,
sind wir genöthigt, die lutherische Kirche als einen
durch besonderes Bekenntniß abgesonderten Theil
der Christenheit, neben andre eben so abgeson⸗
derten Theile derselben zu stellen und von ihr aus⸗
zusagen, daß sie eine Partikular-Kirche (d. h. eine
Theil oder Einzelkirche) der Christenheit sei.
Und so haben unsre alten Glaubenslehrer von der
lutherischen Kirche geredet, indem sie die ganze
Christenheit: „die allgemeine Kirche,“ die einzel⸗
nen Theile aber, in welche sie gespaltet ist, Par⸗
tikular-Kirchen“ nannten.

Wie wir aber keineswegs die Christenheit al⸗
lein in der lutherischen Kirche sehen dürfen, so se⸗
hen wir aber in ihr mit Recht den vorzüglichsten
Theil der Christenheit, und das darum, weil er
sich um das Panier des lauteren Evangelii ge⸗
schaart hat und dem geschriebenen Worte Gottes
sich unterwirft, so daß die Lehre dieser Kirche dem
Worte Gottes gleich ist, darum man sie auch die
Kirche des reinen Wortes (und Sakramentes)
genannt hat. Daß auch andre Kirchen dieselbe
Reinheit der Lehre fur sich in Anspruch nehmen,
ist begreiflich, daß aber unter mehren einander
widersprechenden Bekenntnissen nur eins das
wahre, schriftgemäße sein kann, ist unwidersprech-
lich; darum fordern wir Jedermann auf, unser
Bekenntniß nach dem geschriebenen Worte Got⸗
tes zu pruͤfen. ö
Die lutherische Kirche hat die rechte Lehre, das
rechte Bekenntniß; sie lehret recht von Gott, von
Christus, von dem heiligen Geist, von der Gnade
und den Gnadenmitteln, und unterweiset nach
der Schrift zur Seligkeit durch den Glauben an
Christum IEsum. Nicht daß ihr nicht noch die
eine oder die andre Frage zu lösen übrig bliebe,
nicht daß innerhalb ihrer über eben diese Fragen
sich nicht verschiedene Meinungen fänden: aber
sie steht in der Wahrheit und ringt nach der
Wahrheit. Wir können deshalb die luth. Kirche
wohl das Auge der Christenheit nennen.
Aber dies Auge, wie dunkel war es geworden!
Nicht meine ich, daß darum unsre Kirche aufhört

zu sein, weil sich unter ihren Gliedern Unkraut
findet (das wäre geredet gegen den 8. Art. der

lauteres Bekenntniß, so befleckt worden! wie ist

English translation

Not yet translated.