Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 8 › Seite 59

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Dezember 1856, Seite 59

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus · Chiliasmus 6

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be nicht moͤglich wäre und dieselben daher den
1 Glauben nothwendig mit einschließen. So kann
nan z. B. ohne der Lehre von der Rechtfertigung

Mund Seligkeit allein aus dem Glauben irgend⸗
wie zu nahe zu treten, sagen, daß man ohne
Christum nicht selig werden könne. Warum?
Weil das eben nichts anderes ist, als: daß'man

ohne Glauben nicht selig werden könne; denn

ohne Christ um, der ergriffen wird, gibt es ja
keinen seligmachenden Glauben. Man kann fer⸗
ner, ohne die Lehre von derRechtfertigung allein
durch den Glauben im geringsten zu verletzen,
sagen, daß man ohne das Wort Gottes, ohne das
Evangelium, ohne Buße, ohne Wiedergeburt (Joh.
3, 3.), ohne die Heiligung (Ebr. 12, 14.) u. s.
w. durchaus nicht selig werden könne. Warum?
Weil ohne Gottes Wort, ohne das Evangelium,
ohne Buße kein Glanbe möglich ist und weil,
wo wahrer seligmachender Glaube ist, schlechter⸗
dings auch die Wiedergeburt, die Heiligung ꝛc.
gewirkt sein muß. Dann also, aber
auch nur dann kann man von etwas
sagen, daß außer demselben und
ohne dasselbe kein Heil und keine
Seligkeit sei, wenn damit eigentlich
nichts anderes gesagt wird, als:
daß außer und ohne den Glauben
kein Heil und keine Seligkeit sei;
wird aber von etwas gesagt, daß
anßer demselben oder ohne dassel⸗
bekein Heil und keine Seligkeit sei,
ohne das der wahre Glaube möglich
ist, so wird damit die Grundlehre
des Christenthums von der Recht⸗
fertigung oder Seligkeit allein
durch den Glauben umgestoßen.
Sagt man z. B., daß ohne Gnadengefühl, ohne

eigene Gerechtigkeit und Würdigkeit, ohne gute

Werke, ohne ein frommes Leben u. s. w. kein Heil
und keine Seligkeit sei, so ist damit die reine Lehre
von der Rechtfertigung aufgehoben und vernichtet.

Wenden wir dies nun auf die Lehre von der
Kirche an. Wenn man bei dem Satze: „Außer
der Kirche ist kein Hoͤil, die unsichtbare Kirche
versteht, dann stößt dieser Satz die Lehre von der
Rechtfertigung nicht um, sondern bestätigt dieselbe
vielmehr. Denn wenn ich sage: „Außer der
unsichtbaren Kirche ist kein Heil,“ so ist das
nichts anderes, als ob ich sagte, außer Christo
oder ohne den Glanben an Christum ist kein
Heil. Denn wes nicht zur unsichtbaren Kirche
gehört, der muß ohne Christum und ohne Glau⸗

ben sein, denn die unsichtbare Kirche ist eben der

geistliche Leib IEsu Christi oder die Versammlung
aller wahrhaft Gläubigen oder Heiligen im Geist;
wiederum, wer im Glauben steht, der ist eben ein
wahres Glied am geistlichen Leibe JEsu Christi
und gehört eben zur unsichtbaren Kirche. Außer
der unsichtbaren Kirche ist kein Heil, heißt nichts
anderes, als: außer der Christenheit, in wel⸗
cher allein Christus ist und seine Gnadenmittel
sind, ist kein Heil; denn es „ist in keinem anderen
Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen
gegeben, darinnen wir sollen selig werden“, als
der theure Name IEsu (Apost. 4, 12.); Er al⸗
lein ist „ädder Weg, die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater, denn durch Ihn“

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(Joh. 14, 6.); Er allein ist die „Thur“, „alle,

die vor ihm gekommen sind, die sind Diebe und
Mörder gewesen.“ (Joh. 10, 7. 8.)

Ganz anders aber steht die Sache, wenn man
behauptet, unter der Kirche, außer welcher kein
Heil und keine Seligkeit ist, sei die sicht bare
rechtgläubige Kirche zu verstehen. Damit wird die
Grundlehre der christlichen Religion von der
Rechtfertigung allein durch den Glauben an Chri⸗
stum schlechterdings umgestoßen; denn da ein
Mensch außer der sichtbaren rechtgläubigen
Kirche den wahren Glauben an Christum ha⸗
ben kann, so wird mit jener Lehre erklärt, daß
der Glaube an Christum zum Heil und zur Selig⸗
keit nicht genug sei, die sichtbare rechtgläubige
Kirche wird damit Christo an die Seite gesetzt und
zu einem Nebenheiland gemacht und der ganze
Grund der Seligkeit aller Christen bis auf das
Innerste erschüttert.

Wenn wir daher die se neue Lehre, daß die sicht⸗
bare rechtgläubige evangelisch⸗lutherische Kirche
die Eine heilige christliche catholische Kirche sei,
außer welcher kein Heil ist, die Braut und der
Leib JEsu Christi, verwerfen, so verfolgen wir
hiermit keine besondere abirrende s. g. neue „mis⸗
sonri'sche Richtung,“ sondern wir bleiben auf dem
alten Wege unserer treuen rechtgläubigen frommen
Glaubensvͤter; wir wollen uns durch jene uene
Lehre nur das höchste und herrlichste Kleinod, das
wahre Palladium, die unüberwindliche Festung
unseres lutherischen Zions, den Augapfel unserer
Kirche: — die reine ungetrübte Lehre von der
Rechtfertigung allein aus Guaden ohne Werke,
allein durch den Glanben an JIEsum Christum,
den einigen Grund unserer Seligkeit nicht (unter
dem guten Scheine strenger Kirchlichkeit und gro⸗
gen Ernstes gegen Unionisterei, Indifferentismus
und Religionsmengerei) nehmen lassen. Hier
können wir kein Pünktlein nachgeben, um kein
Härlein weichen; wie denn unsere Väter in den
Schmalkaldischen! Artikeln geschrieben haben und
wir, als ihre geringsten Söhne, ihnen nachschrei⸗
ben und nachbekennen: „Von diesem Artikel (von
der Rechtfertigung) kann man nichts weichen oder
nachgeben“), es falle Himmel und Erden, oder
was nicht bleiben will. Denn es ist kein anderer

Name den Menschen gegeben, dadurch wir können

selig werden, spricht Petrus Act. 4 und durch sei⸗
ne Wunden sind wir geheilet, Esaj. 53.

Pabst, Teufel und alle Welt lehren und leben.

Darum müssen wir des gar gewiß sein und nicht

zweifeln, sonst ist es alles verloren, und behält

Pabst und Teufel und alles wider uns den Sieg

und Recht.“
(Fortsetzung folgt.)

— — — —

*) Im lateinischen Text heißt es noch deutlicher: „Do hoc
artieulo cedere aut aliquid contra illum largiri aut per-
mittere nemo piorum potest,ꝰ das heißt: „Von diesem Ar⸗
tikel weichen oder etwas wider denselben zugeben oder nachlas⸗
sen kann kein Gotiesfürchtiger. E—Es ist also nicht genug,
daß man, wenn man von der Rechtfertigung handelt, dieselbe
richtig barstellt; man darf auch keine andere Lehre annehmen,
welcht wider diesen Artikel anstößt.

—— — ——

*DE T π πν πναε

Und
auf diesem Artikel stehet alles, das wir wider den

sendjährigen Reiche kommen.

(Eingesandt von Pastor H. Zick.)
Chiliasmus.

Ensen 9

Der Ehitiasnus i st falsch, weil sich
in der hl. Schrift keine einzige Weissa⸗
gung von einer sichtbaren Wiederkunft Christi
zum tausendjährigen Reiche findet.

Alle Sprüche der hl. Schrift, welche von der
sichtbaren Wiederkunft Christi handeln, verbinden
die selbe mit lauter solchen Ereignissen und Gedan⸗
ken, welche auch nicht die entfernteste Beziehung
auf ein tausendjähriges Reich zulassen. Sie ver⸗
binden nämlich die sichtbare Wiederkunft Christi
entweder unmittelbar mit dem Ende der Welt,
oder mit solchen Ereignissen, die am jüngsten Tage
oder vor demselben stattfinden, oder sie beschreiben
die Nähe oder die Art und Weise seiner Wieder⸗
kunft oder sie machen eine Anwendung davon.

Betrachten wir nun zunachst diejenigen Sprü⸗
che, welche die sichtbare Wiederkunft Christi un
mittelbar mit dem Ende der Welt verdinden.

Die Jünger richteten Matth. 24, 3 an den
HErrn Christum die Frage: „Welches wird das
Zeichen sein deiner Zukunft und der
Welt Ende!“ Sie hatten also offenbar die
Meinung, daß die Wiederkunft Christi und das
Ende der Welt zu einer und derselben Zeit gesche⸗
hen werde, nämlich am jüngsten Tage. Wäre
nun diese ihre Meinung falsch gewesen, so wůͤrde
Christus sie gestraft und berichtigt haben. Allein
durch seine Antwort bestätigt er sie als göttliche
Wahrheit, indem er V. 29 und 30 das Ende der
Welt und seine sichtbare Wiederkunft zusammen
stellt und somit von beiden Ereignissen bezeugt,
daß sie am jüngsten Tage geschehen sollen.

Ferner heißt es 1 Cor. 15, 22 24: „Denn
gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden
sie in Christo alle lebendig gemacht werden. Ein
jeglicher aber in seiner Ordnung. Der Erstling
Christus, darnach die Christo angehͤren, wenn
er kommen wird. Darnach das Ende,
wenn er das Reich Gott und dem Vater überant⸗
worten wird, wenn er aufheben wird alle Herr⸗
schaft und alle Obrigkeit und Gewalt.“ Auch an
die ser Stelle wird die Wiederkunft Christi mit dem
Ende der Welt unmittelbar verbunden. Wenn es
aber heißt: „Darnach das Ende“, so ist damit
nicht gemeint, daß nach der Wiederkunft Christi
bis zum Ende der Welt ein großer Zeitraum ver⸗
fließen werde. Vielmehr zeigt das Wörtchen dar⸗
nach nur die Reihenfolge an, in welcher die er⸗
wähnten Ereignisse am jüngsten Tage stattfinden
werden, daß nämlich nach der bei Christi Wieder⸗
kunft geschehenden Auferstehung der Todten das
Ende aller irdischen Dinge eintreten werde.

Schon mit diesen beiden Sprüchen bezeugt die
hl. Schrift hinreichend die Wahrheit, daß Chri⸗
stus am Ende der Welt wiederkommen wird und
verwirft damit zugleich den entgegenstehenden
Irrthum, als würde er vorher noch erst zum tau⸗
Denn so macht die
hl. Schrift es immer, daß sie durch Bezeugung der
Wahrheit die entgegengesetzte Behauptung als
Irrthum widerlegt. Z. B. aus dem Satze, Chri⸗
stus ist wahrer Gott, folgt nothwendig, also ist die

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