Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 8 › Seite 62
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Dezember 1856, Seite 62
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gericht 6 · Anhang
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—
Der Ancchlag der Bolle.
Von einem Streifzug durch die Lande
Kam Satan heim zum Höllenschlund.
Er fuhr im Pech⸗ und Schwefelbrande
Wildlüsternd zu des Pfuhles Grund.
Erschrecklich war das Weh und Ach,
Das vor und hinter ihm aufbrauste;
Sein Blick war hent' ein Feuerbach,
Entsetzlich war es, wie er hauste. *
Mit brennenden Asbestenruthen
Durchkreuzte er sein Machtrevier,
Und fluchend rief er: „Kommt ihr Guten,
Ihr Obersten kommt her zu mir.
Berathung will ich mit euch halten,
Ich treibe heute keinen Hohn'. —
Und seine Peitschenhiebe knallten
Zugleich auf jeden treuen Sohn.
So trieb er sie zum Höllengrunde,
Da stand ihr Fuß auf ew'gem Eis.
Ein Wimmern klang aus jedem Munde,
Verhallend in dem Feuerkreis.
Der Satan höhnte gräßlich drein:
„Verfluchte, wollt ihr Gott nicht loben?
Glaubt nur, und ihr sollt selig sein;
Seht, euer Heiland sitzt dort oben.“ —
Hu! wie sie da die Fäuste ballten,
Zähnklappernd jagten Fluch auf Fluch,
Wie ihre Lästerungen salbten
Auf Gottes Huld und Teufelstrug. un
Der eine gab dem andern Schuld:
„Elender, du hast mich betrogen,
Du sagtest mir, die Gotteshulld
In seinem Sohne sei erlogen.“
Im Grimm ließ sie der Satan quälen
Mit neuer ausgesuchter Pein;
Dann fragt er wieder: „Ihr Gesellen,
Soll unser Reich noch größer sein?“
„Ja,“ schallt' es, wie aus Einem Mund,
„Wir wollen, daß die ganze Erde
Und jeder Mensch auf ihrem Rund
Ein Zusatz zu der Hölle werde.“
„So hört, was wir für Aussicht haben,
Ich sag' euch nur, was ich geseh'n.
Die Grube ist uns jetzt gegraben;
Doch auf, laßt uns dawider stehn.
In Canaan, im Syrerland,
Kleinasien und in Edessen
Bekommt jetzt der die Oberhand,
Der stets mein größter Feind gewesen.
Die Perser glauben seine Lehre, ö
Die Indier auf Malabar,
Und Araber — stets unsre Ehre —
Sie gehen über Schaar um Schaar.
In Rom sogar, in meinem Rom
Wird mür mein Eigenthum entwendet
Die Höllenbrände werden fromm,
Mein Pantheon wird mir geschändet.
Viel Gallier sind mir entlaufen,
Germanen folgen ihnen noch.
In Spanien sind ganze Haufen
Nicht wie zuvor von unserm Schlag.
Und auch in Afrika steht's schlecht. —
Kurz, seht, es stürmt von allen Seiten
Auf meine Völker und mein Recht
Mein Feind, die Kirche auszubreiten.
Auf nun, du Geist der Grausamkeiten,
Thu du was deines Amtes ist
Such Qual und Marter zu verbreiten, 20
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Dein Opfer sei ein jeder Christ.
Hinaus, du Geist des Widerspruchs,
Du weißt, im Frieden mußt du kämpfen,
Geh zu den Christen und versuch's,
D en Geist der Demuth erst zu
dämpfen.
Im Capitol will ich dein warten
27 2N meiner Stadt von Alters her,
it Mord und Lügen aller Arten
Einstweilen stehn zur Gegenwehr.
Kommst aber du von deinem Zug,
Dann wollen wir vereinigt wagen,
Was Christi Reich zerstört — genug!
Mehr will ich dir am Platze sagen.“
Des Ceufels 20 und Mord.
Nero saß am Abersrande
In der Myrthen grünem Hain;
Er, der Herrscher aller Lande,
Blickte mißvergnügt darein.
„Auf, Narcissus, mein Getreuer,
Reiche mir die edle Leier,
Saitenspiel wird mich zerstreu'n.“
Stürmisch griff er in die Saiten,
Wild hob sich der Töne Schwall.
Und er sang ven alten Zeiten,
Sang der stolzeu Troja Fall,
Hoch erglühten ihm die Wangen,
Blicke, brennend vor Verlangen,
Warf er auf die Kaiserstadt.
Satan sah des Herrschers Lüste,
Flüsternd spornte er ihn an:
„ „Nero, wie das flammen müßte!
Das wär' Troja, und kein Wahn. —
Vist du ein ohnmächt'ger Knabe? 4
Ist nicht Alles deine Habe?
Was du thust, ist dir getban.
„Doch das Volk wird sich empören,
Aufgereizt wird seine Wuth,
Sollt' es von dem Anschlag hören.“
„„Lösch' den Zorn mit Christenblut.
Sag', der Christen schnöde Rotte
Hat zu Ehreu jhrem Gotte
Alle Götter Roms verbrannt. 1
„Ha, beim Jupiter, ich höre
Deinen Rath, du Göttersohn;
Und das Rom, das ich zerstöre,
Bau' ich mir zum Ehrenthron. —
Fort, Narcissus, laß dein Träumen,
Und bestelle ohne Säumen
Trojas Fall für nächste Nacht.“
—
2 7.
b.
Flammen! Feuer! hallt es durch die Gassen.—
Feuer! — Roma steht im Brand.
Aufgeschreckt stürzt Alles durch die Straßen,
Zum Palatium gewandt. —
Feuer! hallt es hinter ihnen;
Capitol und Marsfeld schienen
Inseln, schwimmend in dem Feuersee.
Flammen! Feuer! hallt's aus allen Ecken;
Rette sich, wer kann, in Eil'!
Schreiend und dem Wahnsinn nah' vor Schrecken
Windet sich des Volkes Knäu'l.
Rasend schlagen Flammenwogen, —
Von dem Sturmwind fortgezogen,
nr Hütten und Paläste hin. U ö
Nero saß im Kahn auf weichen Kissen,
Sanft gewiegt vom Tiberstrom,
Schwelgend in der Schaulust Hochgenüssen;
Ihm zur Wonne flammte Rom.
Schallend sang das Ungeheuer,
Trojas Fall, zum Klang der §eier;
Und der Westwind klagte schaurig drein.
C.
Nero, mein Kaiser, das Volk steht auf,
Verrätherisch schaart sich die Menge.
Vom Thron herab sollst du, sie schwören daraus;
Sie sperren schon Thore und Gänge.
„Kein Mordbrenner soll unser Kaiser sein,“
So rufen sie laut, und —„hörst du ihr Schrei'ne“
„Narcissus, Verrückter, was angstigt dich?
Der Plebs wird uns wahrlich nicht fressen.
Geh' unter die Haufen, sag' ihnen, nicht ich,
Das Christenvolk sei es gewesen,
Die haben das herrliche Rom zerstört,
Und ihrem Christus ein Opfer bescheert.“
Christen, ihr Armen, euch trifft die Wuth. —
Wildbrüllend zerstoben die Massen.
Sie forderten wüthend der Christen Blut,
Durchsuchten die Straßen und Gassen,
Und welche die tobende Meute fand,
Die wurden erschlagen, enthauptet, verbrannt.
Man warf sie wüthenden Hunden hin
Und ließ sie in Stücken zerreißen —
Doch Nero, der hatte noch mehr im Sinn:
Er legte sie sorgsam in Eisen;
Dann lud er die Menge zum Schauspiele ein,
Das sollte die Strafe der Christen sein.
Er läßt die Opfer mit Theer beziehn
Und stellt sie im Garten in Reihen
An Pfähle gebunden als Leuchten hin,
Sie also dem Tode zu weihen —
Der Satan sah höhnend des Schauspiels Graus
Und sprach: Mit den Christen zu Rom ist's aus.
A.
Der Geist der Grnusamlͤiit.
Zu Rom fuhr Nero fort
Mit Lügen und mit Morden,
Vald war die Neuigkeit
Bekannt an allen Orten.
Der Grausamkeiten Geist
Erkannte seine Zeit, 2
Und schürte ohne Rast 4
Der Heiden Zorn und Neid.
Auch in Hyspania verfolgte man die Christen, ö
Als die das Unglück stets allein verschulden müßttn
Bald war es regelrecht im ganzen Römerreiche,
Daß vor dem Christenthum, Fortuna zürnend weiche.
Kam eine Wasserfluth, Erdbeben oder Sterben,
Kam Feuer, Hungerenoth und was auch für Ver⸗
derben.
So stand das Volk verrint und rief im wilden Chor:
Die Christen sind dran Schuld; werft sie den Löwen
vor.
Da sind sie Tausende als Märtyrer gestorben,
Bloß, weil sie frei bekannt, daß Christus sie erworben.
Da zeigten zarte Frau'n den höchsten Heldenmuth
Und Kinder siegelten das Wort mit ihrem Blut.
Man warf sie in den Thurm, man wollte sie bereden
Sie sollten doch zurück zum Heidenopfer treten.
„Nein“ war ihr festes Wort „Wir gehen in den Tod,
„Wir fürchten keine Pein, der Herr ist unser Gott.“
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