Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 8 › Seite 60

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Dezember 1856, Seite 60

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 6 · Hausgottesdienſt 5

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Behauptung falsch, daß er nur ein bloßer Mensch
sei. Da nun die hl. Schrift die Wiederkunft
Christi ausdrücklich und ausschließlich an das
Ende der Welt setzt, so verwirft sie damit die Mei⸗
nung, daß er vorher noch einmal zum tausendjäh-
rigen Reiche wiederkommen würde, als Irrthum.

Sie widerlegt diesen Irrthum aber auch mit allꝰ
den Sprüchen, welche die sichtbare Wiederkunft
Christi mit solchen Ereignissen verbindeu, die, wie
die ganze Christenheit weiß und glaubt, erst am
jüngsten Tage stattfinden werden, naͤmlich:

1. mit der allgemeinen Auferstehung.
„Der HErr wird mit einem Feldgeschrei und Stim-
me des Erzengels und mit der Posaune Gottes
herniederkommen vom Himmel und die Todten in
Christo werden auferste hen zuerst.“ 1 Thess. 4, 16.
Vgl. Off. 20, 11—13. Joh. 6, 40.

2. mit dem jüngsten Gericht. „Siehe, der
HErr kommt mit viel Tausend Heiligen, Gericht
zu halten über alle“ ... Jud. 14. 15. Vgl. 2
Thess. 1, 7—10. 1 Cor. 4, 5. 2 Tim. 4, 1
Off. 1, 7. 20, 11—15.

3. mit der VBerdanmniß des Teufels und
der Gottlosen.“ Weun aber des Menschen
Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeik und alle
heilige Engel mit ihm, denn wird er sitzen auf dem
Stuhl seiner Herrlichkeit ... Dann wird er auch
sagen zu denen zu seiner Linken: Gehet hin von
mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das
bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln
Und sie werden in die ewige Pein gehen.“ Matth.
25, 31, 41. 46.

4. mit ihrer Verwerfung in den feurigen
Pfuhl. „Und ich sahe einen großen weißen
Stuhl und den, der darauf saß. Und so jemand
nicht ward erfunden in dem Buch des Lebens,

der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.“ Off.
„llnd der Teufel,

20, 11. 15. Vgl. V. 10.
der sie verführete, ward geworfen in den feurigen
Pfuhl und Schwefel.

5. mit dem Untergange des türkischen
Reiches. „Ich sahe zu, bis das Thier getödtet
ward und sein Leib umkam und ins Feuer gewor⸗

fen ward . . . Und siehe, es kam eiuer in des Him-
mels Wolken, wie eines Menschen Sohn. Dan.

7,11.13. Vgl. über Gog und Magog Off. 20, 9.

6. mit dem Untergange des Antichri⸗
sten. Der HErr wird seiner ein Ende machen
durch die Erscheinung seiner Zukuuft. 2 Thess.
2, 8. Vgl. Dan. 11, 45. Jes. 11, 4. Off. 19, 20.

7. mit dem Untergange der Welt. „Es
wird aber des HErrn Tag kommen als ein Dieb

in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen

werden mit großem Krachen, die Elemente aber
werden vor Hitze zerschmelzen und die Erde, und
die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen.“
2 Petr. 3, 10.

8. mit der Beseligung der Gläubi-
gen.“ Dann wird der König sagen zu denen zu
seiner Rechten: Kommet her, ihr Gesegneten mei⸗
nes Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet
ist von Anbeginn der Welt, und sie (werden) in
das ewige Leben (gehen).“ Matth. 25, 34. 46.

—, Wenn nun geoffenbaret wird JEsus Christus,
so werdet ihr euch freuen mit unaussprechli⸗
cher und herrlicher Freude.“ 1 Petr. 1, 7. 8.—
„Auf daß da konpue die Zeit der Erquickung von

dem Angesichte des HErrn, wenn er sendeu wird
den, der euch jetzt gepredigt wird, JEsum Christ.“
Ap. 3, 20. —Euch aber, die ihr. Trübsal leidet,
Ruhe mit uns, wenn nun der HErr JEsus wird
offenbaret werden vom Himmel sammt den Engeln
seiner Kraft.“ 2 Thess. 1, 7.

9. mit ihrer vollkommenen Heiligung.
„Euer Geist ganz sammt der Seele und Leib müsse
behalten werden unsträflich auf die Zukunft unse⸗
res HErrn IEsu Christi.“ 1 Thess. 5, 23. Vgl.

3, 13.

10. mit ihrer Verklärung. „Unser Wan-
del aber ist im Himmel, von dannen wir auch war⸗
ten des Heilandes JEsu Christi, des HErrn, wel⸗
cher unsern nichtigen Leib verklaͤren wird, daß er
ähnlich werde seinem verklaͤrten Leibe, nach der
Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm un⸗
terthänig machen.“ Phil. 3, 20. 21.

11. mit ihrer Verherrlichun g. „Wenn
aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird,

dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in

der Herrlichkeit.“ Col. 3, 4

12. mit der Schöpfung des neuen Him-
mels und der neuen Erde und der alsdann
eintretenden Vollendung. „Wenn er senden
wird .. . IEsum Christ, welcher muß den Him-
mel einnehwen bis auf die Zeit, da herwiederge⸗
bracht werde alles, was Gott geredet hat durch
den Mund aller seiner heiligen Propheten von der
Welt an. Ap. 3, 20. 21. Vgl. 2 Petr. 3, 13.

Da nun in allen diesen Sprüchen die sichtbare
Wiederkunft Christi nicht mit dem tausendjähri⸗
gen Reiche, sondern mit solchen Ereignissen ver⸗
bunden wird, welche am jüngsten Tage geschehen,
so ist damit bewiesen, daß seine sichtbare Wieder⸗
kunft auch erst am jungsten Tage, und nicht vor⸗
her erfolgt.

Wie wir gesehen haben, so nenut die hl. Schrift

Christi Wiederkunft am jüngsten Tage, seine Zu⸗

kunft, Erscheinung und Offenbarung, oder daß
er alsdann kommen, erscheinen, geoffenbart werde.
Indessen könnte man einwenden, daß die Wie⸗
derkunft Christi in den Sprüchen gemeint sei,
welche vomm künftigen „Tage“ des HErrn reden.
Allein nach einer in der hl. Schrift gebräuchlichen
Redeweise (Metonymie) wird oft eine Zeit gesetzt
für das, was in derselben geschieht. Darum ist
unter dem künftigen Tage des HErrn oft nur das
zu verstehen, was an demselben sich ereignen
wird, namentlich seine Wiederkunft zum jüngsten
Gericht.

So erklärt es der HErr selbst. Nachdem er
nämlich Luc. 17, 24 den Tag des Menschensoh-
nes schlechthin erwaͤhnt hatte, beschreibt er ihn
v. 30: „Auf diese Weise wird es auch gehen an
dem Tage, wenn des Menschen Sohn
soll geoffenbaret werden.“ Ferner
wird 2 Thess. 2, 1-2 der Tag Christi geradezu
für seine Wiederkunft gesetzt: Aber der Zu-
kunft halben unseres HErrn JIEsu Christi und
unserer Versammlung zu ihm bitten wir euch,
liebe Brüder, daß ihr euch nicht bald bewegen
lasset von eurem Sinn, noch erschrecken weder
durch Geist, noch durch Wort, noch durch Briefe,
als von uns gesandt, daß der Tag Christi vor⸗
handen sei.“ Und waͤhrend es so oft heißt, der
Tag des HErrn kommt wie ein Dieb in der Nacht,

hier, wie auch sonst oft, unter dem Tage des
HErrn nur seine Wiederkunft zum jungsten Ge⸗
richte zu verstehen ist. Ein besonders deutliches
Licht über diesen Tag giebt uns aber Ap. 17, 31:
„Darum daß er (Gott) einen Tag gesetzt

Kreis des Erdbodens durch einen
Mann, in welchem ers beschlossen hat“ (näm⸗
lich Christum). Vergl. Röm. 2, 16. Hier wird
also ein von allen übrigen Tagen ausgesonderter
und bestimmter Tag erwaͤhnt, welchen Gott zum
Weltgericht und damit zur Wiederkunft Christi
festgesetzt hat, wogegen wir uirgend's lesen, daß
Gott noch einen andern Tag zur Wiederkunft
Christi beim tausendjährigen Reiche angesetzt ha⸗
be. Vielmehr wird in allen Stellen, die vom
künftigen Tage des HErrn reden, immer nur die⸗
ser eine Tag gemeint, der zuweilen näher bezeichnet
wird als der Tag des Gerichts 1 Joh. 4, 17.
der Tag des Zornes und der Offenbarung des ge⸗

und offenbarliche Tag des HErrn Ap. 2, 20, ꝛc.

Gäbe es nun eine zwiefache sichtbare Wieder-
kunft Christi, eine zum tausendjährigen Reiche,
die andere zum jüngsten Gerichte, so müßten wir
bei der hohen Deutlichkeit der hl. Schrift erwar⸗
ten, daß die Weissagungen, welche von der Zu⸗
kunft Christi handeln, irgend einen Zusatz erhiel⸗
ten, woraus wir schließen könnten, welche Wie⸗
derkunft Christi gemeint sei. Nun finden sich aber
viele Stellen, welche von einer Wiederkunft und
einem Tage Christi schlechthin ohne alle naͤhere
Bestimmung reden. So sagt der Herr oft: „Sie⸗
he, ich komme bald,“ Off. 3, 11. 20, 7. 12. 20.
und Jak. 5, 8: „Die Zukunft des HErrn ist na⸗
he.“ Eben so heißt es oft: „jener Tag“, Matth.
7, 22 ꝛc. „der Tag unsers HErrn JEsu Christi,“
1 Cor. 1, 8: „Der Tag nahet,“ Ebr. 10, 25.
Gewiß muß es doch eine sichere Regel geben,
welche eine richtige Auslegung dieser und ähnli⸗
chen Stellen ermöglicht, oder wir würden in eine
endlose Verwirrung gerathen. Diese Regel ist
nun keine andere als die, daß die hl. Schrift selbst
von der durch unzählige klare Sprüche bewiesenen
Thatsache ausgeht, daß es nur Eine Wiederkunft
Christi und nur Einen jüngsten Tag giebt. Diese

Wahrheit ist so oft und so deutlich bezeugt, daß
nun auch jene scheinbar dunkleren und unbe⸗
stimmteren Sprüche nicht mehr mißverständlich

sein können, da sie von den hellen Sprüchen rich-
tig erklärt und genau bestimmt werden. Wenn

wir so Schrift durch Schrift auslegen, treffen

wir gewiß den Sinn des hl. Geistes. Sagt dem
nach Jak. 5, 8: „Die Zukunft des HErrn ist
nahe,“ oder Ebr. 10, 37: „Ueber eine kleine
Weile wird kommen, der da kommen soll, und

nicht verzie hen, ꝛc. so kann dies im Lichte der hl.
Schrift nur heißen, daß die sichtbare Wiederkunft

Christi zum jüngsten Gerichte nahe bevorsteht.
Erwägen wir nun noch einige Hauptsprüche,

in welchen uns der hl. Geist gewaltig und über⸗

zeugend versichert, daß wir die sichtbare Wieder⸗

kunft Ehristi erst am jüngsten Tage zu erwarten

haben. Es heißt Ebr. 9, 26-28: Nun aber am

Ende der Welt ist er einmal erschienen,

1 Thess. 5, 2, sagt Christus Off. 16, 15. „Siehe,
ich komme als ein Dieb,“ woraus wir sehen, daß.

hat, auf welchem er richten will den

—

rechten Gerichtes Gottes, Röm. 2, 5, der große

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