Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 8 › Seite 61

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. Dezember 1856, Seite 61

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 6

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een Seligkeit zu führen.

durch sein eigen Opfer die Sünde auf zu-
heben. Und wie dem Menschen ist gesetzt, ein ⸗
mal zu sterben, darnach aber das Gericht: also
ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler
Sünden. Zum andernmal aber wird er
ohne Sünde erscheinen denen, die auf
ihn warten, zur Seligkeit.“ Der hl. Ver-⸗

fasser beschreibt in diesem Capitel die Vollkom-
menheit unseres Hohenpriesters und seines Ver⸗
söhnopfers, und zieht daraus den Schluß, daß
Christus sich nur einmal zum Opfer für die Sünde
darzubringen brauchte. Dasselbe beweist er nun
auch aus dem Verhältnisse, welches zwischen der
Strafe der Menschen und dem Lösegelde Christi
statt findet v. 27 und 28. Weil nämlich die
göttliche Gerechtigkeit über die Menschen verhängt
hat, daß sie nur einmal den zeitlichen Tod erlei⸗
den, darnach aber vor Gericht kommen, um ent⸗
weder die Verdammniß oder die Seligkeit zu em⸗
pfangen, so ist sie damit befriedigt, daß sich
Christus nur einmal am Stamme des Kreuzes
für die Sünde der Menschheit geopfert hat. Sie
wird also nicht verlangen, daß Christus noch
ein-oder mehrmal erscheine, um für die Sünde
zu leiden und zu sterben, eben weil er mit seinem
einmaligen Opfer ein vollkommenes Lösegeld be⸗
zahlt hat. Wenn er daher zum zweitenmal wie⸗
derlommen wird, so wird er ohne Sünde erschei⸗
nen, d. h. ohne die Sünde noch einmal zu tra⸗
gen und zu büßen, sondern um Gericht zu halten,
und diejenigen, welche auf ihn warten zur ewi⸗
Wir erwähnen hierbei,
daß das Wort, welches Luther ganz richtig zum
andernmal übersetzt hat, auch zu m zweiten
Male bedeutet. Demnach sagt Calov bibl. ill.
IV. 1321 hiezu mit Recht: „Hier ist die Rede
vom jüngsten Gerichte in Beziehung auf das
menschliche Geschlecht, namentlich aber die Gläu⸗
bigen. Estius bemerkt richtig, daß den Wor-
ten: darnach das Gericht, die letzten
Worte entsprechen: zum andernmal aber
wird er ohne Sünde erscheinen denen,
die auf ihn warten,? zur Seligkeit. Denn
auch dieses Gericht wird Christo gegeben, nicht
als dem der gerichtet werden soll, sondern der da
richten und den Erlösten und Auserwählten den

Gnadenlohn ertheilen wird.“ Offenbar unter⸗
scheidet hier also der hl. Verfasser eine zwiefache

Erscheinung Christi, die erste zur Erlösung, die

zweite zum jüngsten Gerichte, welche er nicht blos
mit einander vergleicht, sondern im Gegensatz zu
einanderstellt, so daß es mit hohem Nachdrucke
eeißt zum zweiten Male aber wird er ohne
Einde erscheinen denen, die auf ihn warten zur
Seligkeit. Demnach ist es sonnenklar, daß mit
diesen Worten die Wiederkunft Christi zum tau⸗
sendjährigen Reiche vollkommen geleugnet und
verworfen wird. Denn der Sinn ist dieser: ein⸗
mal ist Christus erschienen, um sich fr uns zu
opfern, das zweite Mal aber wird er nicht er⸗
scheinen, um für unsere Sünde zu leiden, sondern
Im Gericht kommen. Deutlicher kann es nicht
Jeesagt werden, daß nur noch die Wiederkunft
Christi zum Gerichte einzig und allein zu erwar⸗
ten ist.
Bedenke ferner, lieber Leser, wasChristus in sei⸗
nem Leiden dem Hohenpriester auf die Frage, ob

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er Gottes Sohn sei, antwortete: „Du sagst es.
Doch sage ich euch: Von nun an wirds geschehen,
daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen
zur Rechten der Kraft und kommen in
den Wolken des Himmels.“ Die Hohen-
priester und Juden glaubten nicht, daß Christus
Gottes Sohn sei. Darum antwortete ihnen Chri-
stus, er wolle ihnen seine Gottheit beweisen durch die
herrlichen Werke seiner Allmacht, durch die Heim-
suchungen seiner Gnade und seines Zornes und
endlich durch sein sichtbaresKommen in den Wol-
ken des Himmels zum jüngsten Gerichte. So
sahen die Juden den HErrn Christum sitzen zur
Rechten der Kraft und kommen in den Wolken
des Himmels, als sie höreten von der herrlichen
Auferstehung und Himmelfahrt Christi, als sie
sahen die Ausgießung des hl. Geistes am Pfingst⸗=
feste, und die gewaltigen Zeichen und Wunder
der hl. Apostel, als sie sahen, daß Christus durch
sein Wort sich aus Juden und Heiden seine Kir⸗
che sammelte und daß keine Macht der Welt sie
üͤberwaͤltigen konnte, sie sahen ihn in der Zerstö⸗
rung Jerusalems, d. h. sie erkannten aus allem
diesem seine Gottheit und werden sie einst noch
deutlicher ersehen, wenn sie ihn kommen sehen in
den Wolken des Himmels am jüngsten Tage.
Warum aber schweigt Christus an dieser Stelle

von seinem Kommen zum tausendjährigen Reiche?
Warum beruft er sich hier nicht darauf, als ei⸗

nen Beweis seiner Gottheit? Hier forderte es ja
die Gelegenheit und der Zusammen hang, davon
zu reden. Allein er verschweigt es hier, wie in
der ganzen hl. Schrift, und bezeugt hier nur
seine Wiederkunft am jüngsten Tage, weil wir
nur darauf warten sollen.

Eben so wichtig ist die Engelpredigt Cap. 1,11.
Als namlich der HErr Christus vor den Augen
seiner Jünger am Oelberge gen Himmel fuhr,
da erschienen ihnen zween Maͤnner in weißen
Kleidern, welche auch sagten: „Ihr Männer aus
Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel?
Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen
gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn ge⸗
sehen habt gen Himmel fahren.“ Die En⸗
gel sagen nicht, er wird zweimal wiederkommen,
einmal zum tausendjährigen Reiche und das an⸗
deremal zum jüngsten Gerichte. Sie sagen
schlechthin, er wird kommen, sie setzen also
voraus, daß es eben nurEin Wiederkommenchristi
gebe, nämlich zum jüngsten Gerichte. So konn⸗
ten es die lieben Jünger auch nur verstehen, da
Christus ihnen nur eine einmalige Wiederkunft
am Ende der Welt geweissagt hatte. So können
auch wir es nur verstehen, wenn wir die Worte
der Engel genau betrachten: Er wird kommen,
wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.
Wie er sichtbar auffuhr, so wird er auch sichtbar
wiederkommen am jüngsten Tage, Off. 1, 7
Wie ihn eine Wolke hinwegnahm, so wird er auch
in den Wolken des Himmels wiederkommen
Matth. 24, 30. Wie ihn die Engel mit Jauch-
zen gen Himmel geleiteten, Ps. 47, 6. so werden
sie ihn auch mit ihrem Feldgeschrei bei seiner
Wiederkunft begleiten, 1 Thess. 4, 16. Wie der
HErr auffuhr mit heller Posaune, Ps. 47, 6, so
wird Er auch mit der Stimme des Erzengels und
der Posaune Gottes herniederkommen vom Him-

mel 1Thess. 4,16. Alle diese Umstände passen aber
nur auf die Wiederkuuft Christi zum jüngsten
Gericht. So hat es auch die ganze Kirche seil
achtzehnhundert Jahren verstanden und bekannt:
Christus wird wiederkommen, nicht zum tausend⸗
jährigen Reiche, sondern zu richten die Lebendigen
und die Todten. Darum betet auch die ganze
Christenheit seit achtzehnhundert Jahren nach
Off. 22, 20: „Ja, komm HErr IEsu!“ nicht
zum tau sendjaͤhrigen Reiche, sondern zum lieben
jüngsten Tage. Amen.
(Fortsetzung folgt.)

(Eingesandt von Past. P. Beyer.)

Ariege und Sirge des Berrn
bis in das 4. en

———

Yer Herr umt die Seinen.

Stille, friedevolle Nacht 7
Lag auf Palästinas Fluren,
Hin, auf langgewohnten Spuren,
Zog das Sternenheer in seiner Pracht.
In des Mondes Silberlicht
Flimmerten der Hauptstadt Zinnen.
Tiefe Stille herrschte drinnen;
Wer nicht litt und krankte, wachte nicht.
Aus des Himmels sel'gen Höh'n
Schwebte Gottes Engel nieder,
Glanz umfloß die lichten Glieder,
Und er blieb auf Zions Spitzen steh'n.
In das nachtumhüllte Land
Tauchte er die schnellen Blicke
Auf der Schlafenden Geschicke,
Die er droben las in Gottes Hand.
Fernher sah' er Heere zieh'n
Und sich um die Hauptstadt schaaren,
Sah' sie Thür und Thor verwahren;
Niemand konnte, niemand sollte flieh'n.
Streitgetümmel stieg empor,
Rosse stampften, Waffen klirrten
Lanzen krachten, Pfeile schwirrten
Und der Sturmbock wetterte an's Thor.

Mauern stürzten Mauern nach,
Blößten Hütten und Paläste,
Die das Heer der fremden Gäste
Würgend, raubend auch in Stücke brach.
Prasselnd quoll ein Feuermeer
Aus des Tempels heil'gen Hallen,
Fluthend stieg sein wildes Wallen,
Ebbend sank's; da stand kein Tempel mehr.
Drüben lag in stolzer Rast
Pella, nur ein offner Flecken,
Niemand fühlte dort den Schrecken⸗
Der das Volk Jerusalems erfaßt.
Dorthin war, von Gott gemahnt,
Seine Christenschaar gezogen,‚
Ehe noch die Unglückswogen

Sich den Weg zur Tempelstadt gebahrt.
Und anbetend neigte sich 15½½95 16.
Gottes Engel hin zur Erde: ae .
Gott du kennest deine Heerde, c
Weidest sie und führst sie ewiglich.
Ob die Welt es auch nicht ahnt,
Wenn du deine Macht verborgen,
Daß dir Tausende gehorchen,
Ist doch dir dein Reich und Volk bekannt.

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