Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 14, Nummer 25 › Seite 193

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Juli 1858, Seite 193

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MIis ich sahe einen Engel
fliegen mitten durch den Him⸗
mel, der hatle ein ewig Evan⸗
gelium, zu vetkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und

Völkern,
Offenb. Joh. 14, 6.

.———

2

*

**

Redigirt von C. F.

Y
Aln sprach mit großer Stim⸗

me: Fürchtet Gott, und gebet
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den, der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
nnd die Wasserbrunnen.

Offenb. Joh. 14, 7.

ud Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr

Heransgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Syunode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Walther.

Jahrgang 14.

St. Louis, Mo., den 27. Juli 1858.

No. 25.

—

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subseriv⸗
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Nur die Briefe, welche Mittbeilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur. alle andern aber
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Barthel, care of-U.-F. W. Walther, St. Louis, Mo., auber zu senden.

Zum Ehrengedächtniß
unsers am 8. Juni beim Baden verunglückten
lieben Bruders,

weil. Past. J. P. Kalb,

geboren den 4. Juli A. D. 1828,
entschlafen den 8. Juni 1858.

„Welche der Herr lieb hat, die

züchtigt er,“ also muß ja billig jeder einzelne

Christ, und so auch jede christliche Gemeinschaft
mit Gottes Wort bekennen, und der väterlichen
Liebe unseres Gottes von Herzen Dank sagen,

daß er zu unserem Nutzen also thue, damit wir
seine Heiligung erlangen.

Und so ist es denn nichts Anderes, als die
züchtigende Liebe unseres himmlischen Vaters ge⸗

wesen, daß er am 8. Juni, Nachmittags zwischen
vier und funf Uhr unsern geliebten Bruder, wei—
land J. Paul Kalb beim Baden in einem
Mühlgraben des „Maumee“ Flusses, unweit des

Seminars, durch einen schnellen und leichten
Tod aus die sem betrübten, mühseligen Leben hin—

weg und seine Seele zur Gemeinschaft seiner ewi⸗

gen Freuden hinaufrückte. Zwar war er nicht
allein zum Baden gegangen, sondern in Gesell⸗
schaft seines lieben Freundes, des Herrn Prof.
Fleischmann; aber als dieser, etwas Lon
ihm eutfernt, ihn auf einmal verschwinden sah
und zu seiner Rettung herbeieilte, da er des

Schwimmens kundig ist, so ward, nachdem es

ihm bereits mit dem Aufwande aller seiner Kraft

gelungen war, den Geliebten nahe an das Ufer

zu bringen, nach Gottes Verhängung plötzlich

sein Arm ihm gelähmt, die Besinnung ihm ge⸗
ranbt, daß er den Freund nicht mehr fassen,
nicht mehr sehen, nicht mehr der Tiefe, in wel ·
cheer nunmehr gesunken war,; entreißen-konnte,
und nur-mit äußerster Anstrengung —mehr todt
als-lebendig, das-gar nicht ferne-Ufer erreichte,
wo er ohnmächtig-liegen-blieb,.-und nur nochein
lautes, anhaltendes—„Ach“-aus der gepreßten
Brust hervorbringen-konnte— Auf diesen Wehe⸗
ruf-kam-nach einigen Minuten der Müller-aus
dermnahen Mühle-mit seinen-Knechten—herbei⸗
geeilt; da sie aber des Schwimmens unkundig
und nicht im Besitze eines Canoes waren, so
konnten sie-nichts- thun,-als-so-schnell als mög⸗
lich zu dem etwa X-Ml.-entfernten.Seminarhin⸗

Fleischmann näher-bezeichneten Trauerfall zu
melden.—Darauf-rannten-so-schnell-els mög⸗
lich die besten Schwimmer und Taucher von un-
sern Zöglingen hinunter und durchtauchten die
ganze Gegend, wo der theuere Bruder verun⸗
glückte konnten ihn-aber nicht finden; auch die
Versuche eines englischen Mannes waren um⸗
sonst. Inzwischen wurde nach der Stadt ge—
schickt, um ein Canoe zu holen; aber auch nach
dessen Ankunft waren alle an diesem Abende so⸗
wohl und wahrend der Nacht, als auch an den
zwei folgenden Tagen angewandten Bestrebungen
vergeblich, seinen Leichnam aufzufinden. Mitt⸗
lerweile fielen so häufige und schwere Regengüsse,
daß der Fluß mit dem Mühlgraben sich verei—
nigte und weit hinans das Land überschwemmte.
Da konnte denn gar nichts für die Auffindung
des Leichnams geschehen; doch ward eine An-—

zeige in die englischen Blätter eingerückt, mit der
Bitte sonderlich an die Uferbewohner, daß, wo
die (genaubeschriebene) Leiche etwa möchte an's
Ufer getrieben werden, davon alsbald in dem
Seminar Nachricht gegeben werde, unter Zusi⸗
cherung einer angemessenen, auständigen Beloh⸗
nung. Denn „wiewohl die Erde.des Herrn ist,
und was darin ist“ auch die Wasser am jüngsten
Tage ihre Todten hergeben müssen, sohatte es
doch für das christliche Gefuhl unser aller und in-
sonderheit unserer so plötzlich verwittweten Schwe⸗
ster inChristo, deren Glauben er Rerr durch'die⸗
süßen Trösttungen'des Evangelii emporhielt, etwas'
schmerzlich- Verwundendes, daß wir den theuern
Leichnam nicht finden konnten, um ihn als ein

aufzueilen und dort den inzwischen von-ProfessorPSamenkorn der fröhlichen und. scligen Auferste⸗

hung in den. Gottesg nzen und christ⸗
lich und ehrlich zu bestatten. Erst am zehnten

Tage nach dem Unglück erschien der Constable
des benachbarten Towuships auf dem Seminar
und zeigte an, daß der Leichuam fünf Meilen von
hiersan dem Ufer ungeschwemmt worden sei, und
begehrte drei Zengen, um vor dem Coroner
zu erscheinen. Diese folgten ihm alsbald, und
Abends um 5 Uhr war der leider sehr entstellte
und stark in- Verwesung übergegangene Leichnam
bereits auf unserm-Gemeinde-Gottesacker, wo
er sogleich beerdigt wurde, worguf Herr Prof.
Crämer eine kurze, tröstliche Ansprache,hielt
und mit dem vierstimmigen Gesange der Zoͤg⸗
linge: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt,“ ge⸗
schlossen wurde.

Am Sonntag daranuf, dem 3. p. Trin. fand
nun Nachmittags die eigentliche Gedächtnißpre⸗

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