Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 14, Nummer 25 › Seite 199

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Juli 1858, Seite 199

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Wort Gottes werth halten, und aus Dankbar—
kelt fur das, was Gott an uns gethan, das Werk
der Mission eifrig treiben.

Nun, dem großen Gott sei Lob und Preis für
den reichen Segen, der uns an diesem frohen
Feste zu Theil wurde, Er gebe nur auch, daß
wir behalten und anwenden, was wir gehört
haben. Amen.

Die Missionscollecte, am Schlusse
Gottesdienste gesammelt, betrug 571.45.
x Ein Gemeindeglied.

— —.— —

Kircheinweihungen.

beider

Es war im Spätherbste voriges Jahr, da die
deutsche evangelisch-luth. St. Paulus Gemeinde
an der Clifty, Bartholomew Co., Ja., zu welcher

damals noch sechs Familien, in der Stadt Co-⸗
lumbus, Ja., wohnend, gehörten, beschloß,
ihre schon einige Jahre her stehende, aber noch
unvollendete Blockkirche vollends auszubauen.
Jene in der Stadt wohnenden Gemeindeglieder
erklärten hierbei, weil es ihren Frauen fast den
ganzen Winter hindurch unmöglich ist, dem
Gottesdienste beiwohnen zu können, so wollten
sie ihr Aeußerstes thun, und selbst, wenn auch
nur ein kleines Kirchlein bauen. Es währte
nicht lange, so lagen auch schon die Schwellen
zur neuen Framekirche 30 Fuß lang und 24 Fuß
breit. Jedoch der eintretende Winter hemmte den
Fortbau derselben, der aber mit dem heranua—
henden Frühling sogleich wieder fortgesetzt wurde.
Durch den Eifer dieser Wenigen angefenert, be—
schloß nun anch die Buschgemeinde die Blockkirche
niederzureißen, und an deren Stelle eine Frame-
kirche 34 Fuß lang und 24 Fuß breit zu bauen.
Kaum war solches acht Tage noch beschlossen,
so begann auch schon der Ban, und in Zeit von
neun Wochen stand die Kirche, ein gar liebliches
und freundliches Gebäude, das Werk eines ein—
zigen Mannes, mit zeitweiliger Hülfe seines
Sohnes, fir und fertig da.

Am 30. Mai nun, als am Feste der heil. Drei⸗
einigkeit, fand die Einweihung der Kirche im
Setilement, bei einer zahlreichen Versammlung
von nah und ferne, statt und zwar in folgender

Weise: Um 10 Uhr, am Morgen genannten
Tazes versammelte sich ein Theil der Gemeinde
im Schulhause, in welchem wir bis daher un-

seren Gottesdienst hielten, zur Beichte. Nach
Beendigung derselben zogen, unter dem Gesang
des Verses: Unsern Ausgang segne Gott ꝛc.
die Beichtenden, denen sich die uͤbrigen Gemein—
deglieder anschlossen, voran der Unterzeichnete
und die beiden Herren Pastoren Sauer und
Schürmann, welche zur Kirchweihfeier eingela⸗
den waren, von der Schule nach der neuen
Kirche. Au der Thüre derselben angekommen,
sprach der Unterzeichnete die Worte des hundert—
sten Psalms, wo bei den Worten: Gehet zu
seinen Thoren ein mit Danken u. s. w., einer
der Vorsteher die Thüre öffnete. Die eigentliche
Feier begann nun mit dem Gesang: Nun dan-
ket alle Gott, worauf der Weihact und das

Weihgebet, von Herrn Pastor Sauer gesprochen,
folgte. Abermals erscholl der Gesang des Liedes
146: Hallelujah, Lob, Preis und Ehr u. s. w.,
worauf die Liturgie, von dem Unterzeichneten
gesprochen, folgte. Nach Beendigung derselben

sang die Gemeinde das gewöhnliche Kirchweih—
litd 168, worauf Herr Pastor Schürmann die

Kanzel bestieg und eine treffliche Predigt über

Pfalm 84 hielt. Die Abendmahlsfeier machte

den Schluß des Ganzen.

Acht Tage später, als am 1. Sonntag nach
Trin. fand die Einweihung der Stadtkirche in
derselben Weise statt, nur mit dem Unterschiede,

daß Herr Pastor Klinkenberg die Weihpredigt,

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über Eph. 2, 19 —22. hielt, und der Unterzeich⸗
nete, weil Herr Pastor Fricke verschiedener Um-
stände wegen der Einladung nicht folgen konnte,
den Weihact und das Weihgebet verrichtete.
Noch muß ich bemerken, daß bei beiden Einwei⸗
hungen eine Taufe statt fand.

Lob und Preis aber sei Gott unserm Gott,
der nach seiner unaussprechlichen Barmherzigkeit
so Großes an uns gethan hat. Er sei anch fer⸗
nerhin, wie bisher mit seiner Gnade und mit
seinem Segen über uns. Zu seines Namens
Preis und Ruhm sind beide Kirchen erbaut. Sein
treues Vaterauge, das nie schläft noch schlum—
mert, wache über denselben, damit allewege sein
theuer werthes Wort rein und lauter an diesen
Orten seiner Ehre möge verkündiget werden zu
Lobe seiner Herrlichkeit und zum Heil und From-
men aller derer, die darinnen ein und ausgehen,
Amen. A. Zagel.

Einführung.

Am 4. Sonntag p. Trin. d. J. wurde Hr.
Pastor W. Heinemann, seither Hülfsprediger in
Chicago, von mir, dem Unterzeichneten, im Auf⸗
trage des Präsidiums westlichen Distrikts der
Missouri Synode, in meine bisherige liebe Drei⸗
einigkeitsgemeinde zu Crete, Will. Co., Ill. als
deren von ihr berufener Pastor eingeführt. Un⸗
vergeßlich wird dieser Tag allen Betheiligten sein,
sonderlich weil, was sonst wohl selten vorkommt,
dieser Gemeinde die große Gnade zu Theil wurde,
daß noch an demselben Tage ihr neuer Pastor ihr
zugeführt wurde, an welchem der seitherige seine
Abschiedspredigt halten mußte, um einem Beruf
nach Rock Island, Ill. zu folgen. Wie vorans-⸗
gesehen, war keines der beiden Kirchlocale der
Gemeinde geränmig genug, um die, auch aus
einer Nachbargemeinde, unter deren Gliedern
viele sind, die früher zu meiner Gemeinde sowohl
in Erete als auch vordem schon in Chicago ge⸗
hörten, herzuströmenden Schaaren fassen zu kön⸗
nen. Es wurden deshalb die zwei betreffenden
Gottesdienste des Tages im Freien, unter dem
Schatten der den Gottesacker umgebenden Bäume
gehalten. Wolle nun der treue Erzhirte dem lie⸗
ben Pastor Heinemann nur seinen Segen dahin
geben, seines Amtes also zu warten, daß er selig
mache sich und die ihn hören!

Die Adresse Pastor Heinemanns ist:

Rev. W. Heinemann.
Crete, Will Co., III.

Rock Island, den 6. Juli, 1858.

Au g. Selle.

Herzliche Bitte um Hülfe.

Wie die lieben Lutheranerleser aus einer An-
zeige in dieser Nummer ersehen, habe ich mit Be⸗
willignng meiner früheren Gemeinde zu Crete
einen Ruf nach Rock Island angenommen.
Diese Stadt, die gegen 10,000 Einwohner zäh⸗
len soll, liegt am Mississippi, im nördlichen
Illinois, nur durch den Fluß getrennt von dem
18,000 Einwohner zählenden Daveuport, worin
bekanntlich das deutsche Element besonders stark
vertreten ist. Hunderte von Meilen in der
Runde ist kein Pastor unserer Synode, ja Rock
Island kann als der Schlüssel des ganzen mitt⸗
leren Jowa's betrachtet werden. Die hiesige Ge⸗
meinde hat deshalb ihre Anfgabe begriffen, als
Missionsgemeinde dastehen zu müssen, und eben;
darum mich hierher berufen, weil sie in mich
das gute Zutrauen setzt, daß ich für die Ausbrei⸗
tung der Kirche mich besonders eifrig beweisen
werde. Nur diese günstige Lage und Gesinnung
der Gemeinde konnte mich und meine lieben Cre⸗
ter überzeugen, daß ich eine wohl dreimal so

starke Gemeinde verlassen und nach Rock Island
gehen müsse. Eben weil meine neue Gemeinde
nun aber noch aus so gar wenigen Gliedern be⸗
steht, so wird es ihr, menschlich angesehen, un⸗
möglich sein, besonders in dieser hier im Norden
so geld⸗ und arbeitslosen Zeit, trotz aller bereits
bewiesenen Opferwilligkeit, neben der Erhaltung
ihres Pastors und seiner starken Familie noch
aus den nothgedrungen contrahirten Schulden
sich herausarbeiten, ja nur die Interessen der⸗
selben prompt bezahlen zu können, was doch ge⸗
schehen muß, wenn nicht das Bestehen der Ge⸗
meinde aufs höchste gefährdet werden soll. Wir
wissen zwar gewiß, weil es allein Gottes Sache
ist, die wir treiben, daß er nach seinen reichen
Verheißungen auch die Mittel schaffen muß; al⸗
lein ebensowohl ist uns gewiß, daß es eine große
Gnade ist, Gottes Schatzmeister sein zu durfen.
Deshalb wenden wir uns nun an die lieben Lu⸗
theranerleser und rufen ihnen zu: Wer ist, der
das Feuer der Liebe Christi an seinem eigenen
Herzen erfahren hat, und nun auch brennt vor
Begierde, Christi Reich auszubreiten, auf daß
Vieler Seelen Satans Reich entrissen und dem
Himmel zugeführt werden? Wer ist, der von
Vielen oder von Wenigen gerne hierzu auf den
Altar des HErrn steuern möchte? Dem sagen
wir: „denke an Rock Island und helfe schnell!“
Beiträge, sei es durch Collekten oder von
Einzelnen, werden mit herzlichstem Dank durch
den „Lutheraner“ quittirt, wenn sie eingesandt
werden an Rev. Aug. Selle, (Box 504)
Rock ISland, III.

Kirchliche Nachrichten.

Es war bisher dem Unterzeichneten nicht mög⸗
lich, sich des Auftrags zu entledigen, die beiden
Hern. Pastoren N. Volkert und L. A. Lange in ihre
neuen Aemter einzuführen, obwohl er denselben
vom Präsidium des westlichen Distrikts schon
nach Schluß der Sitzungen des westlichen Di⸗
strikts erhalten hatte, theils wegen nothwendiger
Amtsge schäfte und theils wegen der vielen star⸗
ken Regengusse, wodurch die Creeks unpassirbar
wurden; endlich konnte es geschehen. Am 3.
Sont. p. Tr. Vormittag wurde Herr Past. N. Vol⸗
kert in sein neues Amteingewiesen, nachdem vorher
aus Matth. 9, 37. 38. gepredigt und der Ge⸗
meinde vorgestellt wurde:

Daß treue, rechtschaffene Predi⸗
ger des Evangeliums theure Ga⸗-
ben Gottes sind.

1. weil der Herr Christus den Mangel an
rechtschaffenen Predigern des Evangeliums
anzeigt. Es giebt Prediger genug, zu allen
Zeiten hat es viele gegeben, aber wenig
treue und rechtschaffene. Zur Zeit des
Messias waren es bloß der Heiland und
dessen, Jobhannes der Täufer und dessen
Jünger. — Jetzt giebt es auch Prediger ge⸗
nug, auch hier zu Lande, aber leider nur
wenig treue und rechtschaffene Arbeiter in
der großen Ernte des Herrn;

weil sie der Herr ausrüstet und sendet.
Er giebt ihnen die nöthigen Gaben zur
treuen Führung ihres Amtes — schenkt
ihnen Muth und Freudigkeit im Glauben,
was Menschen nicht vermögen — sendet
sie selbst in seine Ernte;

weil durch ihren Dienst himmlische Güter
ausgetheilt — viele Seelen gewonnen —
in die Kirche gebracht und endlich in die
ewige Scheune gesammelt werden. Eine
solche tbeure Gabe hätten sie gehabt, und
Gott hätte ihnen abermals eine solche be—
scheert; darum sollten sie ihn aufnehmen
als einen Engel — Boten Gottes, dem

3.

English translation

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