Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 14, Nummer 25 › Seite 195
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Juli 1858, Seite 195
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeinde
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Brüder, jeden aus Gottes Gnaden uns verliehe.
nen Tag amtlicher Arbeit möglicher Weise gls
den letzten ansehen und mit brünstigem Geiste
ten sein auch im Kleinen, in jeglichem Werke
des Glaubens und in aller Arbeit der Liebe?
Sollten wir nicht jede Stunde der vielleicht
nux noch QWarlich emeenen Arbeits eit um
so emsiger auskaufen. zu. Gettes Ehre und zu
unserer Gemeinden, auch jedes Einzelnen darin,
Erbauung und Besserung, und darin dem
nachwandeln, der mit unermüdeter suchender
Hirtenliebe auch der Sünderin, der Maria aus
Magdala, der Ehebrecherin, dem Zachäus und
endlich noch am Kreuze dem Schächer nachging,
indeß er mit pflegender Hirtentreue der 99 be⸗
reits Gerechten, als z. B. seiner Jünger und
Jüngerinnen eben so zärtlich wahrnahm und gleich⸗
zeitig im heiligen Eifer für die Reinheit der Lehre
und des Hauses Gottes also entbrannt war:
daß recht von ihm geredet sei: „der Eifer um dein
Hans hat mich gefressen?“ Sollten wir zu dem
Ende nicht immer mehr Acht haben auf
uns selbst, daß wir wenn uns Christus zu
hoch ist, doch Paulo nacharten und nach⸗
ahmen, der abgesehen von seinen hohen Gaben,
darum so bruüstig im Eifer um die reine evange⸗
lische Lehre, und im Verfluchen der muthwilligen
Irrlehrer und darum so bruͤnstig in der rettenden
Liebe und im stetigen Ermahnen eines Jeglichen,
auch durch die stumme, und doch so eindringliche
Sprache der Thränen, und nach beiden Seiten
so unermüdlich war, so lange es Tag war, weil
er, in sich selbst nichts als ein armer, ja der
vornehmste Sünder, doch in Christo durch den
Glauben nichts denn ein Gerechter war, und
aus diesem Glauben in Beweisung des Geistes,
und der Kraft seines Amtes wahrnahm?
Ja fürwahr! Angesichts solcher Todesfälle,
und eingedenk des Teufels List und unsers Flei⸗
sches Trägheit gilt es, Acht zu haben auf uns
selbst, daß wir in der Ausrichtung unsers Amtes
auch fort und fort aus der Gnade leben, und
vom rechtfertigenden Glauben beseelt und ge—
tragen werden, daß die Trübsale uns nicht weich,
die Kämpfe und Stürme nicht verzagt
mutbia, des Heuchelvolk nicht Kude und verdros⸗
sen, die Zeiten der äußerlichen Ruhe uns nicht
scher und stumpfsichtig, diese oder jene Wirkung
des göttlichen Wertes an diesen oder jenen Seelen
uus nicht selbstgefällig und hechmüthig, das
Nichtsehen der Frucht unserer Arbeit, nicht klein⸗
müthig, das hin und her sich bessernde Einkom⸗
men uns nicht träge und lässig, die Exempel
falscher Christen in und außer dem Predigtamte
uns nicht geld⸗ und weltsorgerisch machen; denn
unmöglich ist es, daß wir nicht so oder anders
Schaden nehmen an unseren Seelen, und indeß
wir stetiglich unserm Volke den guten und richti⸗
gen Weg lehren, selber irre gehen, oder doch
nur hölzerne Wegweiser sind, und vor Gott
verwerflich werden, wenn wir nicht zuerst und
zuletzt Acht haben auf uns selbst im Wachen und
Beten, Beten und Kämpfen, im fleißigen Ge⸗
brauche der Gnadenmittel für die eigne Seele,
in möglichster Treue in Ausrichtung des uns be⸗
fohlenen Amtes, im heiligen Ernste in der
Tüdtung des alten Adams, im willigen Tragen des
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vom Herrn uns aufgelegten Leibes und Seelen-
Amts⸗ und Hauskreuzes.
Die Summa aber dieses stetigen Achthabens
auf sich selbst ist das stetige gläubige Aufsehen auf
Jesum, den Gekreuzigten, den Anfänger und
Vollender des Glaubens. Je mehr hierin Je—
mand gottseelige Uebung und Fertigkeit hat, desto
mehr wird er als Christ und Hirte Acht haben
auf sich selbst, und desto geschickter wird er auch
sein und werden, Acht zu haben auf die Heerde,
so ihm befohlen ist, so lange es Tag ist, ehe die
Nacht kommt, da Niemand wirken kann. Daun
aber wird sich auch an ihm die liebliche Verheiß⸗
ung bewähren: „Die Lehrer werden
leuchten, wie des Himmels Glanz,
und die, so Viele zur Gerechtig⸗
keit weisen, wie die Sterne immer
und ewiglich.“
„Welche der Herr lieb hat, die
zuchtiget er,“ das will der 94stliche Vater
und himmlische Erzieher in diesem plötzlichen
Todesfall auch nachdrücklich ans Herz legen.
3. den Gemeinden unsers Synodalverbands.
Es sind jetzt 11 Jahre, daß unsere Synode
bestehet, und in dieser Zeit ist sie von 15 zu 140
Pastoren, und von c. 10 zu 100 Gemeinden ge⸗
wachsen: Auch ist es gewiß eine seltene Gnade
und Gabe, daß innerhalb eines kräftigen
kirchlichen Verbandes sonntäglich von 140 Pre-
digtstühlen dieselbe reine Lehre göttlichen Worts
erschallt, und sonderlich dasselbe theuerwerthe
Evangelium gepredigt wird, darin allen bußfer⸗
tigen Hörern der um unserer Sünde willen da⸗
hingegebene und um nuserer Gerechtigkeit willen
auferweckte Jesus, und in Ihm Vergebung der
Süunden, Leben und Seligkeit ohne Unterlaß
angeboten und denen, die durch solche Predigt
an Jesum gläubig werden, durch den Glauben
zugeeignet und versiegelt wird.
Auch ist zu Gottes Ehre mit herzlicher Dank⸗
sagung zu bekennen, daß sein Wort in keiner
Gemeinde leer zurückkehrt, sondern in diesen und
jenen Seelen die Buße zu Gott, den Glauben
an unsern Herrn Jesum Christum und rechtschaf⸗
fene Gottseligkeit wirkt, auch daß die Gemeinden
sich immer mehr unter die Zucht des göttlichen
Wortes begeben, aus früherer Verwahrlosung
und Unwissenheit herauskommen und immer
mehr eine christliche und kirchliche Gestalt ge⸗
winnen, also daß wir hier, lediglich durch die
Wirksamkeit des göttlichen Wortes, ohne allen
gesetzlichen Zwang kirchlicher Behörden, gar
Manches besitzen und üben wonach die besser ge⸗
sinnten Pastoren in den lutherischen Landeskirchen
Deutschlands bis daher noch vergeblich. sich seh⸗
nen, als die rechte, gottgefällige Kirchenzucht,
Beichtanmeldung, in dieser und jener Gemeinde
bereits Privat- Absolution mit vorausgehender
Privatbeichte, rechtgläubiges Gesangbuch, Kate⸗
chismus und Agende.
Eben so ie. Gemeinde-We
in dieser und jener Gemeinde schon von einem
erfreulichen Gemeindeleben, darin eben Gottes
Wort, dem kirchlichen Belenntniz gemän regierxt,
also daß weder, auf gut amerikanisch. Re abstinr.
me der thatsächlichen Ergebnisse, sonderlich in
mende Masse der einzelnen Gemeindeglieder, no
auf gut hiergrchisch LrberL mit oder ohne
Kirchenvorstaud das Regiment führt.
Nicht minder fehlt es fast in keiner Gemeinde
an einzelnen wahren Christen, die in den Werken
des Glaubens und in der Arbeit der Liebe, die
theils zur Erhaltung, theils zur Ausbreitung der
Kirche von unserer Synode getrieben wird, sich
rechtschaffen bethätigen, ja es giebt, Gott sei
Dank, einzelne Gemeinden, die, als solche, hier
kräftig Hand anlegen und den gemeinen Nutz
fordern.
Vergleicht man aber die Summe der Lehr⸗ und
Leitkräfte unserer Synode und den treuen Fleiß⸗
derselben, auch an den einzelnen Schafen der
ihnen befohlenen Heerde Christi, mit der Sum-
den Werken des Glaubens und der Liebe, und
zumeist in der Pflege und Erhaltung unserer
Lehranstalten, welches ja unlengbar unser wich—
tigstes Werk fuͤr die Zukunft der Kirche ist, so
wird man lebhaft an Luthers Klagen erinnert,
die er schon im Jahre 1527, also 10 Jahre nach
seinem ersten Zengniß, über den großen Undank
gegen das Evangelium und den Geiz so vieler
Gemeinden erhob, indem er sagte, daß dieser
und jeuer Ort, der ehedem unter dem Papstthum
30—10 faule Bäuche d. i. Mönche mit Leichtig⸗
keit ernährt habe, jetzt käum die Nothdurft für
einen lutherischen Pfarrer aufbringe. Aehn—
lich steht es auch bei uns hin und her und be⸗
wekst von Neuem die alte, traurige Wahrheit,
wie allezeit das Fleisch die göttliche Gnade und
das Evangelium auf Muthwillen ziehe, und
wenige Christen unter den vielen Heuchlern seien.
Ein glaublofer Werkler und Papist will ja wohl
kein Lutheraner unter uns sein, aber die meisten
bedenken nicht, daß ein werkloser Heuchler vor
Gott nicht besser darau sei, als jener, und daß
der Glaube, dem als schuldige Dankbarkeit gegen
Gott für die freie Gnade und Vergebung der
Sünden um Christi willen und als Frucht des
neuen Gehorsams und des willigen und freudigen
Geistes keine Werke folgen, nur todt an ihm sel⸗
ber und nichts, denn leere Einbildung, Wahn
und Selbstbetrug sei. Ich will gar nicht der
brünstigen Bruderliebe und Opferwilligkeit der
Pfingstgemeinde zu Jerusalem sonderlich Erwäh⸗
nung thun, wie sie uns der heil. Geist in Apgesch.
2, v. 4. allerdings als Muster und Vorbild vor
die Augen gemalt hat, sondern nur dieses sagen,
daß, wenn jedes Glied unseres Synodalverban-
des das aus Liebe thäte, was jeder Israelit aus
Zwang des Gebotes thun mußte, nämlich den
Zehnten seines jährlichen Einkommens zur Er⸗
haltung der eigenen Gemeinde- und unseres
ganzen Synodalwesens dem Herrn wiedergäbe,
schwerlich dann durchschnittlich die Prediger und
Lehrer so ärmlich und dürftig unterhalten wären
und die allgemeine Synodalkasse fast immer Noth
hätte, die Besoldung der Lehrer an unsern kirch⸗
lichen Lehranstalten aufzubringen, wiewohl sie
durchschnittlich geringer ist, als auf ähnlichen
Lehranstalten anderer Synoden.
Wovon ist aber solche Unterlassung nun ein
klarer Beweis? Davon, daß der große Gott
Mammon, wiewohl er seine treuen Diener der-
einst mit der ewigen Qual und Pein lohnet,
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