Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 14, Nummer 25 › Seite 196
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Juli 1858, Seite 196
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durch Betrug! des Teufels viel mehr Anhänger
und Vereh rer rer unter uns habe, als der Herr Chri⸗
stus, wiewohl dieser auch alle diese Mammons-
knechte, die ihn so schuöde durch die That ver⸗
leugnen, während sie ihn mit dem Maunde
bekennen, mit seinem heil. Gottesblute so theuer
erkauft hat und auch zu jedem von ihnen vom
Kreuze herunter spricht: „Dies that ich dir, was
thust du mir?“
Da muß ja freilich der Herr zu solchen lau⸗
warmen Laodicäern, die da sprechen: „ich bin
reich und habe gar satt und bedarf nichts, und
die nicht einsehen, daß sie sind elend und jäm-
merlich, arm, blind und bloß,“ — da muß er ja
freilich, nach seiner unergründlichen Liebe und
Erbarmung, ehe er sie ausspeie aus seinem
Muude, zuvor zu ihnen sagen: „welche ich
lieb habe, die strafe und zuüchtige
ich; so sei nunfle ißig und thue
Buße.“ Offbar. 3, 14.
Und solche beilsame Strafe und Züchtigung
und solche Gelegenheit zur Buße hat der ge⸗
treue Gott, wie vor Kurzem durch das Abschei⸗
den des sel. Prof. Biewend, so jetzt durch den
jähen Tod des sel. P. Kalb, insonderheit den
Gemeinden unseres Synodalverbandes geben
wollen; denn voraussichtlich wäre auch letzterer,
wenn sein Halsleiden gleich das laute Predigen
gehindert hätte, doch ein ausgezeichneter Lehrer
und Erzieher auf ansern hiesigen Lehranstalten
geworden.
Möchte nun dieser zweifache Liebesschlag des
getreuen Gottes von allen Gemeinden unserer
Synode, vornämlich aber von denen, die bis da⸗
her so faul und unfruchtbar waren in guten
Werken zum gemeinen Nutz, zu rechtschaffener
Buße ernstlich beherzigt werden und Gott sein
gnädiges Absehen an ihnen erreichen, damit er
nicht genöthigt werde, noch schärfere ähnliche
Züchtigung gegen uns zu üben. Das walte Er
in Gnaden! Amen. —
Fort Wayne, im Juni 1858.
W. Sihler.
(Eingesandt.)
Nachruf
an den am 8. Juni im HErrn selig entschlafenen
Pastor J. P. Kalb ·
Wie brüderlich wir hier beisammen wohnten,
In Liebe auf dem Einen Grund verbunden!
Das wahrhaft Einigende war gefunden,
So daß die Friedensengel bei uns thronten.
Da, ach! — wie wenn aus wolkenlosen Lüften *
Gewalt'ge Donner vor uns niederrollen,
Und Blitze fahren in der Erde Schollen,
Die das Geeinte mächtig jetzt zerklüften:
So wurde plötzlich uns das Herz zerspalten,
Als uns der Jammerschrei entgegenschallte,
Daß ein Geliebter aus dem Leibe wallte,
Den wir noch lange hofften zu behalten.
Ein Wellengrab verschlang die theure Hülle! —
Im Schoos der Wellen wollte sie genesen,
Ach ja! — da wurde dir vom HErrn serlesen
Für Leib und Seele der Genesung Fülle.
Ials dieses Lied Paben.
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So ließ es dir nach seinem Rath gelingen
Der wunderbare Gott, der über Vitten
Heraus uns reißt aus unsern Jammerhütten,
Daß wir ihm oben Hallelujab singen.
So eben hattest du im Chor gefungen
Mit Orgelton: „Schmück' dich, o liebe Seele,
Bereite dich, verlaß die Sündenböhle!“
O theurer Freund, wie schön ist dir's gelungen!
„Nur wer im Glauben steht, kann solch' Lied fassen;“
So offenbartesi du dein inn'res Leben
Und deiner Liebe Ziel, dein Aufwärtsstreben;
Und darum mußtest du uns auch verlassen.
Ich schante Leib an Leib dein Händeringen;
Zu uns zurücke, dacht' ich, willst du kebren;
Da sucht' ich deine Heimfahrt abzuwehren,
Und dein Hierbleiben wollte ich erzwingen.
Umsonst, — ein Engel lähmt mir Kraft und Sinnen,
Dich trug er aufwärts in den ew' gen Frieden;
Geschieden sind wir — und doch ungeschieden;
Was du, das werd' auch ich dereinst gewinnen.
—22 —
(Eingesandt.)
Das lutherische Kirchenlied nach E. Koch.
Casper Melisander, (Bienemann)
ein Nürnberger von Geburt, geboren im Jahre
1540. Er war der griechischen Sprache so kun⸗
dig, daß ihn Kaiser Maximilian II. als Dol-
metscher nach Griechenland schickte, wo er seinen
Namen, griechisch in Melisander umwandelte.
Nach Begleitung mehrerer Stellen und erlittenen
Verfolgungen, wurde er 1571 in Jena Doktor
der Theologie und bald darauf, Lehrer der Kin⸗
der des Herzogs Jobann Wilhelm von Weimar.
Nachdem er dort drei Jahre lang, sein Amt mit
solcher Treue verwaltet hatte, daß der Herzog im
Testament seinen Söhnen als letzten Willen hin—
terließ, sie möchten ihn doch ja allezeit gut ver⸗
sorgen, wurde er dennoch vertrieben, nachdem
sein Gönner, der Herzog, die Augen geschlossen
hatte, und selbst ein Fußfall, den die verwitt⸗
wete Herzogin Susanna, beim Churfürsten Au⸗
gust that, konnte das Unglück von seinem Haupte
nicht abwenden. Er wurde nämlich beschuldigt,
ein Anhänger des Flavius zu sein. Nachdem er
lange in der Verbannung gelebt, kam er endlich
als Generalsuperintendent nach Altenburg und
führte dort die für den Unterricht der Jugend und
derschristlichen Bildung des Volks sehr heilsamen
Catechismus-Examina ein. Dort beschloß er
auch seinen Glaubenslauf am 12. September
1591. Er dichtete mehrere Lieder, von welchen
das bekannteste ist: Herr, wie Du willt,
so schicks mit mir.
Dieses Lied hat Melisander gedichtet
1574 bei Herannahen der Seuche. Seine Schü⸗
lerin, die Prinzessin Marie, lernte dieses Lied
von ihrem Lehrer in ihrer zartesten Kindheit und
erwählte sich später aus Liebe dazu die ersten
Worte.Herr, wie Qu willt, zu ihrem Symbol.
Ein christlicher Bauersmann im Altenburgschen
hatte seiner Tochter Hochzeit-ausgerüstet. Als
die letzte Mahlzeit vollbracht war und ein Lied
gesungen werden sollte, wollte er kein anderes,
Den Tag Hhernach legte
bauliche Schriften, Gebete und Lieder zum Besten
er sid ich auf d. das Siechbett, auf welchem er nach
Aurzer Zeit, „PPestärkt dürch dieses Lied/ sein L Leben
Teschloß. — —
Witenberg am 10. November 1547 gebonn, „4
als eines armen Maurers Sohn.
Geburtsort ging er als Knabe täglich nach
Wittenberg in die Die Stabfschüle, dann kam er als
neunzehnjähriger Juͤnglingen nach Görlitz uf das
Gym nasium, wurde darauf Cantor zu Löwen⸗
berßg in Schlesien und in demselben Jahre noch
Diakonus daselbst. Darauf wurde er Pfarrer
zu Kesselsdorf, dann Pfarrer zu Sprottau und
endlich Oberpfarrer zu Görlitz. Ein Jahr vor
seinem Tode verlor er durch den Staar das Ge⸗
Deswegen mußte er sich, weil er das ihm
so lieb gewordene Wort Gottes dennoch fort und
fort seiner Gemeinde verkündigen wollte, die
Texte vorlesen lassen und sodann darüber mediti⸗
ren. Zu dieser Noth der Blindheit gesellten sich
dann auch noch heftige Steinschmerzen, die end—
lich am 2. März 1606 seine Lebenskraft ver⸗
zehrten. Er war ein Mann von inniger herzli⸗
cher Frömmigkeit, der frommen Herzen viel er⸗
gab. Seine bekanntesten Lieder sind: O Jesu
süß, wer Dein gedenkt ꝛc. und Nimm
von uns Herr, Du treuer Gott,
doch wird das letztere auch dem Barth. Ringwald
zugeschrieben. Mit dem 6. Vers dieses Liedes
hat Dr. Hartmann zu Rothenburg ein schwer an⸗
gefochtenes Weib, welches jämmerlich klagte, wie
sie unaussprechliche Noth, Angst und Anfechtung
hätte, weil sie wider den heiligen Geist gesündigt,
Christum verläugnet und lästerliche Gedanken
wider ihn gehabt habe, von aller Angst und An⸗
fechtung befreit. Er rieth ihr nämlich, dieses
Lied zu singen, mit ihm in die Kirche zu gehen
und da zu appelliren an die Gnade und Barm-3
herzigkeit Gottes und an die Wunden Christi.
Nach dem Gottesdienst kommt sie freudig zu ihm
gelaufen und ruft:
holfen unsere Appellation. Nun wohlan, so
wird Gott weiter helfen, war die tröstlich ermun⸗
ternde Antwort des Seelsorgers.
Martin Böhme, geboren zu Laubau⸗
am 16. September 1557.
theurer Zeit eine furchterliche Pest in Lauban
ausgebrochen war, zu Aich Aach Wien, wo er
zwei Jahre lang seinen Lebensunterhalt mit Un— ö
terrichtgeben verdiente. Dann bezog er die Uni⸗
versität Straßburg. Als nun aber sein Vater
starb, so rief ihn seine Mutter nach Lauban zu⸗
rück, wo er sogleich Schuldiener und in demselben
Jahre noch Diakonus wurde. Im Jahre 1584
nahm er einen Ruf nach Breslau an; allein
nach zwei Jahren schon rief ihn der Magistrat
seiner Vaterstadt zurück, und übertrug ihm die
Oberpfarrstelle, die er mit großem Frohlocken der
ganzen Gemeinde antrat und der er 36 Jahe
lang mit großem Nutzen vorstand. Er starb in
seinem 64. Jahre am 5. Februar 1622. Seine
bekanntesten Lieder sind: O König aller'
Ehren ꝛc. und O Jesu Christ, mein's
Dieses edle Lied, in wel⸗
Lebens Licht.
chem der Seele das blutige Leiden des sterben⸗
Von semnem 7
es hat geholfen! Es hat ge⸗3
In seinem siebzehn⸗ 4
ten Jahre nahm ihn sein Vetter, als in Folge ö
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