Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 14, Nummer 25 › Seite 198
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Juli 1858, Seite 198
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Amt noch des Nächsten Wohlfahrt ruft, der hat
ein starkes Geleite, daß ihm keine Pest beikom⸗
men kann. Wirklich wurde er auch in dieser
ganzen Pestzeit mit all' den Seinigen vom Würg⸗
engel verschont. Dennoch dachte er stündlich der
nahen Todesgefahr, und dichtete unter derselben
im Jahr 1613 das Lied: Valet will ich dir ge⸗
ben, u. s. w. Er verließ auch seine Gemeinde,
die ihm in Lieb und Leid so werth geworden war,
nicht, obgleich ihn oftmals ansehnliche Kirchen-
ämter angetragen wurden. Seine Predigten fin⸗
den sich in seiner evangelischen Herzpostille, sei⸗
ner epistolischen Herzpostille und in seiner nach
seinem Tode herausgegebenen Stoppelpostille.
Am berühmtesten ist aber das Buch, das er un⸗
ter dem Titel schrieb: Manalia Dei, d. i. die
großen Thaten Gottes von Jesu, der ganzen
Schrift Kern und Stern. Seit 1615 hatte er
seinen ältesten Sohn als Prediger an der Seite.
Damit das Maß der Leiden bei ihm voll würde,
mußte er noch die Schrecken des dreißigjährigen
Krieges erleben. Im Jahre 1622 kamen wilde
Kosackenschwärme in die Gegend, welche Gele⸗
genheit seine Feinde benützen wollten, ihn aufzu⸗
heben. Aber auch hier half ihn der Herr; von
einem ehrlichen Hauptmann ward er, wie einst
Justus Jonas in Halle, gewarnt. Im Jahre
1623 endlich stellte ein Schlaganfall als Todes-
bote bei ihm sich ein, als er gerade am 19. Sonn-⸗
tage nach Trinitatis über das Evangelium vom
Gichtbrüchigen predigen sollte. Am 21. Februar
1627 wurde er abermals von einem Schlag ge⸗
troffen. Doch hielt er nachher noch eine Leichen⸗
predigt, welche er mit den Worten beschloß: Nun
Ade, du arme Erde und Asche, gehab dich wohl!
Mein Jesus spanne mich aus, ich bin doch eben
das, was Abraham ist, mich verlanget nach der
Ruhe; Herr meinen Geist befehle ich dir. Gleich
nach dieser Predigt wurde er auf ein zwölfwöchi⸗
ges Lager gelegt, von dem er nicht wieder auf⸗
stand. Er ertrug seine Schmerzen mit großer
Geduld und rief öfters: Jesus, ach sei und bleibe
mir ein Jesus! Dann entschlief er ganz sanft
und stille am 18. Mai 1627, gerade als die
Glocke Mitternacht 12 Uhr geschlagen hatte.
Er dichtete, meist in seinen späteren Lebens⸗
jahren, mehrere Lieder, von welchen das ausge⸗
zeichnetste ist: Valet will ich dir geben,
u. s. w. Es gibt mehrere lateinische und polni⸗
sche Uebersetzungen, selbst in die malabarische
Sprache ist dies Lied übersetzt worden. Dr. Val.
Löscher, in Dresden, ließ, da er in allerlei Krank⸗
heitsfällen merkte, daß die Zeit seines Abschei⸗
dens nahe sei, am dritten Sonntage nach Epi⸗
phauias 1749, als er noch mit der Gemeinde
das heilige Abendmahl genoß, nach der Predigt
dieses Lied singen, gleichsam als sein Abschieds⸗
lied. Und wirklich war dieß seine letzte Predigt,
denn bald darauf traf ihn der Schlag und er ver⸗
schied. Mit dem Schlußvers die ses Liedes schloß
auch Val. Preibisch, Pfarrer zu Glogau, die
Leichenpredigt, die er bei der Beerdigung des
Dichters über Luc. 10, 20. hielt.
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„Sie ist mir lieb die werthe Magd.“
Mel. Was Gott thut das ist wohlgethan.
Ja lieb ist mir die werthe Magd,
Ich kann ihr nicht vergessen,
Und alles, was man von ihr sagt,
Es hat mein Herz besessen!
Es steht fürwahr
Ganz sonnenklar
Ihr Glanz vor meinen Vlicken:
Kein Feind kann mich berücken!
Wie sollte sie nicht lieb mir seyn
In ihrer reichen Schöne?
Wie sollt ich nicht mich innig freun
Der bimmlisch süßen Töne,
Die mir macht kund
Ihr keuscher Mund?!
Wie sollt ich nicht mit Freuden
Ihr hobes Lob verbreiten?!
Ist sie als Jesu reine Vraut
Doch herrlich ausgezieret!
Ihr ist ein Kleinod anvertraut,
Dem jeder Preis gebühret.
Den Seelenhort,
Das reine Wort, *
Die reinen Sakramente
Bewahrt sie bis ans Ende!
Sie scheidet jeden Irrthum aus,
Will nur am Worte hangen;
Sie haßt des Zeitgeists wild Gebraus,
Nimmt die Vernunft gefangen.
Ihr treuer Sinn
Nimmt alles hin,
Wies Gott der HErr gegeben
Und brauchts zum ewgen Leben!
Deß ist ihr auch der Teufel gram
Und möchte sie verschlingen:
Doch der ihm seinen Harnisch nahm,
Er läßts ihm nicht gelingen!
Ob Tag und Nacht
Mit List und Macht
Er greulich sie bestürme:
Sie steht in Gottes Schirme!
Ist auch die Welt mit ihrem Heer
Ihr ganz und gar zuwider
Und drückt der Bösen Zorn sie schwer,
Und liegt sie fast darnieder:
Doch wird gar bald
Des HErrn Gewalt
Der stolzen Schaar sich zeigen —
Er bringt sie schnell zum Schweigen!
O Kilthe Gottes, werthe Magd,
Du bist mir lieb und theuer;
Ob auch der Feind dich hart verklagt
Und führt ins Trübsalsfeuer:
Ich halte mich
Getreu an dich,
Gehts auch auf Kreuzeshöhen,
Ich will nicht von dir gehen!
Mich soll nicht ärgern deine Schmach
Und deine Blöß und Schande:
Du gehst nur deinem Bräutgam nach
Und trägst mit Ihm die Bande.
In aller Noth,
Ja in den Tod
Folgst du nach Seinem Worte
Ihm bis zur Himmelspforte.
Du mußt in dieser letzten Zeit
Geringen Namen tragen,
Doch brauchst du ihn im heilgen Streit
Und kannst mit Freuden sagen:
Lutherisch ist
Ein ganzer Christ,
Der Gottes Wort bekennet
Und sich von Ketzern trennet!
Dein edles“Gold, dein heilger Schmuck
Ist sichtdbar nur dem Glauben;
Nach außen liegst du unterm Druck,
Der Feind will dich berauben:
Doch kämpfe hier
Nur für und für —
Dort wirst du triumphiren
Und mit dem HErrn regieren!
Ja „lieb ist mir die werthe Magd
Und kann ihr nicht vergessen;
Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagi,
Sie hat mein Herz besessen!“
Ich rühm es laut:
Sie ist die Braut,
Die sich der HErr erwählet,
Ders nicht an einem fehlet! —
F. Weyermüller.
—.—
Missiousfest in Colliusville, Ills.
Unser diesjähriges gemeinschaftliches Missions-
fest wurde bei Gelegenheit der letzten Synodal⸗
versammlungen in St. Louis von den benachbar⸗
ten Herrn Pastoren und Deputirten auf den 2.
Sonntag nach Pfingsten bestimmt. Man fürch⸗
tete sehr, daß das Fest von wenigen auswärti⸗
gen Gästen würde besucht werden können, da der
anhaltende Regen die Wege fast grundlos gemacht
shatte. Um so größer war daher die Freude, als
dennoch schon Samstags unter anhaltendem Re—
gen Gäste aus weiter Ferne zu Fuße ankamen.
Unser HErr Gott wollie auch, daß Sein Hans voll
werden sollte. Denn der Himmel hellte sich nach
Mitternacht anf, und es kamen am Morgen
Gäste von nah und fern, so daß die Kirche ge—
drängt voll wurde, ja noch viele außerhalb der⸗
selben Platz nehmen mußten. Um halb 10 Uhr
begann der Hanptgottesdienst. Der Gesang
wurde mit Musik begleitet. Nach Beendigung des
gebräuchlichen Altargottesdienstes bestieg Hr.Past.
Schaller von St. Louis die Kanzel und predigte
über die Worte Christi: „Gehet hin in alle Welt
ꝛc.“ Er zeigte, daß diese Worte Christi eine Er—
füllung zweitausendjähriger Verheißung seien, in⸗
dem Gott im alten Testamente vielfach verheißen
habe, daß allen Volkern das Evangelium gepredigt
werden solle, daß ferner diese Worte wiederum?
nun an 2000 Jahre in Erfüllung geben, und.
endlich, daß sie erfüllt werden sollen bis ausd
Ende der Tage. Hier wünschte ich im Stande
zu sein, dem Leser die ganze Predigt mittheilen
zu können. Wie wichtig war mir insonderheit
der Punkt, daß Christus diesen Befehl: „Gehet
hin in alle Welt ꝛc.“ nicht allein seinen Aposteln,
sondern jedem Christen gegeben habe, wer aber
nicht im Stande sei, selber unter die Heiden zu
gehen, der solle und müsse mit Gebet und Dar—
reichung milder Gaben das Seine thun. Nach
beendigtem Gottesdienste ging's ans Einladen
der Gäste, und nach gehaltener Mittagsmahlzeit
gabs vertraute Gespräche. Wie manche neue
brüderliche Bekanntschaft wurde da gemacht.
Ein solches gemeinschaftliches Fest ist gewiß auch
schon deswegen von großem Segen, weil dadurch
die benachbarten Gemeinden, die sonst einander
fremd bleiben, sich nun kennen lernen, und immer
mehr eines Herzens werden.
Der Nachmittagsgottesdienst begann wieder
mit Gesang und Musik. Darauf hielt Herr
Conrector Schick von St. Louis einen Vortrag
über die Bekehrung der alten Deutschen, worin
er mit lebhaften Farben darstellte, in welcher ab⸗
scheulichen heidnischen Finsterniß unsere Vorel⸗
tern lebten, und was dann der treue Gott in son⸗
derheit durch Seinen Diener Bonifacius, Apostel
der Deutschen genannt, an ihnen that. Für⸗
wahr, da sollten wir doch nun auch das liebe
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