Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 3 › Seite 18
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. September 1858, Seite 18
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gott 2 · Werke 20
und alle Creaturen; welches der heil. Geist thut
im Glauben. Daher der Mensch ohne Zwang
willig und lustig wird, jedermann Gutes zu thun,
jedermann zu dienen, allerlei zu leiden, Gott zu
Liebe und zu Lob, der ihm solche Gnade erzeiget
hat. Also daß unmöglich ist, Werke vom Glau-—
ben scheiden, ja so unmöglich, als Brennen und
Leuchten vom Feuer mag geschieden werden.
Darum siehe dich vor vor deinen eigenen falschen
Gedanken und unnützen Schwätzern, die vom Baum träget keine guten Früchte; ein guter
Glauben und guten Werken klug sein wollen zu
urtheilen, und sind die größesten Narren. Bitte
Gott, daß er den Glauben in dir wirke, sonst
bleibest du wohl ewiglich ohne Glauben, du dich-
test und thust, was du willst oder kannst.“
Nach dem h. Apostel Paulus hat wohl niemand
so tief und so herrlich vom Glauben geredet, als
hier Luther redet und mit ihm nun die ganze
rechtgläubige lutherische Kirche. Was könnte
es aber zugleich fur eine gewaltigere Predigt von ö
der Heiligung und den guten Werken
geben, als dieses von Luther eutworfene lebendige
Glaubensbild?
Es ist nun allerdings nicht zu leugnen, auch
die meisten s. g. protestantischen Secten lehren,
daß die guten Werke Früchte des Glaubens
sind, aber was ist die bloße Aufstellung dieses
Satzes, wenn damit nicht Ernst gemacht und die
Rechtfertigungslehre der Heiligungslehre nicht zu
Grunde gelegt wird, oder wenn doch die Recht⸗
fertigungslehre nicht vorwaltet und die ganze
Heiligungslehre durchdringt? Vergeblich sucht man
aber dies bei irgend einer Secte; diesen Vorzug
hat allein unsere liebe lutherische Kirche. Noch
ungleich finsterer, als in den s. g. protestantischen
Secten, sieht es freilich in dieser Beziehung in
der römischen aus. Die Papisten rühmen sich
zwar insonderheit als die Kirche der guten Werke,
die allein die wahrenHeiligen habez allein gerade in
der römischen Secte ist die christliche Lehre von der ö
Heiligung und den guten Werken so gänzlich und
von Grund aus geradezu abgethan, daß darin
auch nicht ein Schatten davon zurückgeblieben ist.
Sie versteht unter dem Glauben das bloße Fur⸗
wahrhalten dessen, was die Kirche lehrt. Nach
ihr macht nicht der Glaube die Werke, sondern
nach ihr machen die Werke den Glauben gut.
Sie treibt wohl stark auf die Werke, aber nicht
auf Werke aus dem Glanben, sondern auf
Werke neben dem Glauben, da sie die biblische
Lehre von der Rechtfertigung allein durch den
Glauben als einen Gräuel verflucht. Daher
denn ihre Lahre von den guten Werken eine rein
heidnische ist. Nach den Vapisten machen die
guten Werke einen Mann zu einem guten Manne,
nach der Schrift hingegen macht umgekehrt der
gute Mann gute Werke. Wie denn Luther so
schön schreibt und ihm nach die ganze wahrhaft
lutherische Kirche lehrt: „EinChrist, der, durch den
Glauben geweihet, gute Werke thut, wird durch
dieselben nicht besser oder mehr geweihet (welches
nichts, denn des Glaubens Mehrung, thut) zu
einem Christen; ja wenn er nicht zu vor gläu—
bet und ein Christe wäre, so gelten alle seine
Werke nichts, sondern wären eitel närrische,
verdammliche Sünden. Darum sind diese zwei
Sprüche wahr: Gute, fromme Werke machen
gehen von der frommen, guten Person.
dern er machet gute oder böse Werke.
schen.“
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nimmermehr einen guten, frommen Mann, son-
dern ein guter, frommer Mann machet gute,
fromme Werke. Böse Werke machen nimmer⸗
mehr einen bösen Mann, sondern ein böser
Mann machet böse Werke.
die Person muß gut und fromm sein vor allen
Also, daß alleweg
guten Werken, und gute Werke folgen und aus⸗
Gleich⸗
wie Christus sagt Matth. 7, 18.: „Ein böser
Baum träget keine bösen Früchte.““ Nun ist's
offenbar, daß die Fruchte tragen nicht den Baum,
so wachsen auch die Bäume nicht auf den Früch⸗
ten; sondern wiederum die Bäume tragen die
Frucht und die Früchte wachsen auf den Bäu⸗
men. Wie nun die Bäume müssen ehe sein,
denn die Früchte; und die Früchte machen nicht
die Bäume weder gut noch böse, sondern die
Bäume machen die Früchte: also muß der
Mensch in der Person zuvor fromm oder böse
sein, ehe er gute oder böse Werke thut; und seine
Werke machen ihn nicht (erst) gut oder böse, son⸗
Desglei⸗
chen sehen wir in allen Handwerken. Ein gut
oder böses Haus machet keinen guten oder bösen
Zimmermann; sondern ein guter oder böser Zim-
mermann macht ein böses oder gut Haus. Kein
Werk macht einen Meister, darnach das Werk
ist; sondern wie der Meister ist, darnach ist sein
Werk auch. Also sind die Werke des Menschen
auch: wie es mit ihm stehet im Glauben oder
Unglauben, darnach sind seine Werke gut oder
böse.“ (Siehe Luther's köstlichen geistvollen
Sermon „von der Freiheit eines Christenmen—
Werke, Hallische Ausgabe, Tom. XIX,
26.)
Doch unsere liebe lutherische Kirche zeichnet
sich vor allen anderen religiösen Gemeinschaften
auch in Absicht auf die Lehre von der Heiligung
und den guten Werken nicht nur dadurch aus,
daß sie allein die rechte Wurzel derselben zeigt,
die rechte Quelle dazu öffnet und den rechten
Grund dazu legt durch ihre reine Lehre von der
Rechtfertigung, die sie in so reicher Fülle predigt;
so rein und lauter lehrt, welches denn eigent⸗
lich gute Werke sind. Die Papisten stellen nicht nur
neben den zehn Geboten Gottes noch „fünf beson⸗
dere Gebote“ der Kirche auf und machen schon da⸗
mit eine Menge falscher neuer guter Werke, wie
die Pharisäer Matth. 15, 1-14., sie lehren auch
daneben noch einen ganzen Wust von selbster⸗
wählter Heiligkeit und selbstgemachten guten Wer—
ken, die schon an sich meist gränliche Abgöttereien
sind, unter und über welchen die wahren von
Gott gebotenen guten Werke vergraben und ver⸗
gessen werden. Was die s. g. protestantischen
Gemeinschaften betrifft, so weichen dieselben zwar
nicht so augenfällig, wie die römische, in Absicht
darauf, was eigentlich gute Werke sind, von der
reinen Lehre ab; allein auch in Absicht auf die
sen Punct offenbart sich bei ihnen eine große Un-
gesundheit. Bei ihrem gesetzlichen Treiben auf
Heiligung erscheinen fast nur die Uebungen der
Gottseligkeit und die Werke zur Verbreitung des
Reiches Gottes als gute Werke und nur der als
ein Christ, der hierin eine große Geschäftigkeit
zeigt; während die wichtigsten und nächsten guten
Werke eines Christen, die im Glauben gethanen
Werke des täglichen Berufes, als geringe und
werthlose, unheilige bei ihnen erscheinen. Da⸗
her denn bei den Secten u. A. die Bekehrsucht
ohne eigene Bekehrung, das Predigen ohne Be⸗
ruf, das Sorgen um Andere bei Verwahrlosung
der Seinigen u. dergl. kommt. Uebrigens offen⸗
bart schon die falsche Lehre der Secten von den
Bildern,) von dem Sabbath, von den Mittel-
dingen ꝛc., daß dieselben kein rechtes Verständ⸗
niß vom Gesetz und somit auch nicht von den
wahren guten Werken haben. Ganz anders
unsere liebe lutherische Kirche. Hat sie den Men⸗
schen zum Glauben gebracht und so in ihm die
Quelle der wahrhaft guten Werke eröffnet, so
treibt sie ihn dann nicht in eine „selbsterwählte
Geistlichkeit und Demuth“ hinein, sondern zeigt
ihm /wie er uun in dem Stand und Berufe, darein
ihn Gott gesetzt, alle Treue zu erzeigen habe.
und daß kein Werk Gott gefalle, als was er dem
Menschen geboten habe, daß aber jedes von Gott
gebotene Werk, so es im Glauben gethan werde,
Gott wohlgefällig, groß, hewlich und köstlich sei,
möge es auch noch so geringen Ansehens sein vor
den Menschen. Wie denn u. A. Luther
in der Kirchenpostille schreibt: „Es ist Gott
nicht um die Werke zu thun, sondern um 0
Gehorsam, wie das Buch 1 Sam. 15, 22.
sagt: Gott will nicht Opfer, sondern Gehorsam
haben. Daher kömmts, daß eine fromme Magd,
so sie in ihrem Befehl hingehet und nach ihrem
Amt den Hof kehret oder Mist austrgt, oder ein
Knecht in gleicher Meinung pflüget und fähret,
stracks zu gen Himmel gehet auf der richtigen
Straße, dieweil ein anderer zu St. Jakob oder
zur Kirchen gehet, sein Amt und Werk liegen
läßt, stracks zu der Höllen geht. Darnm müssen
wir die Augen zuthun, nicht die Werke ansehen,
ob sie groß, klein, ehrlich (Ehre bringend,) ver⸗
ächtlich, geistlich, leiblich oder was sie auch für
ein Ansehen und Namen auf Erden haben mögen;
sondern auf den Befehl und Gehorsam, der dar⸗
in nen ist; gehet derselbige, so ist das Werk auch
sie zeichnet sich hierbei auch dadurch aus, daß sie
recht köstlich und ganz göttlich, ob's so geringe
wäre, als ein Strohhalm aufheben. Gehet
aber der Gehorsam oder Befehl nicht, so ist das
Werk auch nicht recht und verdammlich, gewiß⸗
lich des Teufels eigen, ob's gleich so groß wäre
als Todten aufwecken.“ (Ueber das Ev. am
St. Joh.-Tage.) So schreibt Luther ferner:
„St. Paulus, wenn er von christlichen Werken
will lehren, weiß er nichts zu sagen, denn wie
der Mann seines Weibes und Kinder warten soll,
Cphes. 5, 25. 6,4. Col. 3, 19., das Weib den
Mann fürchten 1 12 Ehren halten und Kinder
ziehen, 1 Tim. „der Knecht dem Herrn
gehorsam sein Eohef. 5, 6. ff., die Kinder den
Eltern, Ephes. 6, 1-3.; noch (dennoch) gehen
wir mit auderen Werken um. Die großen Apostel
wußten nichts besseres zu predigen; sollten sie
aber jetzt schreiben, müßten sie vorhin noch eine
) Die Reformirten Secten glauben nehmlich alle, daß
das Bilderverbot nicht zum ersten Gebot gehört, welches die
Abgötterei straft, sondern ein besonderes zweites Gebot sei,
in welchem auch der nicht abgöttische Gebrauch der Bilder
verboten werde.
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