Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 3 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. September 1858, Seite 21
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution · Abſolution 15 · Rechtfertigung 12
eines Menschen gering achten, ja als eine Gottes der Buße sagt, das Evangelium selbst ist, so ist
lästerung verwerfen, indem sie denken, was für diese Weise das Evangelium zu üben, daß mau
einen Trost soll mir eine solche Absolution geben, einem einzelnen Sünder die Vergebung seiner
da der absolvirende Mensch weder mir, noch Sünden nach Christi Befehl in seinem Namen
Gott in das Herz sehen und nicht wissen kann, predigt und zu ihm insonderheit sagt: deine Sün⸗
ob er mich absolviren darf, und da sonach anch den sind dir vergeben — den „erschrockenen Ge—
ich nicht wissen kann, ob ich seiner Absolntion wissen“ besonders tröstlich, indem ein armer
glauben und mich derselben trösten darf; so liegt Sünder, der seine Sünde erkennt und fühlt, nicht
der Grund solcher Geringschätzung und Verwer sowohl daran Zweifel trägt, daß Christus die
fung der Absolution lediglich darin, theils daß ö Welt erlöst und einem David, einem Petrus und
man die Lehre von der Absolution mißversteht, andern Heiligen die Sünde vergeben habe, son⸗
theils, daß man nicht von Herzen weder an die
Vollkommenheit der geschehenen Erlösung aller
Menschen durch Christum, noch an die collative
(darbietende und darreichende) Kraft des Evan⸗
geliums glaubt, theils daß man den Glauben
allein nicht für hiureichend zur Seligkeit achtet.
Nicht selten wähnt man, unsere Kirche lehre,
die Absolution sei eine eigenthümliche Gewalt,
die es noch neben dem Evangelio gebe, die Sün⸗
den zu vergeben, die allein*) ein rechtmäßiger
Kirchendiener besitze, dieselbe durch seine Weihe
(Ordination) oder vermittelst einer gewissen per⸗ ö
sönlichen Salbung von dem heiligen Geiste
empfangen habe. Diese Lehre aber, wie sie
alles Grundes in Gottes Wort entbehrt, ja dem⸗
„selben geradezu widerspricht, wird, weit entfernt
Lehre unserer Kirche zu sein, von derselben viel-
Emehr als eine antichristische verworfen. Wer
hingegen mit unserer theuren Kirche nach Gottes
Wort erstlich von Herzen glaubt, daß Christus
wirklich aller Menschen Sünden bereits getilgt,
ihnen Vergebung aller ihrer Sünden erworben,
sie bereits vollkommen mit Gott versöhnt und er⸗
löst habe; wer ferner von Herzen glaubt, daß
das Evangelium nicht nur eine unkräftige Er⸗
zählung von Christi Werk und eine bloße An⸗
weisung ist, was der Mensch selbst thun müsse,
um sich Vergebung der Sünden zu erwerben, son⸗
dern daß das Evangelium das Wort und die
Stimme Gottes selbst ist, dadurch Gott die von
Christo erworbenen Güter nicht nur erzählt, son⸗
dern auch wirklich dem Menschen, der es hört,
darreicht und übergiebt; wer endlich von Herzen
glaubt, daß allein der Glaube an das Wort der
evangelischen Verheißung, der Christum und sein ö
Verdienst annimmt und sich zueignet, vor Gott
gerecht und selig macht, ohne alles eigene Thun
der Menschen, und daß Gott ernstlich wolle, daß
alle Menschen selig werden und daß daher auch
dern daran, ob Christus auch ihn erlöst habe,
anch seine Sünden getilgt habe, auch ihn selig
machen wolle, und um deßwillen auch ihm seine
Sünden vergeben wolle, ja schou vergeben habe.
Die Konferenz sprach hierbei die Ueberzeugung
aus, daß gerade an der Lehre unserer Kirche von
der Absolution die eigentliche Differenz offenbar
werde, welche zwischen unserer Kirche und allen
irrgläubigen Gemeinschaften statt findet. Wäh⸗
rend nämlich alle irrgläubigen Gemeinschaften
namentlich in der Lehre von der Vollkommenheit
der bereits vollbrachten Erlösung aller Menschen,
von der Kraft und Natur des leiblichen Wortes
und von der Rechtfertigung und Seligkeit allein
durch den Glanben Gottes Wort verlassen und
daher nothwendig, wie die Kraft aller Guaden⸗
mittel, so auch die Kraft, Gewißheit und Tröst⸗
lichkeit der Absolution verwerfen, so kann hinge⸗
gen unsere Kirche, welche jene Lehren tief erkennt,
von Herzen glaubt und ohne Wanken festhält,
nicht anders, als zugleich die Absolution als ein
theures, tröstliches Kleinod, ja als den rechten
Kern und Stern des Evangeliums zu preisen.
Mehrere Glieder der Konferenz sprachen den
Wunsch aus, daß die selbst mitten in unserer
lutherischen Kirche von Predigern und Laien so
vielfach mißverstandene, und darum mit Miß-
trauen angesehene Lehre von der Absolution in
einem kurzen, für Jedermann verständlichen
Schriftchen behandelt und dieses Schriftchen so⸗
dann möglichst weit verbreitet werde.
Hierauf ging man zur Besprechung des dritten
Stückes des 25. Art. der A. C. über und es
wurde dabei zurückgewiesen auf die dritte Glosse
zum 11. Artikel.
Ebenso wurde nach Besprechung des 4. Stücks
des 25. Art. der A. C. zurückgewiesen auf das
zum 11. Art. in der zweiten Glosse Gesagte.
Endlich bekannte die Konferenz den letzten
alle Menschen glauben und durch das mündliche Worten des 25. Artikels gemäß, es als ihre le⸗
Wort zum Glauben und zur Seligkeit kommen bendigste Ueberzeugung, daß „das Hauptstück
sollen: der kann nicht anders, als die Absolution und das Vornehmste“ in der Beichte die Ab-
hoch und theuer achten, die durch Menschen ge⸗ solution ist, daher auch ein jeder Prediger
sprochen wird, „nicht als des gegenwärtigen übei der Handhabung der Privatbeichte hierauf
Menschen Stimme oder Wort, sondern als
Gottes Wort, der da Sünde vergiebt, an dessen
Statt und aus dessen Befehl sie gesprochen wird.“
Die Kraft, den Trost und die Gewißheit der Ab⸗
solution leugnen, ist nichts anderes, als dies
Alles vom Evangelium selbst leugnen. Obgleich
jedoch die Absolution in und mit dem Evangelio
eingesetzt, ja wie die Apologie im 12. Art. von
*) Nach welcher Ordnung und Weise die Absolution zu
verwalten ist wird unten bei Artikel XIV. und XXVIII.
dargestellt werden.
Anmerkung der Konferenz.
vornehmlich als auf die Hauptsache Rücksicht zu
nehmen habe.
Alle Anwesenden bezeugten ihre vollkommene
Uebereinstimmung in dem angegebenen Verständ⸗
niß des ganzen 25. Artikels durch einmüthiges
Aufstehen.
Sechste Sitzung,
Nachmittags den 7. August.
Herr Pastor J. A. Ottesen hatte im Namen
der norwegischen Predigerkonferenz unsere Konfe⸗
renz mit einer herzlichen Zuschrift beehrt: ebenso
Herr Pastor E. A. Hoffmann in Lafargeville und
endlich auch Herr Pastor A. T. Geisseuhainer in
Allentown, Pa. Die Konferenz drückte ihre
herzliche Freude über die Theilnahme dieser
Bruder aus, und beauftragte einige ihrer Glie⸗
der, diese Zuschriften im Namen der Konferenz
zu beantworten.
Der Konferenz war von dem Ehrw. Wetzel
mitgetheilt worden, daß von ihm und einigen
andern Gliedern der Tennessee⸗Synode eine Ue⸗
bersetzung der Kirchenpostille in die englische
Sprache begonnen sei. Die Konferenz sprach
hierüber ihre herzliche Freude aus als über ein
Werk, welches der Kirche reichen Segen verspreche,
und sie fühlte sich verpflichtet, das Werk auf das
Dringendste allen Englisch verstehenden und re⸗
denden Lutherauern zu empfehlen und die Versi⸗
cherung auszusprechen, daß sie von den Ueber-
setzern zuversichtlich hoffe, sie werden bei ihrem
schweren Werke es an Fleiß und Treue nicht feh⸗
len lassen und eine gewiß höchst brauchbare Ar⸗
beit liefern.
(Fortsetzung folgt.)
Aus: J. A. Steinmetz, von der Ver⸗
siegelung der Gläubigen mit dem
heiligen Geist.
Der heilige Geist versiegelt uns von unserm
Gnadenstande nicht auf unsere elenden
Werke, sondern wenn er eine Seele dahin ge⸗
bracht, daß sie alle ihre Werke fur nichts achtet
im göttlichen Gericht, und sich mit ihrer Selbst⸗
gerechtigkeit als verflucht, verloren und verdammt
hält, da wirft sie ihren Anker auf das blutige
Verdienst unsers Herrn Jesu Christi,
als den Fels des Heils. Darauf siegelt uns
der heilige Geist, dars legt er uns zum Grunde,
das besteht in Noth und Tod. Da mag Noth
und Tod stürmen, das blutige Verdienst meines
Heilands Jesu Christi mögen sie mir nicht über
den Haufen werfen, das kann einen auch gegen
die Anforderung der Gerechtigkeit Gottes sichern.
Denn wenn ich darauf stehe und gegründet bin,
so kann mich anch Gott nach seiner Gerechtigkeit
nicht verwerfen. Denn ich habe eine solche Ge⸗
rechtigkeit in dem Blute meines Heilandes, die
gegen die allerstrengste Gerechtigkeit Gottes be⸗
steht. Das müssen wir uns merken. Der
Mensch hat noch keine Versiegelung durch den
heiligen Geist, der ein Stäublein baut auf seine
eignen Werke, und dessen ganzer Hoffnungsgrund
nicht einzig allein auf das blutige Verdienst
Jesu Christi gegründet ist. — Die gläubigen
Epheser waren versiegelt mit dem heiligen Geist
auf den Tag der Erlösung. Was ist
das für ein Tag? Das ist der letzte große
Gerichtstag, da die gauze gläubige Versamm⸗-
lung in die rechte Erlösung wird hineingehen vor
allen denen, von welchen sie sonst verworfen sind.
Daher werden die Gläubigen versichert in der
Versiegelung des heiligen Geistes, daß sie nicht
nur jetzt Gnade gefunden haben, sondern daß sie
auch da, wenn der Sohn Gottes am großen Ge⸗
richtstage kommen wird, Ehre und Herrlichkeit
empfangen werden, daß sie da mit Freuden vor
dem Throne des Herrn Jesu stehen und die Krone
der Ehren aus seiner liebevollen Gnaden hand
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