Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 3 › Seite 17

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. September 1858, Seite 17

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Heiligung 10 · Werke 31 · Lutheriſche Kirche 3

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Mln ich sahe einen Engel
sliegen mitten durch den Him⸗
mel, der hatte ein ewig Evan⸗
gelium, zu verkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und

Völkern,
Ossenb. Joh. 14, 6.

Herausgegeben von der Deut

Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr.

G
AIi sprach mit großer Stim⸗

me: Fürchtet Gott, und gebet
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den. der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
und die Wasserbrunnen.

Offenb. Joh. 14, 7.

2

schen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio und

andern Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Iahrgang 15.

St. Louis, Mo., den 21. September 1

858. No. 3.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen e

klonspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das

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welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W.
Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Vorwort der Redaction

— zum

fünfzehenten Jahrgang des „Lutheraner.“
(Jortsetzung.)

Der Mittelpunkt der Lehre unserer lieben lu⸗
therischen Kirche, von dem sie bei aller ihrer
lehre ausgeht und zu dem sie immer wieder zu⸗
rückkehrt, ist, wie wir in voriger Nummer ge⸗
Ekeigt haben, die Lehre von der Rechtfer t i⸗
gung eines armen Suͤnders vor Gott um Christi
willen, aus Gnaden, allein durch den Glau⸗
ben. Manche geben nun zwar zu, daß die lu⸗
tberische Kirche hierin allerdings einen großen
Vorzug vor anderen Gemeinschaften habe, aber,
denken sie, dafür werde sie auch wieder von an⸗
deren Gemeinschaften in der Lehre von der
hHeiligung und guten Werken übertrof⸗
fen. Dem ist aber keinesweges so. Vielmehr
gehört die reine Lehre von der Heiligung und den
guten Werken nicht weniger als die reine Lehre
von der Rechtfertigung zu den Vorzügen, zu den
ostbaren Perlen, durch welche sich unsere lutheri⸗
Ische Kirche vor allen andern Gemeinschaften aus⸗
zeichuet; und auch dieser Vorzug ist ein wichtiger,
der dritte, Grund, warum wir so fest gerade an die⸗
ser Kirche hangen und warum wir bis an unse⸗
ren Tod derselben allein zu dienen gedenken.
Es ist freilich wahr, sowohl in der römischen,
als in den s. g. protestantischen Gemeinschaften
wird mehr von der Heiligung und von den guten
Werken geredet und darin werden die Leute
mehr in das Thun hineingetrieben, als in der
lutherischen Kirche, in welcher immer mehr von

dem gepredigt wird, was Gott für den Men-
schen gethan hat, als von dem, was der
Mensch für Gott thun soll. Allein, wie
derjenige mehr thut, daß ein elender contracter
Mensch wieder munter einher gehe, der ihn heilt/
als wer ihn immer ermahnt, drängt und treibt,
er möge doch von seinem Siechbette aufstehen
und frisch umher wandeln; so thut auch unsere
liebe lutherische Kirche mehr fuͤr die Heiligung,
indem sie vor allem die Leute zu einem wahren
lebendigen Glauben zu bringen sucht, als die
Secten, die es hierin fehlen lassen, aber dage⸗
gen die Leute fort und fort drängen und treiben,
allerlei gute Werke zu thun. Wie derjenige
mehr dafür thut, gute Früͤchte zu bekommen,
wer dafur sorgt, gute Bäume mit guter Wurzel
und gutem Saft zu setzen, als der, welcher
schlechte Bäume nur sorgfältig umgräbt, düngt
und begießt; so treibt auch unsere liebe luthe⸗
rische Kirche die Heiligung kräftiger, indem sie
vor allem darum besorgt ist, die Leute durch den
Glauben zur Erkenntniß und Erfahrung der
Liebe Gottes in Christo zu bringen, als die
Secten, die mehr des Menschen eigene Liebe
fordern. Je gewaltiger die Lehre der luth. Kirche
von dem Glauben ist, um so gewaltiger treibt

wenn sie sehen, daß keine Besserung des Lebens
noch gute Werke folgen und doch vom Glauben
viel hören und reden können, fallen sie in den
Irrthum: der Glaube sei nicht genug, man müsse
Werke thun, soll man fromm und selig wer⸗
den. Das machet: wenn sie das Evangelium
hören, so fallen sie daher, und machen ihnen
aus eigenen Kräften einen Gedanken im Herzen,
der spricht: Ich gläube. Das halten sie denn
fuͤr einen rechten Glauben. Aber wie es ein
menschlich Gedichte und Gedanken ist, den des
Herzens Grund nimmer erfähret, also thut er
auch nichts und folget keine Besserung bernach.
Aber Glaube ist ein göttlich Werk in uns, das
uns wandelt (verwandelt) und neu gebieret aus
Gott, Joh. 1, 13., und tödtet den alten Adam,
machet uns ganz andere Menschen von Herzen,
Muth, Sinn und allen Kräften und bringet den
heil. Geist mit sich. O es ist ein lebendig, schäf⸗
tig, thätig, mächtig Ding um den Glauben, daß
unmöglich ist, daß er nicht ohne Unterlaß sollte
Gutes wirken! Er fraget auch nicht, ob gute
Werke zu thun sind; sondern ehe man fraget,
hat er sie gethan, und ist immer im Thun.
Wer aber nicht solche Werke thut, der ist ein
glaubloser Mensch, tappet und siehet um sich

sie nothwendig auch die Heiligung, denn nach dem Glauben und guten Werken, und weiß
mit dem Glaͤuben öffnet sie eine lebendige Quelle, weder was Glaube und gute Werke sind, wäschet
die ungeheißen eitel gute Werke quillt und aus⸗ und schwatzet doch viel Worte vom Glauben
strömt. Hören wir hierüber Luthern selbst. und guten Werken. Glaube ist eine lebendige/
Er schreibt in seiner unvergleichlichen Vorrede erwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so ge⸗

zum Briefe an die Römer: Und
ö solche Zuversicht und Erkenntniß göttlicher Gnade
machet fröhlich, trotzßig und lustig gegen Got:

„Glaube ist nicht der menschliche Wahn und
Traum, den etliche für Glauben halten und

—

wiß, daß er tausendmal darüber stürbe.

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