Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 3 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. September 1858, Seite 22
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nehmen werden. — Was meinet ihr wohl, wie wenn dir Gott nicht erst zu erkennen giebt, was
werden wir es vor Gott verantworten, daß wir für ein abscheulicher Sünder du bist, was für ein
wohl 20, 30, 40 und zum Theil 50 Jahre alt recht grenlicher, teuflischer Mensch, und dir das
worden sind, haben so viel vom heiligen Geist so recht im Gewissen läßt offenbar werden, da
gehört und haben es wohl noch nicht einmal also läßt man dem heiligen Geiste nicht einmal Raum,
angehört, daß wir uns auf unsere Kniee gewor- daß er in unserm Herzen wirken, noch viel weni⸗
fen und gesagt: Ach Herr Jesu! hilf mir doch, ger uns zu den blutigen Wunden unsers Heilan⸗
versiegele doch auch meine Seele mit dem heiligen
Geist, daß ich nicht mehr herumtaumele, als ein
Trunkener in der Welt, der nicht weiß, wo er
des Jesu Christi bringen möge. — Wenn der
Mensch nun sieht, er sei ein verdammungswür⸗
diger Mensch, muß er sich durch den heiligen
seinen Fuß hinsetzen soll. — Ehe man zur rech Geist aus Gottes Wort uberzeugen lassen, daß
ten Versiegelung durch den heiligen Geist kommt, ein Jesus sei, der für aller Menschen Sünden
gehet man so hin in Ungewißheit und hat keinen eine Genüge gethan habe, in dem und durch den
Frieden, man weiß nicht, wie man mit seinem ein jeder Sunder gerecht und selig werden kann.
Gott im Himmel stehe. Macht man sich zuwei⸗O wie schwer gehts, wenn man das so glauben
len einige gute Hoffnung, so geht es doch, als soll, daß man aus purer freier Gnade, bloß um
wenn man ein Haus von Spinnenweben bauete, Christi willen, solle selig werden und Vergebung
wie im Hiob steht, da kommt oft ein klein Insekt erlangen! man sieht, man hat, man weiß nichts,
und reißt einem den ganzen Palast von Spinnen⸗
gewebe über den Haufen. — Die Versi iegelung
durch den heiligen Geist ist nicht ein solches Gut,
das wir erst erwerben müssen, sondern welches
von un serm Heiland Jesu Christo durch sein Lei⸗
den und Sterben uns erworben und zuwege ge—⸗
bracht worden ist, und zwar allen Menschen auf
dem Erdboden. Denn wie der Herr Jesus für
alle Menschen gestorben ist, also hat er auch al⸗
len Menschen durch sein blutiges Verdienst den
heiligen Geist erworben, und da er den Men-⸗
schen den heiligen Geist erworben, hat er ihnen
auch zugleich alle Wohlthaten, alle Gnadenschätze,
darunter diese Versiegelung des heiligen Geistes
mit gehört, erworben. — Der Mensch, der durch
den heiligen Geist versiegelt werden will, muß dem
heiligen Geist erstlich Raum lassen in seiner See⸗
als Sünde an sich, und soll doch glauben, daß
man allein um des Blutes Jesu willen Verge⸗
bung der Sünden erlangen solle. —Wie Gott nun
Seine Weisheit in mauchen Stücken sehr man-
nichfaltig zu offenbaren weiß, so geschiehts auch
bei dem Werk der Versiegelung, manche Seele
Gegentheil ist sie im Laufe der Jahre nur besser
und schöner geworden und noch heute im besten
Stande. Aber das Gebäude, nur 20 bei 24
Fuß war zu enge geworden. Seit meinem Ab⸗
gange nun wurde der Neubau mit mehr als er⸗
wartetem Eifer in Angriff genommen und jetzt
war die Kirche so weit fertig, daß sie eingeweiht
werden konnte.
Was Wunder, daß es einen ganz besonderen
Werth fuͤr mich hatte, als ich durch Hrn. Past.
Hahn im Namen der Gemeinde aufgefordert
wurde, die Einweihungspredigt zu halten. Also⸗
bald suchte ich bei meinen hiesigen Gemeinden
um Erlaubniß zur Reise nach, erhielt sie ohne
Schwierigkeit und reiste, da meine ganze Fami⸗
lie dort einheimisch ist, mit Frau und Kindern
einige Tage vor dem betr. Sonntage dahin ab.
Am zweiten Tage, Freitags gegen Abend,
langten wir an. Nicht ohne einen Anflug von
nur allzu natürlicher Wehmuth näherten wir
uns der alten, so lieb gewordenen, immer schö⸗
ner erblühten Heimath, in der wir doch nicht blei⸗
ben konnten; aber wie der heiterste Sonnenstrahl
leuchtete das zum ersten Male gesehene, blendend⸗
muß lange warten, eine andere Seele kann es wohl weiße Kirchthürmchen mitten durch die dunklen
in wenig Stunden und Tagen empfangen. Gern
wollte er lauter versiegelte Seelen haben, die ihm
mit Freudigkeit und Gewißheit ihres Herzens
Manche Seele kommt nach und ö
dienen könnten.
nach zu einer solchen Gewißheit ihres Gnaden-⸗
standes, nicht auf einmal.
Wipfel der schön belaubten Eichbäume in Auge
und Herz.
Ich übergehe den brüderlichen Empfang im
Pfarrhause; meine Aufmerksamkeit ward von
der neuen Kirche gefesselt.
Bei mancher Seele
Mit dem Frontgiebel nach Westen in die
braucht er einen Spruch aus der heil. Schrift, schöne nahe Prairie hinausschauend, liegt sie
bei andern sein Sakrament, wie es Gott sieht, hinter dem Saume des Waldstreifens, der zur
daß es der Seele am besten ist. Das Hauptsie- Begürtung des Haws ereeks gehört, auf ebenem,
gel aber ist der heilige Geist selbst. Laß deine von der Prairie aus ein wenig bergein gehenden
le, daß er ihn von seinem bösen, sündlichen, Hauptsorge sein, daß dein Herz des heiligen
todeswürdigen Zustande überzeuge, er habe sich Geistes Tempel werden möge; wenns dazu
nicht nur mit diesen und jenen Sünden an Gott
gröblich verschuldet, sondern auch alle seine guten
Werke taugten ihm nichts, vielmehr eben darum ö
solle und werde er häuptsächlich verdammt wer⸗
den, weil er nicht geglaubt hat an den Herrn
Jesum, weil er sich selbst mit seinen eignen elen
den Werken eine Gerechtigkeit hat aufrichten ge⸗
wollt. — Dahin muß der Mensch sich durch den
heiligen Geist bringen lassen, daß er sich erkenne
und fühle als einen recht verdammungswürdigen
Sünder, an dem nicht ein einziges gutes Bluts-
tröpflein ist, an dem keine einzige Kraft der
Seele gut ist, der sein Lebetage nichts Gutes
gethan hat, sondern dessen vermeinte gute Werke
alle ein Gräuel sind vor Gott, weil sie nicht aus
der Liebe zu Gott geflossen, darum er auch um
seiner allerschönsten Werke willen, die er gethan,
ewig sollte verloren gehn. — So lanuge du dazu
nicht kömmst, beugst du dich nicht vor dem Herrn
Jesu, und läßt dem heiligen Geiste nicht einmal
Platz in dir, suchst nicht Gnade und Barmher⸗
zigkeit; du denkst, du kannst dem lieben Gott doch
wohl deine Sünden selbst versöhnen, du kannst dir
wohl helfen, du kannst wieder zur Beichte und zum
Nachtmahle gehen, und dir deine Sünden vergeben
lassen, du denkst, du kannst schon selbst Gutes thun,
kannst beten, kannst Gottes Wort lesen, kannst
den Armen Almosen geben ꝛc. das werde dich
schon gut machen. Sieh, so ein schlechter Mensch
kommt, wird er auch dein Herz versiegeln.
—
Kirchweihe
am 9. Sonntag p. Trin. den 1. Aug. 1858.
In dem nordöstlichen Corner von Benton Co.,
etwas übergreifend nach Morgan und Pettis Co.,
lebt inmitten einer sehr ausgedehnten und zahl⸗
reichen deutschen Bevölkerung, welche mehr als
ein halbes Dutzend Kirchen, darunter mehrere
lutherische, zählt, eine zwar nur mittelmäßig
große, aber wackere Gemeinde hannöverschen
Stammes, welche 14 Jahr lang von mir bedient
worden, seit dritthalb Jahren aber von Herrn
Pastor Hahn bedient wird.
Ohne Widerrede wird ihr der Ruhm zugestan⸗
den (den sie ja bewahren möge), daß sie unter
ihren Nachbarinnen, eine in christlicher Erkennt⸗
niß, also auch im Wandel und Gemeindeleben
die am weitesten beförderte ist. Eine ganze
Reihe tieferschütternder und anhaltender Stürme
haben sie nicht auflösen, sondern nur fester ver⸗
binden, läntern und reinigen können.
Zu den Unternehmungen, die schon zu meiner
Zeit besprochen wurden, aber noch nicht zur Aus-
führung gebracht werden konnten, gehörte auch
ein neuer Kirchenbau. Die alte Kirche fast so
alt, als die erste deutsche Ansiedelung daselbst,
bist du von Natur und wir alle zusammen, daß,
d. i. 18 — 20 Jahre, war nicht verfallen, im
Lande, halbversteckt von anmuthigen Bäumen,
dicht an einer geraden Straße, die vom Gottes-
acker her durch das Gehölz gehauen ist, an der
Nordseite der alten Pfarr- und Kirchfenz, einer
besonderen Einfriedigung zur Zeit noch entgegen
sehend.
Das Gebäude selbst ist ein Framehaus mit
Wetterboards überkleidet, 28 Fuß breit, 45 lang
und 15 hoch. Jede der beiden langen Seiten
hat drei Fenster von angemessener Größe, jede der
beiden Giebelseiten eine Thür. Die Hauptthür,
zweifluüglich ist gegen Westen und gleichwie die
Fenster mit horizontalem Oberpfosten. Auf der
Spitze des westlichen Giebels erhebt sich ein arti⸗
ges Thürmchen, bestehend aus einem viereckigen
Würfel und achteckiger steiler Pyramide. Die
Spindel wird von einem beweglichen Pfeil ge⸗
kreuzt und endigt in einer Kugel, die 50 Fuß
über dem Erdboden erhaben ist, das ganze
Thürmchen ist weiß, da sich denn die grünen
Jalousien in den Schallfenstern recht freundlich
ausnehmen. Pfeil und Kugel sollte nur noch
vergoldet und die Glockenstube mit einem Glöck⸗
chen versehen werden. Ueberblickt man das
Ganze überhaupt, so ist der Totaleindruck ein
durch kein Mißverhältniß gestörter, zwar ganz
einfacher, aber unbestreitbar kirchlicher und
freundlicher. Leider können wir nicht eben so
günstig über das Innere urtheilen. Die vier
achteckigen schlanken Säulen, die das Ganze
gleichsam in drei Schiffe theilen, machen den
erwarteten Eindruck nicht, da die Decke weder
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