Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 21 › Seite 165
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Mai 1859, Seite 165
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 2 · Synoden
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Cassenverwaltung, die dritte die Versendung der
Publicationen des Vereins zu besorgen hat. Nach
Ablauf dieser vierjährigen Amtsfuhrung sind der
jedesmalige allgemeine Präses und die Distrikts⸗
präsidenten der deutschen Evang. Luth. Synode
von Missouri, Ohio u. a. St. bevollmächtigt, bei
Gelegenheit der Sitzungen der allgemeinen Sy⸗
node gemeinschaftlich die Publicationscommittee
immer auf drei Jahre neu zu erwählen.“)
15.
Die Publicationscommittee steht unter Auf⸗
sicht der jedesmaligen Synodalpräsides.““)
9 16.
Der Redacteur und Cassenführer vollziehen
ihre Arbeiten unentgeldlich. Der Geschäfts⸗
führer ist zu einer Gratification berechtigt, über
deren Betrag die Committee sich zu einigen hat.
§ 177.
Der Cassirer hat mit dem Drucker und Buch⸗
binder zu contrahiren.
18.
Im Falle ein Glied der Committee ausscheidet;
soll durch die beiden andern Glieder an dessen
Stelle sogleich ein Anderer gewählt werden, wel⸗
cher das erledigte Amt bis zur erfolgten Neuwahl
durch das Präsidium der Synode zu verwalten
hat.
Addison, Du Page Co., Ill., am 10. Mai 1859.
(Folgen 117 Unterschriften
mit 8124.50 Einzahlungen).
(Aus dem Kirchenblatt der Jowa-⸗-Synode.)
ö „Erklärung
des Ministerinms der Synode von Jowa über
seine Stellnng zur ehrwürdigen Synode
von Buffalo. 7)
ö
An die lieben Gemeinden unserer Synode.
Es ist allerwärts in un sern Gemeinden bekannt,
wie wir seit einer geraumen Zeit mit der ehrw.
Synode von Buffalo eine freundschaftliche Ver⸗
bindung unterhielten und in dem Verhältniß zu
ihr der Ermahnung des h. Apostels Paulus be⸗
flissen waren, wenn er spricht: Seid fleißig zu
halten die Einigkeit im Geist. Wir haben darin
gewiß in dem Sinn des großen Friedefuͤrsten ge⸗
handelt, der uns gebeut, so viel an uns liegt, mit
allen Menschen Friede zu halten. Und gewiß ha—
ben sich alle treuen Glieder in unsern Gemeinden,
denen das Wohl der Kirche Gottes am Herzen
liegt, mit uns über diese Einigkeit und Frieden
gefreut, da unsere theure Kirche ohnehin durch
Streit in ihrer eigenen Mitte genug zerrissen,
*) Die erstmalige Wahl ist auf folgende Personen gefal⸗
len: Redakteur: Ehrw. Th. J. Brohm, Pastor der Ev.
Luth. Gemeinde. Concordia College, St. Louis, Mo.
Cassirer: G. Seyffarth, D. D. Prof. am Concordia
College, St. Louis, Mo. Anm. d. Einsenders.
*) Zu welcher Aufsicht selbstverständlich auch die Revision
der Casse und Cassenbücher gehört. Anm. d. Einsenders.
1) Zum besseren Verständniß dieser Erklärung ist zu wissen,
daß die Buffalo⸗Synode vor einiger Zeit einen Prediger der
Jowa-Synode Namens Dörfler in einer ihrer Gemeinden
in Toledo, Ohio. berief, denselben aber, als er seinen Chili⸗
asmus auch predigen wollte, aus dem Amte erst entließ, als
er aber doch wieder in das Amt zu kommen gewußt hatte, end⸗
lich förmlich absetzte.
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verwüstet und zerspalten ist. Ebendeshalb aber
ist es auch unsere Pflicht, nachdem in diesem
Verhältniß eine Störung eingetreten ist, unsere
lieben Gemeinden hievon in Kenntniß zu setzen
und das Verhalten zu bezeichnen, welches wir
nach Gottes Wort und dem Zengniß unsers e⸗
wissens nunmehr gegen die ehrwürdige Synode
von Buffalo einhalten werden, damit auch die
Glieder der Synode sich ferner von dem Geist
des Friedens mögen leiten lassen und Niemand,
wie es in solchen Fällen wohl oft zu gehen
pflegt, durch Leidenschaft, unbrüderliches Wesen
und Versündigung gegen die h. Liebe dem Herrn
ins Urtheil falle. Dazu ist es aber nöthig, eine
öffentliche Erklärung über unser Verhältniß zur
ehrwürdigen Synode von Buffalo und über die
Grundsätze unsers Verhaltens gegen dieselbe ab⸗
zugeben.
Der Grund, um deswillen das bisherige
freundschaftliche Verhältniß getrübt wurde, ist
die verschiedene Anschauung der Lehre von den
letzten Dingen. In diesen Dingen halten wir
es so, daß ob Jemand glaubt, der Antichrist
sei schon da oder erst noch zu erwarten,
oder das tausendjährige Reich sei schon ver⸗
gangen oder noch zukünftig, es werde noch
einmal eine große Bekehrung unter dem Volke
Israel eintreten oder nicht — daß diese Ver⸗
schiedenheit der Lehre von den letzten Dingen kein
Grund ist, die Kirchengemeinschaft aufzuheben.
Man kann in solchen mehr untergeordneten Fra⸗
gen gar wohl verschiedener Meinung sein und
dennoch durch das Band des einen Glaubens
und derselben Hoffnung sich eng verbunden wissen.
Es ist auch nicht also, daß wir diese Punkte als
rechte Hauptpunkte herausstrichen, an denen alles
liege, oder daß wir meinten, es gebe nichts Noth⸗
wendigeres zu predigen und zu lehren als sie.
Wie ein Prediger nicht seine besondern Lieblings⸗
themata immer bevorzugen, sondern den ganzen
Rath Gottes der ihm anvertrauten Heerde ausle-
gen und vor allem das ihr in die Seele und in's
Herz prägen soll, was zur Seligkeit zu wissen
nothwendig ist, so machen wir auch die Anschau⸗
ung, die wir aus Gottes Wort von den letzten
Dingen gewonnen haben, nicht zu einem Lieb⸗
lingsthema, das man immer wieder hervorzöge.
Es kann gar wohl vorkommen, daß ein Prediger
lange Zeit kein einzig Wort von die sen Dingen
fallen zu lassen braucht.
Aber wenn nun auch diese Lehre nicht über⸗
mäßig als ein Hauptpunkt darf hervorgehoben
werden, von der die Einigkeit des Glaubens und
der Hoffnung abhinge, um deren verschiedener
Auffassung willen die Kirchengemeinschaft dürfte
aufgehoben werden, so darf sie doch auch von denen
nicht verleugnet werden, welche sie aus Gottes kla⸗
rem und deutlichem Worte geschöpft haben. Sie
muß wo es am Platze ist, auch offen bezeugt und be⸗
kannt werden. Weil wir nicht den halben oder
theilweisen, sondern den ganzen Rathschluß Got-
tes*) den Gemeinden zu verkündigen haben, so muß
auch diese Lehre, nur eben an ihrer Stelle und zu
ihrer Zeit bekannt werden. Sie darf von uns
*) Also gehört der Chiliasmus doch zu dem Rathschluß
Gottes, der nothwendig gepredigt werden muß! D. L.
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nicht verleugnet werden, weil auch hier Luthers
Wort anzuwenden ist, daß es nicht rathsam sei,
etwas gegen das Gewissen zu thun. Auch ist es
uns eine sichre und gewisse Ueberzeugung, daß
diese Lehre nicht mit dem Bekenntniß unserer
Kirche streitet, sondern mit ihm gar wohl zu sam-
mengeht.“) Was unsere Kirche in dem 17. Ar-
tikel der Augsburgischen Confession verwirft, ver⸗
werfen wir mit ihr aus vollem Herzen.““) Auch
wissen wir gar wohl, daß wir mit unserer aus
Gottes Wort geschöpften Ueberzeugung nicht
allein stehen, daß nicht nur die Apostel und
Christen der apostolischen Zeit, sondern auch die
ältesten Kirchenväter,““*) und die ältesten christ⸗
lichen Gemeinden in den ersten Jahrhunderten
insgemein, dazu auch viele treue Lehrer der luthe⸗
rischen Kirche dieselbe Lehre hatten, die selbe
Hoffuung bekannten, wie wir. Und in der Ge⸗
genwart sind es in der luth. Kirche Deutschlands
gerade die treuesten Diener der Kirche, die
edelsten Vorkämpfer ibres Bekenntnisses, welche
dieselbe Lehre festhalten, wie wir, so daß wer um
dieser Lehre willen eine Kirchentrennung aufrich-
ten wollte, damit von den edelsten Söhnen der
Kirche sich lossagen, einen bedeutenden Theil der
Kirche verwerfen wurde 1)
Es ist diese Anschauung eine in der gegenwär⸗
tigen Kirche Deutschlands so allgemeine, daß
ein um die luth. Kirche hochverdien der Theologe den
Satz aufstellen konnte, es gebe wohl nur Wenige,
die diese Hoffnung nicht theilten. )
Nach dem Vorausstehenden kann es nun nicht
mehr zweifelhaft sein, welche Stellung wir ein⸗
nehmen. Wir behandeln die Lehre von den
letzten Dingen als eine offene Frage d. h. als
eine solche, in welcher verschiedene Meinung sein
kann, ohne daß dadurch die Kirchengemeinschaft
gestoͤrt würde, als eine Frage, uͤber welche in den
Bekenntnißschriften unserer Kirche noch keine sym⸗
bolischen Entscheidungen niedergelegt sind, wes⸗
halb auch beide Anschauungen in der Kirche neben
einander stehen können. Damit ist denn auch schon
gesagt, daß wir uusere Ueberzeugung in die sem
Punkte nicht zu einem Glaubensartikel stempeln,
dem Jeder unbedingt beifallen müßte. Trr)
In diesem Sinne haben wir von Anfang an
gehandelt, auch zu der Zeit, als wir mit der ehrw.
Synode von Buffalo in nähere Verbindung traten.
Wir erklärten, daß wir in dieser Lehre von den
letzten Dingen nicht ihrer Anschauung zugethan
wären, sagten aber zugleich, daß diese Unterschiede
uns von einem brüderlichen Verhältniß nicht im
Mindesten abhalten wüͤrden. Wir erkläͤrten dies zu
*) Richtig! Sie gehen zusammen, sir stimmen aber
nicht zusammen; wie das Unkraut und der Weizen wohl zu⸗
sammengeht, aber nicht zusammenstimmt. D. L.
*) Wollte Gott, das wäre wahr! 's ist aber eine Täu⸗
schung. D. L.
**) Ein Rechtgläubiger würde sagen: nicht nur die Kir.
chenväter, sondern auch die Apostel, dit Chiliasten kehren es
um. D. L.
) Das nennt man eine Petitio prineipil. Diejenigen,
welche Schwärmerei lehren, sind eben k eine ireuen Söhne
der luth. Kirche. D. L.
1) Darum weil der Irrthum allgemein ist, wird er nicht
zur Wahrheit! D. L.
17f) Mit solchen Erklärungen verrathen die Chiliasten ihr
böses Gewissen, denn was klar in derSchrift enthalten ist, das
ist keine offene Frage, sondern dafür muß man Glauben bei
Gottes Ungnade fordern.
L.
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