Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 21 › Seite 166

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Mai 1859, Seite 166

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verschiedenen malen, als P. Großmann und Prof.
S. Fritschel der Synode zu Buffalo als Gäste bei⸗
wohnten(und zwar hier mehrmals in und außer der
Synode), als etliche Brüder aus der Buffalo Sy⸗
node auf unserer Synode zu Dubuque anwesend wa⸗
ren, bei einer Ministerialsitzung in Buffalo, während
welcher die beiden Bruͤder Fritschel dortselbst an⸗
wesend waren, und auch nach dem noch erklärte
P. Grabau, sie könnten diese Verschiedenheit in
der Lehre wohl tragen. Wir erfreuten uns gerade
um deswillen unserer Verbindung mit der Buffalo-
synode, weil wir dort denselben Sinn der Dul⸗
dung in offenen Fragen zu finden glaubten, den
wir als den von Gott gewünschten festhalten
wollen. Wir freuten uns des Wortes, das ein-—
mal P. Grabau sagte, als wir ihm unsere Stel⸗
lung in Betreff der Lehre von den letzten Dingen
auseinander setzten. Er sagte: Forscht Ihr
drüben weiter, wir hüben; und der Geist Got⸗
les, der da ist Geist der Wahrheit, wird uns in
alle Wahrheit leiten. Wir freuten uns dieses
Wortes, weil es uns so ganz aus tiefster Seele
berausgesprochen war. Das allein war es, was
wir wollten, das allein ist es, was wir noch
wollen. Auf diese Punkte, über welche in der
ganzen lutherischen Kirche zweierlei Meinung ist,
über welche keine symbolischen Entscheidungen
vorliegen, soll kein solches Gewicht gelegt werden,
daß man um dieser Verschiedenheit willen die
Kirchengemeinschaft aufhöbe und daß einer dem
andern seine persönliche Ueberzeugung als zur
Seligkeit nothwendigen Glaubensartikel auf⸗
dringe.

Während nun aber nach den oben angefüͤhrten
Thatsachen es schien, als ob in dieser Behand⸗
lung der Verschiedenheit in diesen Lehren die
Synode von Buffalo mit uns einig wäre, hat
sich in neuerer Zeit das Verhältniß anders ge⸗
staltet. Es sind uns Aeußerungen, Reden und
Ausdrücke zugekommen, welche so stark und un⸗
christlich sind, daß wir sie kaum glauben können.
Damit daß das Ministerium von Buffalo Pa-
storen unserer Synode die Kanzel verbot, und
sich gegen uns solcher Ausdrücke bediente, wie:
„die Jowa'schen Brüder sind vom Bekenntniß,
vom Katechismus Luthers, von den hh. Sym-
bolen abgefallen, bringen eine neue sectirerische,
schwärmerische Lehre auf“ u. drgl. ist das bis⸗

herige freundschaftlichste Verhältniß getrübt
worden. Wir müssen ein solches Verhalten fuͤr

eine schwere Sünde erkennen und als solche
strafen; aber wir werden uns dadurch von un⸗
serm bisherigen freundschaftlichen Verhalten nicht
abbringen lassen. Wir erkennen nach wie vor
auch diejenigen, welche in diesen Stücken andre
Anschauung haben, als Glieder der luth. Kirche
an und wollen uns, so Gott will, auch von der
in Amerika so gewöhnlichen gehässigen, leiden⸗
schaftlichen Streitsucht und Polemik ferne halten,
durch welche die Gemeinde Gottes verwüstet,
viele treue christliche Seelen geärgert und Gottes
heil. Name geunehrt wird. Wir werden durch
Gottes Barmherzigkeit nach wie vor die oben dar—
gelegten Grundsaͤtze aufrecht erhalten. Wir wer⸗
den uns um deswillen auch von den Gemeinden der
Synode von Buffalo um des Friedens willen fern
halten. So wenig aber —6 wir es hindern.

——*

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5 * * 42 2—— +.—

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IU

können oder wollen, wenn von uns Gemeinden, einer Schlange. Die vermeintlich wohlmeinenden

welche der buffaloischen Richtung zugethan wären,
weg und zur Buffalosynode treten wollten, eben ·

sowenig können wir einer buffaloischen Gemeinde, da aber auch Autoritäten, wie Röhr und Bret⸗

welche unsere Richtung theilt und mit dieser
Richtung dort nicht geduldet wird, die Aufnahme
in unsere Synode verweigern, da ja einer Ge⸗
meinde das Recht freistehen muß, sich der Synode
anzuschließen, deren Richtung ihr die entspre⸗
chendste ist. Um deswillen halten wir es auch
für unsre Gewissenspflicht, der Gemeinde in To⸗
ledo, welche in solcher Lage war, zu willfahren
und ihr auf ihr Ansuchen hin den Eintritt in
unsere Synode zu gewähren.

Wir beklagen es, daß die Brüder der Buffalo⸗
synode von dem Weg der Duldung in den offenen
Fragen, den sie früher eingehalten, da sie diese
untergeordneten Verschiedenheiten trugen, abge⸗
wichen sind und den Kirchenfrieden stören ohne
Noth. Wir werden uns aber dadurch nicht ab⸗
halten lassen, den Weg des Friedens, den wir
bisher gegangen sind, noch ferner zu gehen. —
Der Zweck dieser Erklärung vor unsern Gemein⸗
den ist der, einmal eine klare Auseinandersetzung
des bestehenden Verhältnisses zu geben, und dann
durch diese Darlegung unsres Verhaltens einer
etwa möglicherweise einreißenden, gegen die Liebe
und den Frieden verstoßenden Gesinnung vorzu-
beugen. Mögen alle Glieder in unsern lieben Ge⸗
meinden dasselbe Verhalten des Friedens beobach⸗
ten, das nach unsererlleberzeugung das dem Herrn
gefällige ist, daß kein fremdes Feuer in unsern
Händen erfunden werde, keine menschliche, ver⸗
werfliche Leidenschaft in das Heiligthum Gottes
eingehe, und alle unsere Worte und Werke ge⸗
scheben im Hinblick auf den Richter aller Wel⸗
ten, und wir allewege als rechte Friedenskinder
erfunden werden.

Das Ministerium der evangl. luth. Synode
in Jowa.“

(Aus dem Freimund.)
Kirchliche Bewegung, Fortschritt und Hem⸗
mung in Sachsen.

Es erschien im Kirchenblatte vom Juni ein
Brief, welcher einem alten Freunde die kirch⸗
lichen Veränderungen seiner lange nicht wieder—
gesehenen Vaterstadt beschreibt. Was von dieser
Stadt gesagt ist, das kann auch von einer gro—
ßen Anzahl von Gemeinden, ja von ganzen
Strecken des Landes gelten. Es heißt da u. a.:
„Als dir vor nun bald zwanzig Jahren die Sonne
der Gerechtigkeit aufging und ihre hellen Strah⸗
len dein Herz erleuchteten und erwärmten, da
öffnete sich dein Mund, getrieben vom Feuer der

ersten Liebe zu einem freudigen Bekenntnisse vor

der Welt, deinen Vorgesetzten und Freunden.
Was hatte dies aber für eine Folge? Man sah
mit erstaunten Blicken auf dich als auf einen un-
sinnigen Schwärmer, man nannte dich einen stol⸗
zen Jüngling, der seine Lehrer und ihre Lehre
verachte, man hielt dich fur einen gefährlichen

6*

Freunde setzten alle Hebel in Bewegung, um dich
von deinen gefährlichen Irrthumern loszumachen;

schneider, nicht helfen wollten, stieß man dich wie
einen Lotterbuben hinaus, niemand wagte für
dich und deine Sache ein Wort zu sprechen ꝛc.
Obgleich alle auf denselben Glauben getauft wa⸗ ö
ren und bei der Confirmation dasselbe Bekeunt⸗
niß abgelegt hatten, zu dem du dich bekauntest,
so war es doch etwas unerhörtes, diesem Glau
ben nach zu leben ꝛc. Und wie steht es jetzt?
In den Schulen hat man die Lehrbucher von Din⸗
ter, Diesterweg, Tischer ꝛc. mit denen von Spe-
ner, Nissen u. a. vertauscht ic. Was man da—
mals verlachte und als abscheuliche Thorheit
verspottete, hört man jetzt in den öffeutlichen
Prüfungen wie unumstößliche Wahrheit tractiren
und derjenige Lehrer, der noch vor wenig Jahren
durch hämische Seitenhiebe gewisse Glaubens-
lehren, z. B. Erbsunde, Verdammniß, Hoͤllen⸗
fahrt Christi, Auferstehung des Fleisches u. s. w.
zu verdächtigen und lächerlich zu machen suchte,
bespricht jetzt diese Lehren mit seinen Kindern in
salbungsvoller Weise und wirklichem oder schein⸗
barem Ernste. In der Kirche ebenso. Gingen
wir sonst stundenweit, um eine christliche erbau⸗
liche Predigt zu hören, so kann man jetzt von je⸗
dem Candidaten eine biblisch gehaltene Predigt
vernehmen. Man stellt bei der Bergpredigt nicht
mehr unsern HErrn als Freund der Natur dar;
bei der Geschichte des cananäischen Weibes hört
man nicht mehr wie sonst die Macht der Mutter⸗
liebe hervorheben u. s. w., sondern jeder bemüht
sich augenscheinlich, die positiven Wahrheiten
unseres christlichen Lehrgebäudes möglichst in den
Vordergrund zu stellen (und segenkräftig anzu-
wenden). Buß⸗ und Glaubenspredigten gehören
nicht mehr zu den Seltenheiten unserer Tage;
im Gegentheil sind diejenigen sogar zu Ehren ge⸗
kommen, die den Weg Gottes recht lehren in
Aufrichtigkeit des Herzens, und manche Gemeinde
spart kein Opfer, um einen solchen Seelsorger zu
bekommen. Auch werden von Seiten der hohenBe—
hörden Männer nach dem Herzen Gottes in Un—
ternehmungen für Kirchenzucht und Ordnung
unterstützt, und bei feindlichen Angriffen geschützt.
Wagten wir früher bei uns nicht über die Mis⸗
sionspflicht zu sprechen, hörte man auf keiner
Kanzel nur eine hindentende Silbe in Bezug auf
Bekehrung von Nichtchristen, so sind heute bei
uns regelmäßige Missionsstunden festgesetzt und
jährliche Missionsfeste werden mit besonderen
Ceremonien abgehalten und zum Theil außeror⸗
deutlich besucht.“

Was dieser Freund dem Freunde von seiner
Vaterstadt schreibt, das könnte auch von mehre⸗
ren Landestheilen gesagt werden. Schreiber die⸗
ses hat z. B. zu seiner großen Frende auf einer
Reise in's Gebirge, wo es einst kirchlich so öde
und rauh war wie in der Natur, wo Gottes Wort
so theuer war, daß er unter den Geistlichen jener
Gegend fast dasselbe Schicksal hatte, wie Em—
pfänger obigen Briefes in seiner Vaterstadt, dies⸗

Zeloten, dessen Hirn mit Grundsätzen aus den mal ganz andere Erfahrungen machen durfen.

finstersten Zeiten früherer Jahrhunderte ange⸗

In einer Ephoralstadt hörte er am Sonntagabend

füllt —— und floh dich wie den giftigen Stachel von einer Missionsstunde, und als er sie besuchte,

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