Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 15, Nummer 21 › Seite 167

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Mai 1859, Seite 167

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hörte er auf der Kanzel die ganz ergreifende feu⸗
rige Ansprache des Superintendenten, der sich
jetzt des Evangelii von Christo nicht schämte,
dessen consequentes Bekenntniß er vor Jahren sehr
oft unerträglich gefunden hätte. In einem ge⸗
schichtlichen Altarvortrage eines andern, jüngern
Predigers sprüheten lauter zundende Feuerfun⸗
fen, und als er zum Gebete niederkniete, da
kniete die ganze, die Kirche bis in jeden Winkel
anfullende andächtige Verfammlung mit ihm nie⸗
der, und man fühlte sich von einem Geiste der
Andacht zum Throne Gottes emporgehoben. In
der großen Kirche einer benachbarten Stadt hatte
er am Vormittag eine volle Versammlung bei der
Predigt des jungen, entschieden kirchlich beken⸗
nenden Schuldirektors getroffen, eines von Har⸗
leß gebildeten Candidaten der Theologie, welcher
trotz seiner entschiedenen theologischen Haltung
der Liebling der Stadt geworden war. Wo wäre
es vor zehn Jahren erhört gewesen, daß eine
ganze Gemeine, die Nachmittags die Erntepre⸗
digt zu' besuchen vor hat, am Vormittag einer
lutherischen Bekenntnißpredigt eines so jungen
(wenn auch sehr begabten) Theologen nachginge?
Dasselbe fand ich in einer andern größern Stadt
des Gebirges, wo ein Prediger binnen wenigen
Jahren durch Gottes Gnade das Uebergewicht
des Rationalismus zu zerstören und das Evan⸗
gelium zur Macht zu erheben vermocht, äußere
und innere Mission zur Sache der Gemeine ge⸗
macht, ein Rettungshaus in der eigenen Pfarre
errichtet hatte, das die Gemeine als ihr Eigen⸗
thum ansehen lernte, obwohl es noch bedeutende
Unterstützung aus anderen Gegenden bekommt.
Dabei hatte freilich der zum Glauben erweckte
Justizamtmann nicht wenig mitgeholfen, aber
dieser Amtmann steht nicht allein; es sind in
Sachsen unter den Freunden und Bekennern der
Kirche mehr und mehr Juristen aufgetaucht, die
in ihrer Stellung als Laien gerade recht gesegnete
Zeugen des Evangeliums sein können. Der zu⸗
letzt erwaͤhnte Pfarrer hatte auch Gelegen heit ge⸗
habt, seine umwohnenden Amtsbrüder theilweise
auf eine bessere Theologie zu weisen, Lesevereine
waren errichtet, welche die besseren theologischen
Werke und Zeitschriften, die sonst unmöglich
waren, in Wirksamkeit setzten und in der vorer—
wähnten Ephoralstadt, wie um die selbe her, haben
sich Pastoralconferenzen und Lesekreise gebildet,
von denen kaum sonst die Rede sein konute; jetzt
stehen sie auf dem Grunde der kirchlichen Be—
kenntnisse, wie wenn sich das von selbst ver⸗
stände, und die ehrlichen Gebirger wie die an⸗
grenzenden Voigtländer, bei denen ähnliche Er—
scheinungen vorkommen, hören mit Freuden die
alten evangelischen Klänge aus den Zeiten der
Großväter, deren sie entwohnt waren und die
doch noch ihr Recht auf das Herz behaupten.
So hören die Bürger von R. im Voigtlande den
neuen Diaconus, gegen den einst der Stadtrath
protestirt hatte, in großer Zahl, und mit Freu⸗
den vernehmen sie die süßen Klänge des Evan⸗
geliums. Sein Vorgänger hat das Werk der
Mission, das er hier mit se hr gesegnetem Erfolge
angefangen hatte, mit sich in eine Gegend ge⸗
nommen, wo es noch wenig bekannt war; hier
nun in R. wird es mit reichem Segen von dem
Hagsebt, den man mit Widerwillen empfangen
hatte.

(Schluß folgt.)

Todesnachricht.

Am 10. d. Mientschlief nach längerem schmerz⸗
lichem Lungenleiden sanft und selig im HErrn
Herr Hasso von Wedell. Nachdem der selbe
5 Jahre lang unter schwierigen Verhältnissen in
großem Segen sein Amt als Lehrer der hiesigen
Gemeindeschule verwaltet hatte, mußte er vor
wenigen Monaten Krankheitshalber sein Amt
aufgeben. Er ging darauf zu seinem Freunde,
P. Daib, in der Nähe von Lancaster, O., ward
aber in seiner Hoffnung, dort Genesung zu finden,
getäuscht und kam vor wenigen Tagen hie her zu-
rüͤck, um der hiesigen Predigerconferenz beizuwoh⸗
nen. Durch Gottes wunderbare Führung sollte
er hier inmitten der Gemeinde, welcher er so auf⸗
opfernd und treu Jahre lang gedient hatte, sein
Leben beschließen.

Am 11J. Nachmittags fand die Beerdigung statt,
welcher der größte Theil der Gemeinde beiwohnte.
Abends hielt Herr P. Wichmann, welcher gerade
noch von der Conferenz hier anwesend war, sei⸗
nem alten, theueren Freunde die Gedächtniß⸗
predigt über Spr. 10, 7. „das Gedächtniß der
Gerechten bleibet im Segen.“

Cincinnati, O., den 12. Mai 1859.

Fr. König.

Zusatz zu den Worten: „Gedenket an eure
Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt
haben.“ Hebr. 13, 7.

hr lieben Leser des „Lutheraner“ habet durch

Feder des Herrn Professor Crämer kurzlich
eiibherzliche Erinnerung und Aufmunterung er⸗
halten, des theneren jetzt in großer Leibesschwäche
in Deutschland weilenden Pastor C. Röbbelen
mit aufrichtiger Dankbarkeit in euren Gebeten
zu gedenken und ihm die Füße zu waschen. Auch
ich, als der älteste Frennd, den unser Röbbelen
hier in Amerika hat, stimme so gern in diese Mah-
nung ein, verbinde aber damit die weitere Bitte,
noch einen andern, um uns alle hochverdienten
Diener der Kirche in eurer Fürbitte dem Herrn
vorzutragen und demselben Handreichung zu thun.
Ich meine den Pastor H. Fick, der in gleicher
Schwachheit, wie P. Röbbelen, sein Amt in
Amerika zeitweilig aufgeben mußte, um im
Schooße der Seinigen in Deutschland von Gott
die Genesung zu erwarten. Ich brauche euch
nicht daran zu erinnern, wie segensreich er in
dreien Gemeinden unserer Synode gewirkt hat,
wie seine Geistesprodukte in Prosa und Poesie
allezeit zu den lieblichsten Blumen im „Luthera⸗
ner“ gehörten, wie unentbehrlich uns seine Thä⸗
tigkeit in der Herausgabe der „Märtyrer der
evang. luth. Kirche,“ des „Gesang
und Saitenspiels aus dem Mi ssis⸗
sippithale,“ des köstlichen „Lutherbu⸗
ches“ und des kürzlich herausgegebenen und in
der ersten Lieferung bereits käuflichen edlen „Lu⸗
therliedes“ geworden ist. Auch brauche
ich hier nicht weiter auszuführen, welch heiligen
Eifer und umsichtige Weisheit er in der Begruͤn⸗
dung unserer Synode und in der Verfechtung
ihrer reinen erhre gegen die Widersacher in
Amerika und Deutschland bis in die letzten Tage
erwiesen hat; das alles lebt ja noch in euer aller
Gedächtniß. Nur die Sehnsucht möchte ich noch
vor euch allen aussprechen, daß er, wie der theure
Pastor Röbbelen mit neugewonnener Gesundheit
zu uns zurückkehren möchte. Lasset uns denn
freudig daran gehen, so viel an uns ist, alle
Hindernisse hinwegzuräumen, die ihrer Heimkehr
entgegenstehen. Welch ein großer Vorwurf
müßte uns treffen, wenn es später von uns hieße,

wir haͤtten unsere theuersten Freunde und Wohl⸗
thäter im Stiche gelassen, so daß sie um unserer
Vernachlässigung willen nicht hätten heimkehren
können. Darum lasset uns frisch daran sein und
von dem Unsrigen bald hertragen, auf daß den
beiden theuren Dienern Gottes kräftige Hand⸗
reichung geschehe, denn wer da weiß Gu⸗
tes zu thun und thut's nicht, dem
ists Sünde. Jacob. 4, 17.
Ferdinand Sievers.
Frankenlust den 10. Mai 1858.

Freundliche Bitte.

Weil wir die Erfahrung ein Paar Mal ge⸗
macht haben, daß einige von unseren Schwester⸗
synoden Norweger zu Predigern ordinirt haben,
die Gegenaltäre in unseren Gemeinden aufgerich⸗
tet haben, und theils zu dem heiligen Amte un⸗
tüchtig, theils ins Amt unrechter Weise gekom⸗
men sind — allerdings weil jene Synoden diese
Prediger⸗Subiecte nicht genug kannten —, so
wenden wir uns mit der bruͤderlichen Bitte an
die Lutherischen Synoden ungeänderter Augsbur⸗
gischer Confession in diesem Lande, daß sie doch
nicht in der Zukunft Prediger für unsere Lands⸗
leute ordiniren, sondern solche Candidaten an
uns weisen, indem wir in unserem großen Man⸗
gel an Predigern gar nicht solchen Personen die
Ordination verweigern wollen, wenn sie zum hei⸗
ligen Amte tüchtig und würdig sind. Sollte der
Fall jedoch vorkommen, daß eine Schwester⸗
synode es nöthig und zweckmäßig fände, eine solche
Ordination auszuführen, dann hoffen wir min⸗
destens, daß man doch erst bei uns Auskunft über
den betreffenden Candidaten einholen wolle!

Koskon ong, Wisconsin, den 17. May 1859.
Der Kirchenrath der Norwegisch-Evangelisch⸗

Lutherischen Synode von Wisconsin u. a. St.

A. C. Preus, N. Brandt, H. Preus,
Präses der Synode. Secretär.

Kirchliche Nachricht.

Am Sonntag Cantate wurde Herr Pastor J.
H. Ph. Gräbner, welcher den Beruf der Ge⸗
meinde in St. Charles, Mo., mit Einwilligung
seiner früheren Gemeinde in Roseville, Mich.,
angenommen hatte, in sein neues Amt, im Auf⸗
trag des Herrn Präses Schaller, von dem Unter⸗
zeichneten eingefuhrt. Die Gemeinde, welche
vom Herrn Prof. R. Lange gegründet und eine
Reihe von Jahren bedient worden war, hatte sich
sehr zahlreich und andächtig versammelt. An
400—500 Personen mögen gegenwärtig gewesen
sein. Man denkt daran, die schöne von Bruch⸗
steinen erbaute Kirche zu vergrößern. Ein großes
Arbeitsfeld ist dem lieben Bruder anvertraut wor⸗
den. Der HErr segne ihn, daß er recht Viele
zur Gerechtigkeit weise. J. F. Bünger.

Die Adresse des l. Bruders ist:

Rev. J. H. Ph. Graebner,
St. Charles, St. Charles Co., Mo.

Ouittung und Dank.

Für H. Brakesübler von dem verehrten Jungfrauen⸗
Verein der Dreieinigkeits⸗-Gem. des Hrn. Past.
Lindemann zu Cleveland,

„ denselben vom Jünglings⸗-Verein ebendaselbst.
„„ F. W. Oestermeier vom Frauen⸗Verein der St.
Johannes-Gem. in Lawport, Ja., drei Hemden,
ein Paar Hosen und ein Paar Strümpfe.
un Rest Schmidt von der Gem. des Hrn. Past.
Eisingngk+ taeeaeaeen.
„Friedrich Döscher von einem Ungen. der Gem.
des Hrn. Past. Stürken zum Ankauf der Werke
Luthers, Erlanger Ausg. 525; von einem Andern
daselbst 81,15; von noch einem Andern 81,35;
endlich von einem Ungenannten daselbst eine neue
Hose. Aus derselben Gem. von Hrn. H. Pott⸗
bof 51; von Hrn. K. Klincksick 83; von Hrn.
M. Daiter 81.500h0᷑́Wᷣ0᷑ö᷑)ᷓö 33,00

. 22 *

3,25
2,55

9j7⁵

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